Sanierung/Egalisierung/Innendämmung Bruchsteinwand

04.01.2020 StefanS



Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich saniere seit ca. 1,5 Jahren ein altes Ackerbauernhaus, dessen Grundpfeiler und Außenwände aus 2-schaligem Bruchstein bestehen (Durchschnittliche Mauerdicke 55 ~ 70cm). Dieses Forum hier ist mir seit Sanierungsbeginn eine große Hilfe.
Hier wurde ich auch auf den leider mittlerweile verstorbenen Herrn Georg Böttcher (Architekturbüro Böttcher Aschersleben) aufmerksam, welcher uns vor Beginn der Sanierungsarbeiten mit seinem Gutachten unterstützte. Leider kam manches doch etwas zu kurz und die Fragemöglichkeit besteht nicht mehr, daher möchte ich gern hier von Ratschlägen und Vorschlägen profitieren.

Letztendlich geht es aktuell darum, die Innenwände unseres Hauses, wie bereits beschrieben, aus 2-schaligem Bruchstein-Wirrwarr von der Innenseite so zu verkleiden und ggf. zu dämmen, dass wir langfristig keine Probleme in den Innenräumen mit anfallender Feuchtigkeit/Schimmel etc. haben. Bilder dazu habe ich angehangen.

Bei der Bestandsaufnahme dieser Innenwände, war folgendes zu finden (von innen nach außen):

1. Gewöhnliche Papiertapete
2. DDR-Kawack/Presspappenplatte mit Luftdurchlässen ca. alle 1,5m
3. Holzlattung für die Befestigung
4. Dann laut Vorort-Termin Herr Böttcher Kalkputz in ordentlicher Dicke (ca. 2 -7cm)
5. Bruchstein

Leider erschien wohl diese Konstruktion nicht ordentlich feuchtetechnisch gut, da es trotz des Luftumlaufes davorstehender Schränke, dahinter dann leicht muffig roch.

Nunmehr möchte ich hier nicht wieder Fehler machen und dementsprechend die neue Wandbekleidung nach Möglichkeit "volltrocken" ausführen.

Meine eigene Idee dazu war folgende:

Da die Innenwand ja nun mal leider überhaupt nicht gerade ist und z. T. ein Steinversatz von 2 bis 7cm vorhanden ist, gehe ich erst davon aus, dass:

1. ich die "schiefe" Wand ggf. mit zementären und hoch belastbaren Materialien egalisiere,
2. dann einen dünnen Kalkputz CSII aufziehe,
3. dann eine 40er Holzdämmplatte darauf,
4. dann wieder einen ca. 10mm dicken CSII Kalkputz darauf,
5. dann diffusionsoffene Tapete etc..

Was haltet Ihr davon, völlig falsch oder andere Möglichkeiten.

Herr Böttcher hatte damals im Gutachten, Unger UdiINReco Dämmplatten für die Wand vorgeschlagen, leider sind diese hier schlecht beziehbar und sehr, sehr teuer. Daher wäre ich über Alternativen/Alternativ-Ideen sehr dankbar!

@Pope Vielen Dank
Also es geht letztendlich nicht um alle Innenwände des Hauses, sondern nur um die Innenseiten der Bruchstein-Außenwände.

Vielen Dank!
MfG
S. Singer



Innenwände ?



geht es um die Innenwände oder die Innenseite der Außenwände ?



Das wäre mal interessant



als Alternative in die Überlegungen einzubeziehen:
https://www.hanfstein.eu/home-deutsch/hanfputze/
und dort gibts detaillierte Infos:
https://www.bafa-gmbh.de/Produkte-Bauwesen.asp



hanf/kalk dämmputz



hey Pope, das scheint eine gute idee.

mein Lehm-(und Kalk)Putzer schwärmt dauernd davon und hat in letzter zeit wohl große mengen davon verarbeitet.(ob es genau das produkt ist, müsste ich erfragen)

angeblich tolle dämmwirkung, große stärken ohne probleme aufbringbar und alle eigenschaften vom kalkputz.

gruß



Hanf-Kalk-Mörtel



bei der BAFA in Malsch bei Karlsruhe gibt es ein ganzes Haus aus dem Material, ich habe dort mal übernachtet im letzten Hochsommer, ein super Klima. Besonders in der Vorreiterrolle sind dort allerdings ein Franzose und eine Firma aus Rumänien, die wohl auch viel Hanf anbauen. Genaue Infos habe ich aber nicht, sind sicher jedoch abfragbar, wenn konkrete Bauvorhaben ins Auge gefasst werden sollen. Die Verarbeitung erfolgt wohl mit einer modifizierten Putzmaschine.



