Fenster, Aussendämmung und Schallschutz

05.03.2012



Hallo,

Mein altes Bauernhaus (Bj 1900) in Fachwerk soll eine Aussenwanddämmung erhalten. Vor den vorhandenen Putz wird mit Kanthölzern ein Gestell gebaut, welches mit Stopfhanf gefüllt wird. Abgeschlossen nach aussen wird mit Gutex Platten (Multiplex 18er), dann kommt eine hinterlüftete Boden - Deckel Fassade. U= 0,24W/m²K

Es werden bei der Gelegenheit auch neue Fenster eingebaut und nun kommt das Problem. Jeder Handwerker hat eine eigene Meinung zum Einbau bzgl Dämmung und v.a. Schallschutz.

Einer möchte die Fenster wieder da einbauen wo sie sind, nämlich in die Mauer, ggf hälftig davor.

No 2 möchte sie mit dem Blendrahmen auf die Mauer aufsetzen (mit Kompriband) und ca 4 cm überdämmen.

No 3 würde sie ganz in die Dämmschicht setzen (mit den Kanthölzern des Gestells kein Problem), so dass sie nur mit den Gutexplatten ca 4cm überdämmt sind und dann an der Kante zur Holzlaibung ein Kompriband einsetzen.

Variante 3 würde die Schiesschartenoptik gering halten und wäre mein Favorit, aber Handwerker 2 meint ich würde den Schallschutz verlieren, wenn ich die Fenster nicht direkt auf die Mauer setze.
Ich lese überall, dass Hanf eigentlich gute Schalldämmende Eigenschaften hat, aber gilt das auch in so einer Konstruktion? Der Handwerker meint meine Fassade könnte von den vorbeifahrenden LKWs ins vibrieren gebracht werden und so das brummen übertragen werden, dem Hanf traut er da keine dämpfung zu.

Klint irgendwo nachvollziehbar, aber andererseits habe ich bedenken wenn das Fenster auf alten Putz aufgesetzt werden soll, auch wenn der sonst rundum eingepackt ist mit Hanf, da ist doch die Übertragung auf die Wand durch das Fenster leichter, oder?

Ob ich dem Kompriband so viel Schalldämmvermögen zutrauen soll?

Nun, jeder der Handwerker hat zugegeben, dass er mir nicht erklären kann warum er es genau auf die von ihm favorisierte Art machen möchte, besteht aber jeweils darauf. Mit Hanf hat leider keiner der Handwerker hier in der Umgebung Erfahrung.

Nun erhoffe ich mir Hilfe bei euch. Wie setzt man in so einem Fall die Fenster ein?
Es handelt sich um 2 Scheiben Holz-Alu Fenster (Ug 1,1) mit Schallschutzfolie (pax Verbundglas) für 40db, da das Haus an einer Ortsdurchgangsstrasse mit reichlich LKW-Verkehr steht.

Gruss
Andrea



Schallschutz ...



... ist wie Wärme-, Feuchte- und Brandschutz, wenn´s im Detail stimmen muss, eine Sache, die von einem Planungsbüro konzipiert werden sollte. Eigene Überlegungen und Ratschläge von Handwerkern führen zu unbefriedigenden Ergebnisse, da die Materie zu kompliziert für "Pi-mal-Daumen" Berechnungen ist.

In Ihrem Fall , bei einem Schalldämmmaß von 40 db für´s Fenster liegt bereits der Lärmpegelbereich IV-V vor. Das Gesamt-Schalldämmmaß der Wand ist so gut wie der schwächste Teil, meistens das Fenster.

Die Masse der Aussenwand und der flankierenden Bauteile muß ebenfalls berücksichtigt werden, dito die Art der Fugendichtung inkl. Alterungseffekt und Verminderung der Schalldämmleistung.

Ggf. müssen Sie zur Erhöhung der MAsse und Verminderung der Schallübertragung durch die ganzen Anschlußfugen zwischen Gefach und Fachwerk einen dickeren Innen-Lehmputz aufbringen.

Biegesteife Dämmplatten, z.B. Wärmedämmverbundsysteme können in der Tat bei Anregung der Eigenfrequenz zum Schwingen gebracht werden und die Schalldämmeigenschaft der Wand verringern. Das Dämmmaterial muss daraufhin ausgesucht werden.

Am besten lassen Sie sich das Einbaudetail von einem Sachverständigenbüro (Ingenieur oder Statiker mit Schall- und Wärmeschutznachweisberechtigung)berechnen inkl. Angabe zu den Materialien. Wenn Sie wirklich auf eine guten Schallschutz angewiesen sind. Leider macht in diesem Fall ein nicht stimmiges, winziges Detail (Schallbrücke) alle anderen Bemühungen zunichte.



Lehm



Hallo,

Danke für die Antwort.
Dass in dem Haus innen 5 cm alte Styropor- und Gipskartonplatten abgeschlagen werden und ein Lehmputz aufgetragen wird hatte ich nicht geschrieben, da ich nicht wusste, dass das für den Schallschutz Bedeutung hat.

