Schornstein




Liebe Experten, unser Schornstein - der Sott aufweist aber nur noch dafür genutzt wird, dass er ein Edelstahlrohr mittig aus dem Dachfirst rausführt, das vom Wohnzimmerkamin wegführt und derzeit noch nicht betrieben wird, weil wir erst auf einen Ofen sparen - unseres 75 Jahre alten Hauses zieht bzw. zog Feuchtigkeit, so dass wir im Obergeschoss (darüber ist noch der Dachboden) Nässe sahen (und nur da) und er auch innen - wenn man in die Luke, die vom Dachboden zu öffnen ist, reinfasst - nass war. Vermutlich zieht /zog der Schornstein Nässe durch Fugen, die der Vorbesitzer von außen mal mit Zementmörtel nachgearbeitet hat. Der Feuchte Putz im ersten Stock wurde am Schornstein und der Decke abgeschlagen, die am Rand befindliche Lattung durch Rigips ersetzt, die Steine mit Kiesol behandelt und neu verputzt. Die Aktion mit der Feuchte und dem Putzabschlagen etc. war zum Jahresanfang. Derzeit ist der Schornstein, wenn man in die Luke vom Dachboden aus reingreift, trocken.
Die Firma, die das Wakaflex an den Anschluss brachte, hatte auch den Deckel auf den Schornsteinkoppf wieder draufgemacht. Nun haben wir von verschiedenen gewerblichen Experten unterschiedliche Meinungen gehört, wie wir weiter verfahren sollen und vor dem Herbst wollten wir was tun:
a) Der Maurer, der das Ganze verputzte, ist dafür, den Schornsteinkopf und den Schornstein auch noch unter dem Dach (wo man außen Sott sieht, der uns aber optisch nicht stört) abzureißen und neu aufzumauern, was richtig, richtig teuer ist.
b)Eine (ander Dachdecker-)Firma schickte jemanden hoch, der den Dachanschluss mit Wakaflex dicht machte und meinte, es müsse aber noch was getan werden und wir sollen eine Zinkverkleidung anbringen (was wir nicht so schön finden).
c) eine weitere Dachdeckerfirma riet dazu eine Verkleidung aus Schiefer zu machen (was ich bis jetzt bei einem roten Dach suboptimal finde), aber vielleicht gefällt es uns doch irgendwann...
d) ein dritter Dachdecker empfahl eine Betonfaserverkleidung, weil die dann auch rot ist.
e) ein Semiprofessioneller (Baustoffhändler) riet uns den Schornsteinkopf mit Remmers funcosil zu bearbeiten, das hätte bei ihm selber auch geholfen.

Der Maurer rät von allem ab, da er meint, die Verkleidung wäre nur Makulatur und innerhalb würde der Schornstein irgendwann weiter bröseln (wo ich mich frage, ob es so schlimm wäre, solange die Steine aufeinanders stehen bleiben), da er durch Frost und Wärme zu viel aushalten müsse.
Wir sind nun völlig ratlos - obwohl wir mehr als genug Profis zu rate ziehen. Daher die Anfrage an das Forum....
Von unten sieht der Schornsteinkopf übrigens ganz gut aus.



Nachtrag



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Schornstein



Dafür ist der erste und wichtigste Ansprechpartner Ihr Schornsteinfeger.
Zur Ursache der Nässe:
Natürlich kann es oben reinregnen/schneien wenn die Öffnung nicht abgedeckt ist. Dann kann noch warme Innenluft im Winter über undichte Anschlüsse in den Schacht gelangen und kondensiert an den kalten Wangen im oberen Teil, wenn der Zwischenraum Rohr- Wange nicht mit Dämmstoff gefüllt ist.

Viele Grüße





Vielen Dank schon mal.
Der Schornsteinfeger war unser erster Ansprechpartner und meinte so einen von innen nassen Schornstein (er hatte oben in die Klappe gefasst) hätte er seit Jahren nicht gesehen und verwies ansonsten ratlos an die nächsten Dachdecker.
Der Deckel saß vorher schon auch oben auf dem Kopf, aber war wohl nicht ganz richtig fest.
Verstehe ich die Antwort richtig, dass das Edelstahlrohr im Schornstein dämmäßig "eingepackt" werden soll?



