Alte riesige Scheune - benötigt neuen Dachstuhl - Holzwürmer!

12.06.2006



Hallo wer ist in der Nähe und kann uns schnell helfen:
Wir suchen seit geraumer Zeit einen Bauernhof. Jetzt haben wir etwas gefunden und uns direkt verliebt. Ein kleines altes Bauernhaus aus dem 17. Jh. mit einer riesigen alten Scheune. Wermutstropfen: Holzwürmer
Da unsere finanziellen Mittel begrenz sind suchen wir dringend eine schnelle Beratung vor Ort, was eine Sanierung kosten könnte (uns ist klar das solche Zahlen schwanken) aber wir haben noch nicht mal eine Idee zur Größenordnung.
Wer könnte uns im Umkreis 55452 schnell zu Hilfe eilen?



Zuerst



sollten Sie klären, ob der Befall aktiv ist, oder vielleicht noch aus der Bauzeit stammt. Bei uns gibt es auch viele Löcher im Holz, aber ausgetauscht werden muß keiner der Balken, die stehen so schon seit 200 Jahren da. Keine Panik also!
Könne Sie ein Foto einstellen oder verlinken?





Hallo,
wir haben einen Architekten gefunden der das ganze mit uns aschauen möchte und uns insgesamt beraten wird. Aber auch für zusätzliche Ratschläge bin ich sehr dankbar. Wir würden die Scheune gerne ausbauen. Einige der Balken sind schon durchgebrochen, nicht nur angekanbbert... Die sind dann zum Teil abenteuerlichst abgestützt. Fotos könnte ich schicken, einen link leider nicht, habe keine page. Meine E-Mail lautet Ines.heiber@t-online.de. Wenn Sie sich kurz per mail melden kann ich aussagekräftige Bilder schicken.
Vielen Dank und viele Grüße
Ines Heiber



Hallo Frau Heiber,



Sie können gern auch die Bilder an meine Adresse schicken, jedoch meine ich, daß es sicher nicht Schaden würde, wenn Sie diese im Forum veröffentlichen. Dazu müssen Sie Mitglied werden. Hier "tummeln" sich ein paar echte Experten, und wenn Sie die eine oder andere Diskussion verfolgt haben, können Sie sich vielleicht ein Bild davon machen, wie kontrovers mancher Sachverhalt diskutiert wird - Holzschutz ja oder nein, Balken tauschen oder reparieren, Ausführungshinweise usw.

Das Problem, das jeder Architekt hat, ist, daß er Ihnen gegenüber zur Gewährleistung verpflichtet ist und nicht zuletzt auch am Auftragsvolumen profitiert, ohne irgendwem etwas unterstellen zu wollen. Wenn nun gerade "Ihr" Architekt keine Erfahrung im Altbau-ERHALT hat, kann es passieren, daß Arbeiten durchgeführt werden, die gar nicht notwendig sind, was nicht nur Ihrem Konto schadet, sondern möglicherweise auch Ihrem Häuschen.

Als Beispiel die Situation noch vor dem Kauf unseres Bauernhofes: Projektant und prüfungsbefreiter Statiker in einer Person aus der Nachbarschaft, zwei oder drei Besichtigungen, Sanierungsplan, Kostenabschätzung - mehr war es wirklich nicht. Heraus kam eine Summe jenseits von Gut und Böse. Mehr durch Zufall stießen wir auf einen anderen Architekten, der unseren Plan eigentlich gar nicht so gut fand, zeigte uns sein Haus, das, wo es nur ging, konsequent erhalten wurde. Wände schief, Putz buckelig, Treppe krumm aber unvergleichlich charmant, weil nichts von einem Neubau: Holz, Lehm, Kalk hatte man zur Bauzeit, also damit auch saniert.
Mit unserem Projektanten hingesetzt, 14 Tage viel gelesen und gelernt, alles umgestrickt, heraus kam eine Summe, ein drittel der zuvor ermittelten. Dem guten Mann war alles andere als wohl, und ich glaube, er war froh, daß ich Ihn später aus der Pflicht entlassen habe.
Hof gekauft und losgelegt, böse Überraschungen, Zimmerman gefragt, alles abreißen!!! Grundtenor bei allen Handwerkern. Da mir die Lösungsvorschläge in vielerlei Hinsicht nicht gefallen haben, wieder Bücher gewälzt, gefragt und an anderen alten und UNSANIERTEN Häusern abgeschaut - und alles selbst gemacht. Balken statt komplett zu entfernen angeblattet - das spart viel Arbeit an anderen Stellen. Jahrhunderte altes Abrißholz verwendet, den Unterschied sieht man kaum. Gefache die lose waren, aber die Staken noch i.O., habe ich wieder mit Lehm verstrichen, hält, keine Probleme, gerade Kanten und Ecken stören nur, rund ist gemütlich. Holzdielen statt Fliesen.

