Rat gesucht, Probleme nach Abschleifen von Dielen

10.09.2005



Hallo, ich habe vor einer Woche Dielen, ca. 45 qm, in meiner Mietwohnung abgeschliffen. Ochsenblutrot... war eine wahnsinnige Arbeit, würde ich nie wieder in einer Mietwohnung machen. Unterstützt wurde ich von einer Fachfirma, bei der ich anschliessend einen Wasserlack kaufte, polnisches Fabrikat. Damit habe ich die Dielen überstrichen und nun ist trotz fast optimaler Belüftung irgend etwas in der Luft. Ich habe Atemwegsbeschwerden und bekomme, eventuell an bestimmten Stellen, Kopfschmerzen, insbesondere in Bodennähe. es macht den Eindruck, als würde das alles etwas nachlassen, ist aber immer noch da, es ist wie ein Gespenst, zumal es nicht riecht...
Ich bin für Ratschläge sehr dankbar!!

P.S.: Heute bei Obi gewesen, da kam noch ein anderes frustriertes Paar rein, die das Abschleifen mitten in der Arbeit aufgegeben haben. Finde ich gar nicht dumm...



Wasserlack, polnisches Fabrikat oder nicht,



hallo Jason,
einen wirklichen Rat habe ich nicht.
Wundern tue ich mich einerseits darüber, daß es keine Beschweden beim Abschleifen gab, andererseits wundere ich mich nicht darüber, daß es Menschen gibt, die bei "Wasserlack" Beschwerden haben.
Was glaubt Ihr denn, was in so einem Wasserlack drin ist? ...ja auch Wasser...und der Rest ist CHEMIE.
Selbst auf sogenannte "Bioprodukte" kann man allergisch reagieren.(ich ganz besonders)
Eine allergene Reaktion wird durch einzelne oder mehrere Stoffe verursacht.
Es wäre also durch einen Allergietest das individuelle Ansprechverhalten zu klären und danach das geeignete Versiegelungssystem zu wählen.
Grüße Lukas
PS manche Kopfschmerzen haben auch nur Dehydration als Ursache



Geiz macht blind!



Hallo Jason,

in Deinem persönlichen Fall ist das sicher bedauerlich. Aber, wenn man hier ins Forum schaut - erkennt man haufenweise derartige Fälle. Ich frage mich natürlich immer wieder, mit wieviel Vertrauen in die eigene Unfähigkeit die mündigen Bürger immer wieder auf derartige "Schnäppchen" in Baumarkten und bei dubiosen Fachfirmen hüpfen - und anschließend nach dem Reparaturbetrieb schreien - aber bitte ganz günstig.

Du hast bei Deiner Arbeit mehrere Punkte nicht richtig bedacht: Erstens ist ein Lack nicht gerade eine Premium-Lösung für einen Fußboden - und zweitens wirst Du von Deinem Lack sicherlich noch länger etwas haben, da die Lösemittel noch in Jahren ausgasen (können).

Auch die angeblich "lösemittelfreien" Farben dürfen Lösemittel enthalten, wenn ihr Anteil leicht flüchtiger Bestandteile unter 10% liegt. Schwer flüchtige müssen m.E. nicht deklariert werden.

Warum wohl sträuben sich viele Hersteller gegen eine Voll-Deklaration ihrer Produkte?

Wenn Du Deiner Gesundheit etwas gutes tun willst, solltest Du das ganze unter unliebsame Erfahrungen abbuchen und den ganzen Sch*** wieder abnehmen. Das macht aber sicherlich auch wieder Kopfschmerzen.

Im übrigen kann ich nur Lukas dahingehend recht geben, daß auch natürliche Lösemittel, wie z.B. Kiefernterpentinöl, allergene Reaktionen auslösen können.

Und zur Dehydration: Man braucht pro qm ca. 0,5 Liter Gerstensaft ;-)

Völlig losgelöst

Bernd

PS
Lukas: Warum sollte es beim Abschleifen Kopfschmerzen geben. Wenn es z.B. eine leinöl-basierte Lasur war, atmest Du nur Holzstaub und anorganische Pigmente - und dagegen ist der gemeine Zweibeiner relativ resistent - abgesehen von tagelangem Husten - aber der kann natürlich wieder Kopfschmerzen zur Folge haben.