Uih, Danke komplett anderer Ansatz



Danke Pope, klingt echt gut, dass mit dem Hanfputz, zumal man damit wahrscheinlich auch egalisieren könnte und alle 3 Probleme, Egalisierung, Dämmung, Putz in einem System hat.



Genau



der von Georg Böttcher empfohlene Udi reco in ist wirklich teuer, nicht nur die Platten an sich, sondern auch die dazu nötigen Stelldübel. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch hier im Forum der Einsatz von Holzfaserdämmstoffen als Innendämmung auf massivem Mauerwerk ohne Einsatz einer Wandheizung kontrovers diskutiert wurde, und es auch Mitglieder gibt, die dafür mineralische Dämmstoffe, wie z.B. CaSi oder Multipor präferieren. Wie sieht denn die Möglichkeit einer Außendämmung aus? Die hätte neben dem Effekt der Dämmschicht auf der kalten Seite noch den Vorteil, dass Deine dicke Bruchsteinwand gut als Wärmespeicher innen funktioniert.
Wir selbst haben im EG auch so eine dicke Bruchsteinwand. Diese wurden fast immer 2-schalig ausgeführt, innen und außen die Steine so Plan wie möglich gesetzt, der Zwischenraum mit kleinerem Bruch ausgefüllt, oft in ein Lehmbett. Dadurch ergibt sich innen etwas mehr Hohlraum zwischen dem Geröll, der wahrscheinlich möglicherweise in der Realität zu besseren Wärmedurchgangskoeffizienten führt als im ubakus-Rechner, der mit einem homogenen Wandaufbau aus massivem Naturstein rechnet.
Ganz nebenbei -ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die Innenseite der Außenwände gemeint war.
PS. Es gibt wunderschöne Möglichkeiten der Wandgestaltung von Kalkglätte über Tadelakt und Schablonenmalerei usw., die Tapete passt irgendwie nicht in ein Bauernhaus. Dazu kommt, das der Methylankleber die Schimmelbildung begünstigt.



Bruchsteinwand Innendämmung



Solche unebenen Wände können am einfachsten mit davor gestelltem Ständerwerk und Zellulosedämmung gedämmt werden.
Auf die Ständer feuchteveriable Dampfbremse und zB Lehmbauplatten.oder Fermacellplatten.

Zur Kontrolle könnten Feuchtefühler auf der Wand verlegt werden, um eine leichte, spätere Kontrolle zu ermöglichen und dann ggf die rel Luftfeuchtigkeit zu reduzieren.

Solche Konstruktionen wurden öfters ausgeführt und vielfach überprüft.
Schlagregensicherheit soll gegeben sein.

Alternativ glatt putzen und eine separate Wand aus Multiporsteinen davorstellen,
ggf den Zwischenraum mit Kalkputz/Kalkdämmputz auffüllen wenns sehr uneben ist



Schlagregensicherheit



die ist besonders wichtig bei einer 70 cm Bruchsteinwand :)



Danke...



Pope, Mike und Herr Teich...für die Alternativtipps

Vorallem Deine Sache Pope, mit dem Hanfputz macht mir langsam Appetit ;-) müsste ich nur mal schauen, wo man es herbekäme und wie schwierig/leicht die Verarbeitung in Wirklichkeit ist. Und ja es sind die Innenseiten der Bruchsteinwände, wobei Dein geschilderter Aufbau bei Dir im EG dem meinen gleich ist. Halbwegs plane Steine im Lehmbett, z.T. mit "Ausgleichsstückchen" drin. Eine Außendämmung kommt auch in Frage, nur derweil steht aufgrund der äußeren Witterungsbedingungen aktive Innentätigkeit an. Ich frage mich nur oft selbst - gebe zu da kein Experte zu sein - inwieweit diese Dämmerei bei 30cm + Luft + nochmal ca. 30 cm Luft überhaupt Sinn macht. Nicht falsch verstehen, aber ich kenne auch Leute im Bekanntenkreis, die Ihr Häuschen schon "zu Tode gedämmt haben". Da kommt viel Hitze im Sommer beständig rein und im Winter fehlt die Frischluft ;-)

Was die Schlagregen-Dichtheit angeht, habe auch nicht so die Bedenken, da gerade an der Wetterseite bei den kontinuierlichen "Wasserfällen" in den letzten 2-3 Jahren in meinem Besitz gott sei dank, kein spürbares Durchnässen/Feuchteeintrag etc. bemerkbar war.



