Schnäppchen oder Schrott???

03.07.2007



Hallo zusammen!

Mein Mann und ich überlegen, uns ein Fachwerkhaus im Wege einer Zwangsversteigerung zuzulegen. Wir haben es uns bis jetzt einmal von außen angesehen, wobei man hier so gut wie gar nichts sehen kann, da alles zugewuchert ist. Es wohnt wohl aber noch der Eigentümer drin. Bevor wir diesen allerdings in seiner "Ruhe" stören, wollte ich gerne ein paar Meinungen zur folgenden Passage in dem Sachverständigengutachten hören:

"Es besteht ein entsprechend dem Baujahr 1714 ungünstiger
Grundrisszuschnitt mit kleinteiligen und teilweise gefangenen
Räumlichkeiten. Aufgrund des nach meiner Einschätzung nur
bedingt (für Liebhaber) vorhandenen denkmalspezifischen
Ambientes ist das Gebäude einem kleinen Interessentenkreis
bzw. Käufermarkt zuzuordnen, welcher die unwirtschaftliche
Bauweise bewusst in Kauf nimmt. Das Gebäude wirkt in seiner
derzeitigen Ausgestaltung mit verputztem Fachwerk
schmucklos. Es wird ein sichtbar überaltertes und
verwahrlostes Bauerscheinungsbild festgestellt mit
umfassendem Instandhaltungs- sowie Reparaturstau. Mit
aufsteigender Feuchtigkeit aus dem Erdreich in Boden und
Wände muss gerechnet werden. An den konstruktiven
Bauteilen sind altersbedingte Verformungen erkennbar. Der
gesamte Innenausbau entspricht nicht mehr heutigen
Anforderungen. Die Baulichkeiten haben das Ende ihrer
wirtschaftlichen Nutzungsdauer erreicht bzw. überschritten.
Unter technischen Aspekten ist eine erforderliche
Kernsanierung durchführbar."

Was haltet Ihr davon?

Vielen Dank vorab & Grüße
Denise



Dieser Sachverständige...



wohnt lieber in einem Neubau, lehnt die Grünen ab, ist konservativ sozialisiert und leidet unter dem revolutionären Verhalten seiner studierenden Töchter...

Oder meinten Sie jetzt das Haus? *grins*
Eigentlich müßte man es selber sehen, aber es lassen sich auch andere Aspekte zwischen den Zeilen lesen:
- Nach 1714 wird einiges verändert worden sein. Man müsste sich mit den originalen Gebäudestrukturen auseinandersetzen und ein wenig Grundlagenforschung betreiben um im Raumprogramm ein wenig aufzuräumen.
- das verputze Fachwerk muß nicht schmucklos sein: kann 1. dem Originalzustand entsprechen (nicht überall ist Sichtfachwerk) und 2. bemalt gewesen sein.
- umfassender Reparaturstau schreibt man immer dann, wenn man entweder nur Schäden vermutet, aber nicht erkennen kann oder erkennen möchte oder keine Ahnung von der Materie hat, aber es nicht zugeben möchte.
- Die Zusammenfassung der letzten beiden Sätze würde ich deuten: bekommt man technisch noch gerettet, ist aber auf der wirtschaftlichen Kippe, muß aber sofort was getan werden und es ist mit einem hohen finaziellen Aufwand zu rechnen.

Geschrieben hat das bestimmt ein SV, der eher aus der Immobilien- oder Wertermittlungsrichtung kommt. Jemand der aus dem Handwerk oder dem Ingenieurwesen kommt, hätte diesen Absatz anders geschrieben und mehr Fakten gebracht (allerdings hätten er wahrscheinlich bei der Grundstücksbewertung so rumgeeiert)

Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Schnäppchen oder nicht Schnäppchen ...



.... ist doch letztendlich immer eine Sache des Geldes!
... und der Qualität, die sich erst im Nachhinein herausstellt!
Wenn die Hütte 1.- Euro kostet und die Sanierung 250.000.-; Sie aber nur 100.000.- haben wirds unwirtschaftlich ...
Der Sanierungsaufwand hängt dann auch damit zusammen, was man denn so "haben will"
ENEV-Sanierung weil man die " ach so günstigen KfW - Kredite mitnehmen will" ...
Hochglanzinnenräume nach "schöner Wohnen", pflegeleicht, modern, auf "heutigem Niveau"
"ich mache alles selber" - "ich lasse alles machen"
Wen erwischen Sie als Berater, oder wie gut sind die "beratenden Freunde" oder Foren?
Sie sehen dass es da vielerlei Rädchen gibt, die es einzukalkulieren gibt!
Bevor ich so was kaufen möchte, gehe ich mit einem in die Burg rein und rum und schau mich um!
Dann kommt noch der "Ich liebe dich" Faktor dazu - da sind dann die wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht so wichtig - man ist einfach verliebt in die Lage, das Ambiente, die Bäume, seinen Traum etc. und das muss ja nicht schlecht sein ... es wird doch sowieso zu wenig geträumt im Leben -alles berechnet ...
Alte Häuser sind halt keine berechenbaren Grössen, sind liebe alte schrullige Individuen mit allen Vor und Nachteilen!

Viel erfolg damit!

FK





Hi,

klingt doch so, als wolle es keiner haben... *jepp - Schnäppchenalarm ;o)*

Warum eigentlich nicht? Was eine Sanierung kostet, kommt auch immer drauf an, was man selber will/braucht und selber machen kann/will.

Man kann ein Bad für 1.000 Euro haben und eins für 50.000.

Man kann ein Dach komplett decken lassen oder "mutig" sein und selber auf dem Dach rumstiefeln, um es einzudecken und zahlt dann nur 1/4 dessen.