Danke erstmal



Hallo, Danke erstmal für die Antworten!
Frustrierend, bringen aber weiter. Mit dem Geiz- das stimmt schon, das gebe ich zu. Ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestossen, vom Niveau her ist das etwas ganz anderes als die Beratung, die man ansonsten in den Baumärkten bekommt! Aber auf das Forum muss man erstmal kommen...
Ich habe gestern noch ein Problem etwas unbeschrieben belassen- erst gestern wurden die Sockelleisten befestigt, vorher war dahinter/drunter nackter DDR- Hinter/Untergrund.
Vielleicht liegt/lag es auch daran, was da rauskam. (?)
Und zu meiner allergrößten Schande muss ich gestehen, dass es Flecken gibt, die noch nicht so toll bzw. gerade mal sehr wenig lackiert sind, hat aus wohnungstechnischen Gründen vorher nicht geklappt.
Soll ich jetzt den Rest des Wasserlacks dafür verwenden?
P.S.: Heute nacht ging es schon besser...



Unterwelt ??



Hallo Jason,

ich kenne zwar den Aufbau des "typischen DDR-Untergrundes" nicht - aber möglich ist in Deinem Fall vieles. Vielleicht haben sich auch mehrere Effekte hier additiv hochgeschaukelt.

Ob Du jetzt noch die Reste Deines Lackes verteilen solltest, muß nach den ganzen Warn-Hinweisen Deine ganz persönliche Entscheidung bleiben. Normale Wasserlacke trocknen sehr hart auf und treten sich relativ leicht ab oder werden anderweitig beschädigt - und nach kurzer Zeit sieht das einfach besch*** aus.

Schau Dir doch mal auf www.auro.de die Deklaration eines Fußbodenlackes (Nr. 267) an - und vergleich es mit Deinem Import-Produkt. Ähnliche Produkte gibt es natürlich auch von anderen Herstellern wie Kreidezeit, Osmo etc.

Und wenn Du jetzt mal Deinen ganzen Ärger mit einbeziehst, wirst Du leicht feststellen, daß sich die paar Euros mehr jetzt sicherlich schon bezahlt gemacht hätten.

Gruß aus BS

Bernd



Nachdem ich über



Wochen hinweg auch 100 qm Ochsenblut abgeschliffen habe, erlaube ich mir ein kleines Urteil. Da das Ochsenblut nicht nur aus Ökoproduktion stammte und 3-4 Anstriche dick war kann man sich vorstellen, welch nette Dämpfe beim abschleifen entstanden. Meine Lunge war nicht glücklich. Kopfschmerzen gehörten zum Schleifen. Aber ich habe über die Tour wenigstens das Rauchen aufgehört.

Noch schlimmer war das Schleifen des Bodens, nachdem er mit Holzspachtelmasse abgezogen war. Die Dämpfe, vor allem im Randbereich sind noch viel "leckerer".

Als Schlußbehandlung habe ich den Boden 2-3 mal mit 100% Öko Bio Sonnenblumen Wachs ..... gespachtelt und poliert.

Meine Frau und ich haben davon ebenso Kopfschmerzen bekommen. Die haben ca. 2 Wochen angehalten.

Mit anderen Worten: Egal was Du auf den Boden aufbringst. Vorher informieren. Gegebenenfalls antesten. Jeder Mensch reagiert verschieden drauf.
Die Lack-, Lösemittel-, Epoxie- und Polyester- Lösung hat auf alle Fälle das größte Gefährdungspotential. Beim Aufbringen, wie beim "Abbringen".



Mal ganz allgemein !



Moin miteinander,

es ist ja unbestriiten, daß auch Natur-Produkte reizend sein können oder sogar allergene Potentiale haben. Schließlich kommt auch der Heuschnupfen aus der Natur. Mir persönlich ist das aber allemal lieber als ein karzinogener Cocktail unbekannter Mixtur.

Uwe hatte neben dem Aufbringen noch das Problem des Abbringens angesprochen. Die harte Chemie habe ich dann im Zweifel doppelt, denn harte Chemie bekomme ich nur teuer mit harter Chemie wieder weg.

Eine ölbasierte Lasur/Farbe ist jedoch mit einfachsten, sehr preisgünstigen Methoden wieder zu entfernen - und das Rezept aus Weißkalkhydrat und Schmierseife hatten wir hier schon häufiger diskutiert. Auftragen, einwirken lassen, mit dem Spachtel abheben, nachschleifen - Fertig !

