Mit Hartöl eigelassene Böden teilweise angeschliffen - Schleifspuren beseitigen

17.05.2011



Hallo. Dieses Forum diente mir bisher immer wieder als Informationsquelle. Nun habe ich auch mal eine Frage.

Wir haben unsere Dielenböden aus Fichte mit Hartöl (Auro) eingelassen. Den 1. Anstrich weiß pigmentiert. Den 2. Anstrich weiß + transparent. Nach dem 2. Anstrich haben wir leider Fußspuren hinterlassen, die wir nach Austrocknung versucht haben wegzuschleifen (per Hand mit Papier Korn 80 - 150)..

Nun sieht man die Schleifspuren extrem, wenn man im schrägen Winkel und gegen das Licht schaut. Wie bekomme ich sie wieder weg? Offenbar verträgt der Boden gar kein Rumgeschleife, obwohl das theoretisch doch eigentlich unproblematisch sein sollte.

Noch mal alles komplett abschleifen? Und wie genau (Korn, Maschine..)?

Einzelne stellen nochmal mit Hartöl bearbeiten oder einschleifen? Vielleicht mit rauem Schwamm?

Ich hab schon ein bisschen probiert aber ohne gute Ergebnisse. Vielleicht hat jemand einige Tipps. Danke.



Weitere Informationen.



Möchte noch ein paar Infos geben:

Die Schleifspuren scheinen nicht bis auf das Holz zu gehen. Oder nur teilweise bis auf das Holz. Eine Tellerschleifmaschine / besser gesagt Poliermaschine ist vorhanden. Momentan mit beigen Pads parat. Nach dem Schleifen kam noch eine transparente 3. Schicht dazu. Die Spuren entdeckten wir erst da.

Ob eine 4. Schicht nach einem kompletten Zwischenschliff nicht auch zu viel wäre? Denke nicht - aber wer weiß.

Wäre das Anlösen der Ölschicht vielleicht auch eine Möglichkeit? Und wie müsste man das am besten machen.

Das Problem ist halt, dass es große Räume mit großen Fenstern an den Wänden gegenüber der Eingänge sind und man jeden kleinen Makel sieht.



Welches Hartöl wurde da verwendet?



Hallo Johannes22,

Deine Angaben sind etwas unklar. Welches Hartöl hast Du da verwendet? Unter "Hartöl" gibt es eigentlich nur das 123 Pur Solid oder das 126 mit Verdünner.

Bei beiden Ölen wird aber sehr darauf hingewiesen, dass keine Schichtbildung zugelassen werden sollte:

"Produkt muss vollständig in den Untergrund eindringen, nicht filmbildend verarbeiten..."

"Überstände, überschüssiges, nicht eingedrungenes Material, unbedingt vor Antrocknen, spätestens innerhalb 30 Minuten mit nicht flusendem Lappen, mit beigem oder weißem Pad, o.ä. gleichmäßig einreiben, verteilen und abnehmen."

"unverdünntes Produkt sehr sparsam auftragen (z.B. mit Lappen oder weißen Polierpads). Entstandene Überstände wie ... beschrieben sorgfältig abnehmen..."


Was Du beschreibst sind Schichten auf dem Holz. Die sollten komplett wieder runter, da sie dauerhaft nur Ärger bereiten.

Mit was habt Ihr denn den Boden vor dem Ölen geschliffen? Du schreibst über Deinen Versuch bei den Fußspuren von 80er + 150er Korn mit der Hand. --> Das ist auf einer fertigen Fußbodenoberfläche (bei uns in Fichte wäre das 180er Korn = 120er Schleifgitter) schon starker Tobak und das 150er Blatt nach dem 80er ist zu fein.

Ich würde an Deiner Stelle erst einmal aufmerksam die Datenblätter lesen, dann die bearbeiteten Stellen vom 80er Schliff auf das Kornniveau des ganzen Boden bringen und anschließend die Oberfläche mit Orangenschalenöl und grünem Pad von der Schicht befreien. Danach mit Schleifvlies glätten und noch einmal hauchdünn ein Öl mit Weißpigment, das wenigstens 40% Vedünner hat, hauchdünn mit weißem Pad aufpolieren.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Antwort



Hallo. Danke für deine Antwort.

Auro Nr 126 bzw. 126-90.. "Schicht" ist vielleicht das falsche Wort. Ich kann auch nicht genau sagen in wie weit das nun eine Schicht ist. Verarbeitet wurde es denke ich schon richtig oder? Mit Lack-Rolle dünn aufgetragen, stärker saugende Stellen noch mal überstrichen, danach ausführlich poliert (ich denke grüne Pads - aussehen tun sie beige), mit Tuch restliche Überstände abgenommen bzw. Polierspuren abgenommen. Wir haben eigentlich auch Erfahrung mit Hartöl.

