Sanierung / Renovierung / Dämmung Eigenheim

12.02.2018 DerSattler



Hallo liebes Fachwerkhaus Forum :),

zu aller erst, freue ich mich ein Teil dieser Community zu sein. Ich lese seit einigen Wochen regelmäßig Beiträge und habe mich nun selbst entschlossen ein Thema zu eröffnen. Dies beruht darauf, dass ich mir vor zwei Wochen einen Altbau gekauft habe (Jahr 1910), welcher zwar wirklich sehr solide gebaut wurde, ich jedoch in einigen Punkten Eure fachkundigen Ratschläge gut gebrauchen könnte :).
Es wird so gut wie alles in Eigenleistung saniert, wodurch keine hohe Kosten für Handwerker entstehen. Hier ist vielleicht zu erwähnen, dass Verwandte und Freunde solche Berufe ausüben und mir dabei helfen.

Zum Objekt vielleicht noch einige Punkte: Das Außenmauerwerk ist komplett gemauert, also keine Holzbalken dazwischen. Nur die Innenwände sind Fachwerksmäßig gebaut (falls man das so nennen darf :))
Alle Wände sind mit einer ca. 3cm dicken Lehmschicht verputzt.
Das Haus ist voll unterkellert. Die Dachdämmung (Glaswolle) hat schon einige Jahre hinter sich und wird gewechselt.
Des Weiteren grenzen links und rechts meine Nachbarn an, also ein Reihenhaus ;).
Eine Außendämmung ist nicht vorhanden. Ist aber in Planung. Hier lassen die baulichen Gegebenheiten nur eine 10cm WDVS zu.

Eine Gasheizung ist vorhanden. Die Rohre sind leider im ganzen Haus sichtbar, weshalb ich teilweise abdecken möchte und teilweise einige Heizkörper komplett entfernen möchte und Rohre abkneifen und tot legen. Es wird nämlich auch ein schöner Kamin zum Einsatz kommen.

Die Fragen, die sich mir nun stellen sind folgende:
Schalldämmung zu den benachbarten Häusern, Begradigung von sehr schiefen Lehmwänden (natürlich nicht mit Gipskarton Konstruktionen, da dadurch die tolle Funktion der Lehmwände verloren geht), in diesem Zuge das Verstecken der Heizungsrohre. Diese gehen teils direkt an der Wand hoch ins obere Geschoß. Könnt Ihr generell eine Konstruktion empfehlen, die einer GKP ähnelt nur eben diffusionsoffen / kapillarfähig und leicht zu Verarbeiten ist?
Die Innenwände würde ich einfach mit einem Kalkoberputz verarbeiten, habe gelesen, dass das auch Sinn macht. Nur bei den Außenwänden bin ich mir überhaupt nicht sicher :/.

Über hilfreiche Tipps und Ratschläge freue ich mich sehr und falls Euch noch Infos fehlen, lasst es mich gerne wissen :).

Beste Grüße

DerSattler



Tipps und Ratschläge



ich würde die Heizungsrohre nicht verkleiden, auch wenn es etwas rustikal aussieht. So wird der Wandfuß mit temperiert, was vor allem in den Ecken der Außenwände einer gewissen Schimmelprophylaxe dient. Vor dem Entfernen von Heizkörpern mal eine Heizlastberechnung durchführen lassen, ich finde es besser mehrere Heizkörper mit einer niedrigeren Vorlauftemp. zu fahren, als einen großen mit einer hohen VT um die Bude warm zu kriegen.
Sehr schiefe Wände in einem Haus mit massiven Wänden und Bj.1910 kann ich mir gerade nicht so richtig vorstellen. Was heißt hier schief in cm? Welche Bedenken gäbe es bei Euch wegen eines Kalkputzes auf den Außenwänden ( 24-oder 36-iger starke Wände?)



Kalkputz



überrascht mich, wurde nicht von Lehmputz geschrieben?
Jetzt mineralisch darüber putzen, warum?
Und schräge Wände haben auch eine Ursache.
Aber ich würde keine Platten, egal welcher Art, an die Wände kleben.
Ist die Dachisolation kaputt oder warum soll die raus?
Wenn in Ordnung, dann würde ich ggF die Balken Aufdoppeln und eine zusätzlich Isolierung einbauen.

Klaus



Danke schonmal



Die heizungsrohre müssen leider verdeckt werden (Kompromiss mit Freundin:)), da komme ich nicht drum herum.
Anscheinend habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt, Sorry, aber die außenwände sind massiv. Innenwände fachwerk. Und an den innenwänden wurde der lehmputz nicht gerade aufgetragen. Nun meine Idee einen Oberputz aufzutragen, um die Wände möglichst gerade zu bekommen. An Kalk hatte ich gedacht, da dieser günstiger ist und anschließend besser zu Streichen ist? Oder den schiefen Lehmputz komplett abschlagen und neu verputzen? Wobei das glaube ich die letzte Option für mich wäre.

Die genauen cm der Flucht (heißt das so?^^) habe ich noch nicht ausgemessen, sollten aber 5cm nicht überschreiten wenn überhaupt
Der Kalkputz auf den Außenwänden versteckt halt nicht die Heizungsrohre und mindert auch nicht den Schall :).

An die Wände werden auch keine Platten geklebt, jedoch gibt es vielleicht Platten, die auf eine unterkonstrktion verbaut werden können und trotzdem den Effekt der mit Lrhm Verputzen Außenwand unterstützen?

