Schwellbalken

18.01.2005



Hallo,

ich habe ein altes Fachwerhaus erworben (Bj um 1760) und nunmehr den Fußbodenaufbau entfernt. Danach musste ich nach erfolgtem Abbeilen feststellen, dass der Schwellbalken teilweise sehr stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Da der Schwellbalken in Teilbereichen noch voll aufliegt wollte ich über einen Längstschnitt eine Isolation (Dachpappe o.ä) zwischen Fundament (Sand oder Feldstein)und Schwellbalken bringen und die offenen Stellen mit Beton unetrfüttern.

Der Fußbodenaufbau soll offen gestaltet werden (grober Kies, Trockenschüttung und Schiefer als Isolation)und mit einer Dielung schwimmend verlegt abschließen.

Ist die Annahme vom mir "richtig" das mit dieser verfahrensweise ein komplettes wechseln des Schwellbalkens vermieden werden kann.

Für Hinweise danke ich schon im Voraus.

MfG
Olaf Becker



Nix genaues weiß man nicht....



Hallo Olaf Becker,
da fallen mir doch gleich mehrere Fragen und Hinweise auf. Also mal in Reihenfolge Deines Textes:
1. Was hast Du mit dem Abbeilen bezweckt? War es ein Insektenschaden, ein Insektenbefall oder Pilzschaden/-schaden? Waren da statisch belastete Hölzer dabei, die eventuell verstärkt oder ersetzt gehören?
2. Kannst Du den Kräfteverlauf im Fachwerk wirklich so einwandfrei beurteilen, dass Du weißt ob die geschädigten Schwellenstücke einfach ersatzlos entfallen können?
3. Eine Trennlage zwischen Fundament und Schwelle ist vom Ansatz her nicht falsch, aber wie bekommst Du das Fachwerk an den Stellen so entlastet, dass du die Trennlage einschieben kannst?
4. Beton hat als Abschluß für ein Feldsteinmauerwerk keinen ästhetischen und denkmalpflegerischen NennwertHier würde ich einen Trassmörtel für brauchbarer halten, aber das nur in Zusammenhang mit einer Gesamtlösung...
An Deiner Stelle, würde ich zuerst klären, welche Schädlinge hier ihr Machwerk vollzogen haben und wie die richtigen Bekämpfungsmaßnahmen (konstruktiv oder sogar chemisch) auszusehen haben, aber abgestimmt auf die einzelne Schädigungsart! Außerdem sollte vielleicht neben einem Holzschutz-Sachverständigen, wenigstens noch ein Statiker mal einen prüfenden Blick darauf werfen. Dies geht alles nur örtlich, ansonsten kannst Du hier noch lesene, lesen, lesen. Dieses Thema ist nämlich eigentlich schon häufig erörtert worden. Bitte nichts übereiltes anstellen, man kann in diesem Bereich mehr Fehler als richtige Lösungen ausführen!
Grüße aus Leipzig von
Marti Malangeri



Stimmt alles ...



... aber vielleicht noch eine kleine Ergänzung.
Die Isolation darf nicht über den Schwellbalken hinausragen. Ansonsten kann es passieren, dass Feuchtigkeit oder Nässe darauf verbleibt und den Balken durch Fäule gänzlich zerstört.
Ansonsten wurde von Martin alles gesagt!

Grüße aus Zella-Mehlis von

Günter Wilmanns





Hallo, Bilder der Istsituation wären nicht schlecht. Lässt sich so zielgerichteter Beurteilen.

viele Grüße
Michael Reisinger





Hallo,

erst einmal vielen Dank an das Forum zu der schnellen Reaktion und den hilfreichen Hinweisen.

Bezüglich der Schäden des Schwellbalkens sind diese m.E. nicht auf Schadinsektenbefall, sondern auf den vormaligen Fußbodenaufbau zurückzuführen.

Der vormalige Fußbodenaufbau bestand aus Erde. Hierauf war eine Sandstein/Kiesmischung aufgebracht mit aufgebauter Holzdielung. Diese war wiederum Luftdicht mit einem Kunsstoffbelag aus DDR-Zeiten "versiegelt". Die Folge war m.E., dass die im Erdreich befindliche Feuchtigkeit aufgestiegen ist und mangels entweichen den Schwellbalken geschädigt hat.

Das abbeilen hatte den Zweck, dass ich erstmal das Morsche bzw. nicht mehr brauchbare oder verfaulte Holz entfernt habe, um mir einen Überblick zu verschaffen, wie groß der tatsächliche Schaden ist. Das Ergebnis sah dann so aus, dass der Schwellbalken auf ca. 2/3 der Länge noch über eine volle oder nahezu volle Auflagefläche verfügt. Inbesondere bei den Stielen ist er noch weitestgehend in Ordnung.

Hinsichtlich der Entlastung würde ich diese durch Abstützen des jeweiligen Riegel von der Innenseite erreichen wollen (bei einer möglichen Herausnahme von Teilstücken 50 cm - 100 cm) und nach und nach ggf. eine Ausmauerung in Teilen vornehmen. Die Stiele sind insoweit noch i.O. und das Gefach ist mit Lehmwickeln verankert, so dass hier wohl nichts passieren dürfte ?

Bezüglich des Hinweises zur Statik des Verlaufs bedanke ich mich und werde das noch mal abklären.

Die Unsicherheit besteht bei mir darin, wie sich der Beton o.ä. in der Verbindung mit dem noch gesunden Holz verträgt und ob meine theoretische Betrachtungsweise praktikabel erscheint.

Vielen Dank für eure Mühe.

Olaf Becker



Nachschlag ...



... zum ersten Beitrag.
Die Annahme, dass die Feuchtigkeit den Schwellbalken geschädigt hat ist richtig. Diese Schädigung resultiert aus einer Fäule! Bei anhaltender Feuchtezufuhr geht die Zerstörung immer weiter. Die Gesamtsituation muß bewertet werden, ob künftige Feuchteeinträge ausgeschlossen werden (können).
Der Schwellbalken nimmt viele Kräfte und Lasten auf. Wenn er durch abbeilen geschwächt wurde muss eingeschätzt werden, ob er seiner Funktion noch ausreichend gerecht wird. Desweiteren sind in ihn die Stiele eingezapft. Er muss also garantieren, dass ein wegrutschen/-drücken oder ausweichen dieser Stiele und damit der gesamten Wand verhindert wird. Ein Fachwerk funktioniert nur in seiner Gesamtheit und kann nicht einfach verändert werden!
Es sollte überprüft werden, ob die Zapfen der Stiele noch intakt sind oder auch durch Fäule angegriffen wurden. Die Zapfenlöcher kann man entwässern.
Auszutauschende Teile des Schwellbalkens sollten Mindestlängen haben, damit die Stabilität gewährleistet bleibt und die neuen Verbindungen sind zimmermannsmäßig auszuführen.
"Mehr" fällt mir momentan nicht ein. Alles andere hat Martin schon dargelegt. Ich denke, es sollte ein Fachmann eingebunden werden, denn wenn in einigen Jahren der Schwellbalken infolge unsachgemäßer Sanierung seinen "Geist" aufgibt wird's teuer.

Schöne Grüße aus Zella-Mehlis von

Günter Wilmanns