+++++Silvestergedicht+++++

30.12.2005



Die meisten Menschen werden mich wahrscheinlich kennen, zähle ich doch, ohne hier polysemantisieren zu wollen, zu den bedeutendsten Lyrikern Deutschlands.

Doch was wäre Silvester ohne mein inzwischen legendäres Silvestergedicht?

----Silvestergedicht----

Schradeck, schradeck, ach nein, oh Schreck -
Es naht die Nacht, oh dunkel Stund, deckt zu die Gruft mit Mensch und Hund.
Es schallt, oh Graus, des Kauzes Krall, hinaus, aus des Friedhofs Knochenhall.
Doch, oh ihr Menschen, holt noch Luft, bald ihr erstickt im Nebel der Totengruft.
Kurz vor 12 ist's, habt's gerochen? Oh Gräuel: Aus der Erde wachsen Knochen!

Schradeck, schradeck, ach nein, oh Schreck -
Es schweigt die Nacht, welch Totenstille, ein gleißend Blitz, wie Nachtgegrille,
zerreißt mit donnerndem Getue des schwarzen Himmel Sternenruhe.
Jetzt greift das fletschende Gezähn nach des Höllentieres brennend Mähn,
Es röhrt, es keift das Schlundgebrülle, aus Totengräbers Schädelhülle.

Schradeck, schradeck, ach nein, oh Schreck -
Es bebt, oh Graus die Knochen platzen, dort fliehen des Teufels schwarze Katzen.
Die Hölle dröhnt, ich kann nicht mehr, der Teufel setzt sich nun zur Wehr.
Oh gierig Feuerschlund, so brülle. Strauf, strauf, ach Gräuel, das ist die reinste Hölle!
Noch ist das Feuerwerk nicht aus, oh seht: Ein brennend Fachwerkhaus.

Schradeck, schradeck, ach nein, oh Schreck –
Die Nacht vergeht, oh welch ein Werk, erhellt wird nun der rauchend Berg
von des Feuerwerkes letzten Resten, die wie zermalmte Schädel ächzen.
Seht: auf den Feldern dicht und schwer, liegt noch der Nebel wie ein Meer.
Vorbei ist nun der schrecklich Fluch, das Licht durchdringt des Nebels Tuch.



Alle Jahre wieder ---



Wenn zu Sylvester Richard kommt, wird das Christkind
weggebomt.
-
Schradeck - schradeck ,- und schon isses weg !



Richard



danke für diesen romantischen Text zum Jahreswechsel. Google möchte ich für die erheiternde Werbung dazu danken. Mir scheint, dass die kontextbezogene Werbung den Gemütszustand des Lyrikers in die Anzeigenauswahl einbezieht ;-).



Entschuldigung,



Richard G.W. von Weilandt ,
es muß natürlich Silvester heissen.
-
Doch, ein wenig Angst um meine Knochen habe ich schon
bekommen.



Lyrik



ist schwürig,
meist ist sie schmürig.

Möge man mich für einen Kulturbanausen halten, sowas tut mir leider beim lesen weh.

Zumindest hat der gute Richard ein ordentliches Selbstbewußtsein, oder wer macht das Germanlyricsranking?

Grüße Lukas



Die passende Werbung!



Eigenartig...

Bei der ersten Werbung ging es um Depresionen und jetzt um Bestattungen! Das paßt dermaßen gut zum Gedicht, daß ich mir die ganze Seite ausdrucken mußte. Das glaubt einem sonst ja keiner...



Noch`n Gedicht



Das Fachwerkhaus sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr.
Drum müssen Mörtel, Lehm und andres her,
damit Gefache, Balken, Wände,
fertig sind durch fleißge Hände.
Den Lehm an d`Wand, das Holz gezimmert,
auch wenn das Herz dabei auch flimmert.
Es ist getan das Werk und steht,
ein Haus wie es nicht besser geht.
Es freut sich Mann, es freut sich Frau,
das es vorbei ist mit Radau.
Kein Bohren mehr und auch kein Hämmern,
der Handwerkstag beginnt zu dämmern,
alle sind im Herzen froh,
das Fachwerkhaus ist prima so.

Und wenn Ihr lacht übers Gedicht,
ganz ehrlich,
es juckt mich nicht.



