Schlagläden Fensterläden

30.03.2008 PFlam



hi

Ich bin auf der Suche nach Schlagläden für ein Bergisches-Fachwerkhaus.
Hat jemand eine Bauanleitung? (Eine Werkstadt währe zugänglich)

Was kosten sie vom Fachmann und woher weiß ich ob er sie auch richtig baut?

Gruß

Philipp



Gegenfrage ---



--- Herr Architekturstudent -- solche Fensterläden ??
-

Ein 4-flgl. Kreuzstockfenster mit Brettläden Ein 4-flgl. Kreuzstockfenster mit Brettläden



Hatten...



...wir das Thema nicht schon 'mal?

DIE Bauanleitung gibt es immer noch nicht. Fensterläden sind regional und zeitlich sehr unterschiedlich gestaltet. Einfach in der Nachbarschaft schauen, wo originale Fensterläden vorhanden sind. Ausmessen. Maße an den Bestand anpassen. Bauen.

So einfach ist das.

Grüße

Thomas



Bergischer Fensterladen



vielen Dank Thomas, das kann ich mir auch denken.

Da im Normalfall Schlagläden aber lackiert sind kann man nicht sehen wie es darunter aussieht.
Was die Forumsmitglieder sicherlich wissen wollen, sind die verschiedenen Verbindungstechniken, damit man auch lange Freude an dem neuen Stück hat
Ich werde garantiert nicht irgendeine Abbildung nachbauen die nicht in meine Region gehört.
Ich muss ja auch nur zwei erneuern. Bedeutet das nach zu bauende Exemplar hängt nur zwei Meter entfernt.

Wenn also jemand eine Konstruktive Anleitung hat würde ich mich sehr freuen. Vielleicht passt sie ja sogar für mein Haus;-)

Für den Herrn Tischlermeister habe ich das Foto hier.
Auf Wunsch kann ich noch weitere schicken
Würde mich über ein Angebot freuen

Beste Grüße

Philipp



Das wären denn...



...Schlitz/Zapfenverbindungen zwischen den Längs- und Querhölzern, die Füllungen sind eingenutet.

Bauanleitungen dazu gibt es im eigendlichen Sinne wohl nicht, die Herstellung der Verbindungen aber findet der Interessent in jedem Tischler-Lehrbuch, oder z.B. unter

http://www.schreiner-seiten.de/verbindungen/index.htm

Wie schon angemerkt, erfordert die Herstellung sichere Maschinen- und Materialkenntnisse, die der Laie üblicherweise nicht hat.

Bei Meister Milling ist der Holzladeninteressent gut aufgehoben.

Grüße

Thomas



Fensterladen, als Rahmenarbeit ---



--- mit beidseitig glatten Füllungen. Der auf dem Foto sichtbare Laden ist korrekt ausgeführt.
Besonders wichtig bei dieser Bauweise ist, daß das obere waagerechte Querstück durchgeht, so daß kein Hirnholz
bewittert werden kann. Diese Läden kann man ohne spezielle
Fräswerkzeuge recht einfach nachbauen. Für die Füllungen
schlage ich wasserfest verleimtes Sperrholz mit 8 mm Dicke vor. Die Eckverbindungen der einzelnen Rahmenstücke würde ich als Profil / Konterprofil ausführen und mit je 2
Hartholzdübeln sorgfältig wasserfest verleimen.
Die Dübel müssen aus Eiche oder Mahagoni sein KEINESFALLS
Buche, Der Dübeldurchmesser ergibt sich aus der halben
Rahmendicke. ( Bspw. 28 mm Rahmendicke = 14 mm Dübeldurchmesser ) Weiterhin sollen die Dübel 140 mm lang sein und je zur Hälfte in den einzelnen Stücken stecken.
Die Oberkanten aller waagerechten Rahmenteile müssen auch noch eine mindestens 15 Grad Fase haben, damit Regenwasser ablaufen kann.
Andreas Milling ( 43. Lehrjahr )



