Schwedenrot

03.08.2004



Hallo,

Hat jemand Erfahrung mit Falu Rödfärg auf alten Scheunenbalken?
Interessieren würde mich Verträglichkeit mit Altlasuren, Haltbarkeit, Schutz vor Schädlingsbefall, Verarbeitungstips..
Vielen Dank

Andrea



Google



Hallo,

habe den Begriff Falu Rödfärg mal bei Google eingegeben. Auf Anhieb über 600 deutschsprachige Hinweise. Auf den ersten 20 auch einige Tipps - auch zum Selber-Mischen.

Kann die Suchmaschine nur empfehlen.

Gruß aus BS



Gruppe der Schlämmfarben!



Tach,

Schwedenrot ist ein guter Anstrich für Holz im Außenbereich. Wer mal in Schweden und Norwegen war, kann es mit eigenen Augen sehen!Mein bester Freund(Tippelgesell) hat sich vor 12 Jahren ein Häusle gekauft, bzw. lebt seid her dort! Über 20 Jahre her, war der letzte Anstrich, an seinem Häusle!Auf unbehandeltem sägerauhen Holz hält er am besten. Ob Schwedenrot auf bereits behandelten, z.B. Lasuren andere Art, hält, kann ich nicht sagen! Kann aber sagen, das Schwedenrot die Struktur des Holzes erhält, er ist offenporig und läßt das Holz atmen!
Wichtig! Bei Anstrich auf Eiche kann es zu Ausblutungen von Gerbsäure kommen! Test machen!Ob Schwedenrot bei 'Schädlingsbefall' einen Schutz bietet, kann ich leider keine Aussage machen! Könnte aber, wenn Bedarf besteht, nach Smarland(sprich Zimmergesell in Schweden) Rauchzeichen senden!

Grüsse aus Berlin vom
Zimmergesell Michael



Schwedenrot



Hallo,

Schwedenrot kann auf allen saugfähigen Hölzern verarbeitet werden. Eine pauschale Antwort welcher Untergrund geeignet ist und welcher nicht, ist recht schwierig. Empfohlen wird Schwedenrot eigentlich ausschließlich auf unbehandelten, angewitterten oder bereits mir Schwedenrot behandelten Hölzern.
Ob auf Ihrem Altholz Schwedenrot verarbeitet werden kann läßt sich durch einen einfachen Test ermitteln. Machen Sie das Holz einfach mit naß. Nimmt das Holz die Feuchtigkeit auf, kann Schwedenrot gestrichen werden, perlt das Wasser ab ist Schwedenrot ein ungeeigneter Anstrich.
Ich hoffe das hat Ihnen weitergeholfen.
PS: Ich biete übrigens Original Schwedenrot an für 39,50€ der 12 Liter Eimer zzgl. Versand.



Leinölfinrnis



Hallo,

Vielen Dank für die Tips!!!!
Natürlich hatte ich auch gegoogelt, aber dort einiges widersprüchliches zur Faluner Farbe gelesen. So z.B. dass das ursprünglich in Schweden verwendete Rot aus Kopparberg gar nicht mit Leinöl vermischt war!!???

Welche Funktion hat denn nun das Öl in solchen Farben und was passiert denn wenn ich es weglasse (Man kann das Pulver ja zum selberanrühren kaufen, was ich für Kleinverbraucher sehr sinnvoll finde).

Auch las ich, daß früher in Deutschland ähnliche Erzfarben verwendet wurden. Gibt es die noch? Sind sie vergleichbar?

Was genau ist Ochsenblutfarbe? Ist da wirklich Häm der farbgebende Faktor oder heißt das nur so? Woher bekommt man das denn?

Leider ist auf den schwedischen (ja, det kan jag läser) Seiten zwar sehr viel Information, aber nie in Bezug auf Gebälk wie in unseren Fachwerkhäusern, sondern eben in Bezug auf deren typsiche Holzverkleidete Häuser.
Gerade deshalb würde es mich so interessieren ob schon jemand diese Farbe erfolgreich auf Fachwerk-Balken aufgetragen hat (das hat ja mit der Zeit auch Risse und Löcher). Alte Schwedische Balkenhäuser sind ja oft geteert!

