Außenwände feucht

12.01.2010



Hallo

hatte schon einmal berichtet das meine Außenwände(Luftschichtmauerwerk) bei Minus-Temperaturen feucht werden .
Gelüftet und Geheizt wird richtig.
Mir ist aufgefallen das dort wo der Keller(Teilunterkellert) drunter ist keine Feuchtigkeit zu finden ist.
Im Haus ist noch Dielung vorhanden ,mit Lüftungsgitter an den Außenwänden , mir wurde geraten die Dielung zu beseitigen und Beton einzufüllen ,dann sollte sich das mit der Feuchtigkeit erledigt haben.
Was meint Ihr dazu?
Fassade ist noch nicht gedämmt Haus ist Bj.1955



Hört sich erstmal nach Kondensat an.



Am besten währe wenn du jetzt wo die Feuchte auftritt mehrmals die Raumtemperatur, die rel. Luftfeuchte und die Oberflächentemperatur mittels IR-Thermometer messen und dokumentieren könntest. An Hand dieser Daten kann dann ermittelt werden ob an den betreffenden Wänden Kondensat anfällt.

Aufsteigende Feuchte bei minus Graden ist nicht so logisch.



Feuchtigkeit, Dämmung und zweischaliges Mauerwerk



Der beschriebene Kondensatausfall ist ein fast vergessener Klassiker.

Zweischaliges Mauerwerk der nachfolgenden Beschreibung ist vornehmlich an Gebäuden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu finden, am häufigsten in den Jahren zwischen 1920 bis 1950.
Heute besteht oft der Wunsch derartiges Mauerwerk aus energetischen Gründen mit Dämmmaterialien zu ertüchtigen.

Funktionsweisen:
Der Wandaufbau ist zunächst relativ einfach, genauer betrachtet allerdings von komplexen Wechselwirkungen geprägt. Die Außenschale besteht zumeist aus verputztem oder unverputztem Ziegelmauerwerk in unterschiedlichen Schichtdicken. Nach Innen folgt eine etwa 5 bis 8 cm starke Luftschicht, dann eine Innenschale aus Bims- oder Gasbetonmauerwerk oder ähnlichem.

Am Mauerfuß über dem Sockel sind häufig wie bei Dir Lüftungsöffnungenzu finden. Oft sind kleine Gitter, offene Fugen oder auch einfach fehlende halbe Steine auszumachen. Manche Schalen wurden auch über Öffnungen im Keller hin zur Schale belüftet.
Die häufig auch nur eingeschossig ausgeführten Schalen besitzen/besaßen auch zum Teil kaminähnliche Lüftungsöffnungen in den Dachraum oder auch darüber hinaus. Leider wurden die Öffnungen oft zugemauert.
Beide Schalen übernehmen oft tragende Funktionen und sind durch Metallanker oder Verbindungssteine miteinander verbunden.

Zur Systematik und damit Problematik der Schalen: Durch das Bewohnen, das Schlafen, das Kochen usw. entsteht in den Wohnräumen Feuchte, die aus den Räumen abgeführt werden muss.
Die grobporige Innenschale lässt die raumseitig auftretende Feuchte in die Luftschicht diffundieren, schlägt sich (im Winter) an der Außenschale nieder und wird durch daran entlang streichende Luft abgeführt. Im Sommer wird die vorgesetzte Schale aufgeheizt und befördert so durch thermisch bedingt erhöhte Luftbewegungen die Feuchtigkeit. Bei lang anhaltenden, tiefen Temperaturen kann es passieren dass die Innere Schale auskühlt und somit die Oberflächentemperatur an der Rauminnenseite soweit auskühlt, dass der Taupunkt erreicht und Kondenswasser ausfallen kann.

Soweit ein gutes System, wenn die Öffnungen noch vorhanden sind. Negativ jedoch, dass eben im Winter durch die Öffnungen zwar trockene, aber eben kalte Luft durch die Schalen geführt wird und im Sommer aber warme und auch feuchte Luft. Also immer das, was man gerade nicht gebrauchen kann ...
Früher wusste man aber noch mit dem System umzugehen und es wurden bei langen Kälteperioden entweder die Zuluft an der Außenfassade oder der Abluftkanal im Dachbereich blockiert um ein Auskühlen der Wand zu verhindern.

Nachträgliches Dämmen:
Wenn nun die Außenschale von außen gedämmt wird führt das zu folgenden Szenarien:
- im Winter wird die kalte Luft noch immer hinter die Dämmung an die Innenschale geführt ... also so ausgeführt eine sinnlose Maßnahme.
- im Sommer wird kein Aufheizen der Außenschale mehr erreicht, was zu einer verminderten Abfuhr der Feuchtigkeit führen kann, also feuchte Schale und feuchter Mauerfuß.

Werden die Öffnungen verschlossen kann die Feuchte nicht mehr abgeführt werden. Feuchtigkeit sammelt sich an Wand und Fußpunkt, Putzschäden und Schimmel können auftreten, auch die Metallanker die Außen- und Innenschale miteinander verbinden können rosten.

