Schwellbalken austauschen mit Stahlwinkeln?

15.02.2022 Kari


Ein fröhliches hallo in die Runde.
Bei unserem Haus müssen ca 6m Schwellbalken ausgetauscht werden. Jetzt habe ich ein Angebot bekommen in dem die Eichenholzbalken mit verzinkten Stahlwinkeln montiert werden sollen. Nun ist meine 1. Frage ob dies eine gängige und fachgerechte Reparatur des Ständerwerkes ist., oder ich mir lieber einen anderen Zimmermann suchen solllte.
Meine 2, Frage ist, ob ich für solch eine Reperatur einen Bauantrag stellen muss.
Schönen Dank im Voraus für eure/ Ihre Antworten.
Sonnige Grüße
Kari



Schwelle



Hallo und Willkommen,

zunächst die einfache Frage. Eien Schwelle verbaut man nicht mit Stahl- oder Blechwinkel, man zapft die Streben und Stiele fachgerecht ein.
Erstens sind die meisten Winkel nicht in der Lage alle Kräfte aufzunehmen die beim Arbeiten des Holzes und des Gebäudes entstehen. Zweitens sind die Winkel ein Kondensationspunkt und haben deswegen eine Begrenzte Lebensdauer. Ich will gar nicht auf die physikalischen Randbedingungen eingehen - Fakt ist aus unzähligen Rückbauten schadhafter Bereiche, dass man diese vermurksten Winkel nie intakt vorfindet. Sie sind verdreht, verrostet, die Schrauben abgerissen, an den Hölzern sind Schadstellen und die Stiele verformt. Eine dauerhafte Verbindung sieht anders aus.
Ich würde zunächst mit dem Zimmermann sprechen bevor ich ihn vom Hof jage - erstens ist es zur Zeit schwer an gute Zimmerleute zu kommen und manchmal gehen diese auch von Bauherren aus, die mehr Geld in den goldenen Wasserhahn stecken wollen als in eine fachgerechte dauerhafte Instandsetzung des Gebäudes. Deswegen und weil es schneller geht, bieten sie manchmal die "einfache" Lösung an. Aus der Haftung sind die sowieso raus bevor du wieder da dran mußt.

Die zweite Frage ist Baurecht und Baurecht ist Ländersache. Wenn ich von NRW ausgehe ist der Austausch einer Schwelle ein Eingriff in die Statik des Gebäudes und somit eine Baugenehmigung notwendig.
Aber ...!
Je nach Bauaufsicht reicht es diesen, eine entsprechende Bauanzeige zu machen und den auszuführenden Zimmermann anzugeben. Dieser sollte willens und in der Lage sein, eine statische Bestätigung der statischen Unbedenklichkeit der Instandsetzung abzugeben.
Meist reicht dafür ein Anruf bei der Bauaufsicht.

Frohes Schaffen - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land



verzinkte winkel/ schrauben ...Eichenholz



die Gerbsäure mit der Restfeuchte im Holz wird (wenn auch verzinkte schrauben verwendet werden ) diese binnen weniger Jahre wohl anfressen......es wird dunkle flecken geben ....u.s.w
will man dann die Schrauben austauschen Reißen die Höchstwahrscheinlich ab.


bei mir würde in Kombination mit Eichenholz nur Edelstahl zum Einsatz kommen

gruß



Zitat



@Thommes - Zitat"bei mir würde in Kombination mit EIchenholz nur Edelstahl zum Einsatz kommen"
Natürlich kann man Edelstahl mit Steg / Rippe nehmen. Dann muss ich aber auch für die entsprechenden Schwerlast Winkelverbinder die richtigen Edelstahl Kammnägel einsetzen. Am Ende habe ich doch damit nur die Frage der Korrision beseitigt und trotzdem schweineteure Verbinder mit großem Aufwand verbaut und immer noch einen Kondensationspunkt im Fachwerkgefüge erzeugt.
Ich kann nur sagen - weglassen und gleich richtig machen. Zitat Theodor W. Adorno „Es gibt kein Richtig im Falschen.“



ja, natürlich...



ist so eine arbeit mit winkeln nicht passend
es sollte fachgerecht gezapft sein........sollte trotzdem irgendwo Metall zum Einsatz kommen müssen würde ich halt Edelstahl nehmen.

gruß



Herzlichen Dank für die schnellen Antworten



ich habe mit dem Zimmermann gesprochen und er setzt die Balken jetzt mit Verzapfungen ein. Das wird zwar teurer, das ist es mir aber wert. Eine Baugenehmigung bräuchte ich nicht, meinte er.
Sonnige Grüße
Kari



Re: ja, natürlich



Zum Thema "fachgerecht": Ich habe kürzlich mit Schrecken lernen müssen (nach einem riesen Zoff mit einem Zimmerer), dass sogar das "stumpfe Zusammenspaxen" von Balken als "fachgerechter" Fachwerkbau gilt. Wobei nicht mal Tellerkopfschrauben verwendet werden müssen. Einfach je zwei lange Spaxe in den Gefachen schräg reingeschraubt, gilt als zulässig und "mängelfrei".......
So gesehen ist die o. g. "Blechwinkel-Version" eigentlich schon Hitec..... ;-)
Und ich darf mich dann mit den, mangels Zapfen garantiert windundichten Stoßfugen rumärgern......

