Denkmalschutz ja oder nein?




Wir erwerben aktuell einen netten ehemaligen Vierseitenhof.
Bei der besichtung mit dem Zimmermann stellte sich heraus, das die Dachkonstruktion ziemlich selten ist, mind. 200 Jahre alt etc. Er ist der Meinung das das Haus aufgrund seiner Fachwerksbauweise usw. sofort Denkmalschutz bekommen würde. Die Frage die sich mir nun stellt ist eher: Ist es wirklich sinnvoll sich den Denkmalschutz ins Haus zu holen?
Geld gibt es eh kaum von dort und im großen und ganzen ist vom Denkmalschutz mehr Ärger und Bremsleistung zu erwaten als Hilfe.
Oder sollte man das haus sanieren, sicher entsprechnd seinen Eigenheiten (Lehmwände, Fachwerk etc.) und nach Abschluß den Denkmalschutz holen?



Mein Tipp....



Mein Tip wäre auf jeden Fall mit der Denkmalbehörde das Gespräch zu suchen und Ihr Problem zu schlidern.Wir sind kein Planungsbüro, das ist eine reine persönliche Meinung.

Freunliche Grüße Torsten Selle



Kann mich --



-- dem Hinweis von Meister Selle nur anschließen. Nehmen Sie Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde auf, um in Erfahrung zu bringen, ob der Hof oder Teile dessen unter
Denkmalschutz stehen. Auf keinen Fall einfach Baumaßnahmen
beginnen. Unter Umständen kann das für Sie fatale Folgen haben. Beispielsweise kann ein Rückbau angeordnet werden.
- Gruß aus Nordsachsen, A. Milling



Zweierlei



Zunächst einmal muss sicher sein, ob der Hof JETZT unter Denkmalschutz steht, oder nicht. Und wenn ja, weilche Teile. Das kann man einfach erfragen. Und dies gehört zu den Dingen, die man UNBEDINGT vor dem Kauf wissen sollte.

Wenn noch KEIN Denkmalschutz besteht, kann man natürlich Denkmalschutz beantragen. Das macht man in der Regel mit einem Fachmann/Gutachter, der sich damit auskennt.

Sinn macht dies vor allem, wenn man vor einer großen Renovierung steht und viel Geld in den Hof stecken will. Dann kann man die Kosten für die Renovierung nämlich fast vollständig abschreiben!

Negativ dabei ist natürlich, dass Du den Originalzustand erhalten musst. Wenn Du das aber sowieso willst, hast Du ja kein Problem damit.

Erst sanieren und dann Denkmalschutz ist das dümmste, was Du machen kannst.



Für den Kauf



kann ich Euch übrigens nur raten, mit einem Experten für alte Häuser eine Besichtigung vorzunehmen und ein Wertgutachten erstellen zu lassen, indem auch die Sanierungskosten aufgeführt sind. Eine solche Kostenaufstellung hat schon manchen Verkäufer bewogen, von seinen überzogenen Vorstellungen was den Kaufpreis angeht, Abstand zu nehmen. Außerdem kann man dann selbst mit einiger Sicherheit in die Finanzierung gehen.



aus eigener erfahrung



kann ich mich den beiträgen nur anschließen, insbesondere herrn mües. wenn man so ein Gebäude bestandserhaltend und sorgfältig sanieren möchte, ist von seiten des denkmalschutzes nichts zu befürchten, im gegenteil. die finanziellen vorteile sind bekannt (abschreibung).unbedingt fachleute hinzuziehen und die kosten ermitteln (und dabei bedenken: unverhofft kommt oft bei solchen objekten!).
gruß carmen riedl



gut



werde ich die guten leute mal mit einbeziehen und hoffen das die nicht allzuviel Ärger machen. Will ja sowieso den Originalzustand wieder haben und dann hoffe ich mal das wir nen vernünftigen Bearbeiter bekommen mit dem es Spass macht zu sanieren.

Und zu den Kosten und der Planung: das ist uns eh klar, haben bewußt ein altes nettes Häuschen gesucht, hat nicht umsonst ein reichliches Jahr gedauert.



Erstmal...



