geigneter Unterbau für einen Eichenboden über Gewölbekeller




Ich darf in einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus einen Eichenboden einbauen (40 qm). Ein Baubiologe empfahl mir einen
"Blähtonbeton" direkt auf das Erdreich über dem Gewölbekeller
zu gießen. Ist "Blähtonbeton" kappilarbrechend? Wie stark ist er auszuführen? Was passiert mit der Feuchtigkeit die aus dem Keller hochsteigt? Folien und Dampfbremsen oder Dampfsperren kommen nicht in Frage.Wäre es sinnvoll unter dem Blähton eine Schicht aus Schotter einzubringen?

Wer weiß Bescheid?



Leichtbeton



Hallo Albrecht,
erst mal Vorsicht mit dem Begriff Blähton, es gibt verschiedene Materialien unter diesem Namen, die zum Teil als Betonzuschlag ungeeignet sind.
Das was der Baubiologe meinte ist haufwerksporiger Leichtbeton, bestehend aus Liapor der Körnung 8/16, Zement und Wasser. Am besten man bestellt sich so etwas beim nächsten Betonwerk, selber mischen geht aber auch.
Das Material ist nach dem Erhärten diffusionsoffen und kapillarbrechend. Vor Feuchte aus dem Keller brauchen Sie keine Bedenken haben, nur vor der warmen Raumluft, wenn sie in den Fußbodenaufbau gelangen kann.
Deshalb sollten Sie folgenderweise vorgehen:
Kappenoberseiten ausräumen, säubern. Falls der Zwickelbeton noch funktioniert, drinnenlassen.
Sonst neuen einbauen.
Dann auf die gesäuberte, angefeuchtete Fläche des Gewölberückens Liaporleichtbeton bis in Scheitelhöhe als Ausgleich einbauen,
nach dem Erhärten bzw. bei Begehbarkeit eine Sauberkeitsschicht (Zementmörtel MGIII) aufbringen, sauber abziehen,
nach Erhärtung Abdichtung einbauen (Schweißbahn),
Fußboden montieren.
Dazu empfehle ich Ihnen Stufenfalzplatten aus Weichholzfaser mit eingearbeiteter Traglattung; so werden Hohlräume unter der Dielung vermieden.
Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie unser Mitglied Thomas Böhme in Sachsen an, der kennt sich bestens mit solchen Aufbauten aus.

Viele Grüße



Darf ich mich mit einer Frage beteiligen!?



In den Anleitungen der Hersteller für Leichtbeton, weiss nicht mehr ob Thermozell oder Liapor wird angegeben, auf die Kappendecke eine PE Folie auszulegen und dann den Leichtbeton einzubringen, also keine Verbindung zwischen Kappe und L-Beton.
Sie Herr Böttcher empfehlen das Gegenteil. Was ist Ihre Begründung?

Wozu eine Abdichtung mit Schweissbahn über dem Keller? Bis jetzt hatte ich diversen Beiträgen entnommen, dass dies nur über Erdreich notwendig ist und über Kellern eine PE-Folie ausreicht.

Danke und Viele Grüße
Jörg



Fußbodenaufbau



Das mit der Folie mag so sein, wenn feuchteempfindliche Schüttungen eingebaut werden. Ich bin generell gegen Folie auf einer Gewölbekappe, sie stellt eine Gleitebene dar, die eine Übertragung von Schubkräften verhindert. Das kann von Bedeutung sein, wenn Bauherren aus Unkenntnis die Oberseiten des Gewölbes einschließlich des Zwickelbetons ausräumen.
Ich empfehle bei feuchteempfindlichen Dämmungen oder Schüttungen statt Folie deshalb mineralische Dichtschlämmen als Abdichtung. Die verhindert auch, das feuchteempfindliche Schüttungen die Bauteilfeuchte des Kellers als Gleichgewichtsfeuchte annehmen.
Was die eigentliche Abdichtung betrifft:
Das Gewölbemauerwerk liegt auf der kalten Seite, Kondensatausfall aus dem Keller ist nicht zu befürchten, wenn richtig gelüftet wird. Die hohe Bauteilfeuchte, die sich in einem klassischen Keller einstellt schadet einem gemauerten Gewölbe nicht. Kapillare Feuchte ist nicht zu erwarten, wozu also eine Abdichtung über der Gewölbeschale?
Über der Schüttung, also an der warmen Seite und unter dem Fußbodenaufbau sollte sehr wohl eine Abdichtung eingebaut werden, wenn man mit Holz als Bodenbelag arbeitet. Damit verhindere ich, das Holzbauteile die hohe Gleichgewichtsfeuchte der Kellerbauteile annehmen. Warme und feuchtere Innenluft wird daran gehindert, durch die diffusionsoffene Dämmung an die kälteren Bauteile zu gelangen. Die Feuchte in alten Fußbodenaufbauten kommt nicht von unten, sondern von oben, wenn eindringende Innenluft an kalten Bauteilen kondensiert.