Puh, mehr Fragen als zu Anfang :-O
Aber vielleicht gibt es noch mehr Antworten?? :o)

Die Sache mit der Wirkung von Kupfer auf Schädlinge würde mich auch sehr interessieren (Zimmermann in Smaaland?). Viele Organismen sind da empfindlicher als wir Menschen (ich kenne Kupfersulfat als Bakterienhemmer in Inkubatoren zur Zellkultur). Mit Insektenlarven, Algen und Schimmelpilzen kenne ich mich allerdings nicht aus.


Grüße

Andrea



Ein Kessel Buntes



Hallo,

zuertst mal ein kleiner Exkurs über Farben:
Farben bestehen aus Bindemitteln und Farb-Pigmenten.

Einfaches Beispiel: Kalk (Pigment) in Wasser (Bindemittel) lösen. Kalk kann aber auch Bindemittel sein.
Genauso lassen sich Pigmente auch in Keim/Kleister und in Öl binden.

Pigmente sind normalerweise „reinrassig“. Für rote Farbe (z.B. Ochsenblut) wird normalerweise Eisenoxid (Farbton Hämatit) verwendet. Das Pigment aus der Faluner Kupfergrube ist nun aber ein Gemisch verschiedener Pigmente (hauptsächlich Eisenoxid) mit mehreren anderen, natürlich vorkommenden Zusatzstoffen, u.a. Blei- und Zink-Verbindungen (giftige Schwermetalle).

Dieses Pigment ist nicht wasserlöslich, eine so hergestellte Farbe würde sich nach dem Trocknen sofort in alle Winde verflüchtigen.
Das Pigment in Leim/ Kleister gebunden ist kaum wetterbeständig - geht aber im Prinzip.
Eine daraus hergestellte Ölfarbe würde aufgrund der Feuchtigkeit des Holzes kaum haften und sich lösen.. Als Öl können diverse Sorten verwendet werden – nicht nur Leinöl, sondern auch Distelöl, Sonnenblume etc.

Nun kommen wir zu einem anderen Typ Farbe, die die bisher skizzierten Nachteile aufhebt – der Emulsion: Man braucht einen Emulgator, um Öl und Wasser zu verbinden. Diese Funktion übernimmt der aus Mehl hergestellte (verkochte) Kleister. Öl übernimmt die Schutzfuktion, das Pigment bestimmt den Farbton und Wasser ist das Lösungsmittel / Verdünner. Diese Farbe trocknet sowohl physikalisch (Verdunstung) als auch chemisch (Oxydation des Öls). Bleizusätze wirken hier als Sikkativ (trochnungsbeschleunigend).
Es gibt also viele Möglichkeiten, eine Farbe herzustellen. Ich hoffe, das reicht erst einmal in der gebotenen Kürze.

Diese Emulsion haftet nun aber nicht besonders gut auf glatten Flächen - deshalb wird sie auch vorrangig auf sägerauhen Brettern eingesetzt (Verbesserung der mechanischen Haftung).

Kupferverbindungen – vor allem Sulfate -sind in der Tat giftig, werden z.B. bei Bootslacken als Algenhemmer eingesetzt. Für das Schwedenrot gibt es leider keine Volldeklaration – die Chargen haben auch unterschiedliche Zusammensetzungen, wie das halt in der Natur so vorkommen kann. Ich vermute, daß es sich hier aber eher um das „harmlose“ CuO handelt und nicht um Kupfer-Schwefel-Verbindungen. Als chemischen Hölzschutz enthält Schedenrot ca. 2 % Eisenvitriol

Gruß aus BS



Rote Schädlinge



Liebe Andrea

Beim Holzschutz unterscheidet man bekämpfende und vorbeugende Mittel.

