Einfacher Dachausbau

29.01.2012 De Meinweg



Hallo zusammen,

gestern hatte ich erstmals Gelegenheit, das ausgebaute Dach unseres Sanierungsobjektes näher in Augenschein zu nehmen:

Entgegen meiner Annahme wurde beim Ausbau in den 70er/frühen 80er-Jahren gar nicht gedämmt, sondern unter den Sparren nur eine Schicht aus ca. 25mm dicken Spanplatten (?) angebracht, worauf Deckenpaneele aus Nadelholz genagelt wurden. Der Ausbau geht nicht bis in den Giebel, es gibt einen ca. 1m hohen Spitzboden, der durch eine Luke begehbar ist. Unter den Dachziegeln gibt es keine Unterspannbahn, d.h. bei entsprechendem Wetter dringt Wasser zwischen den Dachziegeln durch. Da aber anderseits eine gute Durchlüftung gegeben ist, konnte bisher immer alles wieder abtrocknen, ohne dass es größere Schäden gab.
Die Platten unter den Sparren sind zwar nicht mehr 100% plan, aber auch nicht wirklich aufgequollen oder gewölbt.

In den ausgebauten Räumen unter dem Dach, die früher mal regelmäßig als Kinder-, jetzt nur noch gelegentlich als Gäste- bzw. Arbeitszimmer, genutzt wurden, sind keine feuchten Stellen oder gar Schimmel zu beobachten, zur Beheizung gab es bisher nur alte Holzöfen, die jedoch nur bei richtig kaltem Wetter angeworfen wurden, da es lt. Auskunft der jetzigen Bewohner meist warm genug in diesen Räumen war, auch im Sommer war es von der Hitze her erträglich. Natürlich muss man solche Aussagen relativieren, ich gehe aber schon davon aus, dass es sich tendenziell so verhält. Hier am Niederrhein ist es klimatisch sehr mild, wie man auch an der Vegetation sehen kann.

Da wir auch nur eine ähnlich extensive Nutzung vorhaben, aber den alten Ausbaukram wegen Verdacht auf Formaldehyd in den Spanplatten und giftigen Holzschutzmitteln auf den Paneelen (Xyladecor/Xylamon?) auf jeden Fall entfernen wollen, frage ich mich, wie ein neuer Ausbau aussehen könnte.

Da die Abtrocknung evtl. eingedrungenen Regenwassers dank guter Belüftung bisher funktionierte, wollte ich weiterhin auf eine Unterspannbahn verzichten und den Raum zwischen den Sparren frei lassen.

Unter den Sparren eine Schicht Gutex Multitherm 6cm oder vergleichbares Material (lt. Datenblatt u.a. als vollflächige Untersparrendämmung zugelassen, hydrophob, diffusionsoffen, winddichtend … ).

Ob wir darunter wieder mit Holz verkleiden oder aber eine glatte Oberfläche mit Lehmbauplatten bzw. verputzten Sauerkrautplatten wählen, ist noch offen, wäre alles möglich? oder wird noch eine dampfsperrende OSB-Zwischenschicht dringend angeraten? Wenn ja, warum? Bisher hat die tendenziell diffusionsoffene Einfachstkonstruktion ja auch schadenfrei funktioniert.

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit so einer Art Ausbau, oder gilt heutzutage nur noch ganz oder gar nicht (offenes Kaltdach oder Volles EnEV-Programm?)

Danke fürs Feedback
Grüße
Christian



Wenn Sie ...



... dieses Haus neu gekauft haben. müssen Sie innerhalb von 2 Jahren, nach der EnEv, die oberste Geschossdecke (oder alternativ das Dach)dämmen. Dies ist die sog. "Nachrüstverpflichtung" und hat Gesetzescharakter. Ob und wie ein Verstoß dagegen geahndet werden kann, ist gesetzlich nicht geregelt.

In jedem Fall ist die Verordnung in diesem Punkt sinnvoll, weil Sie mit relativ wenig Aufwand -auch in Eigenarbeit, dann allerdings nicht kfw-förderfähig- zu einer erheblichen Verbesserung des Wohnkomforts und auch einer messbaren Energieeinsparung kommen können.

