Grobe Kosten für Fachwerksanierung

10.06.2003


Liebe Mitglieder der Community, ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen und es scheint so, als sei hier eine größere Ansammlung von "Fachleuten" erreichbar. Mein Partner und ich spielen mit dem Gedanken (nein, eigentlich ist es unser größter Traum) ein altes Fachwerkhaus zu kaufen, dass komplett saniert werden muss. D.h. Gefache raus, viele Balken ersetzen, Elektro, Dach und Heizung neu ... im Grunde genommen ein vollständiger Neubau. Es fällt uns allerdings wirklich schwer die Kosten auch nur grob abzuschätzen. Befragt man andere, differieren die Meinungen extrem. Daher hier meine Frage: Mit welchen Kosten müssen wir grob rechnen bei einer Komplettsanierung eines 2-geschossigen Fachwerkhauses mit einer Grundfläche von 10m x 13m, wenn wir bereit sind viele Arbeiten selbst zu übernehmen? Vielen Dank für Antworten und Tipps im Voraus!



kosten



wenn's so einfach wäre ... hätte wohl jeder ein altes fachwerkhaus! eine vernünftige kostenschätzung erhalten sie nur in zusammenarbeit mit einem erfahrenen und kostenbewussten architekten, nach aufteilung des sanierungsvorhabens in vernünftig handhabbare gewerke und nach vielen vielen vort-ort-terminen mit guten handwerkern. ich würde mit dem dach und dem Fachwerk anfangen, da mal eine gründliche untersuchung durchführen lassen, die frage der zuschüsse (denkmal????) abklären und dann einen zeit- und kostenplan erstellen mit realistischer einschätzung der eigenleistung. bei unserem haus, etwas größer (9 x 14 meter, erdgeschoss, dachgeschoss, Spitzboden und untergschoss mit gewölbekeller) liegen wir bei Sanierungskosten von 280.000 euro (wohnfläche ca 250 qm); da sind aber noch zuschüsse, eigenleistungen, steuerabschreibungen etc abzuziehen, so dass effektiv cash in höhe von 100.000 euro ausgegeben wurden/werden; übrigens größtenteils finanziert, weil wir selbst nicht viel bares haben, über ein zinsgünstiges denkmalschutz-darlehen und diverse kfw-programme (heizung, wärmedämmung, fenster).
glück hatten wir mit unserem dach, dass trotz übler optik keine grundlegenden schäden hatte; wir konnten uns da sogar eine neue biberschwanzdeckung leisten. pech hatten wir mit dem fachwerk, da von außen intakt scheinende schwellen komplett ausgetauscht werden mussten; glück hatten wir, weil wir einen phantastischen und preiswerten Fensterbauer fanden, glück mit einer innovaten u nd sehr günstigen heizung, pech mit einigen unglaublich dicken betonböden im erdgeschoss, die wir mühsamst entfernen lassen mussten ... insoweit haben sich unsere kostenschätzungen auch ständig geändert. jedes haus ist eben anders!
viel glück und viel mut für ihr projekt!
Günter Flegel, wagenhäuschen in unterfranken (zu besichtigen am tag des offenen denkmals 2003)





Hallo Katrin, wir machen auch alles selber, was geht, trotzdem wird unser Haus zum Schluss so viel kosten, wie ein kleiner Neubau. Bei uns waren/sind die größten Brocken der Balkenaustausch durch den Zimmermann, neue Fenster und die Heizung. Es kommt halt immer auch drauf an, was man für "Ansprüche" hat. Wir kaufen immer lieber die etwas "besseren" Sachen und machen dafür dann den Einbau selber. Gefache ausmauern und die Dämmung und den Putz aufbringen, das geht wirklich sehr einfach, auch für Leute, die normalerweise nichts dergleichen machen (so wie mich ;-). Das Dach war bei uns soweit zum Glück ok. Erkundigen Sie sich vorher beim Denkmalamt, ob Sie Zuschüsse erhalten. Dies muss man bis November im vorhinein einreichen, sonst gibts vermutlich nichts (so wie bei uns). Dafür kann man aber - wenn es sich um ein Einzelkulturdenkmal handelt - (wir haben unseres extra eintragen lassen, das geht) die Ausgaben zur Sanierung über 10 Jahre von der STeuer abschreiben, zusätzlich gibts noch Eigenheimzulage. Uns macht die Sanierung Riesenspass und wenn ich ehrlich bin, ich trauer keinem Wochenende nach, an dem wir gearbeitet haben anstatt auf der faulen Haut zu sitzen. Die Nachbarn sind schon ganz angetan von unserem Enthusiasmus und wir haben wirklich große Erfolgserlebnisse ("die Wand ist zwar nicht Richtlatten-gerade, aber ICH hab sie verputzt"). Nur Mut, es geht alles nach und nach. Allerdings kann ich auch sagen, wir haben für eine Wohnfläche von 120 qm 119 T Euro für die Sanierung vorgesehen, davon waren ich glaub 40 T Euro Puffer (für Außenanlagen, Scheunensanierung und reiner Puffer für Unvorhergesehenes), der Puffer ist schon aufgebraucht, die Außenanlagen und das Dach können wir momentan nicht mehr machen, weil wir kein Geld mehr haben... Hat doch alles ein bischen mehr gekostet als angenommen (ich glaube, das ist aber in den meisten Fällen so). Dann muss das Dach halt eben noch 5 Jahre warten. Viele Grüße Annette



