Sanierung die Dielung (Fichte, 55cm breit, Ochsenblut)

12.07.2019 DWass



Wir arbeiten jetzt in ein Zimmer (12qm), der original (BJ 1888) breite Dielung hat. Die Dielen sind 55cm breit (eigentlich zwei mal 27cm breit zusammengeleimt), ohne Nut und Feder und verlegt mit 1cm Fugen. Im laufe die Zeit sind die Fugen mit eine weissen Fugenmasse verspachtelt und dann rot/braun gestrichen und gewachst. Einige Stellen haben Wurmloecher, aber ich denke das die Dinge ueberwiegend i.O. sind. Wir werden die Dielen schleifen, reparieren und oelen. Hier ein Bild von der aktuelle Situation.



Hier noch ein Bild



von der Ausgangssituation



Viel Foen und Schleifarbeit



Das Zimmer kann ich leider nicht komplett leeren, sodass ich es Stuck fuer Stuck machen muss. Da ich das ganze Ochsenblut und Wachs nicht in die Schleifmittel haben moechte, habe ich entscheiden erstmal soviel Farbe und Wachs mit der Heissluftfoen abzukratzen bevor ich mit der Schleifabeit anfangen wollen. Hier ein Bild nach dem Foenarbeit und die erste grobe Schleifarbeit mit Bandschleifer und Korn 40 Schleifpapier. Die Fugenspachtel habe ich entfernt und die Fugen habe ich ausgekratzt/gesaeubert.



Was mache ich mit der Fugen?



Ich habe viel gelesen und ueberlegt wegen die Fugen. Eigentlich gehoeren die schon da, aber es macht einige Probleme: Die Fugen sammeln allerlei Staub, Dreck, Legosteine, Stecknadel, Wachsmalstifte, usw. Die Dielenrande sind teilweise schon von Wurm angefressen, sodass der Gefahr besteht dass die auseinanderfallen oder das man Holzsplitter bekommt beim drueberlaufen.

Nach lange Ueberlegung habe ich mich entschieden, die Fugen mit Korkstreifen zu stopfen. Ich habe Korkstreifen in verscheidene Breite bestellt, da nicht alle Fugen sind genau 1cm breit. Die Fugen habe ich ausgekratzt, gesaeubert, und die Korkstreifen drin geklebt mit Holzleim. Nach 1 Tag habe ich die ueberstehendes Material mit der Exzenterschleifer abgeschliffen. Soweit so gut. Das Bild zeigt das Ergebniss.



Welche Oel auf die Dielung?



Ich habe noch viel Arbeit vor mir, aber ich beschaeftige mich trotzdem mit der Frage: Welche Oel kommt darauf? Ich mag eigentlich die Honigfarbe von Tungoel und habe es schon auf Tuerleiste und Fussleiste benutzt. Ist klasse. Ich bin unsicher wegen der Trocknungzeit beim Fussboden. Da ich wahrscheinlich die Haelfte des Zimmers Oelen werden und dann die Moebel draufstellen und dann die andere Haelfte machen muessen, soll ich ein Oel benutzen der nicht Monate braucht um zu trocknen.

Da sind viele relativ teuere Fussbodenoele von Naturfarbenhersteller, aber ich hab nicht verstanden was die Vorteile sind gegen reines Tungoel oder Leinoel. Ich habe auch ein amerikanische Firma gesehen (Real Milk Paint Company) die ein Produkt fuer Boden verkaufen was aus 50% Tungoel und 50% Orangenterpene (Orangenoel) besteht. Sowas koennte ich selber mischen.



Parkettöle...



trocknen allesamt schneller als Leinöl. High bzw. Pure Solid Öle produzieren auch keine Lösemittelattacke (im Wohnraum) wie Ihre Tung/Orangenschalenölidee. Nicht immer kommt bei der Neuerfindung des Fahrrades etwas Sinnvolles heraus...

Ich bin nicht recht davon überzeugt, daß die Korkstreifen dauerhaft verklebt bleiben, wenn sie beidseitig mit den Dielenflanken verklebt sind. 50cm breite Bretter arbeiten im jahreszeitlichen Feuchtewechsel nicht unerheblich.

Grüße

Thomas



Locker sehen...



