Schornsteinisolierung gegen Versottungsflecken mit Kuhdung

20.04.2018 gelebtes Holz



Liebe Gemeinde,
nachdem ich darüber, auch hier, schon gelegentlich gelesen und von Maurern gehört hatte, habe ich nun meine Schornsteine zu Isolieren versucht, indem ich eine Schlämme aus Kuhdung und Kalkhydrat aufgetragen habe. Es funktioniert aber nicht, die braunen Flecken schlagen wieder durch. Vielleicht weiss jemand Rat? Ich freue mich besonders über Tips von jemandem, der's schon mal gemacht, und sich das nicht bloss angelesen hat.

Folgendes habe ich gemacht:

alten Putz abgeschlagen
Schornsteine Fugen tief ausgekratzt und mit Kalkzementmörtel die Fugen erneuert
Schornsteine grob abgebürstet
1. Auftrag einer Schlämme mit dem Quast aus 1/2 Kuhdung und etwa 1/2 Kalkhydrat ( 3 Tage eingesumpft, Konsistenz wie Dichtungsschlämme, mit dem Quast streichbar)
Der Kuhdung stammt von Kühen aus dem Freiland, die nur Gras zu fressen bekommen und war 1 bis 2 Tage alt.
nach dem Trocknen 2. Auftrag wie zuvor.
Bei den Aufträgen der Dichtungsschlämme hatte ich Angst vor schlechter Haftung und habe vorgenässt. Auch nach dem 2. Auftrag schlugen noch braune Flecken durch. Auf den Rat eines Fachmanns(?) der das Rezept auf seiner website nennt, habe ich nun die Konsistenz der Masse durch weitere Zugabe von Dung und Kalk steifer gemacht, und einen ca. 1 bis 2 cm dicken Verputz aufgebracht. Diesmal ohne Vornässen.
Dieser Verputz trocknet derzeit nach und nach. Haftung auch ohne Vornässen prima. Leider schlagen immer noch Flecken durch.
Der vorbenannte Fachmann schlägt eine 2 Putzschicht vor, aber ich werde langsam mutlos. Gehört in die Schlämme vielleicht doch kein Kalk? Oder Mehr Kalk? Oder noch was anderes, was ich nicht verwendet habe?
Beste Grüsse aus dem Berliner Speckgürtel
vom Tom



Sperrgründe



Naja, ein versotteter Schornstein ist nun auch schon die Ausnahmesituation für solch natürliche "Sperrgründe". Die Flecken sind halt färbende Salze, die dann gerne in die neue noch Feuchte Schicht diffundieren. Da soltte man jede Lage gut trocknen lassen. Auch der Kalk bindet diese Stoffe, selbst als dünne Tünche wenn man sie zügig trocknen lässt. Auch Kaseinzusätze bewirken eine gewisse "Abdichtung".

Ich würde das trocknen lassen und dann einen Sperrgrund aus aufgelösten Schellack streichen. Den kannst du in Alkohol auflösen oder du verseiftst den Schellack mit Ammoniak (Salmiakgeist).

In diese Mischung kannst du dann noch etwas Schlämmkreide mischen.



Rezept



So mal schell in Rezeptebuch geillert, 80 Gramm Schellack (Blätter) in 0,3 Liter Ethylalkohol (Gurkenglas, länger stehen lassen und sann und wann mal schütteln)

In die Mischung kann bis 100 Gramm Kreide eingerührt werden. Ggf. etwas mit Alkohol noch verdünnen.

Die Rezeptur von Rinderkotmischungen wird in unterschiedlichen Verhältnissen überliefert, also kommt es da nicht so genau drauf an. Ich erinnere mich das ich mal mit mehr Kalk (5:1) in der Mischung gearbeitet habe. Die angedauten Feinstfasern geben eine gute Armierung. Jedenfalls wird noch ein "Spritzer" Leinöl als Zutat erwähnt.

Wie gesagt auch hohe Kaseingehalte (Magerquark) in der Kalkmischung sperren gut ab, sorgen aber auch für Spannung im Material, also irgendwan ist zuviel.



Fragen klären



Die erste Frage, die ich mir stelle, Brauchen Sie den Schornstein noch? Wenn ja dann stelle sich die Frage, warum die Versottungsflecken immer weiter wandern. Die Diffusion ist vielleicht auch daran beteiligt. Die nächste Frage, die ich mir stellen würde ist, dringt von oben eventuell Feuchtigkeit ein. Wenn ich einen Kamin nicht benutze, kehrt sich der Luftauftrieb in Schächten um, weil es am Boden kälter ist als oben.
Die ersten Arbeiten waren schon nicht verkehrt. Nach dem Auskratzen der Fugen, denn sie transportieren i. R. den Ruß als Emulsion (in Verbindung mit Wasser) hätte ich ein Wasserglaslösung hergestellt und die betroffenen Bereiche die Fugen damit gestrichen, 2 - 3x und dann nach Trocknung gefugt. Als letztes eine einfachen Kalkpinselputz und alles ist gut.
Noch ein paar Bemerkungen zu der Frage Kapillarität - Diffusion. Wir reden viel über Diffusion und nicht mehr über Kapillarität. Es ist schon möglich, das wir in den modernen Baustoffen die Kapillarität vernachlässigen können, aber in einem alten Gebäude hatte sie eine wichtige Funktion. Sie war der natürliche Feuchtigkeitsregulator. So lange wir im Altbau uns bewegen, sollten wir diese Tatsache nicht aus den Augen verlieren, weil wir uns dadurch Fehler organisieren, die nach Möglichkeit erhebliche Folgekosten nach sich ziehen.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Hausdoktor???



Und alles ist gut. Herr Schmidt Ihr Vorschlag ist für kurze Zeit gut, aber auch nur für sehr kurze Zeit.
Ich würde eine Folie z. B. Delta PT mit aufgeschweißten Putzträger davor anbringen und neu in zwei Lagen verputzen.



Danke...



...für die vielen Tips. Schellack finde ich ziemlich teuer. Der sperrt allerdings perfekt ab, die Erfahrung habe ich schon mal bei anderen Gelegenheiten gemacht. Die hier zu bestreichende Oberfläche ist allerdings ziemlich gross, da würde ich mehrere Liter brauchen.

Folie und so neumodisches Zoix kommt gar nicht in Frage. Dann lieber die Flecken aushalten.

Im Moment baue ich gerade den Dachstuhl ab, der erneuert werden soll, komme also erstmal nicht mehr so gut an die Schornsteine ran. Einstweilen trocknet der Dung und ich bekomme doch das Gefühl, die Flecken dringen zwar noch durch, sind aber weniger geworden. Wenn alles gut trocken ist, werde ich eine weitere dünne Putzschicht versuchen, die Mischung steht hier schliesslich schon fertig angesetzt herum, wenn das nichts bringt, vielleicht doch partiell Schellack. Oder ich probiere mal die anderen Rezepte. Melde mich mal wieder wenn ich das neue Dach habe und wieder an die Schornsteine denken kann.

Grüsse aus dem Speckgürtel
vom Tom