Gute alte Zeit - oder Heuschrecken und andere Egomanen

18.06.2005



Moin miteinander,

nach den Streitereien der vergangenen Wochen erscheint mir die Zeit reif zu sein für Rückblick und Bestandsaufnahme.

Was hat denn in der Vergangenheit die hohe Qualität von fachwerk.de begründet?

Es war der gemeinsame Impetus aller Beteiligten, qualifizierte Antworten zu geben und auch bei strittigen Fällen eine möglichst ergebnis-offene Diskussion zu führen. Sicherlich „überhitzten“ manchmal auch einige Diskussionen – es war jedoch dann aber auch ständig die Bereitschaft zur Verständigung (oder Annahme von Vermittlungs-Angeboten) unverkennbar.

Diese positive Kultur des quasi-wissenschaftlichen „Streitgesprächs“ ist uns abhanden gekommen und hat nicht erst mit dem Auftreten von Herrn Fischer begonnen – das war nur der bisherige traurige Höhepunkt.

Die ganzen Beiträge hatten erkennbar nur ein Ziel – eine „feindliche Übernahme“ von fachwerk.de unter dem Siegel der Meinungsfreiheit und anschließende Majorisierung und Instrumentalisierung des Forums für eigene, werbliche Zwecke.

Auf (diese Auswüchse) der vorsätzlichen Verbreitung von Halbwahrheiten i.V. mit fehlender Dialogfähigkeit wurde anfangs von mehreren Teilnehmern in diversen Beiträgen hingewiesen, ohne daß diese jedoch in ihrer Zielsetzung vollständig erkannt wurden - und es zu irgendwelchen administrativen Maßnahmen kam.

Eine Politik des Beobachtens ist zwar grundsätzlich positiv, aber durchaus auch zweischneidig – wie die Erfahrung lehrte. Die positive Komponente der Meinungsfreiheit und des Dialogs wurde permanent und zunehmend überlagert durch ein Klima der Diffamierung Anders-Denkender.

Freiheit ist nun mal keine Einbahnstraße, sondern auch immer die Freiheit der anderen – des Gegenverkehrs (geklaut bei Posa Luxemburg).

Das zwischenzeitlich (hektisch) eingeführte Bewertungs-System halte ich in der vorliegenden Form für wenig praktikabel – zusätzlich habe ich auch noch ein paar allgemeine mess-theoretische Vorbehalte, die jedoch an anderer Stelle erörtert werden müßten / sollten.

Dagegen halte ich Hartmut Stöplers Beitrag „Änderung im Forumsbetrieb“ mit neuen Regeln für die richtige Maßnahme, die ich mir persönlich schon vor Wochen gewünscht hätte. Sie kam spät – aber besser als garnicht.

In Fällen von Beratungs-Resistenz hilft im Zweifel nur noch die Löschtaste, ähnlich der testierten „mangelnden Therapie-Fähigkeit“ bei einigen Patienten der medizinisch-psychologischen Fraktion.

Dieser regulative Weg der Beschränkung auf das Wesentliche (Antworten statt Selbst-Beweihräucherung) erscheint mir als einzige Alternative, dem egozentrischen Wildwuchs zu begegnen.

Und – da Herr Orwell auch bereits in diesem Zusammenhang genannt wurde, bleibt mir nur zu hoffen, daß der unumgängliche GROSSE BRUDER auch ein weiser Herrscher ist, und nicht regiert nach den Regeln des

MANAGEMENT by CHAMPIGNON

- Alles im Dunkeln lassen
- Ständig mit Dreck bewerfen
- und wagt es trotzdem einer, den Kopf heraus zu strecken: RÜBE AB !!!!

Grüße aus 1984

Bernd



Hallo Bernd,



hilf mir mal. Ich verstehe nicht genau, was genau du eigentlich (mir?) mitteilen willst.

Diese positive Kultur des quasi-wissenschaftlichen „Streitgesprächs“ ist uns abhanden gekommen und hat nicht erst mit dem Auftreten von Herrn Fischer begonnen ...

Aha, das ist mir allerdings neu. Wie kommst du zu dieser pauschalen Verurteilung?

Das zwischenzeitlich (hektisch) eingeführte Bewertungs-System ...

Wann habe ich das System geplant? Wann programmiert? Warum habe ich es nicht vorher scharfgeschaltet? Wieso also hektisch?

Sie kam spät – aber besser als garnicht.

Na ja, du schreibst ja selber: "Freiheit ist nun mal keine Einbahnstraße, sondern auch immer die Freiheit der anderen – des Gegenverkehrs (geklaut bei Posa Luxemburg)."

Ab "Und – da Herr Orwell ..." kann ich nicht mehr folgenden.