Kerndämmung: Reinschütten oder auch ausblasen: Es funktioniert einfach nicht so wie gedacht.
Davon ausgehend, dass die 5-8 cm - durch Mörtelreste oft eingeengte Luftschicht - homogen, ohne Luftlöcher ausgebildet zu haben im gesamten Wandbereich bis unter das Dach gleichförmig vorhanden ist:
Wohin geht nun die Raumfeuchte? Zunächst wie gehabt durch die Innenschale, dann in die Dämmung. Je nach Material kann die Dämmung die Feuchtigkeit halten oder aber sie kann es nicht (hydrophob), dann ist mit erhöhtem Feuchteeintrag im Fußpunkt zu rechnen und wenn sie Feuchtigkeit aufnehmen kann in der ganzen Wand.

Feuchte, nasse Dämmung dämmt nicht. Erschwerend kommt die Schwere des Materials hinzu, dass in sich zusammensacken kann und zu feuchteren Bereichen am Fußpunkt und kälteren Bereichen am Kopfpunkt der Dämmung führt.
Dann sind da noch die Metallanker. Statt luftumspült zwischen den Schalen zu sitzen verbringen diese nun ihre Zeit in feuchter Dämmung eingepackt. Und feucht werden gerade diese allemal, denn die Raumfeuchte sitzt bereits in der ehemalige Luftschicht. Durch die Temperaturschwankungen der Außenschale kühlen sich die Anker ab und es wird sich Kondensfeuchte gerade im Ankerbereich sammeln und nun durch die Dämmung gerade dort gehalten. Korrosion droht.

Erst wenn sich genug Feuchte im Fußbereich der Schicht gesammelt hat ist mit einem kapillaren Abtransport in bis dato trocknere Bereichen zu rechnen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Toll beschrieben, Christoph Kornayer



ich habe aber eine Frage:
Woher kommt die Feuchtigkeit an der Innenseiter der Außenschale, wenn die Wand von außen gedämmt wird und die Zu- und Abluftöffnungen verschlossen werden?
Ich gehe von einer funkrionierenden Horizontalsperre und von einer Minimierung der Wärmebrücken aus. Anders macht eine Dämmung so wie so wenig Sinn.



Nicht DIN-gerechte Bewohner



Hallo Herr Heim,

ich weiß – da haben Sie mich am wunden Punkt der Erklärung erwischt. Rechnerisch lässt sich der Tauwasserausfall an der Innenseite der Außenschale nur im ungedämmten Zustand nachweisen, im gedämmten Zustand dürfte normalerweise kein Tauwasser an diesem Punkt entstehen.
Zumindest wenn Temperaturen und Luftfeuchte gem Vorschrift bei der Berechnung nach Glaser angewandt werden. Leider bewohnen viele Nutzer die Gebäude nicht DIN-gerecht und mangelndes heizen/lüften führt zu anderen "Berechnungsvoraussetzungen" abseits der Normberechnung.
Es gibt einige Faktoren, die außerhalb der korrekten Berechnung nach dem Glaserverfahren doch zum Tauwasserausfall führen können. Einflussfaktoren können sein:

- Schichtdicke der inneren Schale
- zu hohe Luftfeuchtigkeit im Innenraum
- die häufig vorhandenen Belüftungsöffnungen unter der inneren Schale, die für die Entlüftung der Schüttungen unter und zwischen den Lagerhölzern dient und einen Kontakt zum Innenraum herstellt
- Schichtdicke und Dichtheit der Luftschicht. Die ruhende Luft hat zwar eine recht geringe Wärmeleitfähigkeit, doch ab einer gewissen Schichtdicke entsteht Konvektion, welche die Isolationswirkung beträchtlich reduziert. Um eine tatsächliche ruhende Luftschicht zu erzeugen muss diese allseitig dicht umschlossen sein und das ist in vielen Altbauten nicht sicherzustellen, alleine die Durchdringung der inneren Schale durch Deckenbalken, die offenen Fußbereiche im Bodenaufbau eines Erdgeschosses, Steckdosen, etc. führen zu Undichtigkeiten und dann ggf. zum Eindringen von warmer, feuchterer Luft aus dem Innenraum die dann zur Kondensatbildung auf der Innenseite der Außenschale führen kann.

Bisher hatte ich zwei Fälle, bei denen es zum Tauwasseranfall an der Innenseite der Außenschale kam, trotz vermeintlich richtig berechneter Außendämmung. Eine Berechnung geht immer vom funktionierenden System und homogenem Schichtenaufbau aus.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer

P.S.: Auf dem angefügten Bild sind im Fußbereich der Innenschale die Öffnungen zu erkennen, ich sehe mal nach, ich habe da noch ein besseres Bild.