Zu den bekämpfenden Mitteln bei tierischen Befall ist Schwedenrot bestimmt nicht zu zählen, weil es dazu für die im Holzinneren fressenden Larven zugänglich sein müßte und dies ist bei einer oberflächlichen Beschichtung gewiss nicht der Fall.
Ähnliches gilt für den pflanzlichen Befall.

Als vorbeugendes Mittel gegen tierischen Befall scheint es mir gleichfalls nur bedingt geeignet, da die tiefen Ablageplätze der Eier in Spalten nicht erreicht werden.
Bleibt nur der vorbeugende Schutz gegen pflanzlichen Befall der in gewissen Maß bestimmt gegeben ist. Ob dieser allerdings bei einem Hausschwamm genügend Schutz bietet, wage ich zu bezweifeln.


Mit besten Grüßen


Lutz Parisek



@ Lutz Parisek,



Hallo Lutz,
sehe das sehr ähnlich.

Gruß aus BS
Bernd



Falu Rödfärg und Umwelt-Probleme



Hallo,

Da mich der Einsatz von Farbe persönlich interessiert, habe ich noch etwas weiter geggogelt.
Zuerst eine kleine Dreisatz-Berechnung:

- 1kg Farbe enthält ca. 18 % Pigment = 180 g
- 180 g Pigment enthält ca. 1,2 % Blei = 2,2 g

- 1kg Farbe reicht für ca. 3,5 qm
- Annahme von 100 qm Fläche für 1 Haus
- Bedarf: 100 / 3,5 = 29 kg Farbe
- 29 kg Farbe enthalten 29 x 2,2 g Blei = 63,8 g

Bei einer Lebensdauer eines Anstrichs von ca. 7 – 10 Jahren gibt ein derartiges Haus somit jährlich ca. 7,5 g Blei an die nähere Umgebung ab. Vordergründig mag das wenig erscheinen. Wenn man jedoch bedenkt, daß Blei bereits im µ-Bereich stark giftig wirkt, können einem schon Zweifel kommen. Ich bin jedoch weder Umwelt-Techniker noch Mediziner, um dieses Ergebnis seriös bewerten zu können. Vielleicht gibt es dazu im Forum aber noch andere Meinungen.

Kritische Stimmen zu diesem Thema sind bisher m.E. sehr dünn gesät. Vielleicht spielt hier aber auch in dem traditionell umweltbewußten Schweden eine emotional-traditionsbewußte Einstellung zu Ihrer „National-Farbe“ eine wichtige Rolle nach dem Verdrängungs-Prinzip. Motto: Das haben wir schon immer so gemacht!

Die Umgebung der seit 1992 geschlossenen Kupfergrube in Falun gilt als stark belastet (verseucht). Dazu noch eine kleine Auswahl der kritschen Anmerkungen:

Eine 2001 veröffentlichte Studie über Umweltbelastungen mit Schwermetallen in Stockholm (Sörme et al.) nennt ausdrücklich das traditionelle Schwedenrot als eine (Haupt-) Quelle für Blei-Belastungen.
Zitat:
„In a recently reported Swedish research program the flows of heavy metals in Stockholm were studied.
This program highlighted a few additional product types, such as balance weights for wheels, asphalt wear, brake linings and “Falu-Red”. The last one may be a typical Swedish product used to paint a lot of local houses red, but the others may also be significant in other parts of Europe. Several of these are giving considerable emissions, and the Dutch report may thus have underestimated some of the lead flows to the environment. The Swedish project identified ammunition and sinkers used for sport fishing as the major emission routes of lead in Stockholm.“

Ein schwedischer Hersteller von Holzhäusern (www.scandic-hus.de) nennt u.a. als Grund für seine ökologische Bauweise:
„Im Interesse der Wohngesundheit verzichten wir auf die berühmte Schwedenfarbe "Falu Röd". Denn diese Farbe ist umstritten, da Sie Schwermetalle enthält (insbesondere Cadmium und Blei). Unsere Häuser werden im Werk mit unbedenklichen Grundierungen versehen. Auf der Baustelle erhalten Sie einen doppelten Anstrich mit Leinölfarbe.“