Eventuell kam aber bei unserem ersten Versuch doch zu viel Öl drauf. Kann ich leider nicht genau sagen (es gibt keine glänzende Flecken, klebrige Stellen oder dergleichen!)

Mit den Fußspuren - das war reine Dummheit gepaart mit Müdigkeit. Dazu kam, dass der Erstanstrich nach 24 Std noch nicht trocken genug war und der 2. Anstrich den Ersten angelöst hat. Ergebnis war schmieriger 2. Anstrich, verklebte Pads und aufgeregte Leute, die im Raum umherlaufen und abnehmen.. usw. ;)

So nun zu den Fakten:

Habe heute den Tag die Schleifspuren beseitigt, mit 120/150/180/240 Papier - in der Reihenfolge. (hoffe dass 240 nicht schon zu fein war! Hab da was gelesen...) Keine Spuren mehr zu sehen.. Doch das war vor dem 3. Anstrich auch nicht der Fall. Das Öl bringt sie hervor, falls vorhanden..

Nun ist der Boden natürlich teilweise matt glänzend und teilweise stumpf.

Nun stellt sich die Frage.. Insgesamt zuviel Öl drauf? Alles wieder auf ein Niveau bringen? Mit Schwingschleifer besipielsweise? Oder restlichen Boden leicht anschleifen mit Tellermaschine und dann 4. Anstrich machen?

Ich weiß kann man schwer einschätzen.



Zusatz



Beim Erstanstrich lag ich ziemlich genau bei qm Angabe zur Ergiebigkeit. Zweitanstrich deutlich weniger. Weniger als die Hälfte.

Geschliffen wurde vorher mit 16/24/60/80/120 Korn mit Parkettschleifmaschine. Hat einwandfrei funktioniert so. In anderen Räume war es einfacher (60/(80)/120 Korn). 60er Korn wurde dann auch einmal in Faserrichtung geschliffen, wenn 80er nicht zum Einsatz kam. Alle Böden waren danach einheitlich glatt ohne Schleifspuren oder dergleichen.



Fichtedielen schleifen



Hallo Johannes22,

nach dem 120er Schliff mit der Walzenmaschine würde ich auf alle Fälle noch einmal ein 120er Schleifgitter mit der Einscheibenmaschine nehmen.

Wegen dem Öl: Schon malt gut, dass Ihr das 126er genommen habt und nicht das 123er.

Wenn der Boden tatsächlich nicht klebt und keine glänzenden Stellen sichtbar sind, dann würde ich den ganzen Boden mit einem 120er Schleifgitter feinschleifen und anschließend mit weißem Pad das 126-90 tropfenweise aus einer Sprühflasche noch mal aufpolieren (unter 20ml/m²).

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



123 oder 126 ..



"nach dem 120er Schliff mit der Walzenmaschine würde ich auf alle Fälle noch einmal ein 120er Schleifgitter mit der Einscheibenmaschine nehmen."

Hallo Frank..
Wäre durchaus eine Überlegung wert, weil durch den Einscheibenschleifer vermutlich auch der Rand einheitlicher wird. Allerdings haben wir hervorragende Ergebnisse schon so bekommen. 2 gr. Räume sind komplett fertig und sehen super aus.
Beim 3. Raum mit den Problemen habe ich jetzt einen Schwingschleifer genommen, weil die Schleifgitter nicht verfügbar waren. Bis jetzt sieht es gut aus. Morgen kommt neues Öl drauf. Aber ich denke dass stellenweise schon zu viel unten ist. Daher würde ich nochmal alles einlassen.

Das 123 PureSolid hatten wir noch nie. Und uns wurde auch seit eh und je das 126er empfohlen. Warum ist das 123 nicht so zu empfehlen? Das würde mich mal interessieren.

Und noch eine Frage. Ein kompletter Endanstrich mit 50/50 transparent und weiß pigmentiert - geht das? Oder muss am Ende immer transparent oder Wachs drauf? Könnten die Weißpigmente abfärben, z.B. auf Socken, wenn sie als Endanstrich verarbeitet wurden..?

Gibt es jetzt die Auro Holz(boden)-Produkte nicht auch in wasserlöslicher Form? Und hat man da schon Erfahrung mit gesammelt? Frag nur aus Interesse.

Danke und Gruß Johannes



Schwingschleifer und Einscheibenmaschine...



Hallo Johannes,

ein Schwingschleifer ist schon ein völlig anderes Gerät als eine Einscheibenpoliermaschine. Ein 120er Schleifgitter ist z.B. wesentlich feiner als eine 120er Körnung auf normalen Schleifpapier. Das 120er Schleifpapier entspricht ca. einer 180er Körnung bei Schleifpapieren. Mit dem Schwingschleifer nimmst Du zuviel ab.