Einen kostenlosen Ratgeber auch mit "Richtpreisen"



gibts unter www.lb.nrw.de/publikation/bestellservice.htm



Baukosten



Als allererste Schätzung, (da es fast ein Neubau sein wird) würde ich 1.100 EUR/m² Wohn- und Nutzfläche nehmen, d.h. die netto-Fläche die zum Wohnen benutzt wird, bei Schrägen ab h=1,50m. Als Vergleich dazu der Umbauten Raum, d.h. das äußere Volumen des Hauses x 250 bis 260 EUR/m³. Der Mittelwert nehmen. Wenn die Differenz zu gross ist stimmt was nicht in der Raumaufteilung oder mit den Raumhöhen. Der zweite Schritt ist diese Summe nach Gewerke zu verteilen. Dafür gibt es Richtlinien bei den Sanierungsträgern. Der dritte Schritt ist der längste und der schwierigste: das Projekt in Arbeitsschritten, Bauelemente, Bauteile (evtl. nach DIN 276) teilen und die Preise ermitteln. Die Fehlerquote ist geringer, aber dafür braucht man schon gewisse Kenntnisse. Als Hilfe habe ich die Bautabellen von SIRADOS, und die letzte Ausgabe des Buches von Schmitz et al; "Baukosten für Instandsstezung, Sanierung, Umnutzung".
Dies als erstes, m.f.G.
J.E.Hamesse



Kosten



Guten Tag,
es ist nahezu unmöglich einigermaßen genaue Aussagen zu treffen, weil jedes Haus anders ist und auch andere Schäden aufweist, außerdem sind Bauherrenwünsche oft sehr untersciedlich. Halbwegs genau wird es als erst, wenn zumindest die Hauptgewerke nach leistungsverzeichnissen kalkuliert sind und bei Voruntersuchungen die eine oder andere "Überraschung" ausgeschlossen ist. Für das grobe gilt die Angabe von Kollegen Hamesse
mfG. Ulrich Arnold



Grobkosten Fachwerk



Hallo Katrin....

Ihr auch?! Herzlichen Glückwunsch. Wir haben uns vor 3 Jahren eine alte Fachwerkscheune zum selber sanieren gekauft. Jetzt geht es in Richtung Bauantrag und natürlich der Frage der Kosten.
Vielleicht bin ich etwas zu blauäugig, ednn auch ich habe keine Ahnung und bin anhand von Vergleichswerten für Einzelgewerke ausgegangen.
Wir haben eine Grundfläche von 10 x 18m. Sämtliches Holz ist in Ordnung, so dass hier kaum Kosten anfallen.
Grob bin ich so auf 190.000 € gekommen. Ich muss aber dazu sagen, dass unsere Scheune ein ordentliches Fundament hat und recht massives Fachwerk. Mein Mann ist Bauingenieur und übernimmt in Zusammenarbeit mit Freunden die Planung, so dass auch diese Kosten nicht eingerechnet sind. Aber vielleicht hilft es Dir erstmal ein bißchen.
Liebe Grüße Kathrin



Vor drei (3) gefragt,...



...heute erst Mitglied geworden!
Auch solche Entwicklungen gibt es.
Und wie sind die heutigen Erkenntnisse zur damaligen Fragestellung?

Weihnachtliche Grüße
Udo Mühle



nach drei Jahren fündig geworden....



...in der Tat eine sehr lange Zeit, in der wir viel gesucht und viel gesehen haben. Allerdings wusste ich gar nicht mehr, dass wir vor 3 Jahren schon einmal eine Anfrage in fachwerk.de gestartet haben.
Geärgert haben uns während der Suche die meist völlig überzogenen Preise für renovierungsbedürftige Fachwerk/Bauernhäuser, oder für "vermeintlich geschmackvoll" renovierte Häuser. Schade, diese Häuser werden noch lange auf Renovierungspioniere warten.
Wir sind nun fündig geworden und hoffen unsere Vorstellungen verwirklichen zu können. Erste Schritte waren Heuboden räumen (eine schlimme staubige, anstrengende Arbeit.), in der Deele Gefache und Böden entfernen (dies soll mal Wohnzimmer werden).
Weitere Zeit verbringen wir mit dem Warten auf die Ämter. Eintrag ins Grundbuch und Bauantrag lassen nun schon 3 Monate auf sich warten. Ein ähnlicher Arbeitsrhytmus in der freien Wirtschaft und der Aufschwung käme nicht vor 3006. ;-)
Erste Angebot bestätigen die o.g. Schätzungen.
Warten wir also ab, ob sich alles im Rahmen bewegt und wo die Ausreisser in der Kostenschätzung sind. Ein Photo lege ich mal bei, so dass man sich einen Eindruck verschaffen kann.
Ach ja ....für Tipps, wie man kostengünstig diese sch.... aufgemauerte Ecke in das Fachwerkbild rückführen kann (evt. Verblendungen) wären wir dankbar.
Allen ein frohes Fest und viele Fachwerktippsgeschenke für alle!
Kleiner Tipp am Rande: Der wertvollste Mitarbeiter ist der fast 50 Jahre alte Traktor mit Frontlader. Klasse, was man mit dieser Maschine bewegen und erleichtern kann. Eine erste Investition, die sich gelohnt hat. :o)




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