Sanierung Innenseite Außenwand aus Lehmziegeln

08.09.2018



Hallo,
Ich möchte die Innenseite der Außenwände meines Hauses renovieren. Baujahr 1917.
Aus Lehmziegeln gemauert. Innenputz Sand mit Kalk der Teilweise abfällt, wenn ich die Tapete abziehe.
Dabei möchte ich die Innenseite mit Lehmputz zum Ausgleich von Unebenheiten, Holzfaserdämmplatten, Wandheizung, Lehmputz aufbauen.
Beim Entfernen des alten Putzes habe ich festgestellt das der verwendete Mörtel "eigenartig" ist. Teilweise so hart, das man ihn nur mühsam mit einem Spachtel auskratzen kann, teilweise fällt er fast von selbst heraus.
Gelegentlich, vor allem auf der Stirnseite der Steine, sind Hohlräume, die so tief sind, wie ein Ziegelstein breit ist.
Der unbekannte Originalmörtel scheint eine Mischung aus Erde / Lehm mit etwas oder etwas weniger Kalk zu sein. Manchmal kommt es mir vor, als ob da nur die Erde vom Aushub verwendet wurde.
Wie saniere ich die Fugen richtig, damit ich die Wand aufbauen kann.
Meine Idee:
1)
Loses Material aus den Fugen entfernen. Wenn die Vertiefung tiefer als 10 mm sind, diese mit Zementmörtel auffüllen. Alle anderen Fugen (hier ist der Mörtel zwischen den Steinen fest) mit Lehmputz auffüllen. Dann auf der festen Wandoberfläche die erste Lehmputzlage aufzubringen.
2)
Loses Material entfernen und alle Löcher und Fugen mit Lehmputz auffüllen. Dann die erste Lehmputzlage aufzubringen.

Bei 1) habe ich Bedenken das die Kombination der Materialien: Lehmziegeln, Zementmörtel, unbekannter Originalmörtel, Lehmputz keine gute Kombination ist.

Bei 2) habe ich Bedenken, dass der von mir eingebrachte Lehmputz in den Fugen und Löchern auf Dauer nicht hält, weil dort der Mörtel kaum Festigkeit aufweist.

Mit freundlichen Grüßen
Rolf



Zementmörtel



Hallo Rolf,
ich bin kein Experte aber habe sehr viel über das gleiche Thema gelesen und bei unserem Altbau folgendermaßen realisiert:

Rezeptur für Verfugungsmörtel:
Kalkhydrat und scharfen, gewaschenen Sand Körnung 0-4 im Verhältnis 1: 3 - 1- 4 mischen, Konsistenz steif.
(Quelle: Georg Böttcher)

1. Fugen 1-2cm tief auskratzen, lose Teile entfernen.
2. gut vornässen
3. Fugen ausschmeißen und mit Fugenkelle nachdrücken.
4. Verputzen...

Mit Zement wirst du langfristig keinen Erfolg haben. Der hindert zum einen die Trocknung der Wand nach innen und zum anderen ist der in der Regel bei solchen alten Häusern und den Backsteinen zu hart und will nach ein paar Jahren wieder rausbrechen.

Mit der Dämmung auch nochmal überlegen ob das Sinn macht.Sobald gedämmt wird, spielt EnEv eine Rolle und die sieht eine dickere Dämmung vor als regulär empfohlen wird hier. Wenn die Wand 40 oder 50cm Dick ist benötigt man laut einigen Erfahrungen keine Dämmung bei einer Wandheizung "Hüllentemperierung".
Dabei spielt die Trocknung der Wand, Sonneneinstrahlung von außen tagsüber eine Rolle und die Wand wird als Bauteil aktiviert. Mit dem U-Wert lässt sich das nicht mehr einfach berechnen was bei der Temperierung genau passiert, da Umwelteinflüsse eine große Rolle für die Erholung der Wand als Wärmepuffer spielt.

Eine Dämmung von innen reduziert den Effekt - Mehr als 4cm würde ich nicht dämmen nur ob sich 4cm irgendwann amortisieren gegenüber einer Temperierung ohne Dämmung weiß ich nicht. Enev schreibt aber eine Mindestdicke mit U-Wert X vor. Die liegt je nach Dämmstoff zwischen 14 und 30cm. Das kann man von innen natürlich nicht/sollte man nicht realisieren.