Ich habe Dir diese Variante empfohlen, da Du mit der Walzenmaschine bis auf 120er Korn schon gekommen bist - diese Oberfläche aber noch relativ rauh für einen Boden ist und deshalb die Anschmutzung relativ rasch erfolgen wird.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Öl mit oder ohne Verdünner



Hallo Johannes22,

Mit dem 123er ist es nicht so einfach zu arbeiten wie mit dem 126er - da es pure solid ist. Also sehr fett eingestellt. Das ist ein Zugeständnis an die VOC-Verordnung - also der umgesetzte Wunsch, möglichst VOC-frei zu sein. Verbunden ist das mit dem Nachteil, dass eine Sättigung der Holzfaser mit Öl kaum mehr gegeben ist, bzw. nur dann möglich ist, wenn jede Menge Verdünner (= VOC !) dazu gegeben wird.

Man kauft also etwas VOC-freies und muss dann in seinem eigenen vier Wänden mit Verdünner rumexperimentieren. Da ziehe ich das von Profis fertig vorgemischte Produkt vor. Das 126 gibt es schon seit zig Jahren und hat sich bewährt.

Öle, die so emulgiert sind, dass sie sich in Wasser lösen lassen, sind auch ein Zugeständnis an die VOC-Verordnung. Wasser lässt die Holzfaser quellen und sperrt ab. Ich bleibe da lieber bei den Classic-Produkten.

Eine Mischung 50:50 zwischen Öl mit Weißpigment und transparent kannst Du machen - aber warum? Bei Natural haben wir auch ein Öl mit Weißpigment. Das ist so abgestimmt, dass Du die Pigmente nicht siehst. Es dient nur dazu, dass das Holz nicht so anfeuert. Die Optik bleibt so wie im frisch geschliffenem Zustand.

Mischen würde ich also nur, wenn bei dem 126-90 zuviel an Weißpigment sichtbar wäre. Da die Öle keine Schicht aufbauen sollen gibt es auch keine Schutzschicht mit weniger Weißpigment bei dem letzten Anstrich für darunter liegende "weißere" Öle.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Danke für die Infos / Fazit



Hallo Frank.

Danke für die Informationen.

Zum Problemraum: Bin deiner Empfehlung gefolgt und hab 120er Schleifgitter geholt. Das war zu grob ;) Na ja nicht wirklich: Wenn ich mit dem 120er drübergehe, habe ich deutliche Schleifspuren. Quasi in bzw. auf dem leicht matt glänzenden hauchfeinen "Film"... Also hatten wir schon eine Art veränderte Oberfläche/Schicht. Andrerseits muss doch auch beim Hartöl die Oberfläche verändert sein. Sonst würde ein Boden danach auch nicht matt glänzen, was ja beabsichtigt und normal ist. Aber das ist denke ich Haarspalterei und man muss es wohl auch anschaun können, um es zu beurteilen.

Mit den Schleifgittern - das war trotzdem goldrichtig! Nur dass wir jetzt einfach nochmal eine Stufe weiter vorne anfangen und 80er Schleifgitter verwenden. Sobald der mattglänzende Film weg ist, verschwinden auch die restlichen Schleifspuren. Danach 120er und lupenreine Oberfläche.

Vielleicht ist das auch nur bei Auro so? Vielleicht war das Öl auch schon zu durchgetrocknet (einige Tage lagen dazwischen), so dass es richtig "hart" wurde und dementsprechend die Schleifspuren so konserviert und "aufnimmt".. (?)

Haben das heute Abend jedenfalls mal getestet mit dem Schleifgitter und das Ergebnis war sehr sehr gut. Hätten auch noch 180er Schleifgitter da. Für den Feinschliff. Oder wird das zu fein für das Eindringen des Öls?

Noch eine Frage: Die Schleifgitter scheinen für die anderen 2 Räume etwas viel zu sein. Wenn wir die jetzt auch noch etwas feiner hinbekommen wollen könnte man doch vielleicht auch Pads nehmen. Welche wären da geeignet? Danach müsste man dann auch nochmal etwas Öl wie beschrieben aufpolieren oder? Weiße Pads = Vlies-Pads?

Grüße aus der Nordoberpfalz



ES ist...



komplett neu zu ölen, vorzugsweise mit der Einscheibenmaschine und weißem Pad. Damit verhindert Ihr, wieder zuviel Öl auf der Fläche stehenzulassen, und die Fläche wird glatter.

Grüße

Thomas



Schleifgitter - Schleifvlies



Hallo Johannes22,

Du kannst das 180er Schleifgitter auch verwenden. Tatsächlich kann es sein, dass dann auch etwas weniger Öl benötigt wird. Nachdem du nun mit dem 80er gearbeitet hast, steht das an, was Thomas beschrieben hat.

Bei den anderen Räumen, wo du der Meinung bist, dass die Schleifgitter zu heftig sind, geht auch eine Schleifmatte/-vlies.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de




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