Reimen bis der Arzt kommt ;-)





Lyrik:



Das Jahr ist um,
was macht das schon?
Wir lieb(t)en die Sowjetunion. ;-))

Alles Gute zum neuen Jahr

Grüße Lukas



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Ein lürisches Ossigedicht aus den Zeiten des
eisernen Vorhangs. :
-
Wir leben wie die Russen - einfach und schlicht
- morgens keine Butter und abends kein Licht.
Die Polen haben die Kohlen-
- die Tschechen das Licht.
- wir haben die Freundschaft -- mehr brauchen
wir nicht.
- Booooha--- lass es Krachen !!
-
Gleich kommen die Neujahrsgrüße !!
-
Andreas



Die Kunst der Lyrik erschließt sich nicht jedem



Es erfreut mich, daß mein kunstvolles Gedicht auf solch positives Echo stößt. Man merkt doch gleich, daß sich viele Lyrikkenner unter ihnen befinden.

In diesem Jahr wird sich, wie einige von ihnen vielleicht schon wissen, das Gesicht des Berliner Zentrums stark verändern. Das entkernte Gerippe des häßlichen "Palast der Republik" wird abgerissen und das alte Stadtschloß, das bis zur Sprengung 1950 der größte und bedeutendste Barockbau nördlich der Alpen war wird wieder aufgebaut.

Das folgende Gedicht (das erste Gedicht aus meinem Zyklus "Das Berliner Schloß"), das vom Untergang des Schlosses handelt, möchte ich den kunstbegeisterten Lyrikkennern unter ihnen nicht vorenthalten:

----Das Berliner Schloß----
-1-Der Untergang


Ahyp, ahyp, oh seht, oh schaut – ach:
Im gold’nen Lichterglanz des Nymphenreigens spielt Gawutz,
des Steingestühls wortgewandter Sommerzauber des Herrn.
Welch goldner Schein, welch Lichtes fein, am fernen Straßenschluss.
Oh, all ihr Menschen, blickt auf des Künstlers Abendstern!

Ahyp, ahyp, oh seht, oh schaut – ach:
Welch faserreiches Blickgehülls, gespinnst’ger Schwall,
Prophyl, des schwarzen Nebels Untertan, im gruftgen Moderlicht,
bleibt wie Felsgestein, dem Sturme trotzt, dem Beb, dem Knall.
Des Wolkensteines Zier im Geriebel hellen Goldgeflechts zerbricht.

Ahyp, ahyp, oh seht, oh schaut – ach:
Ihr Geister der Nacht, im letzten Tanz nach des Teufels Sturmgeheul.
Feuerfratze schreie! Straduns, straduns, hört des Höllentieres Schlundgebrüll!
Es sprüht es keift, oh welch’ graus’ges Höllenbild! Straduns – ach Gräuel!
Morgenglut, verbrenne des schwarzen Nebels blut’ges Nachtgehüll.

Ahyp, ahyp, oh seht, oh schaut – ach:
Stolzes Schloß im Sonnenlicht, welch Ruh, welch Pracht.
Im Felsgewühl, der Stein, er steht, er lebt! Oh glückliches Gefüg!
Dein goldnes Haar, es wächst, Gawutz, bis in die schwarze Nacht.
Oh, ihr Menschgewürm, ihr folgt des Gauzes so garst’ge Lüg?

Ahyp, ahyp, oh seht, oh schaut – ach:
Welch Trug, welch Lug, oh Schreck – so zerbricht nun des Weisen Stein!
Es bebt die Luft, oh Felsgebrüll – zum letzten Kampf, die Fratze lacht.
Straduns, ach Graus, oh nein: Die plusternd’ Fingur in ihrem Höllenschrein!
Der Schrein, er bebt – oh Schreck, nun seht: Des Künstlers Stein ward umgebracht!



Ohne



Kommentar



Ehre der Arbeit



Herr Milling-das find ich klasse!
Hab es abgeschrieben-vielleicht mach ich da mal eine schöne Schriftarbeit auf eine Lackplatte!Da bieten sich einige kalligraphischen Ideen an!



Sprüchenachtrag



Wir möchten hier auch noch einen kleinen Beitrag mit beisteuern.