Ständerbau

29.03.2012



Warum wurden bei manchen Fachwerkhäusern die durchlaufenden Ständer auf den Sockel gestellt und die Schwelle dazwischen gesetzt?
Die allerersten Ständerbauten hatten ja gar keine Schwelle,wurde das einfach übernommen oder hatte das einen konstruktiven Sinn?
So mancher Ständerfuß hier wäre vielleicht noch in Ordnung wenn dieser auf dem Schwellenholz gestanden hätte.

Grüße Martin



Wohngebäude



Nun, die ersten Wohngebäude waren nichts anderes als ein paar Pfähle, die in die Erde gesteckt und mit Zweigen abgedeckt wurden. Das Wissen um die beste Bauweise entwickelte ich ebenso langsam wie die ganze Technik. Die Haltbarkeit mancher Bauteile soll unter 50 jahren gelegen haben. Noch im Mittelalter war es üblich, ohne Sockel zu bauen. Auch das hat man inzwischen abgestellt. Die "ersten" Fachwerkhäuser sind sicher ein Übergang vom Ständerbau zum heutigen Fachwerkhaus und Du wirst wohl keines mehr davon finden.



@olaf :*lacht*



"Das Wissen um die beste Bauweise entwickelte ich ebenso langsam wie die ganze Technik"

sehr schöne Fehlleistung !!
..und am neunten Tage erschuf Olaf das Fachwerkhaus 8:)

nix für ungut , danke für die Lachtränen
Jürgen Kube
FensterEcke Brüggemann + Kube
www.fensterecke-minden.de



das



war auch nicht anders gedacht !





Wissen aus erster Hand;-) Danke!

Bei meiner Hütte hier ist es so das alle durchlaufenden Ständer auf dem Sockel stehen,das Haus ist aber nur max.150 Jahre alt.
Beim Nachbarhaus ca.300 Jahre stehen die Ständer auf der Schwelle,hat die auch nicht gerettet.....
Ich hab eher den Eindruck das die Bauform kopiert wurde...hier gibt es auch mitten auf m Land auskragende Geschosse ohne enge Gassen und Strassen.

Grüße Martin





Wenn die Ständer auf einer Schwelle gestanden hätten und noch in Ordnung wären, wäre sicher jedoch die Schwelle im Eimer. Oder?

Selbst bei Fachwerk mit Schwelle sind nach dem Vergang der Selben die Ständer oft genug ebenso in Mitleidenschaft gezogen.

Fachwerk ist im/am Fachwerkhaus aus meiner Sicht ein Verschleißteil. Es kommt lediglich darauf an den "Verschleiß" durch geeignete Maßnahmen solange wie möglich hinaus zu zögern. Verhindern hingegen kann man ihn nicht.
Vielleicht eine etwas "pragmatische" Sichtweise, aber so sehe ich das.

Im Bezug auf den "Fachwerkverbund" hätte ich bei Fachwerk ohne Schwelle meine Bedenken. Da hört der Verbund unten eben auf, weil nicht da.

Intaktes Fachwerk mit Schwelle hat einen "Verbund".

Nur meine laienhafte Vorstellung zum Thema "mit oder ohne Schwelle" ;-)

Grüße
Martin



mal



jetzt im Ernst, Du legst ja auch nun erst den Zusammenhang und die Hintergründe Deiner Frage dar: da kann man wirklich nur vermuten, warum das bei Dir so ist (Foto wäre immer gut):
1. Schwelle war schon verfault und wurde rausgenommen - und die neue dazwischen gesetzt.
2. Baufirma/Bauherr wollte etwas neues ausprobieren.

üblich ist das zumindest in unserer gegend nicht. Eine Schwelle hält zumindest etwas länger, da das Hirnholz nicht unmittelbar auf den Steinen aufsitzt. ABER: ein gegenteiliger Versuch an gleicher Stelle mit gleichem Material wurde ja auch nie unternommen. Wir wissen also nicht wirklich, was länger gehalten hätte, so wie Martin W. richtig bemerkt.



