WEISSES ZEUG!

24.05.2013 E.Seip



Hallo Gemeinde,

ich stehe grade in Verhandlungen um ein über 200 Jahre altes Fachwerkhaus (Denkmal) zu kaufen. Bin schon seit Jahren auf der Suche und habe jetzt glaube ich mein Traumhaus gefunden.

Das Haus hat eine ganze Reihe sichtbarer und vermutlich noch mehr unsichtbare Mängel. Die größte sorge mach mir allerdings der Dachstuhl. Er war mal undicht und hat den einen oder anderen Balken in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Analyse der Fotos habe ich aber noch 'weisses Zeug' gefunden. Zum einen halte ich es für Schimmel auf den Zwischenbodensparrten. Jetzt habe ich aber auch gesehen, dass irgenwas weisses and der Wand entlang wächst. Ich habe gehört es könnten Kristalle sein, die man abstrahlen kann. Könntet Ihr evtl mal Eure Meinung zu beiden 'Funden' sagen?

Ich habe evtl. vor den Dachboden auszubauen.

Gruß und Dank
E.Seip



deine



Fotos lassen keine eindeutige Rückschlüsse zu.
In Stadtlagen wurden während des 2. WK Brandschutzfarben gestrichen - das könnte die weißen Balken auf dem oberen Foto erklären. Das 2.Foto - nichts eindeutig zu erkennen.





Danke für die Antwort. Brandschutzfarbe könnte sein. Allerdings spricht dagegen, dass die schrägen Dachbalken (rechts im oberen Bild nur unten weiss sind. Es ist auch nur die Westwand betroffen. Die Ostwand ist 'normal' Holz.



Mit Holzschutzmittel behandeltes Holz?



Leider kann auch ich auf den Fotos nichts erkennen. Aber als ich gelesen habe "Kristalle" dachte ich sofort an das Problem, welches ich auch habe in meinem Bauernhausdachboden. Dort wurde Ende der 80er Jahre (DDR-Zeit) das Holzschutzmittel Hylotox 59 aufgebracht. Beinhaltet DDT und weitere giftige, krebserregende Substanzen. Ohne jetzt Panik machen zu wollen, aber das sollten Sie wirklich genau überprüfen. Wenn Sie wollen, schreiben Sie mal Ihre Kontaktdaten hier rein, dann melde ich mich bei Ihnen, oder Sie machen ein genaues Detailfoto von den Kristallen, dann kann ich gegebenenfalls mehr sagen. Suchen Sie auch mal im Internet unter Hylotox und schauen sich entsprechende Bilder kann. Dann können Sie bereits selbst vergleichen, ob es das ist.

Wir werden unseren Dachboden sanieren. Abstrahlen ist keine gute Idee (genau das hatte ich hier im Forum schon einmal gefragt, suchen Sie mal unter DDT), aber es gibt ein Vakuumwaschverfahren, welches die oberflächlichen Schadstoffe entfernt. Da habe ich bereits Spezialisten an der Hand. Könnten Ihnen also auch da weiterhelfen.

Also: auch wenn es DDT-Kristalle sein sollten: keine Panik! Nur wirklich genau wissen, ob es das ist, bevor das Haus gekauft wird.

Viele Grüße



Schimmel



Wie Schimmel aussieht, sich anfühlt und riecht sollten Sie schon selber rauskriegen und vergleichen können.
Das auf dem ersten Bild ist der schon beschriebene Brandschutzsanstrich auf Gipsbasis, das auf dem zweiten Bild sieht aus wie Kalkmörtel.

Viele Grüße



Evtl. Ausblühungen



"... Wie Schimmel aussieht, sich anfühlt und riecht sollten Sie schon selber rauskriegen und vergleichen können..."

Am besten mal dran lecken, richtig? ;o)

Danke für die Einschätzungen. Einen Feuerschutzanstrich möchteich fast auschließen weil die gegenseitige Wand völlig frei von der 'Schicht' ist.

Kalkmörtel könnte sein aber welchen Sinn machte der auf der obersten Ebene eines Dachbodens? die Betroffene Holzleiste ist auch so merkwürdig verzogen.

