Schaden am Schwellbalken

07.08.2021 DMIN

Schaden am Schwellbalken

Hallo liebe Fachwerkgemeinde,
Ich brauche mal Euren Rat.
Fachwerkhaus erbaut 1780, immer bewohnt. Wir haben das Haus vor 14 Jahren gekauft. Nach kompletter Innensanierung Wiederherstellung bzw. Versuch der Rekonstruktion des alten Zustandes - Wände, Decken Fußböden,Türen, Fenster, komplette Erneuerung von Elektrik, Be- und Entwässerung und Einbau einer Heizanlage mit Erdwärme bewohnen wir seit 11 Jahren das Fachwerkhaus.
Alle Außenwände haben Innendämmung mit 80 mm Pavatex , Wandheizung und Lehmputz. Nun sind wir dabei die Südfassade des Hauses von außen zu renovieren. Das Fachwerk wurde mit einer Art Alkydharz Farbe zu gestrichen, die mit Ziegeln ausgemauerten Gefache, wurden auch mit ähnlicher Farbe gestrichen. Nun beginnt die Farbe abzublättern und wir können nun alles von dem „Mist“ befreien.
Dabei haben wir an einer Stelle folgenden Schaden an der Grundschwelle entdeckt.
Das Fachwerk steht auf einem sehr soliden Feldstein Fundament, 50 cm über Erdreich.
Ein kleiner Teil des Fundaments ist wegen dem Kellerfester teilweise mit Ziegeln gemauert.
Dort wo die beiden Ständer zu sehen sind, ist die Grundschwelle überblattet. Von diesen Stück hat sich schon vor langer Zeit der vordere Teil der abgespalten. Das hatte man gekonnt zu gekleistert.
Wie auf dem Bild zusehen, hat der vordere Teil beider Ständer keine Auflage mehr auf dem Schwellbalken. Der rechte Ständer hat auch hinten kaum noch Auflage und hat sich um ca. 15 mm abgesenkt. Was ist mit diesem zerstörten Teilstück zu tun ?? Auswechseln, aber wie ? 200 Jahre altes Eichenholz aus einem Fachwerkhausrückbau ist vorhanden.



Am unteren Rand



der Schwelle ist meiner Meinung nach ganz klar Würfelbruch zu erkennen. Insofern geht es da um weit Grundlegenderes als um die fehlenden paar Zentimeter Holz vor dem Zapfen des Ständers.

Der gleiche Rat wie immer: einen erfahrenen Zimmermann hinzu holen!

Meiner Meinung nach ist die Schwelle hinüber....bei dem Alter auch kein Wunder. Sie liegt offenbar ohne Sperre direkt auf dem Steinfundament auf, ja?



Verrottete Schwelle reparieren



"Was ist mit diesem zerstörten Teilstück zu tun ?? Auswechseln, aber wie ?"
Richtig. Indem die Wand mit einer Hilfskonstruktion hoch gehalten wird, die Gefache in dem zu reparierenden Bereich ausgeräumt werden, der Sockel soweit ausgebaut wird, dass die Schwelle nach unten aus den Zapfen der Ständer heraus genommen werden und ein neues Stück eingesetzt werden kann. Dann wird der Sockel wieder drunter und die Gefache neu gemauert.
Soweit die Theorie der gängigen Praxis......
ABER, DAS IST NICHTS FÜR SELBERMACHER !!!!
Selbst der Ausbau der Ziegelsteinausfachungen kann in so einem Fall schon fatal sein, wenn die Last wegen den Verrottungen nicht mehr von den Ständern abgetragen wird, sondern auf den Ausmauerungen liegt!

Ich kann nur ausdrücklich meinen "Vorredner" Bernd unterstützen. Lasse das Ganze von einem versierten (!) Zimmerer, der sich in der Fachwerksanierung auskennt, prüfen und machen !!!



Danke für die klare Antwort



Als erfahrener „Haushandwerker“ habe ich eigentlich keine andere Antwort erwartet. Diesen Schaden in Ordnung zu bringen übersteigt meine Fähigkeiten. Nun werde ich 2 in der Region versierte Zimmer vor Ort bitten, um eine Lösung für die angefressene Schwelle zu finden.
Bernd, Deine Vermutung ist richtig zwischen dem Feldstein Fundament und der Schwelle ist keine Sperre. Frage - hat man das vor so langer Zeit überhaupt schon gemacht ?
Meinen Dank nochmals an Bernd und Karl-Heinz.



Früher hat man oft



einfach einen Streifen Teerpappe eingelegt. Das ist seit etwa 1880 gut belegbar...noch früher hat man möglichst Bruchsteinfundament mit reinem Kalkmörtel gebaut. Das zieht vergleichsweise deutlich weniger Feuchte als ein Ziegelfundament.



Heute macht mans anders



"Früher hat man oft einfach einen Streifen Teerpappe eingelegt......"
Aber leider ganz oft/meistens direkt unter der Schwelle, weswegen Wasser auf der Teerpappe (od. anderen Folien) unter die Schwelle fließen kann und sie deswegen feucht/nass wird, sprich, schlimmstenfalls trotz Folie vergammelt.
Richtig ist, wenn man zwischen Folie und Schwelle eine Lage Ziegelsteine vermauert und die Fuge zwischen diesen und der Schwelle mit Kalkmörtel füllt. Der Mörtel und die Ziegelsteine saugen eindringendes Wasser auf und die Schwelle wird wesentlich weniger feucht.