Natürliche Grüße

Bernd

PS
@Uwe: Ich möchte auch mit dem Rauchen aufhören. Habe leider keine 100 qm zu schleifen ;-)



Der "typische DDR-Untergrund",



guten Morgen miteinander,
hat nachweislich Kopfschmerzen verursacht. Und zwar bei den damaligen Bonzen. :-))
@ Bernd,
Das Rauchen aufhören möchte ich auch. Ich habe schon etliche m² geschliffen. Bei mir hat das nicht geholfen.
Zumindest nur so lange, wie ich die Maske im Gesicht habe.
Aber ich kann Dir Bescheid geben, wenn mal wieder schleifen anliegt. Vielleicht funzt es ja bei Dir.:-)
Grüße Lukas



Danke nochmal, ich halte Euch auf dem Laufenden



Danke nochmal für all Eure Beiträge, ich versuche Euch auf dem Laufenden zu halten.
In der Tat hört sich das mit Uwes Geschichte sehr vergleichbar an. Als Quintessenz sollte man zumindest beim Versiegeln/Ölen wirklich nicht so aufs Geld achten, unterschreibe ich sofort!
Und nochwas- Walzenschleifmaschine in den dritten Stock tragen hat auch so seine Gefahren, ich helfe sehr oft bei Umzügen und habe einiges in der Hinsicht auf dem Kasten, Walzenschleifmaschinen haben ganz, ganz tückische Schwerpunkte, passt auf Eure Bandscheiben auf...

Grüße



Bandscheiben



Na, dazu habe ich noch ´nen bandscheibenschonenden Tip.
Bei den Maschinen von Lägler läßt sich der Motor mit wenigen Handgriffen demontieren.
Dazu öffnet man die Abdeckung der Riemen, schraubt die Spannschraube lose, nimmt die Riemen ab, löst die beiden Muttern, die den Motor halten und nimmt den Motor ab.
Dann ist das Teil auch von einem alleine zu bewegen.
Grüße Lukas



Ma was anderes...



... ich weiß ja net, was und wie ihr das gemacht habt, aber die Aussage: "wochenlang für 100 qm" oder "frustriert aufgegeben" passt garnet zu meinen Erfahrungen...

Wir haben jeweils nen halben Tag für jeweils 25 qm gebraucht. Auch Ochsenblut und mehrmalige Schleifgänge. Das war ehrlich gsagt "eins meiner leichtesten Übungen". Hattet Ihr auch Walzenschleifer und Schleifpapier in 4 unterschiedlichen Körnungen? Oder was habt Ihr gemacht???

Ich versteh das garnet...

Grüße Annette *grübel*



Ok .. Wochenlang...



hat sich die Arbeit hingezogen. Ich hatte ca. 140 lfdm Rand mit der Randschleifmaschine zu Schleifen. Das 24er Korn hat sich sehr schnell mit der dicken Pampe zugesetzt und geschmiert. Die Duftentwicklung war betörend.
Die Flächen mit Walze zu schleifen war noch ok. Auf den Pich Pine Dielen bin ich schon 12 mal mit 24er Korn drüber gewesen, aber da ist immer noch Farbe drauf. Das Holz in sehr hart!

Da ich alle Böden 2x mit Holzspachtel abgezogen habe, ist mir dieser Duft ebenfalls im Gedächtnis verankert.

Hier wieder das Gleiche: Schleifen mit der Walze ist ok. Die Randpartien zeichnen sich durch zusetzende Schleifpapiere aus. Bei der Hitzeentwicklung verbreiten sich die "gesundheitsförderlichsten" Dämpfe.

So waren mir die Wochen wie Monate.

Alles in Allem hat es aber schon Spaß gemacht. Nachahmer mögen sich vielleicht darauf einrichten, daß sie einfach schneller die Schleifpapiere wechseln. Ich sag mal je Meter und Korn 1 Stück.



