Schallisolierung gegen Lärm von unten

09.03.2015 mapa



Hallo zusammen,
ich besitze eine Eigentumswohnung im Dachgeschoß eines 2-Parteien-Hauses mit Fehlböden/Holzbalkendecken.
Vor einigen Jahren bereits haben wir die alten Böden erneuert und in diesem Zuge die Zwischenräume der Holzbalken mit Mineralwolle "gedämmt", darauf OSB-Platten und über der Trittschalldämmung Laminat schwimmend verlegt.
Das alles in der Hoffnung, dass sich die Schallisolierung verbessert.
Leider bemerken wir in letzter Zeit immer häufiger (v. a. weil die neuen Mieter der unteren Wohnung ihr Wohnzimmer direkt unter unserem Schlafzimmer haben), dass wir dennoch auch lauteres Reden deutlich hören. Auch Trittgeräusche von unten hören wir oben deutlich.
Gibt es irgendeine Möglichkeit eine ordentlich Schallisolierung VON OBEN mit relativ geringer Aufbauhöhe zu realisieren?
(Eine Einigung mit den EG-Besitzern, dass auch diese etwas dagegen unternehmen, ist leider aussichtslos und die Arbeiten können ausschließlich in meiner Wohnung stattfinden).

Vielen Dank im Voraus für Eure Tipps.

P.s. Könnte eine Ursache auch sein, dass wir hinter den Randleisten keinen Dämmstreifen angebracht haben?
(Sorry, bin ziemlicher Laie)



Schalldämmung



Um das vorsichtig auszudrücken.
1. Sie haben einen Eingriff in das Gemeineigentum vorgenommen, so etwas bedarf der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, hier des Miteigentümers.
2. Das Ausräumen der Deckenfüllung verschlechtert neben dem Schwingungsverhalten die Trittschall- und die Luftschalldämmung drastisch.
3. Wahrscheinlich erfolgt eine weitere Schallübertragung über Nebenübertragungswege die nicht beachtet wurden.
4. Die Veränderung an der Decke stellt eine Wertminderung und einen Mangel dar.

Wahrscheinlich hat der Miteigentümer noch mehr Probleme mit der jetzt schlechteren Schalldämmung wie Sie, bei ihm kommt noch Trittschallübertragung dazu.
Die Decke muß neu aufgebaut werden. Bei der Gelegenheit sollte der sicher mangelhafte Feuerwiderstand verbessert werden.



Schalldämmung Holzbalkendecke



Es wären einige Fragen zu klären- neben den eh schon aufgeworfenen.

Von wann ist das Gebäude?

Wie ist die Deckenuntersicht verkleidet?

Welche Dimensionen haben die Balken und welche Spannweite ist zu überbrücken?

Wie hoch könnte der maximale Aufbau sein von Oberkante Holzbalken bis Oberkante zum fertigen Fußboden (bzw zur obersten Treppenstufe)

Ist irgendein Einschub,Leisten etc in den Balkenzwischenräumen angebracht?

Welche Mineralwolle wurde in welcher Stärke verarbeitet?

Damit könnte man schon einmal in etwa die baulichen und statischen Bedingungen abklären und überlegen welche Schallschutzmaßnahmen
möglich sind.
Der jetzige Aufbau ist leider denkbar ungünstig- habt ihr das selber gemacht und geplant oder war eine Firma beteiligt?


Andreas Teich



Schalldämmung



60 er Jahre und kurz nach Krieg- Häuser sind bautechnisch fast am schlimmsten- da gibst ein reiches Betätigungsfeld.

Wie können aber solche Konstruktionen als abgeschlossene Wohneinheiten verkauft werden ???

Zuerst müßte jedenfalls die Statik der Decke überprüft werden- also Dimension der Balken, Abstände und Länge herausfinden.

Glaswolle kann getrost entfernt werden- höchstens irgendwo als Wärmedämmung verwenden.

Es muß Gewicht in oder auf die Decke- daher meine Frage nach der möglichen Aufbauhöhe über den Balken.

Dann noch eine Trennlage zwischen Tragkonstruktion und Fußbodenbelag.
Welche varianten möglich wären läßt sich erst nach genaueren Angaben sagen.

An Kosten sollten sich aber auch die unteren Wohnungseigentümer beteiligen.

Die einfachste Variante wäre jetzt wohl das Laminat zu entfernen,
dann eine weiche Holzfaserplatte auslegen, darauf zB eine Fermacell oder Rigidurplatte, darauf ein dicker Teppich.

Schallübertragung über die Wände kann dadurch nicht verbessert werden.

Du kannst dies ja erst einmal in einem Raum versuchen und sehen, ob dir das Ergebnis genügt.

Andreas Teich
Das einfachste wären jetzt erst mal ein dicker Teppich



Schalldämmung



Dann hat sich anscheinend schon ein Vorgänger mit der Decke befasst.
Egal wie: Die Decke ist mangelhaft.
Von oben sollte eine neue massereiche Füllung eingebaut werden. Dazu wird ein Fehlboden (wenn nicht mehr vorhanden) eingebaut, darauf ein Rieselschutz, darauf Trockenlehmschüttung oder Gehwegplatten, die Fugen werden mit Sand aufgefüllt.
Als lastverteilende und aussteifende Schicht empfehle ich das Aufschrauben von zwei Lagen OSB 15 mm mit versetzten Fugen. Darauf dann ein Trockenestrich mit aufkaschierter Schalldämmlage oder Laminat o.ä. auf Trittschallfolie.
Möglich ist auch der Einbau eines schwimmenden Gußasphaltestrichs.
Mögliche Nebenübertragungswege wie die Lücke zwischen Wand und Streichbalken, Durchbrüche für Leitungen usw. müssen einzeln und gesondert auch aus brandschutztechnischer Sicht berücksichtigt werden.
Möglich das je nach Länderbauordnung die Deckenunterseite mit einer Bekleidung aus Gipsfaserplatten brandschutztechnisch nachgerüstet werden muß.



Decke schalldämmen



Du hast ja nun einige Hinweise bekommen,
nur ohne zu wissen, wie hoch die Decke statisch belastbar ist wird keine schwerere Dämmung möglich sein.

Es müssen natürlich auch alle Fugen- speziell bei Streichbalken (die letzten entlang der Wände)abgedichtet werden.
Laminat würde ich nie nehmen, da das eine sehr harte, schalltechnisch ungünstige Oberfläche hat.
Jeder evt Hohlraum bewirkt einen Trommeleffekt und Laminat leitet den Schall bestens weiter.

In welchem Abstand die Balken liegen kannst du vielleicht an den Nagelreihen erkennen, um die Dimension und Zustand festzustellen muß die Decke natürlich geöffnet werden.

Ohne das kann kaum etwas entscheidend verbessert werden.

Sand wäre zur Dämpfung sehr gut für die Balkenhohlräume auf Fehlboden geeignet- wiegt aber auch ca 1800 kg/m3.

Andreas Teich