Noch ein Angebot..

20.02.2010 Michael F.



Habe gerade noch ein Angebot für die Sanierung unsere Fachwerkhauses bekommen (für die Zimmerarbeiten)...Da lese ich dann unter Position Fachwerksanierung Stichpunktartig folgendes:
-Fassade abdampfen
-Fachwerkfelder von innen durch ausschäumen abdichten
-Holzverfestiger und Holzersatzmasse einbringen
-Fachwerkfelder von außen mit Acryl abdichten
-Acrylabdichtung um die Fenster

Ich bin nun wahrlich kein Fachmann, aber dabei habe ich irgendwie kein gutes Gefühl.

Ein regionaler Betrieb, der sich bei Sanierungen einen Namen gemacht hat, hat es zwar sehr spartanisch beschrieben: "Fachwerksanierung, Preis x", mir aber Dinge wie: defekte Riegel werden getauscht, vergammelte Ständer unten angeblattet...erzählt. Von Acryl hat er nichts gesagt, auch nicht von Holzverfestiger. Dafür lag der Preis x auch eine Schippe über dem des zweiten Fachmanns.

Für ein paar Meinungen wäre ich dankbar!

Viele verunsicherte Grüße
Michael



Angebote



Hallo Michael,
Sie schildern ein Problem das Laien haben wenn Sie ohne Leistungsbeschreibung bzw. Leistungsverzeichnis und ohne genaue Kenntnis des Leistungsumfanges Angebote einholen.

Ob die angebotenen Leistungen erforderlich sind, ob es billigere Möglichkeiten gibt, ob die Mengen mit der späteren Leistung übereinstimmen- alles das können Sie nicht nachprüfen und bewerten.
Sie können nur darauf vertrauen das die Leistungen gemäß den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt werden.

Besser ist es wenn Sie sich VORHER mit einem erfahrenen Planer Gedanken über Art und Umfang der Leistungen machen.
Das sollte am besten auch ein Fachmann für Holzschutz sein.
Dann suchen sich nicht Ihre Anbieter die Leistungen aus die sie ausführen wollen sondern sie bekommen Art und Umfang in Form eines Leistungsverzeichnisses vorgeschrieben.
Damit kann man dann auch die Angebot verschiedener Firmen werten und vergleichen, ohne Leistungsverzeichnis ist das nicht möglich.
Das Geld für den Planer ist nicht umsonst, er spart Ihnen sein Honorar durch bessere Wertung, Vermeidung von überflüssigen Leistungen und bessere Qualität ein.
Außerdem kann es passieren, das ein Unternehmer, der ein umfangreiches Angebot mit eigenem Aufmaß abgegeben hat und keinen Zuschlag erhält, seine Aufmaßleistungen von Ihnen zurückfordert.

Viele Grüße





Ich bezweifle das sich der Zimmereibetrieb mit der FW Sanierung einen guten Namen gemacht hat. Ferner das er sowas überhaupt schon mal gemacht hat.

Positionen wie :
-Fassade abdampfen
-Fachwerkfelder von innen durch ausschäumen abdichten
-Holzverfestiger und Holzersatzmasse einbringen
-Fachwerkfelder von außen mit Acryl abdichten
-Acrylabdichtung um die Fenster

sind allesamt nicht Fachgerecht und bei der FW Sanierung keineswegs vertretbar.
Genau mit solchen Mitteln werden Fachwerkhäuser "totsaniert".



Fachwerksanierung



Viel mehr kann man eigentlich nicht falsch machen:

-Fassade abdampfen (also wahrscheinlich mit Wasser und Hochdruckreiniger)
Wasser hat bei Fachwerkkonstruktionen eigentlich nichts zu suchen, der Schaden ist größer als der Nutzen
- Fachwerkfelder von innen durch ausschäumen abdichten : Abdichten von Gefachen funktioniert schlicht und einfach nicht. Wasser dringt ein und kann durch den PU-Schaum nicht mehr entweichen-> Schäden sind die Folge
- Holzverfestiger und Holzersatzmasse einbringen : Diese Massen sind ebenfalls untauglich, siehe Fachwerkfelder
-Fachwerkfelder mit Acryl abdichten: Acryl reißt spätestens nach einem Jahr (meistens aber viel früher) und hat auch wiederum Schäden zur Folge.

Eine Sanierung von Fachwerk ist nur mit Handwerklichen Verfahren und Materialien möglich, also austauschen von beschädigten Balken.



Puuhhhh.....



@Sascha:
Es geht um zwei Angebote, das eine zwar sehr "wortreich" formuliert, nur leider mit den falschen Wörtern (Acryl, Holzersatzmasse),
das andere sehr spartanisch aber von besagtem Fachbetrieb mit gutem Ruf und vielen Referenzen in meiner Umgebung.

@Herr Bötcher:
Das Kind ist noch nicht (ganz) in den Brunnen gefallen. Im Moment versuche ich mir einen Überblcik zu verschaffen.
Ein Planer kann da sicher helfen. Aber nur, wenn es denn auch der richtige ist:
Ich gehe mal davon aus, dass nicht jeder Planer/Architekt auch die entsprechenden Fachkenntnisse für eine Fachwerksanierung mitbringt. Wenn besagter Planer dann die Methoden von Betrieb A (A wie Acryl ;-)) gutheist, stehe ich wieder doof da.
Aber ich muss Ihnen Recht geben, der (Sachkundige) Planer scheint mir immer notwendiger!