Meine Dielen (Original 1860) sehen nicht so schön aus. Nachdem sie abgeschliffen waren, haben wir sie geölt. Allerdings sind viele Holzwurmstellen und abgefressene Stellen am Rand. Und die Abstände/Fugen sind teilweise 2 cm breit. Na und. Ich habe zwei kleine Kinder, sie spielen barfuß auf dem Dielenboden. Noch nie was passiert. Staub saugt der Staubsauger. Legosteine müssen eben per Hand entfernt werden. Stecknadeln? Gibt es nicht!!!! Da passe ich auf!
Im Forum habe gefunden: Mit Hanf und Fischleim die Fugen auskleiden. Fand die Idee ganz gut. Wenn ich Zeit habe und mich die Abstände stören, würde ich das mal ausprobieren.
Aber bis jetzt gilt für mich: Wenn ich in einem alten Haus lebe, ist eben alles krumm und nicht perfekt. Das macht gerade für mich den Charme aus. Also mach Dir nicht so viel Arbeit und Gedanken.



Zur Fugenschließung...



...gibt es ein weiteres Problem:

An den Dielenseiten Kleben Lack, Wachs und Dreck vieler Generationen. Darauf haftet: Gar nichts.

Wer diese Fugen so schließen will, daß es hinterher nicht schlechter aussieht als vorher, muß die Dielenflanken reinigen, nachschneiden oder auffräsen - also eine Fläche schaffen, an der Kleber oder Kitt haften.

Grüße

Thomas



Locker sehe ich



Danke Renate! Ich bin 100% bei dir. Es ist ein altes Haus und ich liebe seine unebene Waende, ungerade Linie und seine Macken und Kratzen. Das Haus hat doch Charme und ich versuche viele misslungene "Modernisierungen" auzubauen und wegzuschmeissen um die mehr-oder-weniger original Zustand wieder herzustellen. Da ich die Dielen sowieso Abschleifen und einige Stellen ausbessern (nicht mehr benoetigte Loecher fuer die Heizungsroehre wieder schliessen) wollen, wollte ich was mit der Fugen ausprobieren. Im Moment sind die mit eine weisse Spachtelmasse gefuellt, es aber schon broeckelig ist und teilweise loese oder ausgefallen. Das koennte ich so nicht stehen lassen. Diese Spachtelmasse muss raus! Ich probieren diese eine Zimmer mit der Korkstreifen loesung, um zu sehen wie es geht. Im schlimmsten Fall kann ich das Korkzeug auch wieder rausfraesen wenn es nicht funzt. In der zwischen Zeit werde ich ein mehr-oder-weniger ebene Boden haben. Der Unterschied ist schon gravierend, das ist schon deutlich zu sehen, obwohl ich noch nicht fertig bin.



Sikaflex



Wir haben die Fugen mit Sikaflex vom Bootsbau geschlossen: Ich würde es immer wieder so machen. Das Zeug gibt es in verschiedenen Farben. Nach dem Schleifen die Fugen abkleben, Sikaflex rein und aushärten lässen und anschließend den Überschuss abschleifen. Die Oberfläche der Fugen ist dann Radiergummiähnlich, aber stellte beim anschließenden Ölen kein Problem dar. Als das Öl ins Holz eingezogen war, haben wir überschüssiges Material von den Fugen mit nem Lappen abgewischt...FERTIG



Bild nach 40 Korn Abschleifung und Korkstreifen rein



Heute habe ich die Flaeche (halbe Zimmer) mit 80 Korn geschliffen. Ich werde aus Knochenleim und Schleifstaub eine Holzkitt selbst mischen und versuchen die schlimmsten Wurmfrass zu reparieren. Schritt fuer Schritt...



Knochenleim...



...ist dafür nicht wirklich geeignet. Nimm besser Weißleim, 1:1 verdünnt mit Wasser.

Für die Wurmlöcher würde ich den Schleifstaub vom 120er Korn nehmen - besonders fein...

Für die Fugen gibt es auch Spritzkork.

Grüße

Thomas



Warum ist Knochenleim



nicht dafuer geeignet?

Thomas, ich habe viel recherche gemacht und viele sagen dass ein Holzkitt aus Weissleim nimmt keine Oel an und deswegen sieht komisch aus wenn der Boden geoelt wird. Ich habe einige Blogartikel und Videos wo Leute ein Holzkitt aus Knochenleim fuer Moebelrestaurierung gemacht und die Argumente gegen Wessleim und Parkettholzkittmasse schluessig und sinnvoll klingen. Ich wuerde mich sehr interessieren warum du gegen die Knochenleimvariante bist (Vorteil/Nachteil).

Spritzkork fuer die Fugen waere auch ein gangbarer Alternativ zu der Korkstreifen. Vielleicht probiere ich das in der naechsten Zimmer.

Dein Vorschlag die 120er Schleifstaub zu benutzen klingt gut. Das werde ich auf jeden Fall machen. Vielen Dank dafuer!



Knochenleim...



