Schüttung oder Ausgleichsmasse auf alte Dielen

23.01.2022 Harzhof

Schüttung oder Ausgleichsmasse auf alte Dielen

Schönen Sonntag zusammen,

wir sanieren einen ca. 100-120 Jahre alten Fachwerk-Hof und beschäftigen uns gerade mit dem Bodenaufbau.
Aktuell liegen teils etwas ramponierte und mit roter Farbe gestrichene alte Dielen in den Zimmern (alles 1.OG). Wir haben uns gegen die Aufbereitung des Bodens entschieden und wollen einen Parkettboden verlegen. Wichtig ist uns dabei ein flacher Bodenaufbau um keine Höhe zu verlieren und keine Probleme mit den Türen zu bekommen.

Dabei haben wir zwei Ansätze und würden euch hier um eine Meinung und ggf. auch andere Alternative bitten:

1. Variante Ausgleichsmasse
Boden anschleifen + Grundierung auftragen
Armierung
Ausgleichsmasse (gibt es hier eine Herstellerempfehlung) ca. 5 - 10 mm
Trittschalldämmung 5mm
Parkett schwimmend Verlegen 14 mm

2. Variante Ausgleichsschüttung
Ausgleichschüttung trocken vom CEMWOOD 10 - 15 mm
Lastverteilung durch STEICOisorel Standard Holzfaserplatte 10 mm
Parkett schwimmend verlegen 14 mm
(Vorteil, Dielen werden nicht zerstört und können ggf. von der nächsten Generation genutzt werden)

Viele Grüße
Richard und Laura



Hallo,



Variante 2 funktioniert nicht. Entgegen den Aufbauempfehlungen von CEMWOOD habt Ihr die OSB - Platte weggelassen. Es würde, so wie beschrieben, ein aufwändig hergesteller Bauschaden.

Variante 1 funktioniert grundsätzlich, also, rein technisch betrachtet.

Aaaaber: Ferddischbargedd im Fachwerkhaus? Das erscheint mir wie ein gestalterischer Irrweg. Ihr inszeniert da völlig gegen die Bausubstanz. Die besten Variante wäre, die alte Dielung, wenn denn nicht erhaltenswert, durch eine neue Dielung in Raumlängen zu ersetzen.

Solltet Ihr das als zu aufwändig erachten, würde ich eher dazu raten, eine raumlange Dielung 20mm quer zum Bestand auf die alte Dielung zu schrauben. Wie groß sind denn die auszugleichenden Höhendifferenzen?

Grüße

Thomas

P.S. Immer wieder beeindruckend, wie dunkel und volltönig oft frühere Wandfarben waren.



Die alten Dielen sind doch superschön!



Noch dazu in beeindruckender Breite?! Oder erkenne ich das nicht richtig auf dem Foto. Wenn möglich würde ich ebenso die alten Dielen abschleifen....kostet kaum was und man kann es selber machen oder machen lassen. VIEL, viel schöner!



Na,



für "fast nichts" kommt Keiner schleifen. Jede Handwerksleistung hat Ihren Preis, und das Abschleifen alter Farb/Wachskrusten (leider wurden die Anstriche ja meistens mit Bohnerwachs gepflegt) ist aufwändig. Die vorliegende Breite von vielleicht 20cm ist denn ein zeitgemäßes und nicht besonders opulentes Format. In dieser Zeit waren die Dielen oft ziemlich dünn. Sind sie dann auch noch stärker geschüsselt, ist das Schleifen eben doch nicht die beste Option, weil die Nutwangen so geschwächt werden können, daß sie brechen könnten.

Grüße

Thomas



Danke



für eure Antworten.
Wir haben sehr lange überlegt und natürlich ist das Aufarbeiten ein ganzes Stück günstiger (die Hälfte nach unserer Rechnung) - allerdings würden wir uns dies auch nicht selbst zutrauen / selbst machen wollen. Am Ende haben wir einfach Lust auf einen neuen und schönen Boden, möchten aber wenn möglich der nächsten (oder übernächsten) Generation nicht die Chance verbauen es anders zu machen.

zu Variante 2. hier hatte ich gedacht die Holzfaserplatte reicht für die Lastverteilung aber eine dünne OSB Platte wäre sicher auch noch drin möglich.

Hat noch jemand eine andere Idee mit geringer Aufbauhöhee?



Moin



Moin, wie hoch sind denn die Türen? Willst du die höher setzen? Kürzen?
Ist das dunkle da an der Wand Schimmel?



Moin



Die Türen wurden leider vom Vorbesitzer zum großen Teil rausgerissen und wir werden Sie mit neuen zargen ein Stück hochsetzen. Das Dunkle an der Wand ist Farbe.



Ok



Alles klar. Schick doch mal Fotos von den schlechten Stellen. Ich würde immer versuchen, das bestehende zu retten. Ich habe in zwei Raumecken sogar je 1 m2 Dielen begeflickt mit neuen Dielen. Kommt halt drauf an, ob man das historische schätzt und mag, oder ob man Fenstern/Böden/Innentüren auf den Müll wirft. Bei euch hat der Vorgänger ja bereits unwiederbringliche Tatsachen geschaffen. Um eure Fenster wäre es auch schade, wenn die in den Container fliegen.



Ist nicht böse gemeint



Ist nicht böse gemeint, hab mir euer Profil durchgelesen. Find ich gut.



Die Holzfaserplatte...



...reicht definitiv nicht. Ich würde auch wenigstens eine 22er OSB zusätzlich wählen, unbedingt verklebt in Nut und Feder.