Hanfkalk sprühen



Hallo Stefan, ich würde eine Ausgleichsschicht von 8 - 15 cm mit Hanfkalk aufsprühen (je nachdem wieviel Raum du hergeben möchtest und wieviel Dämmung gewünscht ist). Darauf kann dann super mit Lehm oder Kalk geputzt werden.
Wir haben das letzte Jahr nur mit Hanfkalk gearbeitet und werden demnächst eine Sprühmaschine haben, damit es auch effizient zu Verarbeiten ist.
BG Reinhold



Hanfkalkputz klingt gut



Hallo Reinhold, Danke für den neuen Tipp.

Könnte man Hanfputz aber auch regulär zwischen Abziehlehren an der Wand "aufziehen"? ...oder ist das zu umständlich?

VG,
Stefan



Hanfputz ist nicht gleich Hanfkalk



Hanfkalk ist ein Dämmstoff oder Wandbaustoff. Das Mischungsverhältnis ist 1:3 bis 1:5 (Kalk:Hanfschäben). Rohdichte 200 - 450 kg/qm. Also viel Hanf, wenig Kalk.

Beim Kalkputz wird einem klassischen Putz aus Kalk und Sand zusätzlich Hanfschäben zugegeben (Zuschlag). So wie man beim Lehmputz auch manchmal Stroh dazugibt. Da liegt das Verhältnis eher andersrum.

Einen Hanf-Kalkputz kann man mehr oder weniger normal verarbeiten. Hat aber eine geringere Dämmwirkung als Hanfkalk.



Hanfkalk mit der Hand gestampft



hier mal ein Beispiel damit man eine Vorstellung bekommt



Mir fehlt noch die eindeutige Aussage um welche Wand es sich handelt



Innenseite Aussenwand im EG oder im Keller?
Gibt es auch Fotos dazu?



Bruchsteinwand dämmen



Wenns nun eh eine zweischalige Wand mit Luftzwischenraum ist könnte einfachheitshalber dieser zB mit hydrophobierter Perlite gefüllt werden-
Ob sich zusätzliche Dämmmaßnahmen rentieren ist fraglich-
dann würde es innen nur noch um eine Begradigung der Wand gehen, für die sich auch Kalk- oder Hanfkalkputze oder Lehmputze eignen- abhängig von gewünschter Oberflächenqualität.



hydrophobierte Perlite



Herr Teich, was sich mir noch nicht erschließt ist, durch welche Öffnung diese Perlite eingefüllt werden soll ? Ein 2- schaliges Bruchsteinmauerwerk ist nicht dasselbe wie ein 2-schaliges Ziegelmauerwerk, für welches Ihre Idee durchaus funktionieren würde.



Vielen Dank...



erst einmal an Euch alle für die vielen anderweitigen Tipps und Danke auch für die Differenzierung der verschiedenen Hanfdämm- und Putzelemente. Bin echt froh, dass es dieses Forum gibt, was mir schon oft bei der Sanierung außerhalb des Gutachtens geholfen hat. Manchmal weiß man einfach nicht, wie man es am besten löst, bzw. hat für sich einen Plan, der aber evt. nicht immer der Beste ist. Bin ganz ehrlich, auf Hanf-Dämmung und Putz wäre ich so nicht gekommen.
Leider muss ich auch sagen, dass ich in meiner Sanierungszeit aus zeitlichen Gründen angestrebt habe, mehr von Firmen erledigen zu lassen, leider habe ich da aber hier in meiner Region (Sachsen-Anhalt) wenig spezialisierte Firmen gefunden sondern oft nur die grob gesagt "Zementmörtel"-Zuschmierer, weshalb ich versuche grundlegende Dinge des alten Gemäuers nach Bestem heutigen Wissensstand selbst zu erledigen.