SCHIMMEL --- was nun?

03.03.2014 bo



hallo zusammen,

in den ecken unserer beiden kniestockzimmern haben wir
erste anzeichen von Schimmel entdeckt. und im linken kniestockzimmer ist auch minimal schimmel zwischen dach
und Wand zu erkennen (siehe foto).

wir sind 2011 in das haus (BJ 1909) eingezogen und
hatten dort vorher nichts dergleichen entdeckt.

ein undichtes Dach kann man als ursache eher ausschließen
(laut aussage des dachdeckers). ist es evtl. ein taupunktproblem? wände sind insgesamt nicht gedämmt (36er backstein). in den kleinen zimmern wurde bisher auch nicht geheizt, da sie eher als abstellkammer dienen. vielleicht ist auch das eine ursache. seit 2-3 monaten ist der heizkörper aber auf 2 gestellt. wurde jedoch nicht besser.

im restlichen haus ist bisher kein schimmel aufgetreten.

als lösung kam mir folgendes schon in den sinn:

A. schimmel erstmal mit alkohol entfernen

B. Putz in den ecken abschlagen (bis zum backsstein)
und mit Schilf + Lehm von innen dämmen

C. in der ecke direkt eine Heizleiste einbauen

abschließend muss man dazu sagen, dass beide kniestockzimmer
offen sind. also keine tür besitzen. die Treppe führt ins offene dachgeschoss. ergo kann wohl die warme luft aus dem Erdgeschoss und ersten stock ins DG und setzt sich dann an den kältesten stellen ab ...

weiss jemand eine lösung?
was können/sollen wir tun?

danke im voraus,
bo



FOTOS ...



in meiner galerie!



Schimmel



Eine klassische Undichtigkeit am Übergang Trockenbau- Massivwand. Relativ warme Luft aus dem Innenbereich wird durch Unterdruck im Dachraum durch diese Fuge gesogen, Luftfeuchte kondensiert hier an der kälteren Wand aus. Staub setzt sich an der Fuge ab, Schimmel kann hier gut wachsen.
Nehmen Sie eine Sprühflasche mit Schimmelentferner, einsprühen und abwischen. Dann nehmen Sie eine Tube Maleracryl und schließen Sie sorgfältig alle gerissenen Fugen, nicht nur die.
Ich würde mich an Ihrer Stelle dafür interessieren wie es dahinter, im kalten Bereich des Dachbodens, aussieht.





1000 dank herr böttcher.
aber haben sie auch die ecken gesehen?
konnte ich nicht direkt alle auf einmal hochladen.
daher in der galerie zu sehen.

wäre ihnen sehr dankbar für ihren rat.
denn hier gibt es ja keinen übergang von Rigips zum
dach --- sondern nur boden zur 36er backsteinwand.



MEHR BILDER ...



gibt es in der galerie.



FOTO rechts aussen



und noch eins



FOTO rechts, innen



mehr details, wie gesagt in meiner galerie.



Schimmel



Was soll ich noch schreiben?
Mehr geht nicht.



eckproblematik



möchte nochmal auf die eckbilder hinweisen.
innen und aussen.
dort trifft massivwand auf massivwand (36er backstein)
auf zementboden.

dort ist es mit schimmelentferner + tube maleracryl
sicher nicht getan, vermute ich, oder?





Stimmt,

in den Raumecken der Massivwände liegt eine Taupunktunterschreitung und damit ein Kondensationsproblem vor, entweder weil die Wand
a. generell zu kalt oder
b. zu kalt weil zu nass ist.

a: sie könnten von innen oder außen dämmen, sie könnten die Wand temperieren, durch Wandheizung oder eine Heizschlange in der Ecke FB/Wand dicht an der Wand verlegt.

b: Ursache für Feuchtigkeit beseitigen. Klassiker sind fehlerhafte Dachentwässerung, Schlagregenbelastete Fassade, falsch ausgeführte Anschlüsse von Dachisolationen an massives Mauerwerk oder sonstige Durchdringungen, icht vorhandene Dachisolation, fehlende Unterspannbahn, kaputte Dachziegel.

Hanf oder HWF isoliert bsser als Schilf und kannn auch verputzt werden. Lehm isoliert nicht.
Als Temperierung genügt oft schon den Vorlauf des HK einfach als CU Rohr dicht an der Wand entlang zu führen.


PS: Falls das Dach gewerblich isoliert/ausgebaut wurde ist das lange noch kein Garant für fachlich einwandfreie Ausführung, völlig egal ob mit oder ohne Meisterbrief.

Gruß
Detlef



DANKE!



hallo detlef,

besten dank für ihre ratschläge
bzgl. der eckproblematik.

eine nachträgliche Innenwanddämmung mit HWF + kalkputz
werden wir als langfristige lösung anstreben --- wie von ihnen vorgeschlagen. aussen zu dämmen ist für
uns aus optischen gründen tabu.