Wie auch immer, am Montag habe ich die erste Begehung mit dem Architekten. Evtl. kann der mehr sagen. Nach vielem Lesen glaube ich, dass es sich um Ausblühungen handelt, die von der Feuchte durch das einstmals undichte Dach stammen. Wenn dem so ist, dann sollte ich das mittlerweile leicht entfernen können.

Ich habe am Montag



Holzschutz ?



Hallo, E. Seip,
erst einmal Gratulation, daß Sie sich für ein Denkmal entscheiden wollen. Viel Freude damit.! Und keine Panik, sondern in Ruhe alles angehen.

Wie Olaf aus Sachsen und Georg Böttcher schon schrieben, scheint mir das auch eine brandhemmende Gipstünche zu sein. Das ist garantiert kein Schaden, dieses drauf zu lassen. - Auch das gehört zum Denkmalschutz. ;-)

Das untere Foto 2 möchte ich auch als Kalkmörtelplombe deuten. Das war durchaus in Holzfehlstellen üblich.

@ Hallo, Namensvetter, I. Fröhlich. Danke für die Ratschläge.! Ich kenne selbstverständlich auch Hylotox-getränkte Anstriche auf sonst unbehandeltem Holz. Mir tun jetzt noch die Handwerker leid, die dieses damals ausführten, denn es ist wirklich toxisch.
Welche vergleichsweisen Produkte damals in den Alt-Bundesländern verwendet wurden, muß ich mich erst kundig machen.

Hylotox würde aber keinen sichtbaren Weißanstrich ergeben, sondern ist erkennbar an feinen, glitzernden Kristallen auf dem Holz. Sie treten aus beim Verdunsten des Lösemittels. Mal mit Taschenlampe aus der Nähe einmal beleuchten, ohne Berührung.! Aber keine Angst und keine Panik.

Früher hatte man auch mit Borsalz-Lösungen gestrichen, die einen leicht weißen Schleier bildeten. Aber nicht zu vergleichen mit Foto 1

Alles Gute
wünscht D.Fr.



Schimmel



Lieber Fragesteller,
wenn Sie es ablehnen, auch Ihren Tastsinn und Ihre Nase einzusetzen ist das Ihr Problem.
Ich tue das, wenn ich mir ein altes Haus ansehe.
Schimmel kann man nämlich riechen. Von schmecken habe ich nichts geschrieben, allerdings setze ich meinen Geschmackssinn auch manchmal ein, nämlich wenn ich einen bindigen Mineralboden beurteile.
Wenn Sie sich also zu fein sein sollten mal an dem "weißen Zeug" zu riechen oder es anzufassen muß das dann wohl ein anderer für Sie tun.

viele Grüße



Vielen Dank



Danke an alle die sich beteiligt haben. Die Antorten sind ermutigend und ich werde morgen einige Proben nehmen. Das mit dem Kalkmörtel als Ausgleich für krumme Holzleisten war mir z.B. neu aber macht Sinn.

@Herr Böttcher
Nichts für ungut. Das mit dem dran lecken war narürlich nur ein Scherz. Mir waren im wenig beleuchteten Dachboden bei de Erstbegehung viele Dinge nicht aufgefallen, die ich erst später bei der Analyse der vielen Fotos gesehen habe. Deswegen konnte ich tatsächlich nicht fühlen oder riechen um was es sich handelt. Wie gesagt. Morgen bin ich evtl. schlauer.





Hallo,

um die Sammlung unerfreulicher Holzschutzmittel zu vervollständigen, sei erwähnt, dass seit dem 17.Jahrhundert Anstrichmischungen aus Kalk, Asbest und Arsen im Gebrauch waren. Sicher nichts um daran zu lecken,lieber eine vernünftige Probe nehmen und analysieren lassen.

Grüße



UPDATE!



Sooo, ich wollte noch mal posten was rausgekommen ist.

der 'Batzen' auf den Brettern hat sich tatsächlich als Kalkmörtel entpuppt, wie Herr Böttcher gesagt hat.

Das weiße Zeug ist allerdings kein Anstrich sondern tatsächlich eine salzige Ausblühung weil der Dachstuhl mal feucht war.

Aller in allem ist der Dachstuhl in gutem Zustand.

Nochmal danke an alle, die sich die Zeit genommen haben zu diesem Thema zu posten.

Gruß
E.Seip