(Haus)schwamm - das Aus für das Haus?

18.03.2011


Ich habe heute bitte wieder eine Frage an Euch.

Und zwar habe ich ja in unserem Bauernhaus beim Putz-entfernen unter dem Putz "Fäden" gefunden, die lt. einer kundigen Person vor Ort zwar eigentlich zu fein aussehen für einen Hausschwamm, aber um sicherzugehen müsste man diese analysieren lassen.

Jetzt ist es so das man zwar nirgends einen Fruchtkörper sieht, der Aussieht wie ein Hausschwamm. Bei der Balkendecke habe ich aber einen alten Wasserschaden (undichtes Dach seinerzeit, jetzt mind. schon 16 Jahren dicht) der aussieht wie ein Porenschwamm (u. dieser würde ja auch das Mauerwerk durchwachsen). Jetzt sind mir aber alte Fotos untergekommen auf dem man eine Balkendecke noch sieht, die es mittlerweile nicht mehr gibt und diese hat schon so gelb/orange/weißrandige Fruchtkörper (nach meinen bisherigen Informationen hat es bisher immer geheißen die Decke wäre damals nur rausgekommen, da diese zu nieder wäre...). Diese Decke befand sich im Holzriegelteil des Hauses, dieser ist jedoch aber nicht "befallen".

Lange Rede kurzer Sinn: für mich stellt sich nun die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht diese Fäden analysieren zu lassen, da dies ja mit mM nach sehr hohen Kosten verbunden ist (Pauschal für 2 Proben ca. 650 € wenn ich sie selbst verschicke, Begutachtung vor Ort mit ca. 9 Proben ca. 4.000€) und lt. telefonischer Aussage von dem Herrn dieser "Analysefirma" sagt ja keiner, das nicht einige Meter neben der Stelle wo ich die Probe entnehme, doch noch ein anderer Schwamm ist...

Für mich jedenfalls würde festehen, das ich bei einem echten Hausschwamm mit der Revitalisierung nicht weitermachen kann, da dadurch in Folge ja zusätzliche Kosten anfallen würden (Holztramdecken ersetzen durch Massivdecke, Wand abflämmen und mit "Holzzuschutz" behandeln, kein neues Holz verbauen u. ev. ist der Dachstuhl auch betroffen (bzw. die Balken die am Mauerwerk aufliegen), Keller?) und diese Zusatzkosten könnte ich nicht mehr abdecken. Zumal es ja keine Garantie gibt, dass es trotz sorgfältigster Arbeit, dann nicht mehr auftreten kann (da man ja das Holz nicht komplett weglassen kann/möchte). Und was bleibt dann noch vom ursprünglichen Haus übrig (außer die behandelten Außenmauern...)?



Wie sind da eure Erfahrungen? Ich wusste ja, das man vor Überraschungen bei einem Altbau nicht gefeit ist, und daher habe ich auch einen gewissen Rahmen einkalkuliert,aber das es so ein Fass ohne Boden sein kann??? Zumal ja der Umbau von einer sehr fachkundigen Firma begleitet wird/werden sollte (die jahrzehnte schon auf Revitalisierung alter Bauernhäuser spezialisiert ist und demensprechende Refernzen haben), diese aber auch nichts erkannt haben?

Vielen Dank schonmal für das durchlesen dieses doch längeren Textes, aber ich bin momentan doch sichtlich geknickt... :-(






Holen Sie sich einen sachkundigen für Holzschutz ran, der kann Ihnen das in der Regel vor Ort bestimmen.
Der hat dann auch das ganze Objekt im Blick und nicht nur einzelne Proben.
Die Kosten für einen solchen liegen etwa zwischen 60,- und 100,- Euro die Stunde.

Grüße aus Schönebeck



Danke für den Tipp



Vielen Dank für den Tipp, aber kann so jemand allein vom "anschauen" erkennen welcher Schwamm es tatsächlich ist?

Lt. meiner Info bisher ist das nur unter Mikroskop eindeutig möglich und würde daher dann die Preise wie oben geschrieben kosten :-(

Freue mich auf weitere Antworten





Ein sachkundiger für Holzschutz sollte das hin bekommen.
Er hat ja auch, anders als das Labor, das Schadensbild zu Beurteilung.

