Schilfrohrmatten auf Gipsputz und darüber Lehmputz

02.09.2017



Hallo,
Ich möchte einen Altbau von 1953 renovieren. Leider ist überall Gips an den Wänden und darüber Tapete, nun würde ich gerne aus klimatischen Gründen Lehmputz auftragen. Da dieser jedoch auf Gips nicht haftet und ich nicht im ganzen Haus bis auf die Ziegelsteine den Gips abpicken möchte suche ich nach einer Lösung. Konventionelle Armierungen sind mir nicht ökologisch genug und die ökologischen sprengen mein Budget.
Viel Gerede "langer" Sinn.
Kann ich Schilfrohrmatten auf den Gips schrauben und die Wände bzw. Decken dann normal mit Vor- und Nach- Putz Verputzen oder schaffe ich dann eine Kondenzschicht zwischen Gips und Schilf?
Oder Funktioniert es nur an den Wänden und nicht an der Decke?
Oder ist das die beste Lösung und dämmt zusätzlich noch die alte Hütte? :)





So einen einfachen Rohrmattenputz kann man schon machen. Es ist natürlich auch eine Materialschlacht.

Möglich und wirtschaftlicher, wäre doch auch, den Gipsputz aufzurauhen, einen "Haftgrund" Streichen (Sumpfkalk, Marmorsand und ein paar Spritzer Kunststoffdispersion).

Dann mit Feinputzen aus Kalk (z.B. HP90, Hessler Kalk) wenige Millimeter überarbeiten. So wäre alles wieder tipptopp und frisch.



Innenputz



Die Putzflächen säubern und mit einem Gipsspachtel aufarbeiten.
Das ist die ökologischste da recourcenschonendste Methode. Zudem ist sie auch noch billig und zeitsparend.
Vom Raumklima her gibt es keine Unterschiede zum Lehmputz; die Diffusionswiderstandszahlen sind etwa gleich.
Außerdem sollten Schadstoffe durch Lüften abtransportiert werden statt sie in die Wände einzulagern.

http://www.gips.de/wissen/traeum-weiter/die-groessten-irrtuemer-ueber-gips//





Keinen kunststoffvergüteten "Flächenspachtel" verwenden, lieber auf Produkte aus Naturgips und Zellulose setzen.

Dann ist das natürlich die einfachste und "beste" Lösung.


(z.B. Füll- und Glättspachtel von "Krone Gips", gibt es auch von anderen Herstellern, in jedem Baumarkt, dazu einen Doppelblattspachtel besorgen.)



Ihre Vorstellung zur Machbarkeit...



...lehne ich aus verschiedensten Gesichtspunkten ab!
Die wichtigste ist, Unwirtschaftlichkeit!
Zum anderen, einfach eine Schilfrohrmatte aufzuschreuben, ist bauphysikalischer Schwachsinn und bringt eher mehr Probleme, statt Nutzen.
Zu all den anderen bereits gegebenen Möglichkeiten, will ich ebenfalls Abstand nehmen.
Was mir da eher in den Sinn kommt und wir auch mehrfach bereits ausführten, (obwohl ein Abschlagen des Gipsputzes doch eher anzuraten wäre), ist eine dünne Endbeschichtung mittels Lehmfeinputzauftrag.
Dieser auf eine vorher aufbürstete Wand- und Deckengrundierung von Conluto.
Eine vollflächige Glasfasergewebeeinlage macht auch noch Sinn, um Haarrissbildungen und eventuelle Risse aus dem Untergrundputz vorzubeugen und auszuschließen.



Sorry aber


Sorry aber

Gips und Lehm haben andere Sorptionswerte und wirken sich auch nicht gleich auf das Raumklima aus. Anbei unsere3 Grafik zum Thema.

Schilfrohrmatten schrauben und mit Lehm verputzen klappt aus verschiedenen Gründen nicht.

Ich würde eventuell auch über eine Grundierung und eine Anstrich z. B. aus Lehmfarben nachdenken.

Grüße aus Koblenz
Gerd



Innenputz



Diffusionswiderstand und Sorption sind zwei verschiedene Materialeigenschaften.
Die Grafik ist zwar sehr eindrucksvoll (die habe ich mal eingestellt) aber sagt nichts über normale Nutzungsgewohnheiten aus. Solche Feuchtesprünge sind nur in (ungelüfteten) Bädern oder Küchen denkbar.



ok es bleibt also noch spannend



vielen Dank für die vielen Beiträge. ich konnte jetzt noch einen bekannten gewinnen der Selbst einmal eine Lehmputzfirma hatte . Er wird sich die Sachlage Vorort anschauen und mir seine Fachkundige Meinung noch mitteilen.



Diffusionswiderstand und Sorption sind zwei verschiedene Materialeigenschaften.



Das ist richtig! Für´s Raumklima und die Feuchtspitzen ist aber die Sorption wichtig.



@ Gerd



...gleiche Situationen habe ich auch ständig bei vielen baustellen, weil viele ganz einfach den gleichen Wortlaut sprechen, wie unser guter Georg B.
Lehm auf Gips in dickden Lagen, ist ganz einfach tödlich und eine enorme Gratwanderung.

@ Thomas Martin
Ein Lehmbaufachbetrieb ist leider auch nicht der Garant für eine derartige Entscheidung, ohne jetzt jemanden eine Unfachlichkeit zu unterstellen.
Aber ich selbst habe da schon die tollsten Sachen in unserer zurückliegenden Berufslaufbahn erleben dürfen!
Also ganz genau zuhören und auch selbst noch mit entscheiden.