--> Kann mir denn jemand einen Empfehlen in meiner näheren Umgebung PLZ 646..?

Danke!
Viele Grüße
Michael





@Georg

Was haben die "Stichworte" in dem Angebot mit einer Leistungsbeschreibung für Fachwerksanierung zu tun?
Auch das Nichtkennen des Leistungsumfang rechtfertigt kein Angebot in dieser Form (zumal es sich ja um Zimmererarbeiten handelt).

Die Angebotenen Leistungen sind nicht nur nicht nötig, sondern haben bei der Fachwerkinstandsetzung nichts zu suchen.

Aber wem erzähle ich das?

Das Problem welches Laien damit haben ist, dass sie damit übers Ohr gehauen werden, bzw. einige Jahre später merken, dass da gepfuscht wurde.


@Michael
sprich doch nochmal mit dem "spartanischen" Anbieter und bitte ihn um etwas detailiertere Beschreibungen. Auch wenn er etwas wortkarg und teurer ist, klingt das für mich im Sinne deines Hauses besser.

Grüße
Martin



Ich würde das Wortkarge



Angebot vorziehen.
Einen Festpreis wird Ihnen Wohl kein seriöser Handwerker im Bereich Sanierung machen, weil das schlicht unmöglich ist.
Vom 2.ten Handwerker haben Sie vermutlich eine Kostenschätzung erhalten.

Grüsse Thomas



Angebote



Ich wiederhole mich ungern:
Legen Sie beide Angebote beiseite. Vergleichen können Sie die ohnehin nicht.
Lassen Sie sich ein Leistungsverzeichnis erstellen.
Das können Sie dann beiden Interessenten geben.
Jetzt wissen Sie weder den Preis noch den Leistungsumfang, den beide Anbieter realisieren werden.
Da können Sie auch Lotto spielen gehen.

Viele Grüße



@Tobias Büttner



Hallo,

ich möchte Ihnen in fast allen Punkten recht geben bis auf die Sache mit dem Holzverfestiger bzw. Holzersatz. Sicher ist eine komplett neue Prothese aus Holz die bessere Lösung. Allerdings ist es auch nicht immer machbar, ein komplettes Bauteil auszutauschen, v.a. wenn es sich um z.T. komliziert verkämmte statische Bauteile handelt. Dann kommt eben seltenst, aber doch oft notwendigerweise ein Holzersatz zum Einsatz. Nicht schön, aber zweckmäßig.
Das wie gesagt nur noch als Ergänzung - nur das die Zimmerei, die das Angebot abgegeben hat, nicht vollends als Saftladen dasteht :)
Insgesamt würde ich die Aufgaben eher mit einem Restaurator im Zimmererhandwerk angehen - die haben, im Gegensatz zum normalen Zimmerer, zusätzliches Fachwissen auf diesem hochsensiblen Gebiet und dementsprechend dann auch mehr Erfahrung in der Restauration von Holzbauwerken als solches.

Gruß Andreas



Auch ich würde beide Angebote...



...beiseite legen. Das eine ist sowieso bauschädigend, und das andere: Ein karger Dreizeiler ohne Leistungsbeschreibung? Ich bin selber im Holzbereich tätig, und schätze es durchaus, wenn meine Kunden mir vertrauen. Um Steitigkeiten zu vermeiden, ist es mit jedoch grundsätzlich wichtig, den genauen Leistungsumfang zu vereinbaren - dessen Erfordernis Sie aber gar nicht einschätzen können.

Ausreichende Bonität vorausgestzt, werden Sie bei dieser Bauweise "auf Sicht" das Dreifache zahlen, und trotzdem eine Leistung bekommen, mit der Sie nicht, oder nicht dauerhaft zufrieden sein werden.

Erkundigen Sie sich beim regionalen Denkmalamt, bei der IG Bauernhaus etc. nach sanierungserfahrenen Planern, lassen Sie sich Referenzobjekte zeigen, reden Sie mir den betreffenden Bauherrn. Die Kosten für die Planung und Begutachtung und das bisschen Organisation im Vorfeld spielen Sie im Bauablauf mit sicherheit wieder ein.

Grüße

Thomas



Wenn schon, dann richtig



Um das Ausmass der notwendigen Arbeiten zu ermitteln, sollte zuerst eine Bestandsaufnahme (am besten von einem Restaurator) gemacht werden.
Erst dann können die Kosten einigermassen eingegrenzt werden.
Sie müssen damit rechnen, dass teilweise die Gefache komplett entfernt werden müssen und die Hölzer entweder ausgetauscht oder mit Prothesen versehen werden.
Abspriessmassnahmen können auch anfallen,
und auf unvorhergesehenes sollte man sich auch einstellen, denn man sieht eben im Vorfeld auch nicht alles, oder es kommt noch einiges beim Rückbau zum Vorschein, mit dem mann nicht unbedingt gerechnet hat.

Grüsse Thomas