Ha ! da haben wir den Salat ----



--- der eine Holzwurm plädiert für Loch / Zapfenverbindungen
, der andere für Dübelverbindungen. - Das sind beides
sehr gute Holzverbindungen. Die Loch / Zapfenverbindung
wird heute fast nicht mehr angewandt, weil eine ordentlich ausgeführte
Dübelverbindung viel schneller herstellbar ist und einen wesentlich höheren Kippmoment als eine Schlitz / Zapfenverbindung hat. Außerdem ist eine Dübelverbindung
speziell bei einem allseitig bewitterten Fensterladen einer
Schlitz/ Zapfenverbindung weit überlegen, weil sie nicht
Quell-u. Schwundgefährdet ist. ( wie weiter oben schon erwähnt : Keine Buchedübel --- Eiche oder Mahagoni )
- Auf jeden Fall ist ein Fensterladen ein hochsensibles Bauteil, dessen Herstellung Fachwissen und höchste Fertigungs - Präzision verlangt, daß nicht schon nach dem Verleimen ein
" Propeller " auf der Hobelbank liegt.
-- A. Milling



Ich gehöre halt...



... zu den "Ewiggestrigen", was konstruktive Details betrifft. Betreffen Deine Einschränkungen hinsichtlich Kippmoment auch die Schlitzzapfenverbindung, die durch einen (oder 2) Holznägel zusätzlich fixiert ist?

Interessant für mich: erstmals fand sich ein nicht nur am Zeitfaktor festgemachter Grund, Dübel zu verwenden.

Grüße

Thomas



Ach Thomas W. Böhme, ---



---- daß Du Dich zu den Ewiggestrigen zählst, ist Dein Problem. Wahrscheinlich liegt es auch daran, daß Du als ein
Retaurator denkst und handelst. Wer heute noch eine Schlitz / Zapfenverbindung durch Holznägel gesichert favorisiert, ist auf dem Stand der Technik von 1850.
In meinem Besitz ist ein reprint - Tischlerfachbuch von 1899. In Diesem wurden zwar noch durch Holznägel gesicherte Schlitz / Zapenverbindungen erwähnt - aber seinerzeit
hatte man schon die verkeilte Stemmzapfenverbindung erfunden, die man durchaus auch bei Fensterläden anwenden kann - nur nicht am waagerechten oberen Querstück eines Fensterladens, weil hier das Regenwasser lustig und hurtig in das Hirnholz des Zapfens eindringen kann und dadurch nicht nur den Zapfen verfaulen lässt , sondern die gesamte
Holzverbindung zerstört.
Lieber Thomas W. Böhme, Holznägel im Innenausbau oder bei Möbeln stehen hier nicht zur Debatte, weil hier keine
verbindungsschädigenden Witterungseinflüsse zu erwarten sind. - Aber, so glaube ich langsam, daß Du Dir tatsächlich einmal ein etwas neueres Tischlerfachbuch
anschaffen und lesen solltest. Es muß ja nicht das Allerneueste sein.
Z.B. Zietz - Lehrbuch für Bautischler - vom VEB Fachbuchverlag Leipzig 1963 --- In diesem Jahr war ich 11 Jahre alt - und garantiert kein Mitautor.
-
Vorschlag : Du und ich bauen für Philipp Flamminger jeweils
für ein Fenster die Läden ! - jeder nach seiner Version.
- Und spätestens nach einem Jahr muß der Verlierer die
Kapitulationsurkunde unterzeichnen.
- Gruß, A. Milling



Grundgütiger,



mein Lehrbuch war noch ein paar Jahre jünger, trotzdem:

Beim Beobachten alter Fenster und Türen, die man ja in jeglichem nur denkbaren Zustand auf der Baustelle finden kann, habe ich viele solche Teile gesehen, die nur deshalb noch unter uns weilten - weil der Holznagel die ausgeleimte Konstruktion zusammengehalten hat.

Egal, was es heute alles so gibt: Diese Verbindung IST bewährt, auch im bewitterten Bereich. Modernere Verbindungen sind vielleicht besser, vielleicht auch nicht. Das wissen wir oder unsere Nachfahren, später.

Damit seien weder die alten Techniken glorifiziert, noch die neuen verteufelt. Handwerk lebt von der Beobachtung dessen, was man tut, und der Verbesserung der eigenen Techniken, wo möglich und erforderlich.

Grüße

Thomas