Im Labor kann halt nur das bestimmt werden was dort als Probe ankommt.


Grüße aus Schönebeck



ein



nicht sicher Erkennung ist, das der "faden" sehr stabil und mit "knack" reißt. Wie gesagt, nicht sicher! Nur ein Hinweis.



vielen Dank für den Hinweis!



Vielen Dank für den Hinweis!

Das heißt also, dass die "Fäden" relativ stabil sein müssten, dann wäre es ein Indiz dass es ein Hausschwamm ist? Also die Fäden sind sehr weich und auch leicht zu reißen, also wirklich ähnlich wie Spinnweben nur eben dichter... deshalb meinte auch der Herr der hier war, dass es ihm für einen echten Hausschwamm zu dünne Fäden wären.

Aber ich werde mal suchen wo es bei uns so einen Sachverständigen gibt...

Vielleicht haben ja noch weitere hier Tipps für mich?

Danke und ein schönes Wochenende



Moin,



frag doch mal den Kollegen Parisek:

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showMitglied/1064$.cfm

Vielleicht hat der ne Idee.

Gruss, Boris



Feine Stränge kein Ausschlusskriterium für Echten Hausschwamm



Je nachdem, wieviel Zeit der Echte Hausschwamm zum Wachsen hatte, sind die Stränge entsprechend dimensioniert. Anbei ein Foto vom Echten Hausschwamm mit sehr dünnen Strängen und wattigem Luftmycel (Maßstab fehlt leider im Bild). Derselbe Pilz wies einen Meter weiter aber bereits wesentlich dickere Stränge auf, die (im trockenen Zustand!) knackten.

Wenn bei weiteren Freilegungen kein eindeutiges Mycel gefunden wird, kann eine Mikroskopie oder PCR notwendig sein. Die Preise dafür sind offenbar sehr unterschiedlich. Für 650 EUR würden wir z.B. an 6 Proben eine PCR machen können, um den Echten Hausschwamm bestätigen oder ausschließen zu können. Mikroskopische Untersuchungen sind in der Regel noch günstiger.

Aber eine Laboranalyse kann nur ein Hilfsmittel bei der Untersuchung sein. Sie brauchen einen Fachkundigen vor Ort. Fragen Sie vielleicht zunächst mal bei der Holzforschung Austria an.

Gruß
Boris-A. Blenn

PS: Vielleicht stellen Sie auch mal ein paar Fotos rein. Evtl. auch einen Scan eines Ihrer alten Fotos mit den Fruchtkörpern.





Na da hängen doch ihre Fruchtkörper.



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Meinen Sie bei der Tramdecke die weißen "Flächen". Für mich (als Laie, aber auch für Zimmermeister+Baumeister die bisher hier waren)) sieht das aber nicht wie der Fruchtkörper einen echten Hausschwammes aus sondern, wenn ich andere Bilder vergleiche, noch am ehesten mit dem Porenschwamm?

Anders sehen aber die Fruchtkörper auf den alten Bildern aus (meinen Sie diese?)?



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Meinen Sie bei der Tramdecke die weißen "Flächen". Für mich (als Laie, aber auch für Zimmermeister+Baumeister die bisher hier waren)) sieht das aber nicht wie der Fruchtkörper einen echten Hausschwammes aus sondern, wenn ich andere Bilder vergleiche, noch am ehesten mit dem Porenschwamm?

Anders sehen aber die Fruchtkörper auf den alten Bildern aus (meinen Sie diese?)?





Auf den alten Bildern dürfte es sich um Fruchtkörper des EHS handeln.
Bei den weißen Flächen könnte es sich freilich auch um einen Porenschwamm handeln, es kann aber auch Oberflächenmycel des EHS sein.

Im übrigen kommt ein Pilz selten allein.

Grüße aus Schönebeck



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Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Struve!

Das gleiche hätte auch ich mit meiner wenigen Erfahrung aus meinen Internetrecherchen interprediert.

