Fachwerkfassade

22.01.2005



Wir haben vor einem Jahr ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1400 gekauft.Der Vorbesitzer hat sich schon die Arbeit gemacht das gesammte Lehmfachwerk von innen zu entfernen,da von außen eine art Teerpappverkleidung mit Unterlattung bisher als Verkleidung diente.Die Felder hat er mit einem rötlichen Stein mit Hohlkammern ausgemauert.
Jetzt im Sommer wollen wir die Außenverkleidung entfernen(keine Ahnung wie das Holz ist)und dann evt.die Felder neu ausputzen oder wenn nicht anders möglich die ganze Fassade incl.Holzgestell überputzen.Wer hat Erfahrung auf dem Gebiet oder kann Tipps und Tricks zb zur Putzart oder Untergrundbehandlung geben.Von innen ist mit Glaswolle gedämmt worden und mit Ständerbauwerk verkleidet worden.Die erste Etage ist massiv,die obere Etage besteht aus Fachwerk.



Schade!



Leider muß man hier sagen, daß das Gebäude nun einem schnelleren Verfall entgegen sieht, als es in seiner 600 jährigen Geschichte je erlebte.
Hier erkennt man einmal wieder ganz deutlich, wie Fachwerkhausbesitzer mit ihrer Substanz umzugehen pflegen, ohne sich Fachhilfe oder Beistand bei den zuständigen Behörden sich einzuholen.
Leider fällt Ihnen nun diese Gegebenheit schwer auf die Füße, da Ihr Gebäude an den verschiedensten Stellen nun krankt.
Erstens, die massive und zu starre Ausfachung mit monolithischen Material (das nebenstehende Bild soll einen Eindruck vermitteln helfen!),
zweitens, die Innendämmung mittels Mineralwolle und jetzt wäre die Frage zu klären, wie eine Taupunktberechnung die bestehende Wandkonstruktion sieht und eine nach Ihren Vorstellungen gewählte Außenwandgestaltung funktionieren könnte.
Von meiner Warte aus würde ich vorschlagen, damit eine gewisse Optimierung hinsichtlich Winddichtung, natürlicher Holzschutz und Diffussionsverhalten gewährleistet werden könnte, eine Verputzfassade herzustellen, die aus einem Holzweichfaserdämmsystem mit einem darauf abgestimmten Putzsystem ausgebildet werden könnte.
Eine andere Variante Ihrer Fassadengestaltung (Sicht-Fachwerk-Ausbildung) ist somit kritisch zu betrachten, da verschiedenste Untergrundvorgaben gewährleistet sein sollten:
Rücksprung der Gefache, wegen Putzaufbaustärke,
Holzbauteilausbildung der bestehenden Gefache ergründen,
Winddichtheitsprüfung der Gesamtkonstruktion,
und so einiges mehr.
Dies ist aber durch eine Vor-Ort-Besichtigung erst genauer zu deffinieren, woraus sich dann erst die verschiedensten Lösungen ableiten lassen können.
Zu weiteren Fachfragen stehe ich Ihnen gern bereit und könnte Sie auch zu Fachleuten vermitteln.
Grüße vom Lehmbauer.
falsche Ausfachung 2



Schade !



Hallo Thomas Müller,
vielleicht müssen Sie mal Ihr selbstgestelltes Motto überdenken.(?) Udo Mühle hat vieles schon angesprochen. Ihr Vorbesitzer ist offenbar sehr stolz auf seine Vor-"Leistung" und Sie scheinen auch noch froh darüber zu sein, weil er "hat sich schon die Arbeit gemacht das gesammte Lehmfachwerk von innen zu entfernen". Andere hätten liebend gern ein solches altes Haus gehabt, aber unverfälscht. Ihr Vorbesitzer vollbrachte die grandiose Leistung, aus einem 100-Euro-Schein einen 10-Euro-Schein zu machen. Will sagen: Ihr Haus ist jetzt fast nichts mehr wert.
Freilich kann ich ungesehen nicht alles beantworten oder beurteilen. Aber hier haben mehrere Leute versagt. Die Denkmalpflege wohl auch, wenn Ihr Haus wirklich um 1400 datiert ist.
- Schade drum.