Gruß
Hartmut
PS: Ich schätze, dass ist der dritte oder vierte Beitrag von dir, der sich wie ein Abgesang auf Fachwerk.de anhört. Ein wenig mehr Optimismus hat der (noch) Kanzeler gefordert. Eine der wenigen Forderungen die ich vollstens unterstütze.



Die Frau hieß Rosa



und nicht Posa!



Entschuldigung ...



... muß wohl Pisa und andere Tests im Sinn gehabt haben ;-)
Kann leider keine 100 Punkte vergeben.

Bernd



Kanzler-Optimismus



Der Herrgott hat die Welt endgültig satt und sagt zornesbebend und entschlossen zu Petrus: "Morgen ist absolut Schluss! Weltende!!"

Petrus wendet ein, das könne man nicht so einfach durchziehen, mindestens drei Weltführer müssten einen Tag vorher ins Bild gesetzt werden.

Folglich werden Putin, Bush und Schröder einbestellt.

Putin kehrt nach Moskau zurück: " Freunde, ich habe zwei schlechte Nachrichten! Erstens: Es gibt diesen christlichen Gott. Zweitens: Aller Errungenschaften der Großen Oktoberrevolution ungeachtet geht morgen die Welt unter."

Bush kehrt nach Texas zurück: "Hey, folks, eine gute Nachricht und eine schlechte. Erstens: Der Herrgott hat mich wegen meines Krieges in Privataudienz empfangen. Zweitens: Aber morgen schließt er die ganze Firma."

Schröder kommt ins Kabinett:
"Meine Damen und Herren, ich habe zwei sehr gute Nachrichten. Erstens: Obwohl ich beim Amtsantritt gesagt habe, Religion sei Privatsache, bin ich im Himmel offiziell empfangen worden.

Und zweitens: Ich bleibe Kanzler bis ans Ende der Welt."



Die Geschichte vom alten bösen Wolf in sieben Fabeln



1.

Der böse Wolf war alt geworden und nicht mehr der beste, und vor allem nicht mehr der schnellste Jäger. Er sagte sich: Ich muss versuchen mit List vorzugehen.

Der Wolf begab sich zu dem nächsten Schäfer und machte ihm das folgende Angebot: "Schäfer, du hältst mich für einen blutrünstigen Räuber. Doch das bin ich gar nicht. Zwar muss ich Schafe essen, wenn ich Hunger habe, aber wenn du mich vor dem Hunger bewahrst und ich satt bin, dann bin ich das zahmste, sanftmütigste Tier, das du dir vorstellen kannst."

Der Schäfer lachte nur und sagte kopfschüttelnd: "Das will ich gerne glauben, dass du zahm wirst, wenn du satt bist. Doch ich weiß, dass du niemals satt bist und also niemals zahm wirst, Wolf. Also, geh deiner Wege!"

2.

Der böse Wolf kam zu einem zweiten Schäfer. "Du weißt, Schäfer, dass ich dir so manches Schaf reißen könnte, wenn ich wollte", sagte der Wolf und blinzelte versonnen. "Aber wenn du mir jedes Jahr freiwillig sechs Schafe gibst, will ich mich damit zufrieden geben. Du kannst dann ruhig schlafen und deine Hunde ohne Bedenken abschaffen."

"Sechs Schafe?", rief der Schäfer empört. "Das ist ja eine ganze Herde!" Da entgegnete der Wolf: "Nun, weil du es bist, lieber Schäfer, will ich mich mit fünfen zufrieden geben."

"Du bist wohl nicht bei Trost", schnaubte der Schäfer. "Mehr als fünf Schafe haben mir die Wölfe sowieso noch nie in einem Jahr gerissen." – "Na gut, dann vier", gab der Wolf klein bei. Der Schäfer schüttelte spöttisch den Kopf. "Drei?", fragte der Wolf. "Oder wenigstens zwei?"

"Nicht ein einziges", sagte der Schäfer streng. "Ich wäre schön dumm, wenn ich dir meine Schafe freiwillig ausliefern würde, anstatt sie zu beschützen."

3.

"Aller guten Dinge sind drei", sagte sich der Wolf und versuchte es bei einem dritten Schäfer.

"Es macht mich betrübt, dass wir Wölfe unter euch Schäfern als grausame, hinterhältige Tiere verrufen sind. Dir, lieber Schäfer, werde ich beweisen, dass ich anders bin. Gib mir jedes Jahr ein Schaf, so werde ich dafür sorgen, dass deine Schafe in dem Waldstück, in dem ich mich herumtreibe, in vollkommener Sicherheit sind und ungestört weiden können. Ein einziges Schaf nur! Könnte ich großmütiger sein?"