Morgendlicher Gruß aus BS

Bernd



Nachschlag



Hatte noch eine Frage im obigen Beitrag übersehen:
„Welche Funktion hat denn nun das Öl in solchen Farben und was passiert denn wenn ich es weglasse (Man kann das Pulver ja zum selberanrühren kaufen, was ich für Kleinverbraucher sehr sinnvoll finde).“
Wenn man das Öl wegläßt, ensteht im Prinzip nur eine Leim-/Kleister-Farbe, die nicht wetterbeständig ist. Der nächste Regen macht das Werk zunichte. Im Innenbereich sind solche Farben aber durchaus einsetzbar.

Zum Fertigpulver:
Im Prinzip ist das eine Mischung aus Pigment und Kleister. Das muß man sich so ähnlich vorstellen, wie Tapetenkleister, den man als Pulver kauft und dann mit Wasser anrührt. Lt. Herstellerangaben muß der Mischung aber noch Leinölfirnis zugegeben werden.

Firnis ist ein schwammiger Begriff in der Farbenwelt. Grundsätzlich ist es ein Öl mit Zusätzen – hauptsächlich Sikkativen zur Verringerung der Trockenzeit. Als Sikkative werden hauptsächlich Blei-, Kobalt- und Zirkonium-Verbindungen eingesetzt.
Hier beginnt das Dilemma jetzt von vorn. Unseriöse Hersteller nennen nur den %-Anteil von Sikkativen, aber nicht die einzelnen Bestandteile. Ich ließ neulich von einem Verkäufer einer größeren Baumarktkette – aus reinem Interesse – im zuständigen Labor anrufen. Da stellte sich heraus, daß der Leinölfirnis (Hausmarke) nicht nur aus Leinöl besteht, sondern nur zum Teil. Des weiteren wurde noch organische Öle (Erdöl) zugesetzt. Trotz vorhandener Grob-Deklaration wurde sogar der Zusatz von Sikkativen geleugnet. Wahrscheinlich wußte aber die Laborratte nicht, was ein Sikkativ ist.

Auch bleifreie Leinöle sind immer ein Kompromiss, da u.U. in der Sikkativ-Mischung häufig noch Kobalt-Verbindungen zu finden sind.

Das bereits beim Original-Produkt vorhandene Blei-Problem kann dann also durch einen unbedachten Einsatz von Firnissen noch verschlimmert werden.
Gruß aus BS





Hallo,
Die Farbe Falu Rödfärg hält nur auf unbehandelte
Hölzer (nicht druckimprägniert) auch auf Holzlasuren ist
die Farbe ungeeignet.
Ich empfehle eine Leinölfarbe ( Wacopra von Silin)

Mit freundlichen Grüßen

Volkmar Kibbat Malermeister



Schweden-Rot auf Fachwerk , aussen - prima, bei uns hats gut geklappt



der Thread ist ja schon älter, aber ich dachte, ich füge hier mal meine Erfahrungen mit Schweden Rot Falu Rödfärg ein. Wir haben unser Fachwerk aussen damit gestrichen vor 1,5 jahren. Zwei Sommer und ein Winter- soweit alles bestens. Ob ich stark Umweltgift belastete Farbe erwischt habe, weiss ich nicht. Das Thema ist hier ja schon ausführlich im Forum diskutiert worden. Hab den Eimer über Ebay aus Schweden bezogen. Die Farbe ist sehr ergiebig, wird mit Wasser verdünnt und deckt bei nur einem Anstrich, jedenfalls bei uns, der Untergrund muss nicht vorbehandelt oder geschliffen werden (also - wir haben nix gemacht...). Wir hatten dabei diverse Holzuntergründe zu meistern: Altes unbehandeltes Holz: prima. Alter poröser verwaschener DDR Ochsenblutrot-Aussenanstrich: prima, Falu Rödfärg verträgt sich damit. Auf den mit neuem Eichenholz ausgebesserten Fachwerkstellen kommt allerdings die Gerbsäure dunkelfleckig durch. Gruss von den Taylors aus der Prignitz