Schadet es einem Holzbalken?

16.03.2018 mara



Hallo Community,

momentan scheint die Suchfunktion gerade nicht zu funktionieren. Zumindest kann ich jeden beliebigen Begriff (z.B. Holz) eingeben, es werden aber nie Ergebnisse angezeigt.

Aber auch als seit längerem eifrige Mitleserin kann ich mich nicht erinnern, die Antwort auf meine gegenwärtige Frage schon einmal gelesen zu haben.

Die Frage an die Experten lautet:
Schadet es einem Holzbalken (20x20cm), der auf Sperrschicht und Mauerwerk über seine Gesamtlänge (8,8 m) aufliegt (Ankerbalken), auf der Rückseite ca. 2cm Luft zum hinter ihm aufsteigenden Mauerwerk hat, raumseitig mit ca. 90 cm Abstand Querbalken (26x18 cm) stumpf anliegen, wenn man die Zwischenräume zwischen den Querbalken und die Oberseite des Ankerbalkens komplett in Lehm packt?

Zur Verdeutlichung habe ich mich für die obige Skizze entschieden :)



Holzbalkendecke



Was soll dieser "Ankerbalken" bezwecken?
Welche Funktion hat er?
Wie dick ist die Leichtlehmschale?



Egal wie...



...aber in ihrer Grafik sind bereits einige andere bauliche Frevel zu erkennen und als angeblich langjährige Lösung: ...machen wir ja schon immer so...-Ausführungsvariante, ersichtlich.
Sperrschichten in Form jeglicher Arten, ob Dachpappen, Folien undgl., sind auf Dauer tödlich, da die Hölzer darauf oder darin, schwitzen!
In Kokosfaserstreifen gebettet und aufgelegt und somit dann auch ohne jeglicher zusätzlicher Luftschichten in verbauten Konstroktionen, bringt Langlebigkeit und hohe Funktionalität.
Werden Spaltmaße zu groß, kann man dann natürlich auch mit Lehmbaustoffen oder Kalkmörteln zusätzlich ausfüllen.
Früher wurden Hölzer Luft umspült verbaut und an die Hölzer nur erst einmal trocken weichgebrannte Ziegel, sogenannte Feldbrandsteine gelegt und ab dem zweiten Stein dann erst mit Mörteln (Kalk) weiter gemauert.

Die Innenschale bei ihnen ist aus Leichtlehmsteinen erstellt worden und das Ankerholz soll eine Ablastungslösung sein?



erst im Planungsstatus, noch nicht erstellt


erst im Planungsstatus, noch nicht erstellt

Hallo Herr Böttcher,
der Ankerbalken ist schon da und trägt den Dachstuhl.
Hängt aber selbst praktisch fast frei in der Luft.
Die Leichtlehmschale existiert noch nicht, es geht im Moment um die Ausführungsplanung für eine versteifende Zwischendecke und die Verstärkung/Dämming der Mauer im oberen Bereich.
Anbei noch ein Bild der derzeitigen Situation ... könnte Ihnen bekannt vorkommen :)
Der zusätzliche Auflagerbalken soll die Balken für die Zwischendecke tragen. Hier wurde vom Planer Beton vorgeschlagen, was mir aber in bezug auf den Ankerbalken und die Ausführbarkeit nicht besonders günstig vorkommt.

Hallo Herr Mühe,
die Sperrschichten tauchen gem. Empfehlung des Planers auf, wobei mir das auch, ebenso wie die o.g. Beton-Variante, nicht wirklich gefallen hat und ich mich deshalb an die hiesigen Experten wende.
Nach bisheriger Planung würde nur der ca. 2 cm breite Spalt zwischen Ankerbalken und Bestandsmauer zur Luftumspülung zur Verfügung stehen. Dieser würde aber nach oben auch wieder durch Leichtlehm verschlossen.
Als Auflager für den Ankerbalken und auch den Auflagerbalken nur weichgebrannte Ziegel ohne Mörtel zu verwenden ist umsetzbar, da die Auflage erst noch geschaffen werden muss und solche Ziegel vorrätig sind.
Gibt es Alternativen zu Kokosfasern? Wäre z.B. Kork auch verwendbar und dem Holz dienlich?

Ich bedanke mich bei den beiden Herren für die Antworten, hoffe auf weitere Unterstützung und hoffe, das Bild dient der weiteren Verdeutlichung.



Holzbalkendecke



Ist das auf dem Foto eine Giebelwand?



Holzbalkendecke



Ja, das ist die Giebelwand



Holzbalkendecke



Dieser Balken ist Teil eines Gespärres und fixiert ein Sparrenpaar.
Die neuen Deckenbalken laufen parallel zu diesem Balken und liegen auf den Traufwänden, nicht auf den Giebeln, auf.
Ihre Zeichnung ist also falsch.



Holzbalkendecke



Hallo Herr Böttcher,
die Balkenlage war zunächst parallel zum Ankerbalken der Giebelwand geplant.
Auf Grund der freien Spannweite von knapp neun Metern und der dann erforderlichen Dimensionierung des nötigen Unterzuges wurde die Planung aber dann sozusagen quer gelegt.
Insofern ist die Zeichnung nicht falsch.

