Sanierung Ziegelwand Innenbereich

10.04.2018 Mt1982

Sanierung Ziegelwand Innenbereich

Hallo zusammen,

zur Vorgeschichte. Es gab bei uns vor einiger Zeit im Nachbarhaus einen Großbrand infolge dessen unsere Kommunwand durchfeuchtet wurde. Es handelt sich um eine Eigentumswohnung in einem 4 stöckigen Stadthaus aus den 20er Jahren. Die Kommunwand ist einschalig, weitgehende Wandstärke schätzungsweise zwei Ziegel breit, also 36 cm etwa. Die Firma hat den Putz komplett abgeschlagen und wir fanden die offene Ziegelmauer recht passend zu unserer Altbauwohnung. Wir haben dann festgestellt, dass die Fugen extrem sanden und haben diese soweit möglich mit einem Flachmeissel 2 cm ausgekratzt und gesäubert. Jetzt meine Frage:

Ich würde das gern baldmöglichst neu verfugen, habe aber folgende Fragen:

Ist es sinnvoll das mit Luftkalkmörtel neu zu verfugen so lange die Wand noch feucht ist?

Kann ich irgendwas falsch machen wenn ich das erst mal unverfugt lasse?

Ist es vielleicht sogar förderlich für die Trocknung die Fugen offen zu lassen?

Wieviel Prozent Zementanteil dürfte der Kalk-Mörtel ggfs haben? Baumärkte haben anscheinend so zwischen 2,5 und 10 Prozent bei Kalk-Zement-Mörtel.

P.s.: in dem Raum läuft aktuell noch ein Bautrockner, ist das nicht eventuell auch hinderlich für eine Neuverfugung?



Nachfrage



Muss ich mir da Gedanken aus statischer Sicht machen?



Einen Trasskalk-Mörtel verwenden


Bruchsteinmauerwerk im Flur

ich würde einen Trass-Kalk-Fertigmörtel verwenden.

Oder man verfestigt nur die Fugen.
Oder man kann es auch so belassen.



Danke!



Ich überlege derzeit noch. Mir ging es insbesondere um die Frage ob man es erst mal so lassen kann. Vielen Dank. Trass-Kalk-Mörtel probiere ich mal. Gibts da ne Bezugsquelle?



Statische Funktion Verfugung



Natürlich hat die Verfugung auch eine statische Funktion.
Früher wurde beim Mauermörtel mit Bindemitteln gespart. Der Mörtel sollte möglichst wenig komprimierbar sein, dazu braucht es keine großen Druckfestigkeiten. Hydrauliköl oder Wasser ist überhaupt nicht fest, aber nicht komprimierbar. Ich muß nur dafür sorgen das es nicht auswandern kann, z.B. in einem Hydraulikzylinder..
So ähnlich verhält es sich mit magerem, aber nicht bzw. wenig komprimierbarem Mauermörtel.

Versetzen Sie sich mal in ein Sandkorn im Randbereich des Mörtels einer Lagerfuge. Das liegt da so rum, eingeklemmt zwischen seinen Kameraden und verbunden mit ihnen über ein paar angepappte rundliche Calciumcarbonatkristalle. Scheiße, sagt sich das Sandkorn (Sandkörnchen sind ziemlich vulgär), der Druck wird echt lästig; wenn das so weitergeht brechen noch meine Siliziumbrücken- ich muss raus hier. Die Frage ist nur, wohin? Nach unten geht nicht, da liegt ein Ziegelstein, hab ich beim mauern gesehen. Nach oben geht auch nicht, da liegt das Ding was auf uns drückt. Nach innen- geht auch nicht, da liegen die armen Schweine die noch mehr aushalten müssen. Nach vorn- jaa, das geht. Noch warten bis der Ziegel von oben noch ein bisschen weiter runter kommt und die paar angepappten Kalkmoleküle aufknackt- ich bin dann mal eben weg.
So also sprach unser unterdrücktes Sandkorn. Was er nicht wusste war das seine armen Brüder in der Mitte der Fuge auch bald den Hauch der Freiheit spüren werden denn je kleiner die Fugenfläche, je höher der Druck, je höher die Verformung. Scheiß Elastizitätsmodul. Die Jungs innen werden sich immer schneller rausbröseln, bis es auf einmal richtig Knack macht.
Aber das wird unser braves Sandkorn nicht mehr erleben denn die reinliche deutsche Hausfrau hat ihn schon längst mit dem Staubsauger erwischt und entsorgt. Ein unrühmliches Ende.

Damit das nicht passiert wurde mit stabilem Mörtel verfugt. Die Flankenhaftung des Verfugmörtels sorgt dafür das der magere Mauermörtel nicht aus der Fuge "fließen" kann. Dazu muß er fest genug sein, aber nicht zu fest. Sonst kann es zu Lastumlagerungen kommen, der feste Fugenmörtel überträgt dann die Kräfte. Es kommt zu Abschalungen da sich der äußere Bereich der Mauer mit der Verfugung weniger verformt als der Rest der Wand. Scheiß E- Modul eben.
Deshalb sollte der Verfugmörtel nicht zu hart sein und meim Verfugen muß eine möglichst gute Flankenhaftung aufgebaut werden. Als Faustregel gilt: Tiefe der Verfugung etwa das 1,5- fache der Fugenbreite. Um eine gute Flankenfaftung zu sichern sollten Fugenmörtel mit einem gewissen Wasserrückhaltevermögen verwendet und/oder die Fugen nicht trocken sondern nass gebürstet werden. Der getrocknete aber nicht abgebundene Bindemittelschleier lässt sich später von den Steinoberflächen trocken abbürsten.
Heute wird beim Neubau von Sichtmauerwerk nicht mehr nachträglich verfugt sondern vollfugig gemauert und die Fugen anschließend abgebügelt.



Verfügung erneuern



Ich werde also schnellstmöglich die Verfugung erneuern. Vielen Dank.



Unkritisch?



Ist denn ein Kalk-Zement-Mörtel mit sagen wir 5-10 Prozent Zement für den Innenbereich grundsätzlich unkritisch?



@Mario



Hallo Mario, die Engländer scheinen grundsätzlich mit viel feuchterer Mischung zu Arbeiten als hier immer empfohlen wird (erdfeucht). Die Gefahr, die Ziegel zu verschmieren ist groß, aber das nachfeuchten scheint sich zu erübrigen, oder? Hab keinen Ton im Video. Sagt der was dazu?



Ende gut alles gut



Ja, es sieht natürlich gut aus. Hatte ich in anbetracht der Verfugung links von dem Pfeiler nicht erwartet. Dort ist ein Schleier zu erkennen.
Danke an Mario