Schaden, Decke, situ, Reparatur, Nuten

19.01.2006



Ich habe in einer Kirche eine Lehmwickeldecke, die nachträglich zwischen Eichenbalken eingespannt wurde. Die Nuten, in der die Staken eingespannt wurden, sind angefault. Ist eine Reparatur möglich, ohne die Lehmwickel zu entfernen? Der Schaden ist scheinbar nicht punktuell, sondern zieht sich über die gesamte Decke hinweg. Kann jemand die Ursachen für diesen Schaden vermuten?
Danke!
E. Hamacher





Hallo Elke

Ich halte folgende Vorgehensweise für möglich:

1. Abspriesen der Lehmwicklungseinschübe
2. Planes Abnehmen des unteren Nutabschlusses (Eventuell durch Fräsen, Sägen, Stemmen je nach Detailausbildung)
3. Aufdoppeln des abgenommenen unteren Nutabschlußes durch Einpassen eines maßgenauen Reparaturholzes.
4. Befestigung durch Verschrauben und eventuelles Verkleben mit PU Leim

Zur Ermittlung der Schadensursache bräuchte es ein wenig mehr Detailinformationen zur örtlichen Situation.

Mit besten Grüßen

L. Parisek



Nuten angefault



Hallo Elke Hemacher,

Reparatur ist möglich.
Lehm war schon immer gut und hat sich als !ursprünglicher! Baustoff bewährt.Der Nachteil ist;wenn Feuchtigkeit ins Spiel kommt.Lehm in Verbindung mit Kalk (reiner Kalkputz,Kalkanstrich)war und ist immer optimal.Kalk ist stark alkalisch = desinfizierend- Schädlinge mögen`s nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Mladen Klepac





Hallo!
Danke für die schnelle Antwort! Zur Schadensursache - Ich bin auch erst nächste Woche vor Ort - Details folgen dann. Was ist denn das: "Abspriesen"? Hiesse das, dass ich die Deckenoberfläche bis zur Nut entfernen muss? Falls es konstruktiv keine weiteren Probleme gibt, d.h. die Deckengefache nicht abgängig sind, kann man das "faule Holz" einfach belassen oder muss man befürchten, dass der Schaden deswegen weiter zunimmt?



Lehmwickeleinschub erhalten



Sicher ist der Schaden nicht bloß unterhalb der Balkenlage bzw.des Einschubes!
Wenn dem so wäre, ist es durchaus möglich und sinnvoll, den Wickelboden zerstörungsfrei auszubauen und nach der Gesundbeilung bzw.der erforderlichen Vertärkung, wieder ansatzlos einzubringen!

Um welchen Schaden handelt es sich?


Gruß

Micha



Sprachverwirrung



Liebe Elke

Bitte entschuldige mein Fachchinesisch. Mit "Abspriesen" ist natürlich abstützen gemeint.

Gruß

Lutz



Gefach komplett lassen?



@lutz: Danke!
@mischa:
Hallo Mischa!
Mein "Schaden" bezog sich auf die morschen Träger; die Gefache sind - denke ich - in Ordnung.
Meinst Du wirklich, man kann das komplette Gefach herausnehmen? Ich könnte mir vorstellen, dass man die einzelnen Lehmwickel vorsichtig ´rauspopelt und nach der Gesundbeilung wieder einsezt, die Zwischenräume mit Lehm versieht und mit Kalk verputzt.
Bin mal gespannt, was für ein Putz auf der Decke ist. Könnte so ein Schaden evtl. an einem zu dichten Putz/Farb-System liegen? (Zement/Dispersion)



in situ



Das Langstroh alter Lehmwickel kann so spröde sein, dass es beim Herausnehmen, lagern, wiedereinbauen zerbröselt, und man hinterher doch alles neu machen muss.

wenn es irgenwie geht, würde ich eine historische Decke unbedingt in situ reparieren, so wie Lutz Parisek empfiehlt.

Der Knackpunkt ist: wie zerstört sind die Balken im einzelnen?
Dies kann in der gesamten Fläche durchaus unterschiedlich sein (Zerstörungsgrad nur oberflächlich oder tief,10,20, 30,...100%), sodass für eine möglichst zerstörungsfreie Reparatur in unterschiedlichen Bereichen auch unterschiedliche Reparaturansätze angebracht sind. Das kann man wirklich nur vor Ort beurteilen, ob und wie tief man das morsche Holz entfernen muss, ob ggf. Teile der Balken ausgetauscht werden müssen...

Ausserdem sollten unbedingt Art und Ursache(n)der Zerstörung geklärt werden

Ich rate daher dringend, einen denkmalerfahrenen Architekten/ Zimmermann zu Rate zu ziehen.

beste Grüsse,
jh