Der Dielenaufbau sähe so aus, daß auf die Altdielung eine 2mm - Rollkorkmatte kommt, darauf werden die Dielen geschraubt. Nicht völlig entkoppelt, aber eine Verbesserung. Trittschalldämmung wird im EFH oft überbewertet.

Der Gedanke mit den nächsten Generationen ist hier wohl etwas überzogen. Entweder die alten Dielen sind ok. Dann ist das Abschleifen schon für diese Generation die bessere Lösung. Oder sie taugen nur noch als Tragschicht. In disem Falle wird man die Altdielung auch später nicht freilegen.

Grüße

Thomas



Antwort vom CEMWOOD



Eine Aufbereitung wäre in den meisten Räumen möglich, jedoch sind an einer solchen Entscheidung ja immer mehrere Personen beteiligt und hier ist der klare Standpunkt, dass es künftig Parkett werden soll.

Ich habe diesen Aufbau jetzt mal an CEMWOOD geschickt und die Antwort hat mich jetzt doch etwas überrascht:
1. Ausgleichschüttung trocken vom CEMWOOD 10 - 15 mm
2. Lastverteilung durch STEICOisorel Standard Holzfaserplatte 10 mm
3. Parkett schwimmend verlegen 14 mm

Zu Ihrer Frage möchten wir Ihnen mitteilen, dass die von Ihnen beschriebene Aufbauabfolge in dieser Form von uns bestätigt werden kann.
Ein solcher Aufbau ist aus mechanischer Sicht aufgrund der hohen Kompressionsstabilität von CEMWOOD und in Verbindung mit einer druckfesten Holzweichfaserabdecklage (hier als 10mm-DEO mit DS(10) =100kPa)
bis zu einer Schichtdicke des CEMWOOD-Schüttungsplanums von 30mm funktional darstellbar.

Ergänzend möchten wir hierzu noch anmerken, dass, nur wenn die vorhandene Dielung fehlstellenfrei geschlossen ist, auf einen Rieselschutz verzichtet werden kann. Als allgemein geeignete Schüttung kann CW1000 genannt werden.
Falls jedoch flächenhaft Bereiche gegeben sein sollten, die 10mm merklich unterschreiten, ist aus verarbeitungstechnischen Gründen der Einbau von CEMWOOD CW020 (bis 20mm) zu präferieren.



Das würde ich so...



...nicht ausführen. Egal, was CEMWOOD so schreibt. Die Steico liegt einfach stumpf nebeneinander, das wäre mir zu riskant.



Danke



für die Antworten und die super Expertise. Das Forum ist toll und hilft uns gerade einfach sehr dolle.

Die Dielen bleiben und werden aufgearbeitet??.

Habt ihr einen Tipp wie wir den Boden während der Bauphase gut schützen können? Die Abdeckung sollte Atmungsaktiv sein oder?

Gerne kann ein Moderator die Nachricht von Schönfelder löschen.



Wie Boden schützen



"Habt ihr einen Tipp wie wir den Boden während der Bauphase gut schützen können?"

Wenn ihr noch Verputzen und/oder sonstwie viel mit Wasser machen müsst, meine Empfehlung: Den Boden komplett mit Tetrapak (Milchtütenpapier) zu Kleben (die einzelnen Bahnen miteinander und die Ränder) und darauf entweder OSB-Platten oder Bautenschutzmatten (= dicke Gummimatten aus recycelten Autoreifen) als mechanischen Schutz auslegen. Der Boden sollte nur nicht monatelang so "hermetisch" abgedeckt bleiben. 2 -3 Wochen haben auf meinen Baustellen bisher noch keinem Boden geschadet.

Gruß,
KH

PS: "Gerne kann ein Moderator die Nachricht von Schönfelder löschen."
Kurze Mail an info@fachwerk.de, mit Link zu dem Beitrag, hilft i. d. R. schnell.



Bei mir...



hat sich Hartfaserplatte 3mm verklebt am besten bewährt. Kostet nicht die Welt und puffert auch "Einschläge" ab.

War da wieder eine Nachricht von der fäkalen Elke? Hab' ich glatt verpasst.

Grüße

Thomas



Ah, die Elke ist also schon bekannt....



Von der Milchtütenpappe habe ich bereits gelesen, aber diese passt bei uns nicht so gut. Da wir nur einen Teil über Firmen machen und dazu gerade von den Lieferzeiten erschlagen werden, gehe ich von mind. 3 Monaten Abdeckung aus.

Bei der Milchtütenpappe hätte ich Angst, dass wir bei der langen Zeit das Holz schädigen - wirkt ja wie eine Dampsperre oder?
Gibt es einen Tipp wo man die Hartfaserplatten zu einen fairen Preis bekommt?

Idee wär sonst eine dicke Rohfilzpappe vollflächig + Milchpappe auf den Laufwegen + Platten an den Rändern.



Das Thema



...stellt sich so nicht, da die Böden nicht überm Erdreich oder anderen nachhaltigen Feuchtequellen liegen. Ich würde vollflächig verlegen und mit gewebearmiertem Klebeband in den Fugen verkleben.

Hartfaserplatten gibt's im Baustoff- /Holzhandel. Maße sind üblicherweise 2,50 x 1,25m. Menge ermitteln, Preise anfragen. Generell "faire" Preise gibt es nirgendwo, die kalkulieren alle momentan auf kurze Sicht. Rund 3,50€ brutto wird der qm kosten.

Viel Erfolg

Thomas