Viele Grüße

p.s. Wenn Sie sich das nur schwer vorstellen können: Stellen Sie sich vor, die Kellerdecke würde um 90° nach oben gekippt werden und wäre eine (vor Regen geschützte)Außenwand!



Verstanden und noch eine Frage ;-)



Hallo Herr Böttcher,
Vielen Dank für die ausführliche und verständliche Erklärung!

Mir wurde folgender Aufbau über einem Gewölbe empfohlen (von unten nach oben).

Situation aktuell: Gewölbe mit Sand aufgefüllt, Lagerhölzer (Balken), Dielen und darauf PE Folie + Korkparkett.

geplant ist alles rausräumen (ob die Zwickel mit Beton ausgefüllt sind weiss ich nicht - ist das ein Muss?)
dann
- Leichtbeton, mind. 2/3 der Gewölbehöhe. Wenn genug Aufbauhöhe dann bis zum Scheitel.
- Styrodur, das maximal Mögliche bezgl. zur Verfügung stehender Aufbauhöhe Bodenbelag.
- PE-Folie bis Oberkante Endbelag (Anschluss an Horizontalsperre!?)
- Zementestrich oder Trockenestrichelemente
- Fertigparkett/Kork/etc.

Würden Sie hier noch eine Trennschicht zwischen LB und Styrodur empfehlen?

Vielen Dank und Grüßr
Jörg



Fußbodenaufbau



Der vorgeschlagene Aufbau ist so üblich und machbar.

Viele Grüße





Hallo
Was bitte ist denn Zwickelbeton?

Grüße
Albi



Fußbodenaufbau



Zwickelbeton nennt man eine Aussteifung aus Beton, die rechts und links über die Widerlagersteine auf den Gewölberücken bei einem Tonnen- oder Segmentgewölbe aufgebracht wird. Bei zu hoher und mittiger Belastung beginnt die Stützlinie hier auszuwandern; das Gewölbe würde nach oben ausknicken. Dieser Beton und die Schüttung wirkt dem entgegen.

Viele Grüße



Schweißbahn



Hallo Herr Bötcher
Vielen Dank erst mal für Ihre ausführlichen Kommentare.
Die Umfassungswände ( Sandstein) des Raumes über dem Gewölbekeller sind ca 60 cm stark, und werden innseitig mit 8 cm Klimasan verputzt.
Wie würde der Anschluss der von Ihnen beschriebenen Schweißbahn an den Klinasanputz aussehen.

Danke nochmals
Mfg
Albi



Fußbodenaufbau



Die Abdichtung bis an das Mauerwerk ziehen. Normalerweise wird dann die waagerechte Abdichtung mit der senkrechten Abdichtung verschweißt; die ist aber im Sandstein nicht vorhanden. Wenn es Quadermauerwerk ist, sollte man die Schweißbahn ein paar cm hochziehen und auf das Mauerwerk schweißen; damit ist der Fußbodenaufbau seitlich geschützt. Die Bahn sollte etwa in Höhe der Fußbodenoberfläche bzw. kurz darunter enden.
Falls das Mauerwerk aus Bruchstein und zu uneben ist, dann auf den Putz schweißen.

Viele Grüße



@ AHA



Hallo Albrecht,

folgendes gehört für manchen "Baubiologen" zum unverrückbaren Glaubenssatz:

"Folien und Dampfbremsen oder Dampfsperren kommen nicht in Frage"

Solche Pauschalverrisse sind immer höchst verdächtig, oder? Ich habe im Fußbodenbereich noch keine überzeugende Argumentation GEGEN eine Sperrschicht an der richtigen Stelle gehört, aber schon viele blauäuigig produzierte Bauschäden gesehen.

Den Leichtbeton sollten Sie sauber und waagerecht abziehen, eine gut abgeriebene und somit etwas verdichtete Oberfläche ist von Vorteil. Darauf dann eine Schweißbahn, an den Wänden bis UK Dielung hochgezogen.

Weiterer Aufbau dann je nach Aufbauhöhe, ich lege gern 2x25er DOSER DHD Holzweichfaserplatten überlappend zwischen 48mm hohe Lagerhölzer, darauf die Dielung verschraubt und geölt.

Grüße

Thomas



Hallo Thomas



Der Baubiologe hat sich über eine Sperrschicht gar nicht geäusert.Die Abneigung gegen Dampfbrems oder Sperrfolien kommt
von mir. Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass eine nur zehntel mm dünne Folie über Jahrzehnte den Gewalten der Physik
trotzen kann.Mit einer Bitumenschweißbahn die im Kühlen liegt und keine UV-Strahlung abbekommt hab ich überhaupt kein Problem.Die Quadersteine ( zum Glück ) werden vom Gipsputz befreit .Dann kann ich die Schweißbahn auch 5 cm über FFB an-
schweißen.Den Putz bis OK Leichtbeton ,dann den Unterboden und den FFB. Hab ich dass so richtig verstanden ?