Zur Dachisolation, ja diese ist kaputt und wurde damals nicht wirklich sauber und fachgerecht zwischen die Sparren verlegt. Die Balken werden auch aufgedoppelt, 18er Steinwolle rein, querlattung und dann eine 4er, falls ich das jetzt richtig im Kopf habe.

Beste Grüße
DerSattler



Sanierung / Renovierung / Dämmung Eigenheim



Hallo! :-)

... ich habe herausgehört, dass Du Lehm ganz gerne magst und dass Du nicht von irgendwelchen Schäden berichtet hast. Dann kannst Du mit Lehm auch überall weitermachen, wenn Du willst. Kalk ist natürlich auch eine Option, wobei ich persönlich immer Lehm bevorzuge, wenn's geht.
Deine Fachwerkwände sind wahrscheinlich nicht schief geputzt, sondern das Fachwerk ist einfach schief?! Ich glaube Du meinst dabei nicht die Flucht, sondern die Wand ist "aus dem Lot"?! Wie auch immer, 5cm kannst Du einfach mit Unterputz ausgleichen. Oder natürlich auch an entsprechender Stelle etwas abklopfen, ist halt nur mehr Arbeit.

An die Innenwände zum Nachbarn hin (die meintest Du mit 'Außenwände' oder?), könntest Du einen Dämmputz aufbringen.

Eine Alternative zum "konventionellen Trockenbau" sind z.B. Lehmbauplatten mit einer natürlichen Dämmung, z.B. Hanfwolle. Allerdings sind diese Konstruktionen etwas kostenintensiver ... und vom Zeitaufwand her nicht immer günstiger als ein Putz.

Meine persönlich favorisierte Variante, um Rohre verschwinden zu lassen ist *Trommelwirbel* Lehm! Rund, organisch... daraus können kleine schöne Details entstehen, wenn's einem gefällt. Entweder komplett mit Lehm ummanteln (erst grober Strohlehm, dann Unterputz, dann evtl. Oberputz), so wird bei Heizungsrohren auch noch Wärme übertragen, oder mit Hanfwolle ausstopfen, mit einem Putzträger verkleiden (z.B. Schilfrohr) und dann verputzen.

Was für ein WDVS wird denn montiert?

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



Lehm



Ich habe meine Fachwerkwände von Innen mit Lehm egalisiert, und so viel aufgetragen, dass dann nach der Innenisolation die Heizungsrohre genau auf dieselbe Ebene kamen wie die Isolationsebene. Die Heizungsleitungen habe ich in Strohlehm eingebettet, damit sie zumindest ein wenig isoliert sind. Also die diffussionoffenen Platten nur neben den Heizungsleitungen. Das spart noch mal 12,5 mm ;-) Aufbau.

Der vorhandene Lehmputz kann verbleiben und muss eventuell nur etwas aufgeraut werden. Trocknungszeit beachten.



Yess



Hey!

Marc: Ja, richtig...den Lehm, den mag ich ;^).
Die einzigen Schäden waren einige Schimmelstellen. Aber auch nur weil der Vorbesitzer die Lehmwände einfach mit Tapeten bedeckt und erstickt hat *Kopfschüttel*. Diese sind nun aber so gut wie alle runter, sodass der Lehm wieder atmen kann :).
Von dicken ab 2 oder 3 cm Putz auftragen nehme ich eigentlich etwas Abstand (leider noch nie selbst geputzt). Ist wahrscheinlich kein Hexenwerk, aber das Endergebnis würde sich nicht viel vom jetzigen Zustand unterscheiden *gg*.
Bringt ein Dämmputz überhaupt was? Ich denke, dass es auf die Lehmbauplatten auf einer schmalen Unterkonstruktion hinauslaufen wird. Jetzt frage ich mich aber im gleichen Zuge, wie stabil sind diese Platten überhaupt?

Ein WDVS aus Mineralschaumplatten wird angebracht.

@Historia: Was darf ich unter Isolationsebene verstehen? :)

VG

DerSattler



Lehmputz / Dämmputz



Zum dämmen sind immer leichte Materialien gut :-) Deswegen gibt es Dämmputze... "Lehmbauplatten auf einer schmalen Unterkonstruktion" sind da schon schwerer, weil da wenig Dämmmaterial dahinter steckt.

Wenn Du mit dem Verputzen noch nicht allzu vertraut bist nutze einfach die Vorteile des Lehms: klatsch etwas mehr Lehm als benötigt auf die Wand und kratz den Rest einen Tag später mit einer Latte ab, sodass die Wand im Lot und in der Flucht ist ... und alles was runterfällt kommt natürlich auf die nächste Wand!
Eine Alternative zum Abkratzen sind Putzleisten. Das ist zwar erstmal Fuddelei die anzubringen, aber so bekommst Du deine Wand relativ einfach in Form. Heutzutage sind Aluleisten verbreitet, früher hat man das mit dem Material selbst gemacht.

Worauf zielt deine Frage bezüglich der Stabilität von Lehmbauplatten? Da gibt es zwar ganz verschiedene Varianten aber grundsätzlich haben alle eine gewisse Stabilität.



Pavadentro



Ich habe Sichtfachwerk und deshalb Innendämmung mit Pavadentro. Die Rohre waren so zwischen 1 und 5 cm von der Wand entfernt. Damit ist die Isolation hinter den Heizungsrohren etwas dürftig, aber knapp 500 Jahre alte Eichenbalken können auch etwas von innen getrocknet werden. Auf den Pavadentro kommt Lehmunterputz mit Stroh in das Glasfasergewebe eingearbeitet wurde, darauf noch feiner Oberputz.