Schornstein - Kondensat?



Dass ein Gebäude Nässe zieht, d. h. aus den Untergrund oder irgendwo anders her ansaugt, halte ich für ebenso unwahrscheinlich, wie die sogenannte "Aufsteigende Feuchtigkeit" in Wänden, die es trotz anderslautender hartnäckiger Behauptungen nicht gibt.
Wenn es sich nicht um über undichte Stellen eindringendes Niederschlagswasser oder stauendes / drückendes Grundwasser handelt (letzteres gilt nur für Bodenplatten und erdberührte Wände), kommt eigentlich nur Kondensatbildung in Frage.

Eine Ferndiagnose ohne genauere Kenntnis der örtlichen baulichen / nutzungsspezifischen Verhältnisse zu stellen, ist leider nur sehr schwer möglich bzw. riskant.

Ich würde von daher erst einmal dazu raten, gründlich abzuklären, ob der Schornstein Fremdluft (z. B. über nicht mehr genutzte Ofenrohranschlüsse oder Fugen) zieht. Dies ist nämlich häufiger der Fall, als man denkt.
Die in der Regel Feuchte Raumluft kann dann im Bereich des Schornsteinkopfes kondensieren. Wenn dann noch die Schornsteinmündung abgedeckt / abgedichtet ist, kann die Feuchtigkeit nicht rasch genug abtrocknen, d. h. nur noch auf kapillarem Weg durch die Schornsteinwandungen nach außen wandern, um dort zu verdunsten. Wenn außenseitig allerdings eine Feuchtigkeitssperre bzw. -bremse vorhanden ist, z. B. in Form von Zementputz, nicht hinterlüfteten Platten oder gar Blechverkleidungen o. ä., ist der Feuchtigkeit selbst dieser Weg versperrt. Ein "Absaufen" / eine Versottung des Schornsteines mit all den unangenehmen bzw. zerstörerischen Begleiterscheinungen ist somit vorprogrammiert.

Fazit:
Zuerst sollte die Ursache für die Versottung - die in der Regel von innen kommt - gefunden und beseitigt werden.
Ob und wie dann eine Sanierung oder gar Erneuerung des Schornsteines erforderlich ist, hängt in erster Linie vom Grad bzw. Ausmaß der Schädigung(en) ab.
Von reinen "kosmetischen" Maßnahmen kann ich nur dringend abraten.

Auf unserer Website ist hierzu unter der Rubrik "Bauberatung" ein spezieller Beitrag eingestellt.



Erst einmal...



... Begrifflichkeit:
Versottung eines Schornsteins bezeichnet die durch die Rauchgase verursachten Ablagerungen in einem gemauerten Kaminzuges aufgrund von Kondensation wegen "zu kühler" Umgebung. Die mehr oder weniger direkt entstehenden Feststoffe (Teer, Ruß, Schwefel) sind dabei weitgehend unkritisch, sie können abgebüstet und dann entsorgt werden.
Das Hauptproblem stellt die Kondensation von Wasserdampf dar, weil das dann flüssige Wasser sich mit Schwefel zu Schwefelsäure und schwefliger Säure verbindet, welche dann mit den kalkhaltigen Bestandteilen in den Mauersteinen und dem Mörtel reagiert und diese in Richtung Gips wandelt.
Dieser Vorgang ist mit Volumenzunahme verbunden, d.h. das Mauerwerk wird aufgesprengt, weiter wird natürlich das Gebilde "weicher", also weniger tragfähig...

Soll reichen...

Wenn jetzt, wie geschildert, kein weiterer Feuchte- und Säureeintrag ins Mauerwerk passieren wird, weil ja ein Rohr eingezogen worden ist, dann wird die chemische Reaktion auch irgendwann zum Stillstand kommen. Ob aus statischen Gründen saniert werden muss lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen, aber der weiteren Versottung ist ein Riegel vorgeschoben.

Das heißt nicht, dass das Edelstahlrohr grundsätzlich keine Kondensation verursachen würde, dies hängt von Eurem Feuerverhalten, vom Ofen, vom Zug ab, die Kondensation bleibt aber fern vom Mauerwerk...