Der Schäfer lachte ihn aus. "Dein großzügiges Angebot kommt einige Jahre zu spät. Meinst du, ich bemerke nicht, dass du alt und grau geworden bist und deine Zähne stumpf? Und du spielst hier noch den Uneigennützigen! Mach, dass du fortkommst!"

4.

Der Wolf war sehr ärgerlich. Und doch versuchte er bald darauf sein Glück bei einem vierten Schäfer. Dem war nämlich sein treuer Hund gestorben, was der Wolf ein günstiger Anlass schien, sich selbst ins Spiel zu bringen.

"Lieber Schäfer", eröffnete er seinem Gegenüber, "ich habe mich mit meinen Brüdern im Wald zerstritten. Wir werden uns bis in alle Ewigkeit nicht mehr vertragen. Du weißt, wie gefährlich sie sind und ich kenne alle ihre Schliche. Wenn du mich für deinen verstorbenen Hund in den Dienst nehmen willst, so will ich deine Schafe beschützen!"

"Das klingt nicht übel", erwiderte der Schäfer. "Aber wer soll dann meine Schafe vor dir schützen? Ich nehme doch keinen Dieb ins Haus, um vor ihnen außerhalb des Hauses sicher zu sein."

5.

"Wäre ich nur nicht so alt!", sagte der Wolf zerknirscht. "Aber was soll ich tun? Ich muss irgendwie versuchen mich durchzuschlagen." Und so kam er zu dem fünften Schäfer.

"Kennst du mich, Schäfer?", fragte der Wolf. "Ich weiß, du bist ein Wolf", versetzte der Schäfer. "Aber ein ganz besonderer Wolf", beteuerte der Wolf. "Ich bin ein Freund aller Schäfer. Ich kann kein lebendiges Schaf würgen und fressen. Auch wenn es mich das Leben kosten würde."

"Und wovon ernährst du dich?", wollte der Schäfer wissen. "Von toten Schafen. Ist das nicht lobenswert? Du brauchst mir also nur zu erlauben, dass ich hin und wieder zu deiner Herde komme und nachfrage, ob nicht ..."

Der Schäfer schnitt dem Wolf das Wort ab: "Spar dir die Mühe. Ein Wolf, der nur meine toten Schafe fressen will, hält aus Hunger leicht meine kranken Tiere für tot und die gesunden für krank. Also, rechne nicht auf meine Freundschaft und geh!"

6.

Also gut, dachte sich der Wolf, wenn es gar nicht anders geht, dann muss ich eben mein Wertvollstes hergeben. Und so kam er zu dem sechsten Schäfer.

"Schäfer, wie gefällt dir mein Pelz?"

"Dein Pelz?" frage der Schäfer erstaunt. "Lass mal sehen." Er fuhr mit der Hand durch das Fell vom Wolf. "Dein Pelz ist schön. Die Hunde haben dich wohl nicht oft erwischt, was?"

Der Wolf fuhr fort: "Hör zu, Schäfer, ich bin alt und werde nicht mehr lange leben. Füttere mich so lange, bis ich tot bin – und mein Pelz gehört dir." Der Schäfer lachte: "Das könnte dir so passen. So lange, wie du noch lebst, kostet mich der Pelz am Ende mehr als sieben Mal so viel, wie er wert ist. Willst du mir wirklich deinen Pelz vermachen, dann gib ihn mir lieber gleich!" Mit diesen Worten griff der Schäfer zu seiner Keule. Da lief der Wolf schnell davon.

7.

"Diese Unbarmherzigen!", klagte der Wolf. Was sollte er tun? Er wusste sich nicht mehr zu helfen. Er wurde immer wütender und schrie: "Wenn sie es nicht besser wollen, so will ich als ihr Feind sterben, ehe mich der Hunger tötet!" Er lief los, brach in die Wohnungen der Schäfer ein, riss ihre Kinder nieder und richtete so viel Schaden an, wie er konnte. Er wütete mit aller Kraft, die ihm noch verblieben war, bis die Schäfer den Wolf gemeinsam erschlugen.

Da sprach der weiseste der Schäfer: "Wir haben Unrecht getan, dass wir den alten Räuber so weit gebracht haben und ihm alle Mittel zur Besserung genommen haben."



Posa war sehr korrekt, eine intelligente Assoziation, passend zum Schillerjahr!!!



Marquis von Posa: "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!"
Don Carlos

Nach Pisa 100 Punkte, aber hier im Forum?

Der räudige Wolf



Vielen Dank für deine ehrliches Bemühen, Hartmut !





Freiheit



"Freiheit ist nur im Reich der Träume, und das Schöne blüht nur im Gesang." Friedrich Schiller "Der Antritt des neuen Jahrhunderts"