Ihr müsst Euch nur bewusst sein - es wird ein laaaaaaanger Weg :o). Wir haben unser Haus jetzt schon 5 Jahre. War eigentlich in nem ganz guten Zustand, bevor wir kamen und alles rausgerissen haben (Putz abgeschlagen und so). Und eigentlich wollten wir schon vor 4 Jahren fertig sein (ja ja, ich sehe grade einige hämisch grinsen *lach*)... Aber ich hoffe, so in 5 Jahren ... ;o)

- In unser Haus hätte man so direkt einziehen können. Aber nein, ich wollte z. B. nicht die weiße Farbe auf der Holztreppe oder den Türen... man riet uns auch, den ganzen Putz runterzuklopfen, einiges abzureißen und alles neu zu machen - doppelt und dreifache Arbeit, wenn ich heute so zurückdenke *andenkopfschlag*... - Damit möchte ich sagen: Man kann alles rausreißen und neu machen, muss aber nicht unbedingt immer...

Also nur Mut! Ich würde es IMMER wieder tun, trotz der vielen Arbeit (und blöden Sprüche und mahnenden Worte aller Menschen, die ich kenne ;o). Und wenn man nicht sehr viel Geld hat - macht man halt das Notwendigste und zahlt dafür woanders keine Miete. Außerdem kann man die Ausgaben ja auch aufteilen (dieses Jahr dies, das nächste das...)

So long, bitte erzählen, wie es ausgegangen ist! :o)

Annette mit Haus BJ 1707 :o)

PS: ich weiß ja net, wo Ihr im Rheinmaingebiet hinziehen wollt, aber bei uns im Ort werden auch ein paar schöne alte Hofreiten verkauft, weil ein paar ins Altersheim gekommen sind.



Schnäppchen oder Schrott???



Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten. Besonders viel kann ich jetzt noch nicht sagen, allerdings habe ich einen Nachbarn "interviewt". Dieser Nachbar sagt, daß das komplette Haus sowie die Scheune bis oben hin zugemüllt wäre. Es ist zwar unsere Sache, aber er würde niemals dieses Haus ersteigern...

Mir kam das - ehrlich gesagt - etwas merkwürdig vor, daß dieser Nachbar von sich aus so redselig war und im Nachhinein denke ich, er will das Haus wohl selbst ersteigern.

Denke, daß ich auf jeden Fall zum Versteigerungstermin gehen werde, rein interessehalber.

Werde dann weiter berichten ...

Viele Grüße
Denise



Mit dem Sachverständigen



ist da so eine Sache.
Der Eigentümer der Immobilie ist nicht verpflichtet, den SV in das Gebäude zu lassen, der SV darf nur zerstörungsfreie Untersuchungen vornehmen uswusw. Wie soll er da ein umfassendes und vor allen Dingen in allen Details richtiges Urteil abgeben? Er muß für sich auch noch im Auge behalten, daß er keine Aussage trifft, für die er später auch in finanzieller Hinsicht zur Rechenschaft gezogen werden könnte.
Andererseits ist ein Gutachtern erforderlich, weil für die Versteirung aus mehreren gründen ein Wert ermittelt werden muß. Sch..ßspagat, sozusagen.
Wie wäre nun vorzugehen? Unvorbereitet zum Versteigerungstermin zu gehen, wenn man das Haus tatsächlich kaufen möchte, wäre Zeitverschwendung, wenn man nicht bietet, oder unverantwortlicher Wagemut, wenn man bietet.
Was spricht dagegen, anzuklingeln und den Bewohner zu fragen, ob er Euch hereinläßt? Ihr habt die ZV ja nicht angeleiert, im Gegenteil, Euer Geld soll doch seine Schulden tilgen.
Gebt nichts auf das Geschwätz der Nachbarn, hört es euch an, behaltet es im Hinterkopf, aber legt es nicht für Eure Entscheidung zu Grunde. Was wißt Ihr über das Verhältnis der Nachbarn, über Mißgunst, deren eigene Interessen, uneinsichtige Haltungen gegenüber "Anderslebenden" und wer weiß was sonst noch. Wenig bis nichts, vermute ich.
Die eigenen Augen und die eigenen Ohren, denen kann man vertrauen, und bei einem alten Haus spielen einem selbst die eigenen Sinnesorgane oft genug einen bösen Streich, deswegen ist es unbedingt anzuraten, einen wirklich Kundigen mitzunehmen. Ohne alle Handwerker abqualifizieren zu wollen, ein "Standardzimmermann" oder "Nullacht fuffzehnklempner" bringt Euch da nur bedingt weiter, da muß jemand mit, der genug Enthusiasmus, Sachverstand und kritische Distanz auf sich vereint.
Und vergesst nie: der Kaufprewis ist das bei weitem geringste Übel, danach wird´s erst so richtig spannend!
Laßt euch nicht von blinder Leidenschaft blenden, das ist noch nie gut gewesen, aber nehmt Euer Herz ruhig in beide Hände, wenn die Rahmenbedingungen passen. Wenn man erst einmal angefangen hat und mitten drin steckt, geht´s auch immer weiter.
Viel Glück, wenig bis keine Konkurrenz beim "Bietergefecht"
Grüße, Mario Albrecht





Die Quintessenz des Sachverständigenvortrages lautet übersetzt:

Nahezu unbewohnbare Grundrisse in äußerst baufälligem Zustand. Das Objekt ist nur mit sehr viel Aufwand und Kosten in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Und auch dann wird nix gescheites oder gar ansehnliches draus.

H. Schmid
wert-recht-schaden.de