Irgendwelche Verkleidungen und Dämmmaßnahmen sind im Sinne der Vorbeugung einer weiteren Versottung prinzipiell unnötig, es sei denn, das sie das Zugverhalten des Rohres beeinflussen sollen... dies kann aus der Ferne kaum beurteilt werden...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





...vielen Dank schon mal für die tollen Infos. Vermutlich muss nochmal jemand Fachkundiges aufs Dach, den Deckel abnehmen und schauen, was im Schornstein los ist - soweit man schauen kann.

Das seitlich Luft reinströmt schließe ich - außer evt. durch die Fugen am Schornsteinkopf - aus, da es keine sichtbaren Zugänge gibt und alles verputzt ist. Im Erdgeschoss gibt es allerdings eine Art Ablaufröhrchen, aus dem bislang nie Wasser kam. Ich weiß nicht, ob durch dieses Teil Luft reingeht, die kondensiert; habe aber eher die Fugen am Schornsteinkopf im Verdacht und dass da von Außen Feuchtigkeit gezogen wird.
Was wäre da die Behandlung der Wahl?



Mit Vermutungen...



... und Verdächtigungen kommst Du nicht weiter...

Man kann einen Schornsteinschacht auch via Endoskopie-Kamera von innen inspizieren.
So ein Schacht lässt sich auch unter Druck setzen um Undichtigkeiten mittels einem "Nebel" aufzuspüren und sichtbar zu machen.

Beides eher aufwändig und mit Geld verbunden...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Mängelanalyse



Dass über Fugen am Schornsteinkopf Luft eindringt, die dann im Schornstein kondensiert, halte ich für unwahrscheinlich. - Höchstens bei extremen sommerlichen Temperaturen mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und wenn es gleichzeitig im Schornstein viel kälter ist als draußen.
Über undichte Schornsteinkopffugen könnte allerdings Niederschlagswasser, z. B. bei Schlagregenereignissen, ins Innere des Schornsteines gelangen.

Was die Sanierung von Fugen bzw. des Schornsteinkopfes insgesamt anbelangt, ist m. E. eine fachkundige Schadensaufnahme vor Ort und eine darauf aufbauende Mängelanalyse unumgänglich. Alles andere wäre blanke "Kaffeesatzleserei".
Sachverständige Spezialisten, die sich derartigen Herausforderungen stellen können, sind allerdings rar.
Mein Tip wäre, Adressen von Sachverständigen entweder über die regionale Architekten- bzw. Ingenieurkammer zu recherchieren oder aber sich an professionelle Bauberatungsstellen wie z. B. den Verband privater Bauherren (http://www.vpb.de/) zu wenden.



Dachkragung



Hallo,
bei schadhaften Fugen leiten Blechkragungen gern das Wasser, wie ein Trichter, in den Schornstein.
Besonders wenn der Kopf einmal verputzt o.ä. war.
Blech, Glas / Glasur "ziehen" immer bevorzugt Feuchtigkeit aus der Luft.
Das Ablaufrohr müßte aus der V Hülse (Rohr) kömmen - aus obigem Grund so vorgeschrieben.
Wenn es eine V4A Hülse ist, könnt ihr damit leben. Sollte es eine V2A Hülse sein, würde ich sie gegen unglasiertes Schamotterohr tauschen. So nebenbei hiloft es gegen Kondensat und der "Versottung" des Mauerwerk.
Gruß Walter
Gruß Walter





Ganz vielen Dank für die weiteren Infos. Jetzt habe ich erstmal eine Hausaufgabe, den Sachverhalt mit dem V2 und V4 Rohr zu klären. Ich wusste bislang nicht, dass es sowas gibt. Es handelt sich vermutlich um die Konstruktion oben auf dem Schornsteinkopf, also die Abdeckung?



Nein...



... Es handelt sich um das Material des Edelstahlrohres...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





....vielen, vielen Dank. Wir werden nun den Hinweis, erstmal die Diagnostik zu vollenden, aufnehmen und noch keinen Ofen an die vorhandene Kostruktion anschließen. So können wir im nächsten Winter schauen, ob es trotzdem feucht ist und dann entscheiden, ob "nur" das wohl einwandige Rohr oder der Ganze Schornstein dran ist.