Alternative Holzimprägnierung: Abflammen ? Verkohlen ? Teer ?

17.01.2011



Gibt es ein (altes) Verfahren mit dem man Holz durch das Verkohlen der Oberfläche haltbarer machen kann ?

Ich meine Teer entsteht ja durch verkohlen und ist sehr wiederstandsfähig.

Könnte man vielleicht sogar das Dach aus solchen Holzteilen fertigen ?

Könnte mir vorstellen solch behandelte Bretter als Fassade (für eine Holzhütte) einzusetzen. Zwar wird das Holz dann natürlich schwarz aber die Struktur des Holzes kommt deutlicher raus.

Hat da jemand Erfahrungen oder Tipps ?



Bauen, nicht Abbrennen :-)



Die verkokelte Optik ist weder mehrheitsfähig, noch sinnvoll. In Skandinavien wird immer noch Holzteer hergestellt. Damit können Sie die benötigten Schutzstoffe anwendungssicher auf das Holz bringen.

Für ein Dach ist Holz in Brettform ungeeignet, Schindeln könnten mit Teer behandelt werden.

Frohes Schaffen

Thomas



Schindeln...



Naja, mehrheitsfähig muss das nicht sein - ich will nicht so bauen wie mein Nachbar...Und bei vielen Fachwerkhäusern sind die Balken, wahrscheinlich rein durch natürliche Alterung über die Jahrhunderste sehr dunkel bis schwarz geworden...

...bin offensichtlich kein Experte aber: ich experimentiere gern.

Warum genau eignen sich die Schindeln fürs Dach ?
Ist es weil die Fasern der Länge nach nicht geschnitten werden und somit das Wasser nicht eindringen kann ? Wie dick müssten diese wohl sein und könnte man jedes Holz nehmen ? Man könnte evtl. auch Schwarten dazu nehmen, oder ?
Ich würde die Schindeln gerne selbst anfertigen (brauche ja nun nicht soo viel), wäre für mich ein guter Grund mir mal ne Fiskars zuzulegen...



Herstellung



o.k., für die Herstellung gibt es genug links...bsp.:
http://www.holzschindeln-ratgeber.de/TechnikenzurHerstellungvonHolzschindeln.htm



Ich hab...



...die Schindeln nicht empfohlen, nur eine Behandlung, wenn's unbedingt Holz auf dem Dach sein soll. Nahezu jede Dacheindeckung ist preiswerter und lebt länger als Schindeln (zumindest im Flachland). Es könnte eine größere Dachneigung wohl unabdingbar sein, Verschattung des Daches kontraproduktiv.

Schindeln sollten gespalten werden, aus feinjährigem, hiebreifen Holz, möglichst splintfreie Lärche. Die tangential geschnittenen Schwarten aus dem Splintbereich taugen dafür nicht.

Grüße

Thomas





Das Einzige, was Holz in der Konstruktion dauerhaft macht, ist konstruktiver Holzschutz. Ankohlen hilft nicht langfristig - die Kohle ist sehr verrottungsresistent, das Holz darunter aber nicht.
Schindeldächer sind dauerhaft, wenn sie richtig gemacht sind, und wenn die Schindeln gespalten und dünn sind. Die Herstellung muss man können - das fängt schon bei der Auswahl des Baumes an. Zur Herstellung braucht man ein spezielles Schindelmesser und einen Holzhammer, eine Spaltaxt taugt dazu nicht.





Kaufen von Schindeln ist einfacher, besonders wenn man in der richtigen Region lebt.

Grüße



Für die Verschalung



einer Holzhütte reicht es aus, nicht imprägnierte Bretter aus Kiefern- oder Lärchenholz zu verwenden. Diese verwittern an der Oberfläche und werden grau.
Bei meiner Scheune sind diese schon 60 Jahre dran und kein einziges ist verfault.

Viele Grüße



@ Gerhard



Dann stimmt der konstruktive Holzschutz...

Grüße

Thomas



Wenn verkohlen Sinn macht, dann....



... würde man diese Variante auch verbaut sehen. Mir ist so eine Fassade noch nie aufgefallen.

Ich vermute mal, dass das Verkohlen für Pfähle im Erdkontakt durchaus einen Nutzen hat. Die verkohlte Schicht ist erst einmal uninteressant für jedes Getier und viel Nährstoffe gewährt sie auch nicht.

Als Fassade verbaut sehe ich aber das Problem, dass die Oberfläche absolut offen ist und Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufnehmen wird. Enstprechend werden die Auswaschungen sein und entsprechend schnell leiden dann die intakten Holzschichten darunter.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Das Ankohlen des Holzes



Das Museum an der Müritz hat so eine angekohlte Fassade aus Lärchenholzbrettern. Mir gefällt die Optik sehr gut.

Vom Altertum bis ins 19. Jh. fand das Ankohlen eine breite Anwendung, z.B. bei Schiffsbauhölzern und Leitungsmasten. Wahrscheinlich mit mäßigem Erfolg. Ich habe nach nachgeschlagen: zwei Bücher in meinem Regal von 1950 und 1916 über Holzkonservierung bescheinigen dem Ankohlen zwar theoretisch einen gewissen Randschutz gegenüber einem Pilzbefall, jedoch wird aufgrund der höheren Wasseraufnahme und der Rissbildung ein Nutzen in Frage gestellt.

Wer die Zeit oder das Geld hat und eine Vorliebe für Schwarz hat, für den halte ich eine Holzfassade mit verkohlten Brettern für interessant. Gegen Insektenbefall ist es sicherlich wirkungsvoll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass holzzerstörende Insekten so eine Holzoberfläche für die Eiablage annehmen würden.

Gruß
Boris Blenn



Verkohlt



Hier noch mal eine Detailaufnahme.



...



Da muss ich mal vorbei schauen, sieht toll aus...die Bretter wurden einfach abgeflammt mit nem Gasbrenner ?

...um mit meinem Vorhaben etwas konkreter zu werden: die Hütte wird direkt am Wasser stehen und muss auch teils mit in den Grund gerammten Bolen stabilisiert werden (wahrscheinlich aus Beton), d.h. Feuchte Umgebung...

Nochmal zum Schindel-Thema: Ich glaube mich zu erinnern, dass ich mal einen Bericht über Wikingerschiffe gesehen habe, die hatten bereits Möglichkeiten Holz der Länge nach zu Spalten, so dass also die Fasern nicht wie bei gesägten Brettern verletzt werden. Das hat einen enorme Stabilität zur Folge, nur frage ich mich: wie konnte man damals (und heute) die so gewonnenen Bretter
a) auf die Länge spalten
b) in die richtige Form bringen (der Bug dieser Schiffe ist sehr nach oben gezogen)
c) wie wurden sie verbunden und evtl. haltbar gemacht

...ich will zwar kein Boot bauen und Wände haben längst nicht so eine Belastung wie die Planken eines Schiffes aber mich fasziniert der Grundgedanke: Holz mit einfachen Werkzeugen zu bearbeiten...

Mir gehts bei diesem Vorhaben nicht um billig/ billig, ich meine es sollte schon günstig sein, aber bei dieser Größe investiere ich gerne auch Zeit und Schweiß...





Gucken Sie mal in Haithabu bei Schleswig vorbei. Da können Ihnen die experimentierfreudigen Archäologen diese Fragen bestimmt beantworten.

Grüße





Das Abflammen von Holzfassaden hat in Japan eine lange Tradition. Dort werden auf dem Land immer noch viele Fassaden in dieser Technik gebaut. Vielleicht finden Sie dort Inspiration.