Sorry



wollte hier kein Rätselraten starten!

@ Martin ,natürlich ist Fachwerk ein Verschleißteil,Fakt ist hier das die Ständer die auf dem Sockel stehen wesentlich geschädigter sind ,wie die ,die auf der Schwelle stehen,diese sind wenn oft verfault weil die Zapfenlöcher vollgelaufen sind.
Ich finde im Falle des Verschleisses ist es einfacher die Schwelle zu tauschen,wie den Ständer zu verlängern.

@Olaf die Konstruktion ist schon original und ich sehe das so auch nicht zum ersten mal!
Eine Erklärung für mich wäre das eine durchlaufende Schwelle teuerer und eine überblattung zu Arbeitsintnsiv war,aber das ist vermutung meinerseits.
Vielleicht ist es auch einfach nur regional bedingt,die Ständer sind übrigens mit Klammern and der Schwelle verknüpft.

Grüße Martin



Ständerbau



Wenn an einem Fachwerkhaus mal eine Schwelle fehlt oder ein Stiel mal auf einem Steinsockel steht dann ist das keine besondere Bauweise sondern einfach nur Not, Provisorium oder laienhafte Bastelei.
Natürlich gab es Ständerbauweisen die vor der Entwicklung des Fachwerkbaus und auch danach noch breite Anwendung fanden wie diese einfache Pfostenhütte.
Aus solchen steinzeitlichen Bauweisen entwickelte sich dann die Ständer- bzw. Geschoßbauweise die bis ins Mittelalter die Siedlungen Nordeuropas prägte. Abgelöst wurde sie dann von der einfacher zu handhabenden Fachwerkbauweise.

Viele Grüße



Ständerbauweise



Charakteristisch war der biegesteife Knoten, der es erst möglich machte die Ständer auf einen Stein o.ä. zu stellen statt sie als Pfosten im Boden einzuspannen. Dieses Ankerschloß, bei dem der Deckenbalken durch den Ständer "durchgeschossen" wurde und mit einem Blatt ausgesteift wurde kennzeichnet diese Bauweise.



im Museum gesehen



Hallo, ich hab erst am Wochenende so ein Haus in Bad Windsheim gesehen. Dort stand ein Haus aus der Uebergangszeit von Pfahlbau nach Steinfundament. Beim Pfahlbau waren die Pfaehle in der Erde fixiert, auf dem Fundament konnten sie seitlich verrutschen. Daher hat man Schwellen zwischen die Pfaehle gelegt um die Konstruktion zu fixieren. So stand es zumindest beschrieben.

Gruesse,
Stefan



Rheinland



Die rheinische Bauweise können die Experten aus den östlichen Gebieten auch nicht kennen. Hier wurde tatsächlich so gebaut. Warum konnte mir auch noch keiner beantworten.
Auch sind es eher neuzeitliche Häuser ab 1800. Mein Zimmermann aus Hessen hat auch ganz verdutzt geschaut.

Vielleicht gab es eine bestimmte Steuer oder Bauvorschrift ähnlich der Fenstergrößen?

Es gibt jedenfalls Literatur dazu, die ich auch schon einmal in der Hand hatte (Online), aber in keiner Bibliothek mehr gefunden habe.



auch schon gesehen



"...die Ständer sind übrigens mit Klammern and der Schwelle verknüpft."
Das paßt gut zu meiner Vermutung,die ich schon seit Lesen der Frage im Hinterkopf hatte.
Und Herr Böttcher hat es oben schon geschrieben:
"Wenn an einem Fachwerkhaus mal eine Schwelle fehlt oder ein Stiel mal auf einem Steinsockel steht dann ist das keine besondere Bauweise sondern einfach nur Not, Provisorium oder laienhafte Bastelei."
So auch meine Meinung. Ich sah schon oft Fachwerkwände,die mit einer Strebe und halbem Riegel begannen (zumindest ohne Ecksäule) oder Fensteröffnungen ohne Brüstungsriegel. Abhanden gekommene Schwellen gehören ebenfalls dazu.
Dies würde ich deshalb aber nicht als regionaltypisch bezeichnen,eher als Lösung das Fachwerk nicht reparieren zu können oder -wollen.
Im Fall "Ständer auf den Sockel gestellt und die Schwelle dazwischen gesetzt" kann man auch nicht von einer Schwelle sprechen. Das sind m.M. Füllhölzer,damit es nach der sog. Reparatur wenigstens optisch wieder ein Bild gibt.
Und falls diese Zwischenhölzer in die Säulen gezapft sind,könnte auch Jemand die (vergammelte) Schwelle und Säulen bis Unterkante Riegelkranz abgesägt und untermauert haben. An den Streben müßte man klar erkennen,wenn es so wäre.
Es gibt auch genügend Fälle,in denen der Anstreicher die Sünden des Mörtelflickers retuschiert hat...