Stopfhanf hielt ich für ein gutes Dämmaterial, da er zu den eher schweren Stoffen zählt.
Dass ich keine fertigen Platten nehme (vom Gutex Abschluss der Dämmschicht wegen Winddichte abgesehen) scheint so gesehen ja auch positiv zu wirken.

Leider scheint es nicht viele Sachverständige zu geben die sich mit Materialien wie Hanf und Lehm auskennen. Mir wird stets nur konventionelles Bauen empfohlen (Fenster in Bauschaum, Styropor...) und das möchte ich nun einmal nicht haben.
Die Lärmbelastung wird von anderen als "harmlos" angesehen, da ich aber bislang eine sehr ruhige Wohnlage gewohnt bin lege ich eben auf guten Schallschutz Wert.

Grüsse
Andrea



Schallschutz



Hallo Andrea,

ich bin eben auf Deinen Eintrag aufmerksam geworden. Steht das Haus in Binsdorf zwischen Rosenfeld und Geislingen - Balingen ?
Ich kann Dir so direkt nicht helfen, aber wir haben auch ein Fachwerkhaus und innen gedämmt mit folgendem Aufbau:
Lehmunterputz, Schilfrohrmatten 5cm, Wandheizung und wieder Lehmputz. Unsere Fenster sind Holzsprossenfenster in der Ausführung als Kastenfenster - und ich muss Sagen, dass diese hervorragenden Schallschutz bieten.
Ein Bekannter in unserem Dorf hat seinen gesamten Dachausbau mit Hanf gedämmt (Zwischensparren) und ich hatte ihm einmal ein Tag lang geholfen und war restlos begeistert von dem Material. Würde ich jetzt sofort auch verwenden.
An unserem Giebel haben wir auch eine Boden - Deckel Verschalung und darunter gedämmt, allerdings mit Steinwolle. Die Fenster haben wir dann so wie bei Ihnen in Variante zwei vorgeschlagen eingebaut. Dadurch bekommt man eine ansehbare Fensterlaibung, (Wetterschutz und beste Lichtausbeute) ohne der Optik von Schießscharten und unser Schallschutz ist hervorragend.
Ich würde dem Hanf vertrauen das hört sich doch gut an. Ansonsten kennen wir eine gute Zimmerei in Grosselfingen, die ein altes Haus komplett mit Gutex, Lehm und Hanf renoviert hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die ebenfalls die Fasade mit Lärchenholz verschalt haben.
Wir kommen aus Bodelshausen - ist ja auch nicht weit weg. Sie können auch gerne mal vorbeischauen.

Liebe Grüße

Peter



Moin Andrea,



nach meinem Stand der Dinge beissen sich Schall- und Wärmeschutz beim Fenster selber ein wenig: Je Abstand desto ruhig (siehe Peters Kastenfenster), für die Wärmedämmung sind die üblichen ca. 1,5cm zwischen den Gläsern optimal.

Wir haben unsere Fenster aussenbündig an die alte Fassade gesetzt + 20cm HWP/Flockendämmung: Nun ja, die grösseren Laibungen bilden schon einen nicht unmerklichen Schalltrichter, das A&O ist aber die Abdichtung Rahmen/Fachwerk. Kompriband + Hanf bringen bei uns da recht wenig, Innenputz fehlt noch, hoffe dann wirds besser.

Die bei den paar LKW (die dafür umso deutlicher auffallen) entstehenden Vibrationen werden nach wie vor über unsere Magerbetonfundamente sauber übertragen....da dürfte sich auch bei dir nicht soviel ändern, beim Luftschall schon.

Gruss, Boris



nach



meiner Erfahrung mit Fachwerk, Außendämmung und Fenster - es kaum eine Verbesserung eintreten ! Der damalige Fachberater von Montenovo sagte sogar voraus, daß es zu einer Verschlechterung kommen kann.
Optisch sollten die Fenster weit außen stehen - das bringt aber ev. Einschränkungen beim Öffnen der Flügel nach innen. Der Rahmen sollte aber überdeckt werden, um die Rahmenbreite der alten Fenster zu erreichen. Neue Fenster haben einen breiteren Rahmen.



Das



ist ja schön, dass sich auch Leute aus der Umgebung melden!

@Peter: Das Haus in Binsdorf habe ich verkauft (ein Nachbar wollte es unbedingt) und mir in einem Rosenfelder Teilort ein anderes gekauft. Jünger und mit weniger Charme, aber dafür mit mehr Garten für unsere Kleine und mit ohne Grenzbebauung.

In meinem alten Haus hatte ich bereits begonnen mit Hanf und Lehm zu arbeiten beim Dachausbau. Sehr angenehmes arbeiten, das stimmt. Allerdings kann ich über die Wohnqualität darin nichts sagen, ganz fertig wurde ich nicht und als der Verkauf anstand habe ich nicht mehr weiter gearbeitet. Schallschutz war hier kein Thema, ruhiger kann man kaum wohnen.

Es scheint Variante 2 ja die gängigste/beste Lösung zu sein. Macht bei unserer Dämmung zwar doch ganz schöne Schiessscharten, aber nun gut.
Werde auch mit dem Lehmbauer nochmal darüber reden was er für Erfahrungen hat.

Grüsse
Andrea