Schreibtisch aufmöbeln

26.01.2014 Ruedi



Hallo erstmal!

Ich möchte meinen alten Schreibtisch etwas aufmöbeln. Er hat schon so einiges mitgemacht während meines Studiums.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich da jetzt am besten rangehen soll. Ich denke das Holz ist funiert. Ich habe mal ein paar Bilder gemacht:
https://www.dropbox.com/s/4bvow4wknlma0wg/2014-01-26%2020.23.22.jpg
https://www.dropbox.com/s/skqss8sscq24cwg/2014-01-26%2020.22.21.jpg
https://www.dropbox.com/s/0j2yqzoc0yy00af/2014-01-26%2020.24.31.jpg
Kann mir vielleicht jemand sagen, wie ich vorgehen könnte?

Viele Grüße und einen schönen Abend

Rüdi



Filmtipp



Am besten mal einem Fachmann über die Schulter schauen:

http://www.youtube.com/playlist?list=PLDE9A3FC56C1E1674

Herzliche Grüße aus der Pfalz



Ich frage mich...



was es nicht inzwischen bei youtube gibt. "Restaurierungs"hilfen scheinen mir zumindest nicht zu den nachahmenswerten oder auch nur hilfreichen Beiträgen zu zählen.

Hier gibt es zum Beispiel wertvolle Hinweise, wie man ganz alleine den optischen wie den Handelswert einer barocken Kommode auf Bruchteile senken kann:

http://www.youtube.com/watch?v=n5H4jfw5ZOc&list=PLDE9A3FC56C1E1674&index=6

Man beachte die scheußlichen Furnierergänzungen! Was für eine Geisteshaltung mag wohl dahinterstehen, solch Pfusch auch noch in's Netz zu stellen? Also besser nicht youtube.

Der Schreibtisch ist aus den späten 20er/frühen 30er Jahren, furniert in kaukasischem Nußbaum, allerhöchstwahrscheinlich auf Tischlerplatte. Das Furnier wurde mit 0,5mm, max. 0,7mm Stärke aufgebracht und danach verputzt und geschliffen. Für einige beherzte Schleifgänge ist da also nicht genügend Nussbaum da! Vorsicht!

Grundsätzlich glaube ich nicht, daß ein Laie ohne Vorkenntnisse da gute Ergebnisse (ohne neue Schäden) erzielt. Da es sich aber um ein nicht hochwertiges Stück handelt, dennoch ein paar Gedanken dazu:

Zunächst sollten lose Furniere niedergelegt werden. Dazu wäre für den Laien Fischleim am praktikabelsten, weil kalt zu Verarbeiten und dennoch reversibel. Mit sauberen Zulagen, Zellstoff von der Küchenrolle als Trennschicht und einer Schraubzwinge arbeiten.

Die Abnahme der Lackreste wird vermutlich mit Spiritus und einem möglichst feinen und wenig bis nicht abrasiven Flies möglich sein. Gut nachwaschen. Wie mit den sicher vorhandenen Flecken umzugehen ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Sowas löse ich durch probieren und muss hier ein Fragezeichen stehen lassen. Mehr als ein gefühlvoller Feinschliff mit 240er Korn und einem guten Schleifklotz (falls denn wirklich erforderlich!!!)sollte dem vollständig entlackten Möbel nicht zugemutet werden, um das Durchschleifen nicht zu provozieren. Immer in Richtung der Maserung schleifen.

Öle und Wachse bewähren sich auf (messer-)furnierten Flächen nicht, neuzeitliche Lacke sind später nicht ohne Probleme zu entfernen. Eine Schellackpolitur wird für den Laien wohl zu kompliziert. Übrig bleibt im Wesentlichen der Pinselauftrag (feiner Ziegenhaarpinsel) von Schellackmattine in mehreren Gängen mit Zwischenschliffen 320er Korn. Das ist nicht optimal, richtet aber wohl keine Schäden an und kann zu einem benutzbaren Ergebnis führen.

Und wenn Dir, lieber Fragesteller, schon diese verkürzte Darstellung zu kompliziert erscheint, hier der Rat, den ich schon ganz oben hinstellen wollte: Beauftrage einen Fachmann. Du hast studiert und kannst nun ein paar ganz spezielle Kunststückchen, und genauso ist das mit dem Restaurator. Neben vermittelbarem Wissen verfügt er über Erfahrung und Fähigkeiten, die nur über die Praxis aufgebaut werden können. Auch seinen Job kann nicht Fleischer, Arzt oder Ingenieur "mal so nebenbei" mitmachen.

Grüße

Thomas





Ich kann alle Ausführungen von Thomas nur bestätigen und unterstreichen. Ein Möchte gern-restaurieren geht nicht für Laien - und wird es dann manchmal hinterher richtig teuer. Wir haben oft viel mehr Arbeit und komplizierte Aufgaben aufgrund früherer falscher "Restaurierungen", anstatt nur altersbedingter Schäden.
Wir haben nicht umsonst 5 Jahre lang studiert, - und manche andere denken, es auch so zu können .
Ich bin allerdings kein Möbelrestaurator. Wie gesagt: Thomas nannte schon alles wichtige.



Hallo



Herzlichen Dank erstmal für eure fachmännischen Antworten.

Nun frage ich mich natürlich, ob ich mir das überhaupt leisten kann und ob sich das lohnen würde. Wie teuer wäre denn dann so eine Restaurierung ungefähr? Jetzt mal nur die Restaurierung ohne Anfahrtskosten usw. (das Ding passt nämlich nicht in mein Auto).

Viele Grüße



Hallo, zurück



Das ist nun wiederum ein Problem für den Fachmann: Eine verbindliche Ferndiagnose mit KA wird kaum jemand abgeben, ohne vorherige Begutachtung.
Aber auch im Raum Köln dürfte es Möbelrestauratoren geben, zumal es dort eine Ausbildungsstätte gibt. Einmal in Euren "Gelben Seiten" nachsehen unter "Restaurierungen" , speziell Möbel, und dann weiter fragen nach Empfehlungen (und Referenzen).
Wenn ich hier gefragt werde, gebe ich dann immer eine Liste meiner Kollegen weiter, die spezialisiert sind für das entsprechende Fachgebiet.
Vielleicht sind die Kölner Kollegen auch so nett ?