...wird immer warm verarbeitet, ebenso wie die meisten Hautleime. Ein weiterer Name ist auch Warmleim. Er ist also nicht wirklich praktikabel als Holzkitt im Fussbodenbereich verarbeitbar. Ich bin in der Möbelrestaurierung genauso zu Hause wie im Bereich der Holzbodensanierung. Weder hier, noch da ist er als Kittgrundlage geeignet. Er sackt beim Trocknen stark nach, und er wird im Trocknen hart bis spröde. Öl nimmt er im Kittgemisch garantiert nicht besser auf als ein Kittgemisch auf Weißleimbasis. Die Ölaufnahme ist aber optisch nicht relevant. Weißleimkitte sacken nicht so stark nach, und sie bleiben weitaus elastischer.

Was nehmen die Profis für Fugenkitte im Fussbodenbereich? Am besten sind bzw. waren die lösemittelbasierten Kittgrundmassen. Gibt es aber leider kaum noch. Standard sind jetzt weissleimbasierte Kittgrundmassen. Daß Irgendwer mit Knochenleimen arbeitet (außer ein paar obskure Youtuber) halte ich für sehr unwahrscheinlich. Zumindest fertige Produkte gibt es dazu nicht, soviel ich weiß. Beim Schleifen könnte er auch ganz schön schmieren...

Defacto fällt mir absolut kein Vorteil ein, den Knochenleim haben könnte. Ich bin mit seiner Handhabung vertraut, für viele restauratorische Aufgaben ist er nicht wegzudenken. An dieser Stelle wäre er jedoch fehl am Platze.

Grüße

Thomas



Hier im Übrigen...



eine andere Möglichkeit, Fugen zu schließen:

Fugenflanken reinigen, PE-Rundschnüre eindrücken(gibt es in unterschiedlichen Durchmessern), mit einer farbig passenden SMP - Fugenmasse auspressen, mit elastischer Spachtel abziehen. Ich abeite da mit Bostik PK Profi Seal SMP.

Diese Fugenmasse ist gut schleifbar, nimmt Öle und sogar lösemittelbasierte Farbbeizen gut an. Desweiteren hat sie eine gute Flankenhaftung und bleibt elastisch.

Die PE - Rundschnüre sollten auch in Verbindung mit Spritzkork Anwendung finden, sonst sackt die Kittmasse in's Bodenlose....

Hier das Bild einer Farbtonprobe.



Hier ein Projekt in Thüringen/Ilmenau:



Der Festsaal des Jagdhauses am Gabelbach. Da wir die historische und recht dünne Dielung nicht grundhaft schleifen wollten, wurden die Fugen vor dem Verpressen des Fugenkittes abgeklebt und auf den Klebestreifen wurde dann abgezogen. Es musste nur zart verputzt werden.

Bei diesem Projekt war ich wirklich dankbar für die Erfindung der elektrischen Kartuschenpresse :-)



Vielen Dank Thomas!



jetzt bin ich total verunsichert wegen der Knochenleim Kitt fuer die Wurmloecher..

Ich werde jetzt einiges ertsmal probieren: Knochenleim, PVA, Bona Mix & Fill

Bin gespannt was daraus wird.



Spar Dir...



...die sinnlosen Umwege. Nimm Bona Mix and Fill. Das ist auf PVA - Basis und exakt dafür gemacht worden.

Viel Erfolg

Thomas



@Thomas



Nur mal so für mein Verständnis.

Deinen Hinweis auf den Weißleim konnte ich ja noch nachvollziehen, aber warum bitte sollte man Holz mit einem Kunststoffprodukt reparieren ?
Nur weil es speziell dafür von der Industrie entwickelt wurde und es gerade Modern ist, oder wie ?

Dann würde ich doch den Weißleim- Schleifmehl-Kitt noch bevorzugen.

Viele Grüße
Hanno



Weißleim



Sehr geehrter Frager(in?),
ich verstehe die von Ihnen gegen PVAC aufgeworfene, ablehnende Frage nicht, wenn Sie "Weißleim" akzeptieren. Weißleim besteht aus dem Bindemittel PVAc.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Ulrich Arnold



@Ulrich Arnold



Hallo,

meine Frage bezieht sich nicht auf ein Bindemittel welches auf PVA basiert, sondern vielmehr auf das empfohlene Produkt.
Leider konnte ich bislang noch keine klare Deklaration der Füllstoffe einsehen, daher gehe ich davon aus , das es sich um ein reines Chemieprodukt handelt.


Ich bin nur ein kleiner Handwerker aus dem Baugewerbe, daher entschuldigen Sie bitte meine Unwissenheit und erhellen mich mit weiteren Erkenntnissen.

