Schornstein ist feucht

07.01.2007



Hallo,
wir haben ein Problem mit unserem Schornstein, bzw. mit dem Teil des Schornsteins, der sich auf dem Dachboden befindet, den wir gerade ausbauen.
Er ist stark braun verfärbt, der Kalkputz bröselt und ist mürbe. Wenn wir etwas längeres Regenwetter haben, wird der Schornstein an dieser Stelle feucht, manchmal laufen sogar braune Tropfen daran herab.
Der Kopf oberhalb des Daches ist so in den 80ern erneuert und ein Edelstahlrohr eingezogen worden. An diesem Rohr war die alte Gastherme angeschlossen.
Momentan wird dieser Schornstein nicht genutzt. Die neue Brennwerttherme auf dem Dachboden nutzt ein eigenes Ausgangsrohr. Wir wollen aber, wenn wir das Wohnzimmer umgebaut haben, einen Kaminofen anschließen.

Der Dachdecker sagt: die Dichtung zu den Dachpfannen ist in Ordnung, der Schornstein zieht Wasser aus den Fugen des Schornsteinkopfes. Er müßte verschiefert werden.
Das will der Denkmalschutz aber nicht und empfiehlt neues Verfungen des Kopfes.
Der Dachdecker sagt: Blödsinn! Das Problem taucht dann nach einem Jahr wieder auf.
Der Schornsteinfeger empfiehlt: Rohr raus und einen Lehmopferputz und weist daraufhin, dass alles wieder gut wird, wenn ein Ofen angeschlossen wird und der Schornstein trockengeheizt wird. Das kann aber noch vielleicht eineinhalb Jahre dauern, bis wir so weit sind.

Wir sind nun bei unserem Dachausbau ausgebremst und rätseln, wer denn nun Recht hat.
In diesem Forum haben wir schon von einem Sperranstrich gelesen auf den dann geputzt werden kann - mit Lehm oder Luftkalk?
Gibt es Erfahrungen, Empfehlungen, Lösungsvorschläge, die sich bewährt haben?

Vielen Dank im Voraus!
Annette



Total versottet



das passiert wenn ein Schornstein feucht wird. Dann wird der Ruß kapilar in die Ziegel gezogen und kommt dann irgentwann außen als braune Brühe an.
Bei einem ortentlich beheizten Schornstein passiert so etwas nicht. Da durch die heißen Abgase der Schornstein von innen getrocknet wird und dadurch die Feuchtigkeit nach innen "wandert". Deshalb kann sie dann keinen Ruß mit nach außen nehmen. Deshalb sagt man ja auch das man nur trockenes Holz verheizen soll. Nasses bringt sehr Feuchte und relativ kühle Abgase. Diese können dann am kühlen Schornstein innen kondensieren.
Kurzum euer Schornsteinfeger hat recht. Ihr müsst den Schornstein trocken bekommen. Also schnellstens beheizen.
Stellt euch einen kleinen (Öl)ofen in den Dachboden und schließt ihn an den entrohrten Schornstein an. Dann habt ihr es beim Dachbodenausbau auch wärmer. Wenn ihr nämlich anders heizt kann die erwärmte Luft am kalten Schornstein oben kondensieren und ihr bekommt braune Wasserperlen von oben.
Kleiner Hinweis noch zum Dachausbau der Schornsteinfeger spricht nicht umsonst von Opferputz. Der kommt recht bald wieder runter.

Gruß

Marko



Rotkäppchen



Hallo,

Sicher ist: Der Schornstein muß getrocknet werden. D.h. Marko Lindner und der Schornsteinfeger haben Recht: Mit heißen Abgasen (durch Heizen eines Festbrennstoffofens)geht das gut, und wenn Sie das Heizen aufrecht erhalten können, dann schaffen Sie es auch einen dauerhaft stabilen Zustand herzustellen. D.h. Sie müssen die eindringende Feuchte ständig wegheizen (auch in Zukunft). Falls das ein Problem ist und der Schornstein nur sporadisch genutzt werden soll, sollte man sich vielleicht Gedanken machen, wo die Feuchte her kommt, und daran arbeiten. (Falls der Dachdecker recht hat, und das Wasser kommt durch die Fugen, dann sollte man schon auch daran arbeiten. Verschiefern ist aber sicher nicht die einzige Möglichkeit. Schließlich gibt es viele dichte Schornsteine, die nicht verschiefert sind...) Es ist aber auch denkbar, dass das Problem zumindest teilweise einfach daran liegt, dass es in Ihren Schornstein hineinregnet. Dann helfen Kappen aus Edelstahl, oder schöner, wie hier gezeigt, eine gemauerte Kappe.

Viele Grüße,
Andreas Schmeller



Versottungen



Hallo Annette,

ich kann mich den Vorrednern nur anschliessen. Heizen hilft den Schornstein zu trocknen.Eventuell kann er auch ausgebrannt werden.Das mach der Schornsteinfeger. Für die Flecken innen und den Schutz des Kopfes aussen ist eine Imprägnierung sehr hilfreich. Die Wasseraufnahme wird stark vermindert, das Mauerwerk gefestigt und erneutes Durchschlagen im Innenbereich tritt dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf.

Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung



Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Werner Gensky


www.das-gesunde-bauwerk.de



Heizen und Schornsteinimprägnierung



Hallo, vielen Dank für die Antworten, die uns allerdings vor eine Denksportaufgabe stellen: Wo können wir jetzt in der Umbauphase einen Ofen stellen, ohne dass uns der Schorsteinfeger verhaut oder wir über den Ofen stolpern. Na ja, ist nicht die einzige Denksportaufgabe: Welche Imprägnierung empfehlen Sie Herr Gensky? Viele Grüße! Annette



Imprägnierung



Hallo Annette und Jörg,

die Imprägnierung heißt Altrosil Dual für den Schornsteinkopf und für innen Altrosil Beto.
Das Mauerwerk bleibt diffusionsoffen wird fest und wasserabweisend durch eine Kristallisation im mineralischen Gefüge.


Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Werner Gensky


www.das-gesunde-bauwerk.de





Hallo, Wenn der Schornstein von außen wieder dicht und abgetrocknet ist, kann der versottete Putz, bzw.das Mauerwerk auch mit Lehm und frischem Kuhdung 1:1 vorgestrichen und dann mit Lehmputz stark versetzt mit Kuhdung ca 2 cm stark vrputzt werden - hat sich über Jahrhunderte in solchen Fällen bewährt und wird von uns
immer noch eingesetzt. Wir haben schon ganze Räucherkammern damit bewohnbar gemacht.

Kacke ist nicht immer Schei.., nur frisch muß sie sein

In diesem Sinne
und beste Wünsche fürs neue Jahr
Rolf Eggersglüß Lehm und Lehm lassen



Opferputz das ist gut



Hallo Annette,
ich habe eine alte Rezeptur ausprobiert. Die Mischung hört sich etwas gewöhnungsbedürftig aus aber verhindert das erneuerte Durchschlagen des Sottes.
Kalkmörtelverputz (Sumpfkalk) mit Rinderdung Zusatz. Wenn das Problem noch aktuell ist werde ich nach den richtigen Mengenverhältnissen in meinen Unterlagen nachsehen.
Sie könnten jetzt den Stahlrohre rausbauen und im Erdgeschoß eine großzügige Lüftungsöffnung herstellen. Der Schornsteinkopf sollten Sie mit eine Betonplatte abdecken (auf Abstandsteine setzen). So kann der Schornstein gut durchlüften und am besten austrocknen.
Sollte noch etwas unklar sein können sie gerne durchrufen.
Grüße und viel Erfolg
A. R. Thams