Da der Zwischenboden mit den quer verlegten Balken und dem darüberliegenden OSB-Estrich eine in sich stabile und unbewegliche Scheibe ergeben soll, die mit dem Ankerbalken der Giebelseite und den tragenden Balken der Traufseiten fest verbunden wird, dürfte die 'falsche' Richtung der Balken doch nicht wirklich problematisch sein, da evtl. Schubkräfte des Dachstuhles doch auch so abgefangen werden können.
Oder stimmt das nicht?



Holzbalkendecke



Wie groß wäre denn die Spannweite bei "quergelegten" Deckenbalken?



Holzbalkendecke



Hallo Pope,
quergelegt beträgt die freie Spannweite, also ohne Auflagerbereiche, 5 Meter.



Holzbalkendecke



Womit wir wieder bei dem alten Thema wären- zuwenige, vom Fragsteller auch noch selektierte Informationen...
Damit ist Ihre Frage verglichen mit dem Problem was es zu lösen gilt pillepalle.
Das statische System eines Hauses von Längswand auf Querwand umzustellen ist ein komplexr Brocken an Problemen die es da zu lösen gilt.
Die radikalste aber beste Lösung ist der Einbau eines Ringbalkens als Auflage für die Deckenbalkenlage, der sichert gleichzeitig die Aussteifung der Traufwände gegen Horizontalschub. Am Giebel sichert der Ringbalken eine ordentliche Auflage, die vorgesehene Mauerlatte fällt dann weg. Zusätzlich kann man die Deckenbalken mit dem Gespärr über Eckverbinder koppeln. Feuchteprobleme sehe ich grundsätzlich nicht wenn ordentliche Detaillösungen verbaut werden. Wie bzw. welche- das kann man nur vor Ort oder wenigstens mittels einer maßstabsgerechten Zeichnung lösen. Statt Leichtlehm würde ich Porotonziegel als Hintermauerung verwenden. Geht schneller und bringt weniger Wasser ins Bauteil.



...aber wenn der Bauherr Lehmbaustoffe wünscht?



Porotonsteine sind nachhaltig betrachtet nicht unbedingt der Bringer, was raumklimatische Verhältnisse betrifft.
Lehmbaustoffe sind da eigentlich kaum zuz toppen.



Holzbalkendecke



Hallo Herr Böttcher,
das Problem wurde erkannt und gem. der momentanen Planung wird durch die umlaufenden neuen Mauerlatten sozusagen ein zweiter Ringbalken entstehen.
Die Schubkräfte sind berücksichtigt und diesbezüglich vertraue ich dem Planer.

Nur was die Materialauswahl angeht vertete ich einen anderen Standpunkt als er.
Deshalb war meine ursprüngliche Frage auch, ob es einem Holbalken schadet, wenn man ihn komplett mit Mauerwerk und Leichtlehm umschliesst.

Hallo Herr Mühle,
an sie hatte ich noch die Nachfrage, ob es für die Einbettung des Balkens noch Alternativen zu Kokosfasern gäbe, z.B. ob Kork, wie zur Trittschalldämmung verwendet, auch geeignet wäre.



Holzbalkendecke



Wenn jemand Leichtlehm einbauen möchte soll er das tun, ich habe lediglich meine persönliche Meinung geäußert.
Ob das jetzige, in Planung befindliche statische System funktioniert liegt in der Verantwortung des Planers, dazu gehöen auch die jeweiligen Detaillösungen wie die am Giebel.
Abdichtungen unters Holz sind jedenfalls überflüssig.
Solche Detaillösungen hängen auch von der äußeren Fassadengestaltung und der Bewitterung ab; im Zweifelsfall wird der Planer hier mit einer hygrothermischen Simulation arbeiten. Diese Simulation kalkuliert die Porenluftfeuchte in Holzbauteilen an bestimmten Stellen zusammen mit der Bauteiltemperatur in Abhängigkeit von der Wetterexposition und einem zeitlichen Verlauf bis zum eingeschwungenen Zustand.

Die Leichtlehmschale stellt ein Innendämmsystem nach 4108-3 dar.
Ob dieses Sytem nachweisfrei nach DIN 4108-3 ist kann nur der Planer beurteilen der alle Randbedingungen kennt.
Das Periodenbilanzverfahren nach Glaser ist hier jedenfalls nicht anwendbar.
Zur feuchtetechnischen Beurteilung von Holzbauteilen ist 2016 das WTA- Merkblatt 6-8 erschienen. Hier stehen neben spezifischen Angaben zur Anwendung verschiedener Berechnungsverfahren für die feuchtetechnische Beurteilung Kriterien für die Bewertung der Berechnungsergebnisse. Grenzwerte für die feuchtetechnische Bewertung stehen im WTA- Merkblatt 6-5.
Die Kriterien zur Bewertung der Schimmelpizfreiheit stehen im WTA- Merkblatt 6-5.

Es geht mich eigentlich nichts an, aber Gebäudetiefen um 10 Meter und darüber sind auch bei klassischen Längswandbauweisen keine Seltenheit, viele mehrgeschossige Altbauten aus der Gründerzeit sehen so aus und haben Holzbalkendecken.
Die Deckenbalken werden auf einer tragenden Mittellängswand gestoßen, in der Regel eine Flurwand. Das Argument mit den zu langen Holzbalken ist also gaga.



Gespräch



Hallo Mara,
wir können gern einmal quasseln.
Am besten mobil.
Da erkläre ich dir einmal ein paar Dinge zum Kokos und Kork