Teilreparatur der Fachwerkaußenbalken

13.05.2008



Liebe Benutzer dieses Forums,

seit vier Monaten nenne ich ein ca. 350 Jahre altes Fachwerkhaus unser Eigen. Dieses ist nicht denkmalgeschützt. Da wir das Haus bereits seit ca. 9 Jahren als Mieter bewohnt haben, sind die reparaturbedürftigen Bereiche bekannt. Hier liegt auch der Grund meines Beitrages in der Hoffnung, daß hiermit nicht bereits behandelte Themen wiederholt werden. Hierzu gehört insbesondere eine von außen sichbar durch Feuchtigkeit beschädigte Eichenschwelle an der Ostwand des Gebäudes. Sie ist ca. 4,50 Meter lang und dient als Hauptstütze für vier Pfosten. Diese tragen wiederum das Rähm.

Nach Begutachtung von einigen Zimmermännern, bieten sich folgende Vorgehensweisen an: a. Austausch der Schwelle an einem Stück oder in zwei Hälften, wobei hier die Verbindung der zwei Teilstücke durch eine Hakenfalzüberblattung hergestellt werden soll und b. Entfernung des "schlechten" Oberflächenmaterials der Schwelle und Verblendung dieser und auch der restlichen Hölzer der Wand durch modernes, auf 17% getrocknetes Holz. Gleichzeitig sollen die Gefache mit Gasbausteinen bzw. Y-tong Blöcken gefüllt, Styropor verblendet und anschließend verputzt werden. Wohlgemerkt, die Variante b. schlägt ein erfahrener Zimmermann vor.

Ich gehe davon aus, daß ich richtig liege, wenn ich mich für einen Austausch der Eichenschwelle entscheide, die Gefache anschließend mit Leichtlehmsteinen auskleide und mit geeignetem Mörtel verputze. Dabei erscheint mir der Vorschlag des Zimmermanns als sinnvoll, der die Schwelle zweiteilig entfernen und anschließend ersetzen möchte. Dadurch sei ein zusätzliches Abstützen der Hauswand am Rähm nicht erforderlich, die Statik der Wand würde in keinster Weise leiden. Als Hinweis: Die Höhe der Wandfläche zwischen Schwelle und Deckenbalken beträgt ca. 2,30 Meter.

Kann ich der Aussage dieses Handwerkers folgen oder ist immer der Rat eines Statiker einzuholen? Liege ich richtig, was den Neuaufbau der Gefache und der genannten Materialien angeht oder ist eventuell doch die Vorgehensweise nach Variante a. ein gangbarer Weg? Ich muß gestehen, daß nach der Lektüre des Buches von Wolfgang Lenze "Fachwerkhäuser restaurueren - sanieren - modernisieren", diese Möglichkeit ich nicht in die nähere Auswahl nehmen möchte.

Für den einen oder anderen Hinweis aus Ihren Reihen bin ich danbar.

Beste Grüße
Johannes



Teilreparatur der Fachwerkaußenbalken



Hallo Herr Siomos,

Nachdem Sie ja die Lektüre von Herrn Lenze gelesen haben (aus meiner Sicht eine ganz Hervorragende) und sich sicher auch schon etwas hier im Forum "umgesehen" haben, kann die Entscheidung eigentlich nur auf Variante "a" hinauslaufen.

Wobei ich persönlich die Variante des kompletten Schwellentausches (also nicht in zwei Teilen) vorziehen würde.
Die Schwelle in zwei Teilen auszutauschen ist aus meiner Sicht dann gerechtfertigt, wenn z.B. kein Material "greifbar" ist, welches die nötige Länge hat.
Ein Schwellbalken von 4,5 m Länge sollte da wirklich kein Problem darstellen.
Eine Verbindung, so gut sie auch gemacht ist, stellt ja immerhin eine "Unterbrechung" des Verbundes dar. Auch wenn die Verbindung kraftschlüssig erstellt ist, bietet sie doch möglicherweise immer noch "Eintrittspforten" für Feuchtigkeit, Spritzwasser oder ähnliches.

Ich würde da durchaus den "Mehraufwand" des Abstützens vorziehen.

Auch ist aus meiner Sicht nicht unbedingt ein Statiker "Vonnöten" (die entsprechenden Fachleute hier mögen es mir verzeihen).
Ein Zimmermann der sein Handwerk versteht, sollte allemal dazu in der Lage sein, seinen Arbeitsplatz vorzubereiten.