Mein Problem ist ja, das ich die alten Bilder vorher nicht kannte, und ich immer nur gehört hatte, das dort die Decke rausgenommen worden ist, weil durch den neuen Bodenaufbau diese zu niedrig geworden ist... jetzt hats mich beim Anblick dieser Bilder wahrlich aus den Latschen gekippt :-(

Aber warum geht der EHS dann nicht auch auf das Holz dass unmittelbar dort ist, wo er einst gewesen zu sein scheint (also auf den Holzblock/Dachstuhl, u. sogar das "frische" Holz das zwischenzeitlich dort verbaut war...)

Ratlose/Hoffnungslose Grüße aus dem sonnigen Österreich





>>>"Aber warum geht der EHS dann nicht auch auf das Holz dass unmittelbar dort ist"<<<

Der EHS wird, wie jeder andere Pilz, zuerst mal dort das Holz abbauen wo seine Lebensbedingungen dem Optimum am nächsten sind.
So wird man beispielsweise an Luftumspülten Holzkonstruktion eher selten einen EHS Befall finden weil der eben keine Zugluft mag.

Eine ganz andere Frage die sich mir stellt ist, ob Sie nicht eventuell arglistig getäuscht wurden.
Der Befall war dem Alteigentümer ja bekannt.

Grüße aus Schönebeck



Altbefall EHS



Das sind beinahe schon beängstigende Fotos.
Sicher ist, dass vor 16 Jahren in dem Raum ein großflächiger, aktiver Befall durch den Echten Hausschwamm vorhanden gewesen war.
Weiterhin scheint mir keine fachgerechte Sanierung durchgeführt worden zu sein. Die Möglichkeit, dass in den Nebenräumen ein anderer holzzerstörender Pilz Wände und Decken befallen hat, erscheint mir doch sehr gering. Weiße Porenschwämmen sollen laut Literatur zwar Mauerwerk durchwachsen können, ist mir aber noch nie in nennenswertem Umfang untergekommen. Ich habe auch noch nie Berichte gelesen, Fotos gesehen oder Gerüchte gehört, dass ein Weißer Porenschwamm Mauerwerk über eine größerer Distanz durchwachsen hat.

Das an dem neuem Holz kein Bewuchs zu sehen ist, kann mehrerlei Gründe haben. Z.B. kann die Holzfeuchte zu gering sein, um Wachstum zu ermöglichen. Die neuen Hölzer auf dem Foto sind luftumspült und werden daher an den Sichtflächen auch keinen Befall zeigen. Die holzzerstörenden Pilze wachsen nun mal gerne im Verborgenen, weil dort die größeren Materialfeuchten herrschen. Im ungedämmten Dachstuhl werden Sie den Echten Hausschwamm allenfalls in den Fußbereichen der Sparren finden, denn EHS ist sehr hitzeempfindlich.

Die Decke im Nachbarraum ist definitiv sanierungsbedürftig, gleich um welchen Pilz es sich handelt, denn:
1. Die Holzsubstanz ist offenkundig durch einen holzzerstörenden Pilz geschädigt, und
2. Sie haben aktuell in der Decke durch das eingedrungene Wasser alle Voraussetzungen für eine neuen EHS-Befall, entweder durch noch vorhandene Mycelien des Altbefalls, oder aber durch die Unzahl an Sporen, die vor 16 Jahren durch die Fruchtkörper fleißig ausgestoßen wurden.

Der Fachmann vor Ort wird sicherlich Zeit benötigen, um die Grenzen von Altbefall und möglichen Neubefall durch EHS festlegen zu können.

Der Trost zuletzt: es läßt sich auch mit dem Echten Hausschwamm leben, sofern er nichts zu trinken kriegt. Die Feuchtigkeitszufuhr - auch durch mögliche Havariefälle - sicher und dauerhaft zu unterbinden, kann aber problematisch sein. Über alles weitere wird Sie der Sachverständige aufklären.

Gruß
Boris Blenn

PS. Stellt sich zuletzt noch die Frage, wer die Fotos vor 16 Jahren gemacht und darüber Stillschweigen bewahren hat....

PPS: in der Beantwortung zweier Punkten war Oliver Struve offenbar schneller :-)





@Boris

Aber Du warst wesentlich ausführlicher ;-)

Grüße aus Schönebeck