Nur: auch dies Maßnahme muß genau durchgeplant und ausgeführt werden. Sie haben dementsprechende Beiträge in der letzten Zeit auch hier im Forum verfolgen können. Diese Aufbauten verzeihen keine NAchlässigkeiten und fehlerhafte Planungen.

Wenn Sie die oberste Geschossdecke begehbar haben wollen, muss die Unterseite der Decke dampfdicht sein oder die Oberseite -der Gehbelag- unterlüftet. Die berüchtigte "Spanplatte auf den Balken" führt innerhalb von einer Heizperiode zu Kondensation und Schimmelbildung.

Von der unterseitigen Verkleidung des Daches würde ich eher absehen, wenn Sie sicher sein konnen, das eventuell eindringendes Regenwasser oder Schnee sich sicher nicht in der neu gedämmten obersten GEschossdecke ansammeln.

Wenn Sie unterseitig verkleiden, können Sie den Zustand des DAches nicht mehr kontrollieren und Regen oder Schnee sammeln sich unten an der Traufe konzentriert an und führen zu ganz anderen Schäden.



Zum relativen Aufwand…



… habe ich mich u.a. nach dieser Grafik orientiert:

http://fewb.de/info/pics/waermestrahlung/abb22.gif

hier noch einmal mit Erläuterungen:

http://fewb.de/info/pics/waermestrahlung/abb23.gif


Bisher hat es jahrzehntelang funktioniert, dass evtl. eindringendes Regenwasser oder Schnee keine Schäden unten an der Traufe verursachten, allerdings werde ich mir den Bereich noch einmal genau anschauen, wenn die jetzigen Holzverkleidungen alle demontiert sind. Klar, die Einsehbarkeit des Daches von unten ist im gedämmten, bzw. verkleideten Bereich natürlich nicht mehr gegeben, allerdings betrifft es nur relativ kleine Bereiche, da der Raum zwischen Kehlbalken und First offen und begehbar bleibt und die Räume eine Kniestöckhöhe von 1,50 haben.

Bisher war auch hier im Forum meist die Rede davon, dass solche Räume nicht durch offenstehende Türen mitgeheizt werden sollen, weil die Feuchte Luft aus den warmen untenliegenden Räumen dann oben kondensiert und zu Schäden führt. Wenn aber die Geschossdecke der darunterliegenden geheizten Räume einfach nur etwas Wärme durchlässt, die Türen aber geschlossen bleiben, können zwar theoretisch oder berechnet, Schäden auftreten, diese sind allem Anschein nach bisher aber ausgeblieben.
Genaueres kann ich natürlich erst sagen, nachdem ich mir auch die Böden genau angeschaut habe. Zum Glück ist ein offener Bast-? oder Kokosteppich verlegt.



Na, ...



... wenn früher alles besser war, sollte es so bleiben, wie es früher gewesen ist.

Abgesehen davon:

Konvektion und Schäden aus der Konvektion (mittlerweile als Hauptursache erkannt für Feuchteschäden in "dampfdicht abgeklebten Konstruktionen") entstehen nicht, wenn man mal die Türe offen stehen lässt.



Woran…



… machen Sie meine Beratungsresistenz fest?

Etwa daran, dass ich lediglich die Beweggründe für meine Entscheidung erläutere?

Ich schrieb doch gar nichts davon, ggf. keinen Rat zu beherzigen. Allerdings helfen Allgemeinplätze wie "…erfordert sehr gründliche Planung…" oder Hinweise auf die EnEV nicht wirklich weiter, egal wie patzig es vorgetragen wird. Auch schrieb ich nichts von "Spanplatte auf Balken" o.ä. Entsprechende DG-Räume haben klassischen, also alten Bodenaufbau und waren immer begehbar.

Früher war nicht immer alles besser, deshalb wird es ja neu gemacht, aber die bisherige Variante hat immerhin mehr als 30 Jahre hinreichend und schadensfrei funktioniert.
Soll die einzige Alternative also tatsächlich darin bestehen, sich mehrere Schichten Dämmung zwischen die aufgedoppelten Sparren und kompliziert und fehleranfällig verklebter Folie unters Dach zu packen?

Soll ich mal schreiben, was uns bisher alles fürs Dach empfohlen wurde?