Schimmel auf Brandschutzbeschichtung




Hier 'mal ein etwas speziellerer Fall: In einer historischen Zinnwäsche (Museum) wurde Mitte der 90er Jahre das Gebälk und die Dielung mit Flammschutzmittel (Remmers Dilutin Flammschutz + Schutzlack) behandelt. Vorher wurde bereits mit Adolit Bor Flüssig (Remmers) und Basilit B (DESOWAG) behandelt.

Jetzt zeigt das mit Schutzlack behandelte Holz (nicht das unbehandelte Holz) ein starkes Schimmelwachstum (Aspergillus ssp., Cladosporium ssp., Aureobasidium pullulans). Selbst mit Schutzlack überzogene Eisenteile zeigen Schimmel.

Luftfeuchte: 80 -105%, offenes Wasserbecken, nicht beheizbar. Laut Remmers ist das Flammschutzmittel hygroskopisch und selbst nicht gegen Schimmel ausgerüstet.
Das Abwaschen des Schutzlackes scheidet aufgrund der Größe des Objektes aus. Fungizide Mittel auf Wasserbasis würden den Schutzlack angreifen.

Frage: Gibt es ein Fungizid auf nichtwässriger Basis, daß für den Innenraum zugelassen ist? Gibt es Erfahrungen, die hier verwendbar sind?

Unglaublich, daß ich hier beim schönsten Wetter über Schimmel schreiben muß! Dank für Euer Interesse,

Grüße

Thomas



Fungizid



Les mal unter www.ruco.ch/upload/documents/malermagazine/05-1-0.pdf
Ganz unten steht etwas über Rucolinol Oelimprägnierung farblos und fungizid.
Vielleicht ist der Hinweis ja hilfreich !



Waschküche



Hallo lieber Thomas

ich habe so meine Zweifel, ob es unter Berücksichtigung deiner Vorgaben gelingen wird, eine dauerhaft wirksame fungizide Beschichtung aufzubringen. Vielleicht muß man hier noch einige Schritte weiter zurück gehen oder ganz andere Wege einschlagen.

Welcher Fachberater hat denn diese Beschichtung empfohlen und warum fühlt sich die Fa. Remmers nicht trotzdem ein wenig in der Verantwortung?

Gruß

L. Parisek



@Thomas



Danke für den Tip, in Rucolinol Ölimprägnierung sind als wirksame Bestandteile Dichlofluanid und Permethrin. Dichlofluanid wird als Bläueschutz auch z.B. in Naturhaus- und Scheelegrundierung gebraucht. Allerdings finde ich in Deutschland nur Anwendungen für den Außenbereich. Und es handelt sich um größere Mengen, die auf einem Dispersionsschutzlack zum Halten zu bringen sind.

@ Lutz
ich teile Deine Zweifel. Lt. Remmers soll der Schutzlack einfach mit warmen Wasser abwaschbar sein - was ich bei einem Dispersionslack einfach bezweifle. Vielleicht mag das mit einigem Quälen für 1m² funktionieren, aber dort sind rund 2500m² zu behandeln...

Das Ganze ist von einer Pirnaer Bautenschutzfirma gemacht worden, ob da eine detailliertere Fachberatung vorausging, weiß keiner mehr so richtig.

Im Museum wächst das Verständnis dafür, das Wasserbecken abzulassen und das Wasserrad künftig mit Strom zu betreiben, ferner eine Dauerlüftung zu ermöglichen. Bleibt "nur" noch der akute Befall. Und die Kommune kriecht, wie sich das für eine Kommune im Erzgebirge gehört, finanziell gesehen auf dem Zahnfleisch.

Das Telefonat mit Remmers war freundlich distanziert.

Scheinbar ist das ja unter den gegebenen Bedingungen grundsätzlich das falsche Mittel. Eigentlich hätte die ausführende Firma das auch erkennen sollen, die klimatische Situation hat sich seither nicht verändert.

Grüße

Thomas



Schwarzer Peter



Hallo Thomas

Ich würde, auf welchem Weg auch immer, bei dieser Pirnaer Bautenschutzfirma und dem Lieferanten Remmers ein wenig die Schrauben anziehen. Ich sehe hier durchaus einen juristischen Ansatz der Haftung.