Ich habe "gehört" dass Denkmäler teilweise mit 4cm Holzfaserdämmstoffen von innen Dämmen und eine Ausnahmegenehmigung einholen. Gesehen habe ich es aber noch nicht. Die Wände fühlen sich alle Massiv an in denen ich war und kalt sind die Häuser auch nicht :)



befestigung...



moin.. gute Idee das mit dem Zement weglassen und durch Kalkmörtel mit grobem korn ersetzen..

Aber so ne Wandheizung wiegt ne menge( ca 70-80 kg pro qm,geschätzt) und wenn ich als Untergrund nun ausgerechnet Lehmsteine hab dann würde ich vor der Planung der Heizung erstmal nach geignetem befestigungsmaterial Ausschau halten.


ich kann da guten Gewissens grad keinen Dübel empfehlen,lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

gutes gelingen wünscht Flakes



Wandheizungs-Befestigung



Dafür gibt es spezielle Klemmschienen für Wandheizung. Einfach nach Klemmschienen für Wandheizung suchen. Wenn die Klemmschienen massiv verankert sind, dann ist die Wandheizung eine gute Putzhilfe. Die Heizung ist fest an der Wand und der Putz verankert sich mit den Fugen. Da sollten keine Probleme auftauchen...

Sobald aber Dämmung ins spiel kommt ist das was anderes, da muss die Dämmung flächig eingemörtelt werden + Wanddübel + Klemmschienen und dann kommt der Putz. Das ist nochmal eine andere Herausforderung bei der ich wie oben gesagt mal empfehlen würde Rat einzuholen ob sich das Investment wirklich preislich und spürbar lohnt. Laut U-Wert kann man mit 4cm Dämmung schon wesentlich bessere Werte ermitteln als direkt auf die Wand aber wie gesagt, der U-Wert ist eine Zahl, die viele Faktoren wie Energiespeicher, Energiezufuhr von außen, positive und negative Jahres und Tagesabhängige Mauerzustände nicht berücksichtigt. Bei einer 40er oder 50er Mauer lohnt sich das ggf. nicht mehr.

VG



Enev und Innenwand



Nach der letzten Enev sind die Dämmwerte der Enev wohl herausgefallen. Dämmwerte für Innendämmung sind nicht mehr relevant. Die 4 cm Isolierung reichen für eine Förderung Energieffizienzhaus Denkmal der KfW aus wenn es sich dabei um eine Fachwerkwand handelt.

Wenn es sich tatsächlich um Lehm und Lehmsteine handelt, würde ich einfach loses Material entfernen, Anfeuchten und Lehmunterputz anwerfen. Das geht gut von Hand und verbindet sich hervorragend mit dem alten Lehmputz. Das lockere das man vorher entfernt hat kann auch mit dem neuen Lehmputz gut eingesumpft weiter verwendet werden. Da müssen dann keine Fugen ausgekrazt werden. Lehm auf Lehm ist sehr stabil. Das ganze zu einer Ebene aufziehen. Ich habe bei mir dann nach dem Trocknen, Holzweichfaserplatten geklebt und gedübelt. Den letzten Winter hat sich der Aufbau dann auch schön warm angefühlt. Da die Wand in der Form dann massiv ist, sollte es auch kein Problem sein eine Wandheizung zu verdübeln die auch wieder nur eine Art Putzträger für den weiteren Lehmaufbau ist.



Innenputz auf Lehmsteinen mit Wandheizung



Zementmörtel ist hier ungeeignet,
was der Wandbaustoff an Festigkeit nicht hergibt kann der Fugenmörtel nicht verbessern.

Fugen auskratzen, absaugen, gut anfeuchten und den Untergrund mit Lehmputz egalisieren, gleichzeitig Fugen ausfüllen und je nach Ebenheit 4-6 cm dicke Holzfaserplatten als Innendämmung einbetten und mit Dämmstoffdübeln zusätzlich befestigen.
Als Wandheizung könnte zB auch das System von SERA/Egger mit dünnen Kupferrohr-Registern verwendet werden, das gleichzeitig einen Armierungseffekt hat und leicht einzulegen und zu befestigen ist. Darauf dann Lehm-oder Kalkputz.

Andreas Teich