Ungefähr so könnte es lange weiter gehen. War eine Menge Arbeit, zwei Jahre lang. Und immer wieder gegen Baumarktmöchtegernarchitekten anreden müssen: "Das macht doch heute keiner mehr so ... "
Letztlich hat es sich gelohnt, konsequent bei Holz, Kalk, Lehm zu bleiben. Mit viel Fleiß, handwerklichem Geschick - das braucht man - und sicher auch dem Quäntchen Glück haben wir letzlich sogar weniger Geld verbraucht, als in der zweiten Planung veranschlagt.

Meine Empfehlung lautet: Lernen Sie, wie vor 200 Jahren Häuser gebaut wurden, finden Sie echte Handwerker, die noch nicht die Liebe zum Handwerk verloren haben, machen Sie so viel Sie sich zutrauen selbst - und lesen und fragen Sie im Fachwerkhausforum. Natürlich können Sie auch mich fragen, wenn Sie wollen. Eine e-mail habe ich Ihnen geschickt.

Mit freundlichen Grüßen!





Hallo und vielen Dank für die nette ausfühliche Antwort und die Tips. Wir haben einen sehr netten kometenten Architekten gefunden der sehr viel Erfahrung mit Altbausanierung und alten Bautechniken hat. Er arbeitet auch speziell mit einem Zimmermann aus unserer Gegend zusammen der sich auf historisches Fachwerk und Bauten spezialisiert hat. Wir hatten eine ausführliche Besichtigeung und ihm sind schon viele Sachen aufgefallen, die von den Vorbesitzern unfachgerecht kaput saniert wurden. Das reicht von Wänden die feucht werden und nicht atmen können, weil ein moderner, statt ein alter Lehmputz drauf ist bis zum falschen Heizungssystem. Der größte Brocken ist die Scheune, deren Dach ohne Berücksichtigung der alten Statik einfach in der Neigung verändert wurde. Dabei wurden noch wichtige Druck und Zugelemente der Dachstuhlstatik einfach durchtrennt und damit Lasten "spazieren geführt" was man an deutlichen Rissen in alten Sandsteintürstürzen und dem Mauerwerk erkennen kann. Sämtliche Dachteile sind auf Wanderschaft und damit statisch instabil. D.h. der Dachstul muß komplett erneuert werden und es wird jede Menge Geld kosten. Zweiter Brocken ist die Heizung. Hier wurden nachträglich normale Heizkörper installiert. Die machen wohl die Luft warm aber nicht die Wände, die im Winter trotzedem kalt ausstrahlen und in denen z.T. auch Feuchtigkeit von außen durch das Bodengefälle hoch drückt. Da kann man in den Griff bekommen durch eine Heizung mit der Bezeichnung "Wandtemperierung" . Danbei werden Register von Kupferrohren an den Außenwänden verlegt und mit "altem Putz" durch den die Wände atmen können verputzt. Dh. die Heizung nutzt die Speicherkapazität der dicken alten Bruchsteinwände aus. Damit kann man auch die Feuchtigkeit in den Griff kriegen und bekommt ein angenehmes Raumklima. Es kamen bei unserem Rundgang noch viele weitere spannende Ideen und Erkenntnisse hinzu. Wir werden nachdem wir nun eine extrem grobe Vorstellung der Kosten (insgesamt ca. 200000 €) haben darüber brüten, ob und wie wir die Finanzierung stemmen können. Halten Sie uns die Daumen!
Vielen Dank und viele Grüße
Ines heiber