Schlitz für Abflussrohr in Außenwand

21.08.2015 awe1



Liebe Community,

eine wichtige Frage: In Absprache mit unserem Installateur habe ich in einer der Außenwände einen vertikalen Schlitz erstellt. Breite im Mittel ca. 16 cm, tiefe ca. 30 cm. Die Wand selbst ist 68 cm stark (Mischmauerwerk aus Ziegel, Tuft- und Bachsteinen). Der Schlitz verläuft hinter den Balkenköpfen der Dübelbaumdecke hinweg nach oben.

Der Grund für die Position in der Außenmauer ist, dass ich keine nicht-tragende Wand zur Verfügung gehabt hätte um das Abflussrohr zu verlegen. Einzige Alternativen wäre gewesen einen der beiden Kaminzüge zu opfern (schwieriger Einbau) oder in der tragenden Innenwand hoch zu fahren, dort wäre das Rohr im 1. OG allerdings einige Meter weiter weg von der Toilette (Bodenaufbau ist knapp) und im Dachgeschoss mitten im Raum angekommen, was hinsichtlich der Position eher suboptimal ist.

Eigentlich wollte ich jetzt recherchieren wie ich das Rohr am besten von Körperschall entkopple und die Öffnung fachgerecht schließe. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass in diversen Fragen zum Thema erläutert wird das von Abflussrohren in Außenwänden aus verschiedenen Gründen (Statik etc.) abzusehen ist.

Folgende Gedanken habe ich mir jetzt dazu gemacht:

- Die verbleibende Wandstärke ist ca. >35 cm lt. den Unterlagen der DGfM zu „Schlitzen und Aussparungen“ also gerade noch zulässig (zumindest die Hälfte der Gesamtstärke verleibt)

- Kondensat würde sich wenn eher im Rohr bilden, wenn z. B. warmes Badewasser das Rohr erwärmt und die zurückbleibende erwärmte Luft im kalten Rohr kondensiert. Dass das Rohr z. B. durch eine abgelassene Badewanne so nachhaltig erwärmt wird, dass Schwitzwasser entsteht nehme ich eher nicht an.

- Thermisch ist es bei meinem Mauerwerk fast irrelevant zudem in diesem Teil des EG eine Innendämmung kommt und später evtl. ein Vollwärmeschutz d.h. die Schwächung des Mauerwerks stellt so oder so keine Wärmebrücke dar

Folgendes würde ich jetzt weiter unternehmen:

1. Polokal NG Schallschutzrohr verwenden

2. Mit PE-Rohrisolierung ummanteln

3. Mit den zum System passenden Schallschutzschellen und oben, mittig und unten fixieren (im auf dem Foto zu sehenden Bereich) im weiteren Verlauf nach oben dann alle paar Meter

4. Verbleibenden Zwischenraum seitlich und hinter dem Rohr mit Wärmedämmputz CS II (Perlite-Zuschlag) auswerfen

5. Mit Schallschutzziegel bzw. Schallschutzziegelfragmenten vormauern und seitlich möglichst gut mit Anschlussankern verbinden

6. Darauf folgt dann Grobputz, Innendämmung und Oberputz

Meine Bedenken wären:

- Ist das ingesamt zu großer Murks? Wie gesagt, viele Möglichkeiten habe ich bei meinem Altbau leider nicht.

- Sollte ich gegen Schwitzwasser doch noch mehr unternehmen? Der Schlitz wäre grundsätzlich schon breit genug um mehr (thermische) Dämmung um das Rohr zu bringen. Nur was verwendet man da am besten? Manche stopfen mit Mineralwolle aus, dann könnte ich allerdings nur vormauern, nicht auswerfen. Oder stattdessen Armeflex?

- Wenn ich den Schlitz grob mit Putz auswerfe könnte stellenweise erst recht eine Körperschallbrücke entstehen, wenn der Putz auf das Rohr drückt. Sollte ich mir ein DN 125 Rohr als „Schablone“ besorgen, darum auswerfen und das Rohr dann wieder rausziehen um eine sauberen vertikalen Kanal für das DN 110 Rohr zu erhalten?

- Erfüllt eine Reihe Ziegel davor den notwendigen Brandschutz oder kann man die Konstruktion insgesamt besser lösen? Etwa den ganzen Schlitz mit samt durch Ummantelung abgeschirmtem Rohr ausbetonieren o.ä.