FRAGE: wie dick soll die HWF sein? reichen 4 cm plus
1 cm putz?

kurzfristig werden wir dort einen elektrische 5-rippen-radiator hinstellen und vorher den schimmel mit 70%igem alkohol entfernen (letzteres ein tipp von herrn bromm).

das dach soll früher oder später eh gemacht werden. dann werden wir auch die gewissheit haben, dass alle anschlüsse
dicht und korrekt ausgeführt wurden. dann ist es auch anständig gedämmt.

falls jemand noch weitere tipps oder anregungen hat
sehr gerne.

danke schon mal für die vorschläge.

gruss,
bo



Raumluftkondensatbildung



In den Ecken gibt es offensichtlich erhöhte Luftfeuchten durch geringe Temperaturen der Innenwandoberfläche. Im Extremfall bildet sich hier Raumluftkondensat.

Für die Raumluftkondensatbilung gibt es zwei in Abhängigkeit voneinander stehende Faktoren:

- die rel. Luftfeuchtigkeit
- die Wandoberflächentemperatur

Durch das regelmäßige Lüften wird die rel. Luftfeuchtigkeit gering gehalten. Dadurch kann die Temperaturspreizung (Raumlufttemperatur - Temperatur der Wandoberfläche) größer ausfallen, bis es zu Problemen kommt. Da es aber keine 0% Luftfeuchte gibt, kann alleine durch die Lüftung das Schimmelrisiko nie auf Null gesenkt werden.

Durch das Beheizen soll die Temperatur so gestaltet werden, dass die Kondensatbildung verhindert wird. Hierbei wird aber selten auf die richtige Art der Beheizung hingewiesen.

Wird mit einem hohen Anteil an Warmluftkonvektion geheizt, so kühlt sich die warme Raumluft an der Außenwand ab und überträgt dabei die Wärme an die Wand. Kühler werdene Luft bekommt aber ein vermindertes Wasserdampfaufnahmevermögen - die rel. Luftfeuchtigkeit steigt direkt vor der Wandoberfläche an. Ab dauerhaften 70% rel. Luftfeuchte keimen bereits einige Schimmelsporen aus, bei dauerhaften 80% Luftfeuchte, keimen auch die letzten Arten von Schimmelsporen aus und der Schimmel wächst.
Die stark konvektive Beheizung (Warmluft) führt also nicht zur Minderung des Schimmelrisikos, sondern steigert das Risiko eher.

Raumluftkondensat wird zu 100% durch eine im Vergleich zur Luft wärmeren Wandoberfläche vermieden. Die warme Wandoberfläche wird mittels Wärmestrahlung erreicht. Trifft die Raumluft nun auf die wärmere Oberfläche, erwärmt sie sich daran, die Wasserdampfaufnahmekapazität wird größer, die rel. Luftfeuchtigkeit sinkt und die Luft kann nun die Wand auch noch entfeuchten, was zu einer Verbesserung der Dämmeigenschaft des Ziegelmauerwerks führt. Schon vor Jahrzehnten hat J.S. Cammerer festgestellt, dass bereits 4% Feuchte am Ziegelstein den Dämmwert um 50% midert.

Wärmestrahlung bringen alle Flächenheizungen in den Raum, auch Kachelöfen oder der einfache Plattenheizkörper Typ 10 (55% Wärmestrahlungsanteil). Auch bietet sich hier die hydraulische Heizleiste an oder zumindest das warme Heizrohr (Heizrohrschleife) vor der Wand, um die Temperatur der inneren Wandoberfläche zu heben und dadurch Raumluftkondensat zu vermeiden.

Das Kondensat und der Schimmel wird auch vermieden, wenn nur wenig geheizt wird. Wichtig dabei ist, dass die innere Wandoberfläche geringfügig wärmer, als die Raumlufttemperatur ist. Natürlich sind dann die Türen zu höher temperierten Räumen geschlossen zu halten, um das Einströmen wärmerer Luft zu vermeiden.


Gruss Sascha



offene räume



hallo sascha,
hallo an den rest der freitagsfachwerk.de besucher,

danke für die ausführliche erklärung.

denke auch, dass die kühlen wandoberflächen
in kombination mit der warmen heizungsluft
aus den untergeschossen die ursache ist.
da wir das dachgeschoss komplett offen haben
--- also ohne türen --- macht es die sache
nicht einfacher.

sprich lösung könnte sein:

1
mit spiritus schimmel entfernen

2
rippen-radiator in die ecke bzw. an die wand stellen

3
langfristig die ecken und Sockel im kniestockbereich
mit HWF- oder calcium-silikat-platten von innen dämmen

bleibt nur nach wie vor die frage:
wie dick sollen die platten sein, wie dick der putz?

nach rat suchende grüsse,
bo