Und Nein, ich wollte mit meiner Frage niemanden angreifen

Viele Grüße
Hanno



@ Hanno



mögen Sie ein kleiner Handwerker sein (was auch immer das bedeuten mag?), aber ohne verstehendes Lesen kommen Sie hier nicht weiter. Wozu fragen Sie mich, warum ich ein "Chemie" produkt bevorzuge, wenn ich es doch schon vorher detailliert begründet habe?

Falls es noch Unklarheiten gibt, Bona Mix&Fill ist im wesentlichen ein für die Verarbeitung als Fugenfüllgrundmasse verarbeitungsfertig eingesteller Weißleim. Insofern für den Laien handhabungssicherer als Weißleim für Holzverklebungen.

Die Unterteilung mit Naturprodukten (gut) und Chemieprodukten (schlecht und immer irgendwie gefährlich) ist im übrigen ziemlicher Blödsinn. Einen Eisenhuttee (natürlich!) sollten Sie sich keinesfalls kochen, auch nicht aus dem eigenen Garten. Mit offenen Augen werden Sie aber feststellen müssen, daß eine Haussanierung ohne einige chemischer Produkte nicht möglich ist. Mit Wissen, insbesondere über Materialien und Technologien kann man diese richtig einsetzen. Andersherum kann ein törichter Mensch auch mit den natürlichsten Baumaterialen Schäden und Gefahren produzieren. Ich hörte 'mal von Einem, der hat herrlich natürliche Schafwolle in die Hohlräume seiner Holzhauswände gestopft. Es sollte ein Wohnhaus werden - tatsächlich ward es eine Mottenfarm.

Also - bleiben Sie neugierig und meiden Sie die einfachen gut/schlecht - Einteilungen der natürlich-naiven Bauphilosophie.

Grüße

Thomas



Wurmloecher



Nur das es klar ist worueber wir sprechen. Der Boden ist meistens gut erhalten. Leider an einigen Stellen, insbesondere in der naehe des Fugens, sind Wurmfrassloecher. Hier ein Beispiel.

Im Bild kann man vielleicht sehen, dass der Fugenkante fast abgerundet ist. Das bedeutet dass der Korkstreifen ein paar Millimeter hoeher ist als der eine Dielenseite. Hier musste ich Fullmaterial nicht nur in die Loecher stopfen, aber auch oben drauf um die Dielenkante aufzufuellen. Oder?



Noch ein Beispiel vom Wurmfrass



Ein sehr nahe Aufnahme.



Ja.



das funktioniert mit der vorgeschlagenen Kittgrundmasse.



Oelen mit Tungoel



Alle Loescher und Risse sind verspachtelt. Jetzt kommt der Oel drauf. Nach lange Ueberlegung und verschiedene Tests habe ich meine Wahl getroffen. Tungoel kommt auf dem Boden. Ich habe angefangen mit eine Mischung aus 50% Tungoel und 50% Citrusterpene (Orangenoel). Das habe ich auf der Boden verteilt mit eine Schamstoff Farbroller. Nach 40 Minuten habe ich nochmal geoelt. Nach 40 Minuten dann das ueberfluessiges Oel (war eigentlich nicht ganz viel) mit Papiertuecher und dann mit alten T-Shirts weggemacht. Morgen mal schauen ob der Boden noch etwas Tungoel aufnehmen will.

Im Bild ist nur die halbe Zimmer. Ich mache erst die Haelfte, dann Moebel umraeumen, dann die andere Haelfte. Werde wahrscheinlich 2 Wochen dazwischen warten.



Noch ein Bild von Dielenboden Oelen



Hier ist noch alles ziemlich nass mit Oel.



Dielenboden nachdem ueberfluessiges Oel weg ist



Alle ueberfluessiges Oel ist mit Papiertuecher und alte T-Shirts weggemacht worden.



Fugenkitt Wuermloecher



Ich habe Bona Mix & Fill benutzt (nicht die Knochenleim) um das Fugenkitt zu machen. Mit Schleifstaub vom 120 Korn Runde. Danke an Thomas fuer die Vorschlaege und Unterstuetzung.

Im Bild sieht man eine der Stellen mit viele Wuermfrass um die Dielenfugen. Erst Korkstreifen reingeleimt, dann Fugenkitt in die Wuermloecher und an die Dielenkante. Fugenkitt habe ich abgeschliffen und dann an manche Stellen nochmal gekittet, da das Fugenkitt absackt beim trocknen. Es ist glatt wie Babypo und sieht ganz OK aus (im Vergleich zu vorher, meine Meinung). Das Bild is gemaxht worden nachdem das Oel drauf kamm.