Nochmal zum Zwickelbeton



Wo kommt denn der Begriff her?
Wie sieht denn ein guter Zwickelbeton aus bzw. woran erkenne ich dass er kaputt ist?
Auf der Scheitellinie des Gewölbes stehen zwei profilierte Eichpchepfosten.Ich nehme an dass diese auf einer Schwelle stehen, welche unter den Bodenbalken liegen, die den Fussboden tragen.Ich hab den alten Fussboden noch nicht ausgebaut. Auf welche Überraschungen muss ich mich einstellen ?
Könnte es zu statischen Problemen kommen durch einseitige Belastung?
Kann ich die Last der beiden Pfosten direkt auf der Gewölbekappe einleiten. ( extreme Punktlast) Oder besser mit einem Sohlholz auf den Leichtbeton gehen.
Fragen über Fragen.
Bin ja jetzt erst drei Tage dabei muss aber sagen dass mir dieses Forum echt Spaß macht.

Vielen Dank erstmal bis später
Albi



Kappengewölbe



Es gilt der Grundsatz:
Keine Punkt- oder Linienlasten im Bereich des Gewölbescheitels einleiten.

Ob das in jedem konkreten Fall zutrifft, muß man vor Ort prüfen. Auch wenn das Gewölbe solche Lasten weggesteckt hat, kann die zur Verfügung stehende Sicherheitsreserve dadurch aufgebraucht sein. Wenn man nicht weiß wie ein Gewölbe funktioniert, können dann bereits ein paar weitere kleine Veränderungen zum Versagen führen.
Rechnerische Nachweise zu führen traut sich im Prinzip kein Statiker, da die realen materialtechnischen Kennwerte alter Bruchsteingewölbe schwer zu definieren sind.
Was die Aussteifung am Widerlager betrifft:
Bei so einem alten Gewölbe kann die auch aufgemauert sein.
Wo der Begriff herkommt:
Ich bin kein Linguistiker.
Aber wir Maurer sprechen z.B. vom "auszwicken", wenn bei Bruchstein- oder Trockenmauerwerk die Hohlräume zwischen größeren Steinen mit Steinsplittern verkeilt werden. So kippeln die Blöcke nicht.

Viele Grüße



Fliesen auf leichtbetoniertem Gewöbe



Hallo,

dieser Beitrag ist interessant und passt auch zu meinem Anliegen:
Auf vorhandenem, bereits freigemachtem Gewölbe (rote Backsteine, gestützt auf Mauerwerk, Altbau) soll Leichtbeton aufgebracht werden. Auf dem getrockneten Leichtbeton sollen zum Schluss Fliesen verklebt werden.

Mir wurde folgende Konstruktion vorgeschlagen:
- Auf die Gewölbeform angepasste Armierung aufbringen
- Leichtbeton eingießen
- Nach Trocknung Grundieren etc. und Fliesen kleben
- Keine Feuchtigkeitssperren, da der Keller trocken ist.

Es wäre nett, Eure Meinungen bzw. Vorschläge zu hören.

Danke.

Peter





Passt der beschriebene Fußbodenaufbau auch wenn man ein Badezimmer über den Gewölbekeller hat? Inkl. freistehender Badewanne? Als Bodenbelag sollen auch Eichedielen verwendet werden.
Aktuell ist der Boden mit Sand verfüllt. ca. 5 cm über dem Scheitelpunkt. Höhe für den Fußbodenaufbau + 15 cm.

2 Alternativen wurde mir mal empfohlen. Lagerbalken in den Sand, darauf Fußbodenaufbau.
Eichedielen schwimmend verlegt auf einer Perlite Schüttung.





Weiterer Hinweis: Also in meinem Fall soll im beschriebenen Raum eine Küche installiert werden.

Peter



Kellergewölbe



Die Armierung ist überflüssig, wenn das Gewölbe in Ordnung ist.
Auf den Beton eine Abdichtung einbauen, vorzugsweise als mineralische Dichtschlämme.
Bei haufwerksporigem Beton vorher die Oberfläche mit Zementmörtel als Sauberkeitsschicht glätten.
Der Leichbeton allein reicht zur Wärmedämmung nicht aus.

Viele Grüße





Hallo Herr Böttcher,

Danke für die Hinweise.

Wäre das Aufbringen der mineralischen Dichtschlämme nur auf den getrockneten Leichtbeton oder auch (bzw. evntl. nur) auf das "nackte" Gewölbe vor dem Eingießen des Betons ratsam/notwendig?

Viele Grüße

Peter



Kellergewölbe



Woür wollen Sie eine Dichtschlämme auf die Gewölbeoberseite aufbringen?

Viele Grüße





Hallo,

zunächst besten Dank für die guten Beiträge und Tipps.
Am Wochenende hatte ich schon den ersten Werker im Haus und der gute Mann war der Meinung, dass Zement-Estrich mit einer Mischung von Perlit (Schüttung) das gleiche wäre wie Leichtbeton. Leichtbeton kenne ich aber anders. Was ist die Meinung von den Erfahrenen des Forums bzgl. "Zement-Estrich mit Perlit Mischung"? Ich will ja schließlich, dass mein Leichtbeton nach seiner Bindephase auch eine entsprechende Tragfähigkeit aufweist.

Danke und Grüße

Peter