Variante "b" ist aus meiner Sicht jenseits von "Gut und Böse" (Ich gehe davon aus, dass sie diese in Ihrem letzten Absatz meinten). Die Gründe werden Sie vermutlich schon kennen.
Erstaunlich, dass ein solcher Vorschlag von einem Zimmermann kommt.

Übrigens finde ich es schon fast verwunderlich, dass ein 350 Jahre altes Fachwerkhaus nicht vom Denkmalschutz "berührt" ist. In welcher Gegend steht das Haus??

Fröhliches Schaffen und eine erfolgreiche Sanierung.

Grüße
Martin Wittwar



Den erfahrenen



Zimmermann mit den Gasbetonsteinen und der Styroporgeschchte würde ich nicht beauftragen. Eine Verblendung der Schwelle kann dann funktionieren, wenn der Restquerschnitt an allen Stellen ausreichend ist und die Verbindungen zwischen dem restlichen Fachwerk und der Schwelle funktionieren. Aus meiner Sicht der Dinge ist dies jedoch nur sehr selten der Fall. Aus diesem Grunde wird es Sinn machen die Schwelle komplett oder in zwei Teilen zu ersetzen. Man kann ja vorher feststellen, in wieweit er zerstört ist. Was versteht man unter einem modernen Holz. Besteht das Fachwerk aus Eiche, sollte auch wieder Eiche gewählt werden. Am besten altes Eichenholz vielleicht aus einem Abbruch. Trocken muss es natürlich sein. Die Lehmgeschichten sind in Ordnung, aber man könnte noch einmal über eine zusätzliche Dämmung nachdenken. zum Lehm gibt es noch ein paar Leute im Forum, die dazu sicher noch einiges sagen können.
Tja, ich bin natürlich der Meinung, dass ein Statiker an die Baustelle gehört. Bei uns in NRW müssen solche Dinge rechnerisch dargestellt werden. Dies können viele Zimmerleute, wenigstens von den Grundzügen her, sie machen es aber nicht so gerne. Aus diesem Grunde werde ich dann auch oft nicht von den Bauleuten sondern von den Zimmerleuten hinzugezogen ;-))



Ja, ich bat...



...ja um "Verzeihung" und hoffe, dass mir diese auch gewährt wird ;-)).

Ich finde es halt immer etwas "sonderbar", dass für die Restauration einer Fachwerkwand die seit Jahrhunderten ihren Dienst getan hat, ein Fachmann gebraucht wird, um deren Tragfähigkeit zu berechnen und zu prüfen.
Vorausgesetzt die Querschnitte und Verbindungstechniken stimmen (und dass sollten sie wohl wenn man die jahrhunderte Erprobten wählt).

Ich weiß, wenn die baurechtlichen Vorgaben so sind, müssen sie auch eingehalten werden. "Sonderbar" hin oder her.


Also: bitte nicht "krumm" nehmen. Ist wahrscheinlich auch eher ein Thema für einen eigenen Thread.

Abendliche Grüße
Martin



Tue ich doch



gar nicht, unsere beiden Beiträge haben sich zeitlich übeschnitten. Also ich denke, jeder wird sehen müssen, wie er damit umgeht.



So ist...



...es halt mit dem "neumodischen Krams" ;-)
Forendiskussion in "Echtzeit".

Nicht´s für ungut ;-)))

Grüße
Martin



Gut, dass wir ihn haben



den neumodischen Kram, sonst hätten wir beide uns vermutlich nie zu einem solchen Thema auseinandergesetzt :-))



Wenn Sie den Lenze schon gelesen haben



sollte die Wahl der Variante doch klar sein. Das Variante "b" von einem Zimmermann kommt wundert mich im übrigen kaum. Wir haben zwischenzeitlich bereits drei Zimmerleute zur Besichtigung im Haus gehabt und bekamen durchaus ähnliche "Lösungen" für unsere Ständerwerke präsentiert. Die Bauherrschaft (also wir) wußte nach den Gesprächen vor lauter Teerpappe, Montagewinkeln, Bolzen, 1m tiefen Mauerankern, Quellmörtel und reichlich Beton/Zement jedenfalls nicht mehr, worin sie eigentlich wohnt. Vielleicht doch nicht in einem 140 Jahre alten Fachwerkhaus? Der Statiker hat übrigens gleich ins selbe Horn gepustet. Deshalb mein Rat an Sie: Suchen Sie sich Ihren Zimmermann peinlich genau aus. Der wird dann auch abschätzen können, ob Sie tatsächlich einen Statiker brauchen. Vielleicht klären Sie das auch vorher noch mit Ihrem Bauamt.
Gruß
Hecke