Die akute Behandlung wird ohne nachfolgende Schritte nicht dauerhaft funktionieren:
1. Dauerhafte Maßnahmen gegen die hohe Oberflächenfeuchte an den Bauteilen
2. Abtötung des vitalen Schimmelpilzrasens z.B. durch Wasserstoffperoxid
3. Mechanisches Entfernen des Schimmelpilzrasens nass in nass(Wasserstoffperoxidlösung o.ä.) unter Beachtung des Arbeitsschutzes
4. Binden der verbleibenden flächig verbreiteten Schimmelpilzsporen und Zellreste auf den Materialoberflächen
5. Überprüfen und eventuelles Ergänzen der Brandschutzbeschichtung

Du siehst, das ganze ist und bleibt bei korrekter Handhabung ein große unangenehme Sache. Alle anderen eingeschränkten Maßnahmen außer Sperrung dieser öffentlich zugänglichen Räume wird zu verbleibenden Risiken führen.

Gruß

L. Parisek

PS. Lass dich bitte nicht auf Abenteuer ein, sonst bleibt der "Schwarze Peter" bei dir hängen.



Danke für diesen



(auch optisch) hochwertigen Beitrag. Ist das eigentlich eine Schornsteinfegerin?

Ich hatte auch nicht vor, Freitag vormittag da mit einem Läppchen aufzutreten:-) Der Unfang des Unterfangens ist recht groß, und meine Aufgabe ist vorerst, Lösungsvorschläge zu bringen. Aus meiner Sicht am besten solche, die die damals ausführende Firma einbeziehen. Wenn das freilich nicht gelingt, muß eine andere Firma mit in's Boot.

Zum Punkt 4, das wäre doch sicher am sinnvollsten ein gleichzeitig fungizides Mittel, oder?

Grüße

Thomas





Hallo Thomas

Zu dem äußerst wichtigen Punkt 4 haben wir eine eigene Vorgehensweise entwickelt.

Gruß

Lutz



Anti-Schimmel-Mittel



Hallo,
ich bin Baubiologe und aus Zufall auf diese Seite gestoßen.
Es gibt ein Anti-Schimmel-Mittel auf der Basis von Wasserstoffsuperoxid, welches in Räumen vernebelt werden kann.
Es tötet Schimmelpilze und auch die Sporen.
Grundsätzlich ist abwaschen zwar vorzuziehen, aber für diese Zwecke könnte das Verneblen ausreichen.



Anti-Schimmel-Mittel



Hallo,
ich bin Baubiologe und aus Zufall auf diese Seite gestoßen.
Es gibt ein Anti-Schimmel-Mittel auf der Basis von Wasserstoffsuperoxid, welches in Räumen vernebelt werden kann.
Es tötet Schimmelpilze und auch die Sporen.
Grundsätzlich ist abwaschen zwar vorzuziehen, aber für diese Zwecke könnte das Vernebeln ausreichen.
Das Produkt heißt Jati.
Meine Mailadresse ist dippl@web.de



Werbung und Illusionen



Lieber Herr "Baubiologe"

Das Vernebeln mit Wasserstoffperoxid ist eine durchaus gängige Methode. Wir praktizieren dies in unserem Betrieb in einer Tröpfchengröße von 10 Nanometern was eine extrem lange Sinkgeschwindigkeit von ca. 10cm/h ermöglichkeit und damit eine zeitintensive und flächige Penetration erlaubt.


Dies langt jedoch mitnichten!


Auch abgestorbene mykotoxinhaltige Schimmelpilzellen schädigen den Körper nachhaltig. Daher ist eine Binden bzw. Entfernen unbedingt notwendig.
Die bei dem Produkt "Jati" ausgelobte besondere Wirkstrategie von Wasserstoffperoxid plus Peroxicarbonverbindungen greift ins Leere und löst das Problem durch Einsprühen nicht wirklich. Die sehr gewagte Behauptung: "...Jati-Schimmelpilz-Entferner zerstört nicht nur den Schimmelpilz selbst, sondern auch dessen Sporen, Allergene und Toxine...." ist reichlich vollmundig. Eine wirkliche chemische Neutralisierung von Mykotoxinen und Allergenen ist mit diesen Wirkstoffen nicht realisierbar.


Gruß von einem realitätsnahen "Bautechniker"


L. Parisek