...den jetzigen Status herausfinden. Ist auch meine Meinung.
Und da ihr eh die Originalsubstanz des Hauses erhalten wollt, oder den Originalzustand wieder herstellen wollt, ist "Denkmalschutz" kein Makel, sondern kann euch auch dienlich sein.

Mal abgesehen vom eigentlichen Zweck der Unterschutzstellung. Nämlich den Erhalt alter Baussubstanz für die Nachwelt zu sichern.

Die "Finanziellen Vorteile" eines Denkmals sollten aber nicht dazu Verleiten eine Unterschutzstellung zu beantragen. Aus meiner (leidgeprüften) Sicht gibt es die nicht.
Zuschüsse werden nur in erkläglichem Maße fließen, und die steuerliche Abschreibung schmälert lediglich die Steuerlast die aufgrund des Hauses eh etwas höher ist.

Was Herr Mües schreibt ist gut und richtig! Bedenkt aber, dass eine fast vollständige Abschreibung (die aus meiner Sicht zu bezweifeln wäre) ein Jahrzehnt dauert.

Gruß
Martin



hi



Hallo!
Wir haben ja nun das 2. unter Denkmal-Schutz stehende Haus am Wickel.Beim ersten sind wir noch etwas "blauäugig" an die Sache heran gegangen - was ziemlich viel und wenn ich jetzt zurück blicke, auch meist unnötigen Stress mit den Behörden bedeutet hatte.
Jetzt beim 2. Haus haben wir vor Umbau die Denkmalschutz-Behörde vor Ort gebeten - somit konnten unsere Vorstellungen und deren Anforderungen an die Bausubstanz gleich gegenüber gestellt werden.
Ich muss sagen, es war ein gutes Miteinander und Gespräch und die Bauerei ging hinterher von dieser Seite problemlos, eben auch, weil wir das alte bewahren wollten.
Es sollten aber von der Bauherren-Seite klare Vorstellungen formuliert werden, wie man was Instandsetzen möchte. So reicht die Aussage "neue Fenster" nicht - da sollte dann schon gesagt werden: Holzart, Flächenaufteilung etc.

Viele Grüße
und viel Erfolg
Silke



Zuschüsse



Hallo Familie Krause,

da die öffentliche Hand beim Nehmen oft großzügiger umgeht als beim Geben würde ich von Seiten der Denkmalschutzbehörden nicht mit monetärer Unterstützung rechnen. Aus diesem Grunde führt der erste Weg (mit Planung & genauer Kostenschätzung) nicht zur Behörde, sondern zum Steuerberater, der die Absatzfähigkeit/Umlage der Kosten abschätzen kann. Zuschuss also anders herum. Das gibt einem dann eine Idee was möglich ist.

Zu einem gesunden Umgang mit der Denkmalbehörde gehört unbedingt ein frühzeitiges Einschalten, dann läuft alles weniger holprig. Ich habe da bisher durchweg gute Erfahrungen gemacht und eingentlich keine "Bremswirkung" feststellen können - eher im Gegenteil.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Wer hat schon ein Denkmal und normal bauen kann jeder.



Frühzeitig das Amt für Denkmalschutz ansprechen.

Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.
Sicherlich haben Die teilweise ganz eigene Ansichten (manchmal auch lebensfremd), aber meist war es einfacher als wir dachten.

Die Förderung für schon begonnene Bauprojekte kann nicht genehmigt werden.

Es gibt neben der Förderung des Amtes für Denkmalschutz eine weitere fördernde Behörde.
Auch das Amt für Agrarordnung fördert wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Die wichtigste Voraussetzung ist, steht der Hof im ländlichen Bereich (mehr als 50% der Gemeindefläche wird landwirtschaftlich genutzt)



Und noch ein Tip...



..da ihr aus Sachsen kommt und höchstwahrscheinlich aufs Land ziehen möchtet wären doch die Gelder/Förderung des Amtes für ländliche Entwicklung sehr von Interesse. Dabei ist es möglich bis zu 50% der Objektkosten(Sanierung)als nichtrückzahlbares Darlehn zu bekommen.
Hierbei ist es ebenfalls von Vorteil wenn das Haus,welches man erwirbt denkmalpflegerisch wertvoll eingeschätzt wird.