Leider, leider



Leider verziehen sich die Dämpfe nicht, ich habe immer noch Atemwegsbeschwerden (ein dumpfes Gefühl bis in die Lunge) und morgens eine verstopfe Nase, teilweise Herzrasen, Kopfschmerzen und ein Unwohlsein, nur innerhalb der Wohnung. Ich war mehrere Tage weg, das kam alles wieder in der Wohnung, die tagelange weiter durchlüftet.
Ich habe jetzt echt Angst und unternehme was, bin aber für jeden Rat weiterhin dankbar.
Ich habe die Firma, wo ich den Schleifer ausgeliehen und den Lack gekauft habe aufgefordert, den Lack zu entfernen.
Das Gesundheitsamt Berlin ist mit mir in Kontakt, die Luft soll wohl analysiert werden, es gibt dabei Schnelltests in der Apotheke, den entsprechenden muss ich noch raussuchen.
Der Hersteller des Lacks ist angeschrieben worden, was für Bestandteile der Lack hat (bedarf der Lack in D. einer Zulassung? Er kommt aus Polen). Die Firma ist übrigens LAKMA, Luxmal Boazeria Polmat, der Lack war so billig nicht, 66 EUR.
Mensch, Mensch, Mensch.....



Wünsche Dir viel Erfolg



bei der Ursachenfindung und Beseitigung. Darüber hinaus wünsche ich Dir, daß Du Deine Gesundheit zurück bekommst.
Die einzige Idee die ich noch habe ist: Mit starkem Industiresuger und schmaler düse möglichst viel Staub auch aus dem Bereich Diele/Wand/Bodendecke raussaugen. Staub hält sich auch lang in den anderen Räumen.
Und google mal unter Geruchskiller Edelstahl. Will hier keine Werbung machen. Vielleicht könnte das helfen. Das Teil soll angeblich die Molekülketten der Luft verändern. Vielleicht hat das auch auf Deine Dämpfe (falls es das ist) Einfluß. Bei mir hat es den Gestank von Hausmäusen erträglicher werden lassen. Es gibt immer wieder Sachen zwischen Himmel und Erde....

Gruß Uwe



Wasserlack



Hallo,
das Problem bei Produkten auf Wasserbasis sind nach meinem Wissen nicht unbedingt der Rest an Lösemittel sonder die Ersatzstoffe, z.B. Rapsöl oder ähnliches. Diese dünsten nur sehr langsam aus. Dies meist bei sehr starken Gerüschen. Ein lösemittelhalties Produkt stinkt nur kurz, dann ist alles Verdunstet. Ich kenne einen Chemiker der sich intensiv mit solchen Problemen beschäftigt, der sagt bei mir kommt nur Lösemittelhaltiges Zeug rein! Tür zu, 2 Tage lüften, dann ist alles weg. Ganz so muß man es sicher nicht machen. Bei Billigprodukten die auf Wasserbasis sind treten aber oft deine Probleme auf.

Olli



Knapp daneben



Rapsöl und Co. dünsten nicht aus, sondern trocknen durch Oxidation mit Sauerstoff aus der Luft.
Und der Chemiker sollte nochmal einen Auffrischungskurs in Sachen Lösemittel buchen. Was ist z.B. mit schwer flüchtigen Lösemitteln - mit denen hat man ein paar Tage länger zu tun.

Und aus der Deklaration der Produkte ist auch nicht immer ersichtlich, was drin ist.
Und: LM-Anteile von < 10% müssen garnicht deklariert werden - im Zweifel bekommen sie dann auch noch den Blauen Engel.

LG
Bernd



Geständnis



Leider noch ein Nachtrag dazu, entschuldigt bitte, daß er so verspätet kommt und ich vielleicht MEnschen bisher verunsichert hatte- die Ursachen der Gesundheitsbeschwerden sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf eine andere Quelle zurückzuschliessen:

Ich hatte ungefähr zum gleichen Zeitpunkt des Wohnungswechsels einen Haufen Akten in Bananenkisten in die Wohnung bekommen, diese stammten wohl aus einem feuchten Keller. Hätte ich ja nie gedacht, aber während der Zeit des Chaos beim Abschleifen habe ich diese, wie auch den anderen Hausrat, immer von einem Zimmer ins andere gewechselt. Wochenlang waren sie also in der Wohnung. Erst als ich sie in den Keller verstaute, hörten die Beschwerden langsam auf.
Dass sie die Ursache sein könnten habe ich aber erst dann verstanden, als ich ein paar Kisten wieder in die Wohnung holte und sofort (!) Beschwerden hatte.

Ich kann es bis heute nicht erklären, ich bekam dann wie ein "Brett vor den Kopf", als würde ich Klebstoff schnüffeln, dazu Druck auf der Lunge und auch Herzrasen.
Natürlich habe ich die Ursachen entsorgt, bitte verzeiht die verspätete Aufklärung.