Ritzen schließen im Gefach zwischen Holzbalken und Lehmausfachung

18.11.2007



Ich saniere ein 200 Jahre altes, großes Fachwerkhaus mit durchwegs guter Substanz. Allerdings zeigen sich nach Freilegeung von vorgestellten Wänden und Decken bei den Gefachen durchwegs rundum Fugen (Schwundrisse) von ca. 3-10mm. Bei einer Konstruktionstiefe von ca. 140-160mm (Fachwerk) ist da zur durchgängigen Dämmumg schwer dranzukommen ohne die Gefache zu beschädigen. Ich überlege PU-Schaum zu nehmen, da auch das Fensterinstitut Rosenheim die Verträglichkeit und Verwendungsfähigkeit ohne Abstriche bejaht hat. Ist das O.K., oder was sollte man tun.
Vorab schon mal vielen Dank für Eure Mühe,
Viele Grüße,
Michael



PU Schaum...



Bitte tun Sie das nicht, jetzt hat das Haus 200 Jahre schadensfrei gestanden. Sicher wollen Sie das dies so bleibt. Bauschaum Silikon Glaswolle usw. haben am Fachwerk nichts zu suchen. Diese "modernen" Baustoffe haben unter anderem eine sehr schlechte bzw. gar keine kappilare Feuchteleitfähigkeit sodass Sie Feuchtigkeit am Holz stauen können und dort entsprechende Schäden anrichten. Schließen sie die größeren Fugen wieder mit Fugenkelle und Lehmmörtel. "Dicht" werden Sie die Anschlussfugen Holz / Fachwerk nie bekommen. Das ist auch nicht nötig. Die Winddichtigkeit stellt der spätere Innenputz bzw. eine fachwerkgerechte Innendämmung her. hier im Forum ist eine Menge zu diesen Themen geschrieben.

Viele Grüße



kaputt sanieren



um eine winddichtigkeit zuerreichen sollten sie einen Lehmputz auf die alten gefache auf bringen.
es gibt mehrere möglichkeiten um eine innendämmung zuerstellen die alle auf der basis mit Lehm aufbauen und baubiologisch hervorragend funktionieren.
pu schaum oder andere dichtungsstoffe werden ihr gebälk langfristig zerstören.
zu empfehlen ist zum beispiel das conluto dämmsystem.
näheres im internet unter conluto.de



Chemie ist tödlich!



Die Berufskollegen haben es Ihnen hier bereits erörtert, daß die Chemie einfach tödliche Wirkung hat.
Die Häuser sind 200 Jahre und älter geworden und nach einer allumfassenden Sanierung mit den entsprechenden Umnutzungskonzepten, sind diese dann nach ca.40 Jahre (wenn überhaupt so lange!!!) plötzlich Einsturz gefärdet.
Dies sollte doch zu bedenken geben!
Nachfolgend ein Foto, wie man eine Stabilisierung der Bestandslehmgefache hinbekommt.
Dazu können wir Ihnen auch weitere Hilfestellung gebe, da wir uns stetig in dieser Problematik Gedanken machen und nicht immer nach den niedergeschriebenen Hilfestellungen der Fachbücher orientieren. Papier ist ja bekanntlich geduldig, aber nicht unsere Altbausubstanz nach frevelhafter Sanierung.
Winddichtheit erlangt man nur durch konstruktionsüberspannende Schalen (Baupapiere, Putzlagen, Dämmscheiben aus Holzweichfaser- oder Lehmtrockenbauplatten), die aber stets homogen auf die Bestandsebene zu montieren sind. Luftebenen sind bauphysikalisch sehr kritisch zu betrachten und neigen zu Bauschäden.
Zur weiteren Unterstützung stehen wir Ihnen gern weiter mit zur Verfügung.

Grüße am B- & B-tag

Udo Mühle



Die Kunst der Fuge ist auch Bauphysik



Der Zwischenraum zwischen Fachwerk und Gefach kann zur Kondensationszone werden, wenn z. B. außen Zementputz die Fuge verschließt. Würmer, Käfer, Pilze: alle lieben diesen Platz.
Bei mehreren unserer Objekte folgte die Zerstörung des Splintholzes an der Aussenwand bis auf 25 % des Querschnittes.
Daher treiben wir viel Aufwand mit dem Verstopfen der Fuge über die gesamte Tiefe. mittels Fleischerbeil wird das Gefach angeschnitten - nicht schlagen! - um eine V-Fuge aussen wie innen zu erhalten. Die wird mit feiner Lehmmischung gefüllt, mit Holzkeil und Gummihammer gestopft und in den Trocknungstagen mehrfach nachverdichtet.
So halten auch unsere Außenputze aus Lehm schon viele Jahre; die verbliebenen Fugen sind weniger als 1 mm breit



Meiner Meinung nach....



... hat Splintholz wenig in der Fachwerkkonstruktion zu suchen. Schon gar nicht an der Außenwand.
War das Splintholz im Bestand vorhanden?

Bei uns wurden auch Eichenbaken mit Splintholzanteil historisch verbaut. Die Splintseite war aber grundsätzlich auf der Innenseite vorhanden.
Oft auch durch Käfer, Feuchte etc. zerstört, aber eine konstruktive Funktion sollte Splintholz eh nicht haben.

Grüße
Martin



Schlechtes Holz in schlechten Zeiten



Nach dem Dorfbrand wird fast alles verwendet, was sich zu einem Haus fügen lässt: alte Sparren im Fachwerk, Kreuzholz im Riegel mit dem Riss nach außen oben, dass das Wasser reinläuft. Da wird die Ausfachung zusammengeschludert und einiges andere auch, aus Mangel an Geld, Material und Fachkräften, nur um schnell ein Dach überm Kopf zu haben.
Wer kann es den Alten übelnehmen?
Natürlich ist der Splint dort Murks und die Baumkante als Ausfachungsanschluß ebenso.