Hallo Herr Kornmayer und Herr Heim,


einen zweischaligen Aufbau einer Wand wie in Ihrer Grafik kenne ich nur ohne die äußere Luftzufuhr. Zumindest im Wohnungsbau. Die meisten allerdings mit denen ich zu tun habe, haben einen geschlossenen (stehenden) Hohlraum. So auch mein 1935 erbautes Haus. Das ist theoretisch nicht schlecht, die Wärmedämmung hält sich dennoch wegen der vielen Bindersteine der beiden Schalen in Grenzen. Was mich hier am meisten stört, ist das die Schalen teilweise nicht Winddicht sind.
Das macht es meiner Meinung nach auch unmöglich auszurechnen ob im Holraum Kondensat anfallen wird oder nicht. Auf jedenfalls nicht zweifelsfrei.
Aus diesem Grund, der Tatsache, das sich das einblasen von Kerndämmung äußerst schwierig gestalten dürfte und der Wärmebrücken durch die Binder, halte ich von dieser Dämmmethode nichts.

Den Hohlraum in meinem Mauerwerk hätte ich schon gerne verfüllt, hadere aber immer noch. Was halten Sie davon einen derartigen Hohlraum mit Lehm zu verfüllen?



Einseitige Bauplanung



Hallo Herr Kornmayer.
die Punkte kann ich natürlich alle so nachvollziehen. Ein paar der Probleme sind auch nicht auf den Altbau beschränkt.
Mir ist es immer wichtig darauf hinzuweisen, dass umfassende Planungen erforderlich sind um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Wenn ein Putzer ein WDVS verkauft, ohne dabei die ganzen Randbedingungen im Auge zu haben, sind natürlich die Probleme vorprogrammiert. Und vom Bewohner kann man nicht erwarten, dass er sein Verhalte an halb durchgeführte Dämmmaßnahmen anpasst.
.
im Falle R.F. bedeutet das, dass solche Probleme nicht geklärt werden können, indem man einen Dielenboden entfernt und Beton einbaut. Eine Umfassende Beratung vor Ort durch einen unabhängigen Fachmann ist sehr wichtig.





Hallo Herr Struve,

ich verstehe noch nicht ganz, weshalb Ihre nicht hinterlüftete Außenwand nicht winddicht ist. Irgendwo muss Sie offen sein. Wo spüren Sie den Wind?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Hallo Herr Kornmayer,

Es ist teilweise über dem Fußböden, unter den Decken und an einigen Fenstern recht “zügig”.
Bei den Böden und Decken gehe ich davon aus, das die Deckenbalken die ja auf der Innenschale liegen dafür ursächlich sind. Bei den Fenstern bin ich nicht so ganz sicher ob die Laibungen oder die Fenstermontage das Problem sind.





Hallo Herr Struve,

da nehme ich mal an, dass sowohl Fußboden als auch Deckenbereich an die Wand angeschlossen sein wird. Haben Sie mal oben im Dach nachgeschaut ob es eine Öffnung, Tonrohr o. vgl. gibt? Auch wenn Sie keine Öffnungsgitter in der Fassade haben; es besteht die Möglichkeit einer Öffnung im Keller. Die Varianten sind wohl zahllos.

Gruß aus Wiesbaden
Christoph Kornmayer

P.S.: Ich glaube nicht dass die Geschichte mit der Lehmverfüllung gut gehen wird. Wie haben Sie sich die Befüllung vorgestellt?





Hallo Herr Kornmayer,

Unterm Dach ist keinerlei Öffnung weder über die Mauerkrone noch in die Decke. In OG hatte ich mal einen Boden offen, auch hier ist das Mauerwerk ohne jede Öffnung durchgezogen. Auch im Keller, original Sichtmauerwerk, würde man sehen wenn dort nachträglich was zugemauert worden wäre. Darum ist mein Verdacht die Balkendurchführungen. Ein alter Maurermeister sagte mir mal das diese Häuser mit einem geschlossenem Hohlraum zu dieser Zeit “gang und gäbe” waren.
Die Frage ist nun ob ich was verschlechtern würde wenn ich den Hohlraum mit Lehm verfülle. Ich sehe eigentlich nur Vorteile. Wenn es aber drin ist, ist es drin.

Grüße



Danke



für die vielen Antworten.
Bei mir ist es genauso wie es Herr Struve beschrieben hat.
Die Giebelspitzen an meinem Haus waren aus 11,5er Mauerwerk und neigten sich nach außen deshalb habe ich sie bis auf das 30er Mauerwerk abgetragen und mit 30er Porit wieder hochgezogen ich konnte leider auch keine Öffnung finden.
Ich denke das die Lüftungsschlitze im Sockelbereich dazu da sein soll das die Dielung nicht verfault.





Hallo RF,

irgendetwas passt da aber nicht. Du schreibst oben vom Luftschichtmauerwerk, also vom zweischaligen Wandaufbau eines Hauses von 1955. Die Wandstärke war im Giebel 11,5cm, unten 30cm. nach meiner Rechnung bleibt da aber nicht mehr viel übrig für eine Luftschicht.
Am einfachsten wäre es das Lüftungsgitter einmal herauszunehmen und mit der Hand zu fühlen wo die Öffnung wirklich hinführt.

- Aus welchen Materialien sind die Wandschschichten?
- Wie "dick" sind diese Schichten?
- Wieviele Gitter gibt es?
Bilder wären gut.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer

P.S.: Her Struve, beschreiben Sie doch mal Ihren genauen Wandaufbau, dann kann man das überschlagen, ob das mit dem Lehm gut geht.