Knoff Hoff von Schimmelprofis ist gefragt

08.07.2005



... in diesem Schlafzimmer, das sich im Keller an den 2 Außenwänden (Fensterseite und Kopfseite Bett) befindet, befand sich vor 20 Jahren ein Schwimmbad. Nie gab es Schimmel. Bis ein junges Paar einzog.
Entlang der hinteren Wand (Kopfseite Bett)verschimmelt der gesamte Teppich!! Und das auf einer Breite von 40 cm.
Estrich, Wand, ... alles ist vollständig trocken (gemessen, nicht gefühlt).
Die Tapete an der Wand hat keinen Schimmel, obwohl diese Wand von Außen nach Innen wie folgt aufgebaut ist: Außen Fliesen in Dickbettmörtel, Bimssteine, Badfliesen in Dickbettmörtel, 3 mm Ausgleichspachtel und Glasfasertapete mit Wandfarbe (Baumarkt).

Worüber sich alle einig sind, ist: Dort wo es schimmelte ist die kälteste Ecke im Raum. Sowohl am Boden, als auch an der Wand. Kondensatfeuchte schlägt sich an der kältesten Stelle nieder.
Warum ist der Schimmel aber nicht an der Wand und nur am Boden?
Ist der Schimmel gesundheitlich bedenklich?

Weitere Frage in dem Zusammenhang:
Welcher Bodenbelag wäre denn in einem Schlafzimmer dieser Art sinnvoll?
Gibt es eine dampdiffunsionsfähige Tapete/Kleister, die kein Nährboden für Schimmel, Pilze und Sporen sind?

Weiterhin: Im Zuge einer Sanierung würde natürlich der Fliesenbelag unter der Tapete entfernt und ein feuchteregulierender Putz aufgetragen. So ist es geplant und wird auch wohl so gemacht. Sperrt hier die Tapete ab?

Da aber an der Wand kein Schimmel oder Ablösen der Tapete zu beobachten ist, frage ich mich ob dieser eigentlich verkorkste Wandaufbau nicht auch bleiben könnte. Die Fliesen scheinen streng genommen gar nicht die Ursache für den Schimmel auf dem Teppich zu sein.

Wie ist Eure Meinung zu den einzelnen Fragen?

Ach ja, das Haus, wie unschwer aus der Beschreibung zu erkennen, stammt aus den 60er Jahren. Ich denke mir, daß nicht alle Anwendungen der "Altvorderen" (z.B. Lehm)im richtigen Verhältnis zu der sonstigen Bauweise stehen.



Eine Ferndiagnose......



ist immer äußerst schwierig - gerade bei Schimmelpilzen.

Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass jede Schimmelpilzart allergenes Potential besitzt, darüberhinaus ist zur Feststellung, ob ein Pilz, der toxische Stoffe abgibt, vorhanden ist, eine Laboranalytik notwendig.
Ich empfehle Ihnen einen Sachverständigen (Bau- oder Mikrobiologe) hinzuzuziehen, der Ihnen auch genaue Anweisungen zur Sanierung geben kann. Die Ursache muss weiter ergründet werden - wie genau ist erst nach einer Begehung zu sagen. Ob Langzeitaufzeichnung des Raumklimas, Messung von Oberflächentemperaturen etc. sollte der Sachverständige entscheiden.



These



Voraussetzungen für Schimmel sind:

- Temperatur
- Feuchte
- Nahrung

in der richtigen Zusammensetzung.

Wenn es bisher keine Probleme gab, wird einer dieser Faktoren nicht gestimmt haben. Z.B. könnte diese Stelle bisher gut belüftet gewesen sein, so dass sich keine Feuchtigkeit niederschlagen konnt. Durch das Bett fiel die Belüftung weg, die Feuchtigkeit konnte sich sammeln der Schimmel gedeihen. An der Wand bildet sich vielleicht kein Schimmel, weil die Oberfläche keine Nahrung enthält ("falsche Tapete").

Ich würde einen glatten Bodenbelag wählen, wie z.B. Linoleum oder Dielung. Laminat etc. geht auch, aber das ist Geschmackssache. Linoleum und Holz haben noch den Vorteil, dass sie von Hause aus antibakteriell und dadurch evt. auch unangenehm für Schimmel sind.

Die Wand würde ich mir vornehmen, wenn sie sowieso gemalert werden muss. Dann würde ich die Fliesen aber auch gleich runter nehmen

Viele Grüße



Außerdem würde ich alles dafür tun, daß ausreichend trockene Luft einströmt.



Da müssen die Fenster mal genauer betrachtet werden. Mit Stoßlüftung funktioniert das nämlich nicht.

Und evtl. ist auch eine einfache Ergänzung des Heizsystems im Sinne einer Strahlungsheizung sinnvoll. Dann wird die Bausubstanz wärmer als die Luft - damit kann es kein Kondensat in die Bausubstanz mehr geben.

Viele weitere Details finden sie hier (Fachvortrag, den ich bei Schimmelkolloquium der DECHEMA in Franfurt/Main hielt):

www.konrad-fischer-info.de/7schim.htm





Vielen Dank für die Antworten. Der Hinweis mit der Strahlungswärme ist sehr interessant. Ich werde mich da durchlesen.



Entstehung von Schimmel



Da oben steht so Vieles, aber das Wesentliche scheinen auch die so genannten >FachleutekalteDampfsperre< (Folie).



Entstehung von Schimmel



Da oben steht so Vieles, aber das Wesentliche scheinen auch die so genannten >FachleutekalteDampfsperre< (Folie).



Entstehung von Schimmel



Nochmals...

Da oben steht so Vieles, aber das Wesentliche scheinen auch die so genannten Fachleute zu übersehen.
Es wäre kein Schimmel aufgetreten, wenn eine Binsenweisheit eingehalten worden wäre:
An einer Außenwand darf kein Möbel dicht dranstehen. Besonders, wenn es eine spürbar kalte Mauer ist: 10 bis 15cm, wenn ein Sockel Hinterlüftung verhindert; bei Möbelfüßen reichen etwa 5 bis 7cm!

Mit Dampfsperre etc. und dichter Versiegelung erreichen Sie gar nichts - eher das Gegenteil, denn der Schimmel lebt vom Feuchtigkeitsniederschlag an der Oberfläche - denken Sie an den Spiegel im Badezimmer!

Der Teppichboden gehört ohnehin entfernt. Da im Keller üblicherweise der Boden nicht wohnraumgerecht kälteisoliert wurde, sollte unter z.B. Laminat ein entsprechender isolierender Baustoff (Styropor etc.) verlegt werden. Hier empfiehlt sich allerdings, wie bei Laminatböden üblich, zusätzlich eine Dampfsperre (Folie).