Sanierung einer Giebelseite

04.01.2014 RomanH



Liebe Fachwerk-Community,

wir sind seit Herbst Besitzer eines Fachwerkhauses, BJ 1780 mit angrenzendem ausgebautem Stall und separater Scheune.
Nun stehen Renovierungen an, erste Angebote sind eingeholt - doch wir sind mit der Thematik noch nicht allzu vertraut, weshalb wir hier nach Eurer Meinung Fragen. Es geht zuerst um die Sanierung einer Giebelseite.´Diese ist im schlechten Zustand, stark verwittert und an vielen Stellen wenig fachgerecht "geflickt" worden. Hierbei handelt es sich um die Wetterseite des Hauses. Anbei ein Foto, weitere habe ich in meinem Profil hinterlegt.

Wie man darauf erkennt sind einige Gefache lose und defekt. Außerdem der Querbalken zwischen 1.OG und DG mittig massiv geschädigt, aber auch der Querbalken zwischen EG und 1.OG. Im verputzten EG zeigen sich außen Risse insbesondere im Bereich des Fensters. An einigen Stellen kann man unter den Putz auf die Schwelle greifen, welche dort bröselig ist.

Nun haben wir einen Maler und zwei Zimmerleute hier gehabt und uns wurde folgendes vorgeschlagen:
Ausbohlen der Querbalken auf 6cm tiefe und mit 20j abgelagerter Eiche ersetzen. Defekte Stellen in restlichen Balken aussägen und ersetzen. Alle Gefache so tief wie nötig entfernen und mit Zweitverwendungslehm wieder aufbauen. Ggf. das DG mit Naturschiefer verkleiden.
Desweiteren sollen diesem Zuge noch die Fenster gegen Sprossenfenster getauscht werden.

Bei Bedarf kann ich die Positionen gerne noch genauer auflisten.
Kostenpunkt etwa 15.000€

Folgende Fragen:
- ist die Vorgehensweise richtig?
- sollte das ganze Vorhaben von einem Architekten o.ä. begleitet werden oder würdet ihr auch einfach die Handwerksbetriebe direkt kontaktieren?
- wir sind uns sehr unsicher in der Wahl der Handwerker hinsichtlich Fachwerkerfahrung. Könnt Ihr evtl. Betriebe hier in Mittelhessen empfehlen?

Viele Grüße und danke für die Hilfe,
roman



Vorgehensweise



Grundsätzlich kann ich nur -und zwar dringendst- davon abraten, eine solche Sanierung auf Grund von HAndwerkerangeboten zu beginnen. Es läuft auf Flickwerk hinaus, da jeder HAndwerker nur sein Gewerk überblickt (im Idealfall). Sie können auch unterschiedliche Angebote gleicher Gewerke, z.B. verschiedener Zimmerer, nicht vergleichen da Ihnen die gemeinsame Grundlage: das LV (Leistungsverzeichnis)fehlt. Solche Sanierungen enden organisatorisch, baukonstruktiv und finanziell ziemlich schnell im Chaos.

Meine Empfehlung für die Vorgehensweise: Rückbau aller Ausbauten der vergangenen Jahrzehnte bis auf´s eigentliche FAchwerk (Eigenleistung).

Mit einem fachwerkerfahrenen Architekten eine Bauzustandsanalyse der tatsächlichen Schäden durchführen, eine Bauaufnahme mit Bestandsplänen anfertigen lassen und die gesamte Umbau- und Sanierungsplanung an diesen Architekten delegieren.

Ein solcher Umbau, gerade auch wenn es an eine umfangreiche Sanierung tragender FW_Teile geht, ist nichts für den Heimwerker. Sie ist ggf. bauantragspflichtig, wenn Sie mit statisch nachzuweisenden Abstützungsmaßnahmen verbunden ist - kann bei Ihnen der Fall sein.

Grundsätzlich: Handwerker kommen zur Bauausführung, nicht zur Planung.
Es gibt in der Tat sehr wenige Handwerker z.B. Zimmerer mit Erfahrung in der Fachwerkrestaurierung. Länger suchen und sich Referenzobjekte nennen lassen.

Sie sollten nichts überstürzen. Gründliche Vorarbeit und eine gesamtheitliche Planung helfen am meisten, ein solches Projekt finanziell und zeitlich kalkulierbar zu machen.



also erstmal



Gratuliere ! Ein wirklich tolles Haus !

Ich würde mir die konstruktiven Eigenschaften Eurer Querbalken aber lieber nochmal etwas genauer anschaun bevor ihr sie 6 cm ausbohlen lasst. Sonst liegt das DG-Fachwerk schnell auf der Straße.

Ich würde die IG Bauernhaus darum bitten Euch einen Fachmann in der Nähe zu empfehlen. Der macht dann eine Bestandsaufnahme und kann auch entsprechende detaillierte Sanierungsvorschläge fürvjedesneinzelne Bauteil machen. Das kann der Zimmermann dann umsetzen.

Baer auf jeden Fall wünsche ich Euch viel Erfolg dabei, das Haus macht echtnwas her...

Gruß
Christoph.



Vielen Dank erstmal für Eure Antworten.



Zum ersten Beitrag: Die Idee mit dem Architekten klingt sinnvoll - wobei natürlich auch das eine Kostenfrage ist. Und auch hier gilt es einen Fachwerk-Fachmann zu finden. Auf Nachfrage ist dies im Zweifel ja jeder (so zumindest bisher meine Erfahrung bei der Zimmersleuten hier im Ort).

So oder so würden wir das Haus aber gerne mal von einem Experten begutachten lassen (wobei wir eher an einen Statiker dachten), damit dieser sich die betreffende Fachwerkseite und auch den Gewölbekeller anschaut. Dort ist das Gewölbedach ein einer Stelle schadhaft und an der Grenze zwischen Gewölbe und Außenwand klafft ein nicht unerheblicher Riss (2,5cm, aber laut Vorbesitzer schon immer da gewesen). Zudem sind uns jetzt in den ersten Wochen des "Darin-wohnens" einige Haarrisse in den Innenputzen aufgefallen - vielleicht normal in einem FWH oder auch nicht.
Das Haus steht auf einem Fels etwa 5m über der Straße - also recht exponiert.

Wir würden die Fassade natürlich gerne schnellstmöglich machen lassen, aber wie ihr schon angemerkt habt, sollte man wohl nichts überstürzen. Für mich als Laie sieht sie halt "dramatisch" aus und wir möchten nicht dass das Haus weiteren Schaden nimmt.

Viele Grüße
Roman





Hinsichtlich der Vorgehensweise würde ich mich vollumfänglich Hern Pickartz anschließen, doch zuvor noch einmal überprüfen ob das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht.
Der erste Gang sollte zur unteren Denkmalschutzbehörde führen. Wenn das Gebäude unter Schutz steht sind die Maßnahmen hier nach einer Schadenskartierung darzulegen und abzustimmen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Es besteht Ensembleschutz



Hallo,

mit der Denkmalbehörde hatten wir schon vor dem Kauf Kontakt und erfuhren, dass das Haus Ensemlbleschutz "genießt". Die Herrschaften waren auch schon vor Ort um sich ein Bild von der Fassade zu machen - es ging da um die Frage einer möglichen Verschieferung.

VG
Roman