Gruß,
KH



Verzapfen



Hallo zusammen,

passend zum Thema:

Ich hatte ein Gespräch mit einem Zimmermann der mit erklärt hat
die Verzapfung der Schwelle mit den Ständern sei nicht mehr Stand der Technik
da durch die relativ großen Zapfenlöcher die Gefahr groß ist, dass diese mit Wasser vollaufen. Er empfahl die "stumpfe" Ausführung, sprich Ständer stumpf auf Schwelle,
und dann von innen mit schräg eingeschlagenen Holznägeln sichern.
Wurde das schonmal bei jemanden von euch ebenso ausgeführt?
Gruß
Sebastian



Wasser in Zapfenlöcher



Der Zimmerer hat im Prinzip recht, gerade die Schwelle ist i. d. R. am meisten durch Schlagregen und/oder Spritzwasser gefährdet/belastet. Von daher ist hier die Gefahr am größten, dass Wasser bis in die Zapflöcher rinnen kann. Andererseits ist die Stoßfuge zwischen Schwelle und Ständer immer völlig geschlossen, da ja das ganze Gewicht des Fachwerks auf den Ständer lastet und diese dadurch immer fest aufstehen (sollten).
Wenn Wasser in die Zapflöcher gelangt, dann eher durch offene Anschlussfugen zwischen Ausfachung und Balken. Das ist aber ein Mangel der auf jeden Fall behoben werden muss, denn das eindringende Wasser zerstört mit der Zeit auch das Holz insgesamt und oft die Ausfachungen gleich mit.
So gesehen ist die traditionelle Zapfenverbindung auch an der Schwelle m. M. n. die einzig richtige Verbindungsart. Sie funktioniert ja auch an tausenden von Häusern seit Jahrhunderten problemlos.

Viele Zimmerer wollen von diesen traditionellen Verbindungen weg kommen, weil sie nicht so einfach und schnell zu machen sind als ein paar Blechwinkel anzuschrauben oder die Balken nur mit langen Schrauben/Holznägel zusammenzuschustern. Es ist eben so auch kostengünstiger.

Von der Innenseite eingeschlagene Holznägel habe ich noch nicht gesehen.
Wenn in einem Fw z. B. ein Ständer komplett ausgetauscht werden muss, schlagen manche Zimmerer seitlich, in den Gefachen, zwei Holznägel schräg durch den Ständer in die Schwelle, damit sie keinen "falschen Zapfen" (siehe: https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/16892$.cfm) oder Schleppschlitz herstellen müssen. Ein "Schleppschlitz" ist ein überlanger Schlitz, in den der Zapfen des Ständers von der Seite her eingeschwenkt/eingetaucht wird.

Gruß,
KH



Fachgerecht



Zum Thema "fachgerecht" ... als fachgerecht gilt, was dem Stand der Technik entspricht. In dem Bereich des Neubaues im Rahmen der Holzrahmenbauweise oder der Holzständerbauweise, ist die Anwendung mit Stahlwinkeln im Rahmen der Statik zu leisten. Hier habe ich aber auch durch die Anbringung von Verkleidungen und Dampfbremsen ganz andere bauphysikalische Bedingungen und durch die Statik andere Kräfte, die auf die Winkel einwirken.
Zurück zum Fachwerk ... Stand der Technik sind die WTA-Merkblätter des Bereiches 8 in der aktuellsten Fassung. Bei allen Fachwerkgebäuden, nicht nur bei denkmalgeschpützten Gebäuden. Und hier findet man den Satz ... Die Instandsetzung der Holzverbindungen sollte weitestgehend mit traditionellen Holzverbindungen erstellt werden (dann kommen eine Reihe Ausnahmen und Details).
Bei Zapfenlöchern in Schwellen auf Wetterseiten (Sichtfachwerk auf der Wetterseite sollte man eh vermeiden) kann man im übrigen mit einem Bohrloch hervorragend davor schützen, das das Zapfenloch voll läuft.

Hoch die Zimmermannskunst und nicht alle Ehr dem Blechschlosser - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land.