Hoffe der einige oder andere hat vielleicht einen Hinweis parat.



Abwasserfallleitung in der Außenwand



Installationsschlitze stemmen ist schon lange nicht mehr "state of the art".
Selbst wenn noch die halbe Wand stehen bleibt, ist sie doch unnötig geschwächt.
Nun ist es aber zu spät. Also besser vorher fragen.
Warmes Abwasser macht keine Probleme, sondern u.U. kaltes (WC).
Wenn Dämmung, dann Armaflex (o.glw.).
In der Regel reicht eine 90er Fallleitung für die Hausentwässerung.
Eine Fallleitung in der Außenwand hat nur Nachteile.
Sinnvoll ist eine Vorwandinstallation; Schall- und Brandschutz sind leicht umzusetzen.





Vorwand wäre statisch leider ebenfalls ungünstig gewesen, da dafür eine Kernbohrung durch die Dübelbäume (oben im Bild) notwendig gewesen wäre – noch dazu in der Nähe des Balkenkopfes, der ohnehin eine empfindliche Stelle darstellt. Zu spät ist grundsätzlich nichts, ich kann den Schlitz immer noch mit Ankern versehen und ausbetonieren um das Mauerwerk wieder kraftschlüssig zu verbinden. Dann ist diese Stelle wohl belastbarer als vorher.

Die Frage ist ob meine Alternativen so viel besser sind. Bei der tragenden Innenwand habe ich mehr oder weniger die selbe Situation.

Die nicht State-Of-The-Art Variante zusammengefasst: In Armaflex einpacken, Schellen drum herum verbleibenden Raum mit Mörtel auswerfen und dann mit seitlich verankerten Schallschutzziegeln vormauern? 11,5 cm sollten sich ausgehen, damit wäre F90 gegeben.

Welche Nachteile blieben bei dieser Variante aus Ihrer Sicht dann noch?





Schall- und Brandschutz hatte ich schon erwähnt; ferner eingeschränkte Anschlussmöglichkeiten; Wärmebrücken, statische Beeinträchtigung des Gebäudes. Im Erweiterungs- oder Reparaturfall schlechter Zugang.
Und wo sollen die anderen Leitungen (TWK, TWW, TWZ, HV, HR, E) einschließlich der erforderlichen Dämmung untergebracht werden? Die 16 x 30 cm sind dafür nicht ausreichend.
Ob und inwieweit ein Durchbruch bei einer Dippeldecke möglich ist, kann ohne weitere Kenntnisse des Gebäudes nicht aus der Ferne bestimmt werden; lässt sich nur vor Ort bestimmen; ggfs. muss ein Statiker hinzugezogen werden.





Nun der Schall- und Brandschutz ist eig. bei der geplanten Umsetzung relativ einfach und verlässlich umsetzbar. Das Rohr ist mit F90 vom Innenraum abgeschirmt und es ist keine Manschette in der Holzdecke notwendig. Zudem kann mit viel Masse vorgemauert werden.

Schwer zugänglich ist das Rohr auf jeden Fall. Allerdings mündet es auch in einem Anschlusstück, dass unter der Sauberkeitsschicht hinweg zum Hausanschluss führt. Eine Leckage wäre so oder so eine ziemliche Katastrophe.

Mehr Sorgen macht mir eig. Frost. Aber ich denke ich werde dem Installateur eine Reduktion auf DN 90 vorschlagen (günstigere selbstreinigung, noch leiser, platzsparender) und die Öffnung seitlich und hinten mit Wärmedämmputz auffüllen, zusätzlich das Rohr mit Isolierung ummanteln. Dann ist das Rohr ca. 40-45 cm von der Außenseite der Wand entfernt und hoffentlich ausreichend abgeschirmt auch bei -15°C draußen.

Auf der Innenseite alle 30-40 cm Spiralanker in den Fugen setzen um das Mauerwerk links und rechts der Schlitzes wieder kraftschlüssig zu verbinden.

Bezüglich der anderen Leitungen: Die verlaufen „so wie es sich gehört“ in einem neu zu schaffenden Installationsschacht zentral im Gebäude. Allerdings wird der von dieser Seite diesem Schacht durch ein Treppe abgeschirmt. D.h. eine zusätzliche Abflussachse ist leider notwendig um das Treppenloch nicht im Boden umschiffen zu müssen.