Ständerbau



Ich denke schon das es eine Bauweise(keine besonders gute) und kein Provisorium darstellt,es betrifft nur durchlaufende Ständer,Tür ,Eckständer und Bundständer die alle innen angeschlossen sind über Bundwandschwelle und Riegel.

Angenommen die ursprüngliche Schwelle wurde getauscht,dann hätte diese vorher unter Oberkante Erdreich gelegen,die Schwelle hätte dann auch am ganzen Haus entfernt werden müssen,Sockelniveau ist überall gleich.

Ich vermute einfach eine "Billigbauweise" alle Aussenwände sind aus wiederverwendeten Balken gebaut,ausnahmslos,Innenwände,Deckenbalken,Dachkonstruktion aus Fichte,eine Arbeiterhütte für vier Familien.

Opderbecke beschreibt eine ähnliche Konstruktion in Der Zimmermann ,auf Seite 44.



Bundwandständer



die Zweite



Ständer



auf der Schwelle stehend und eingezapft



schon eigenartig



Danke für die Bilder!
Nun muß ich zugeben,etwas in der Art noch nie gesehen zu haben. Sieht allerdings alt und ursprünglich aus.
Bleibt noch die Frage,wieso verschiedene Ausführungen am gleichen Haus vorkommen? Wahrscheinlich werden die Antworten in dem Fall spekulativ bleiben.



man



könnte die Ständerlänge bei beiden Bauweisen vergleichen - ist das Maß bis OK Schwelle bei beiden gleich, dann könnte es die alte Bauweise sein, ist die Schwelle bei der "Klammerbauweise" weiter oben, deutet das auf ein alten Austausch hin. Die jetzigen Geländehöhen sind ohnehin nicht als Vergleich heranziehbar, eher die inneren Fußbodenhöhen.



Zeichnung



Ich versuch heut mal das ganze aufzumalen,dann wird es vielleicht klarer.

Grüße Martin



Schwellen oder nicht Schwellen



Ich halte die dazwischengesetzten Schwellen für eine Reparaturlösung. Der Sinn von Schwellen wurde schon sehr früh entdeckt. Es ist auch eine Hilfe beim Richten eines Fachwerkhauses. Mit dazwischengesteckten Stücken dauert das viel länger und ist um einiges unpräziser.
Es ist auch falsch die Schwellen mit Holznägeln zu verbinden, da dies eine unnötige Schwächung und ein Angriffspunkt für Wasser ist. Wenn Ihr Euch an alten Fachwerkbuden umschaut, findet Ihr fast nie welche in den Schwellen. Ich habe das bisher nur bei Fachwerkneubauten und -Reparaturen der ca. letzten 30? Jahre gesehen.
Herr Böttcher hat recht: bei der ursprünglichen Ständerbauweise wurde mit Kopfbändern ausgesteift. Wenn eine Strebe in eine dazwischengesetzte Schwelle läuft, funktioniert die Aussteifung nicht.



Schwellen oder nicht



Hallo Ralph ,der Ständer mit den beiden Holznägeln ,ist der einzige ,der Rest ist nur gezapft,wie gesagt alles Recycling hier,Loch und Nagellöcher waren wohl schon im Holz.

Foto war unglücklich gewählt...

Danke und Grüße Martin