Schilfmatten als "Sanierputz"

21.01.2019 Herr WieD



Hallo zusammen,

ich habe einen alten Kuhstall, der über etwa 250 Jahre ordentlich Salze in die Wand gesogen hat.
Da ich von den zementhaltigen Sanierputzen nicht überzeugt bin, möchte ich den Raum gerne mit traditionellen Baustoffen bewohnbar machen.
Dafür hätte ich folgenden Vorschlag:
innen an die Wand kommt ein Kalkputz (Opferputz), der die Aufgabe hat, die schädliche Salzzone in sich einzulagern. Ich hoffe, das die Phasenübergänge zwischen Kristallisierung und Hydratisierung dann im Putz stattfindet und nicht mehr im Mauerwerk. Zudem ist er basisch und somit bakterienfeindlich, hat ein ähnliches thermisches Verhalten wie der Ziegel und ist für Wasserttransporte offen.
Darauf kommt innen eine 5 cm starke Schilfmatte, die als Kapillarbrecher wirken soll.
Auf die Schilfmatte kommt eine Wandheizung, die ich mit Lehm (alternativ mit Kalk) Verputzen kann. Durch die Wandtemperierung kann ich die Feuchtebedingungen hoffentlich halbwegs kontrollieren und so die schädlichen Phasenübergänge der Salzlösung minimieren. Der sichtbare Putz sollte relativ unbeschadet bleiben, da ich als Trennung vom Mauerwerk die Schilfmatte habe. Desweiteren verbessert sich mein Wärmedämmwert gewaltig.
Ich bin aber noch etwas besorgt wegen dem aufgrund der Innendämmung anfallenden Kondensats an der Phasengrenze Mauer zu Kalkputz. Muss ich befürchten, das der Schilf schimmelt? Hat jemand Langzeiterfahrung mit diesem oder einem ähnlichen System? Könnte ich den Kalkputz weglassen?
Vielen Dank und SG
David



Kondensat



Der Anfall von Kondensat an einer bestimmten Schicht hört sich nach einer Berechnung mit dem Glaser-Verfahren an. Bei kapillaraktiven und diffusionsoffenen Dämmstoffen ist das Verfahren nur begrenzt aussagekräftig wie sie in vielen Publikationen nachlesen können.

Opferputz war meiner Ansicht nach immer ein Putz der nur für eine bestimmte Zeit aufgetragen wird um ihn später zusammen mit den eingelagerten Salzen zu entfernen.



Hallo David,



wir haben Erfahrung mit dem System Schilfrohrdämmung mit Kalkputz oder Lehmputz und Wandheizung.
Wir arbeiten bzw. führen das seit mehr als 20 Jahren das öfters im Hochwasserbereich aus.

Das Schilf schimmelt habe ich bisher noch nicht erlebt.
Wichtig ist das die Dämmplatten möglichst vollflächig auf den Untergrund geklebt und entsprechend gedübelt werden.

Wenn möglich würde ich Lehm als Material zur Wärmeübertragung der WH nutzen da die Leistung pro m² höher ist bzw. weniger WH eingebaut werden muss.

Grüße Gerd



@ Gerd



Ich möchte nicht unbedingt die Pferde scheu machen, doch hatte ich vor Jahren mit Schimmel oder ähnlich zu definierendem Befall, Schilfmatten selbst in den Händen.
Also noch nicht einmal verbaut gewesen.
Sicherlich Hersteller bedingte Qualitätsunterschiede möglich!

Doch wie verhält sich dieses organische Material bei salzbelasteter Wand und dem stetigen Einwandern von Salzen auf Dauer?



Salz im Mauerwerk



Bevor aufwendige Wandverkleidungen aufgebracht werden
sollte der Versalzungsgrad und die evt Schädigung des Mauerwerks festgestellt werden.

Dann ggf Entsalzung durchführen.

Danach erst sollte ein dauerhafter Putz, Dämmung, Wandheizung etc erfolgen,
da ohne entsprechende Vorbereitung ein hohes Schadensrisiko besteht, was eine zu frühe Investition u.U. sinnlos macht.

Schilfmatten unterbrechen weitestgehend die Kapillarität des Wandaufbaus.



Entsalzen



Ich denke, dass unter Umständen etwa 8 kg Nitrat in der Wand ist. Entsalzen oder sogar nur merkenswert zu reduzieren halte ich für schwer bis unmöglich (ohne die Wand nachhaltig zu schädigen). Ich finde es aus diesem Grund für besser mit dem Salz zu leben.
Ich frage mich, ob der Aufbau wirklich Kondensat verursacht. Die Franzosen nehmen standardmäßig eine Innendämmung (mit weniger Schadensmeldungen als bei uns). Wenn Wasser auskondensiert, sollte es sich eigentlich in die Wand verabschieden (Temperatur- und Konzentrationsgefälle).
Schlagregen ist sicher eine andere Sache, die ich nicht abschätzen kann.
Aber wer hat so einen Aufbau schon wirklich gemacht oder betreut?
SG
David



Kondensat



Hallo Herr Wiesinger,
Zur Funktionsweise von Innendämmungen:

Aufgrund des Dampfdruckgefälles will die warme
gesättigte Luft immer auf die kalte Seite.
Der „Motor“ ist die Temperaturdifferenz.
Irgendwann trifft sie auf die „kalte Wand“ und es
kommt zur Wasserdampfkondensation.
Es entsteht Wasser in flüssiger „Tröpfchenform“ und
es entsteht WÄRME.
Dieser „Nebel“ wird von den diffussionsoffenen,
kapillaraktiven Dämmstoffen schadensfrei
eingelagert.
Das ist der erste Feuchtefluss. Siehe Kühlakku.
Der zweite Feuchtefluss beruht auf Kapillarität und
verläuft genau entgegengesetzt. Siehe Zuckerstein
berührt Kaffee.
Die Feuchtigkeit verdunstet nach innen und es
entsteht KÄLTE.
Da im Winter immer etwas Kondensat in der
Dämmung verbleibt, gibt es im Winter einen
„latenten“ Wärmegewinn.
viele Grüße
Robert Göbel



Das ist fast die selbe Thematik



Dazu: https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/280548$.cfm#280852
Die Salze und deren Thematik ist nur ein Teil der gesammten Betrachtung!



Opfer



Hallo nach Österreich

Sie haben mit dem Opferputz schon recht … der "zieht Ihnen die Salze aus dem Untergrund" …

Mit dem Taupunkt haben Sie auch recht … 

VomPrinzip agiert dann die Innendämmschicht als Puffer zwischen dem belasteten Altbestand und dem neuen Innenputz.

Wie richtig erwähnt, muss eine funktionierende Innendämmung vollflächig auf dem Untergrund aufgebracht werden … dies ist dann der Opferputz, der sich nach seiner Sättigung von der alten Wand lösen wird … 

Dann hängt die Dämmkonstruktion an den Dübeln und hat keinerlei kapillar aktiven Zusammenhang mehr zur Wand … und der DRECK bleibt im Zwischenraum … 

Mir wäre das zu riskant … 

Opferputz ist gut … muss aber auch "geopfert" werden … und für die Opferung recht auch ein einfacher Lehmputz und etwas mehr Zeit …

Viel Erfolg

Anamnese - Diagnose - Therapie
Florian Kurz



Das verstehe ich nicht



Operputz und Dübel?