Kellerinnenputz auf Basis Kalziumsilicat (Wasserglas)

27.05.2005


Hallo zusammen,

wir haben ein altes Haus gekauft (1905), dessen Keller in früheren Jahren feucht gewesen ist.

Die Kelleraußenmauern wurden von den Vorbesitzern daher freigelegt, neu verfugt, verputzt, mit Elephantenhaut und Dämmplatten versehen, und es wurde eine Drainage gelegt. Klingt so, dass damit von außen alles ok sein sollte.

Innen wurde im Keller bisher nichts gemacht. Man sieht, dass die Wände einmal richtig feucht waren. Teilweise blättert die Farbe, teilweise der Putz, es gibt Salzkristalle, ansonsten sieht es aber nicht mehr feucht aus.

Ein Messgerät zeigt aber überall, wo der Stein oder der Putz berührt wird, Vollausschlag, d.h. > 24% (keine Ahnung wovon -- weiß jemand, was man da genau misst?).

Die Suche nach einer Sperrschicht (durch Pappe) am Fuß der Kellermauer zwischen den ersten Ziegelschichten ist bisher erfolglos geblieben. (Gesucht haben wir bisher nur an einer Stelle.)

Ein Bekannter, der beruflich Baugutachten macht, hat uns geraten, den Innenputz abzunehmen und neu zu verputzen, aber darauf zu achten, dass die Wand nach innen nicht gesperrt wird, damit ein Atmen möglich bleibt.

Ein Fachmann für Altbausanierung hat uns nun angeboten, den Keller unter Verwendung von Kalziumsilikat (Wasserglas?!) neu zu Verputzen in folgenden Schichten:
1. Eine Schlämme mit Kalziumsilikat
2. Ein Kalk-Zementputz, dem neben Wasser auch Kalziumsilikat begemischt ist.
3. Ein normaler Kalk-Zementputz

Über Wasserglas haben wir inzwischen herausgefunden, dass er wasserfest, aber diffusionsoffen sein soll (siehe z.B. http://www.salzgitter-aktuell.de/dynasite.cfm?dssid=3193&dsmid=58966).

Wir sind uns nun sehr unsicher, ob durch die beschriebene Methode die Wand gesperrt wird oder nicht (hiervon hatte man uns ja abgeraten). Kann uns hier jemand Auskunft geben?
Ist die Methode empfehlenswert?

2. Frage: Der Keller hat eine Kappendecke, an einigen Stellen natürlich mit Rost. Die Begutachtung durch einen Statiker hat ergeben, dass er aber nicht bedenklich ist.
Wir haben nun auch gelesen, dass Wasserglas hochalkalisch ist (PH = 12). Muss man bei oben beschriebener Methode aufpassen, dass die Stahlträger nicht damit in Berührung kommen, oder besteht für das Metall keine Gefahr bei der Berührung mit Wasserglas?

Für eine fachkundige Auskunft wären wir sehr dankbar.

Herzliche Grüße in die Runde

Carsten Kegel



Nasser Keller



wie naß ist naß ? Genau kriegen Sie das nur durch eine gravimetrische Messung heraus: Sie nehmen eine Probe, z.B. einige Steine von verschiedenen Stellen einfach mal heraus, tunlicht mitsamt dem Mörtel. Sauberer aber aufwendiger geht es mit einer Kernbohrung. Den Schutt wiegen Sie möglichst genau auf einer zuverlässigen Waage (erzählen Sie dem Apotheker was er hören will). Anschließend backen Sie denselben Schutt im Backofen pulvertrocken, lassen abkühlen und wiegen noch einmal. Ergebnis: Feuchtegehalt in Massen-%.
Das ist die Hausfrauen-Methode.
Die Gutachter-Methode mit dem s.g. "Hygrometer" mißt nur die elektrische Leitfähigkeit. In der Gebrauchsanweisung dürfte stehen, daß das bei inhomogenen Materialien nicht geht (also bei Mauerwerk).
Sie werden wegen der unzureichenden Dichtungen immer einen dauerfeuchten Keller behalten. Eine gewisse Gleichgewichtsfeuchte kriegen Sie aber durch richtiges Lüften (mit trockener Außenluft, also im Winter und bei entsprechenden Ostwindlagen im Sommer) und durch Fensterschließen bei Gewitterluft gut in den Griff.
Das beste wäre deshalb: gar kein Putz.
Wenn es trotzdem einer sein soll: Sehen Sie mal bei Solubel nach.
Sie sollten aber wissen, daß das ein "Opferputz" ist, den man nach einigen Jahren wieder abklopfen muß.

mit besten grüßen



kleine Ergänzung



Guten Tag, ich kann mich im Prinzip Hr. Beckmann anschließen. Feuchten in mineralischen Baustoffen lassen sich entgegen der Herstellerangaben mit Widerstandsmessgeräten nicht genau ermitteln, man kan allenfalls an einer wand Referenzwerte prüfen um zu sehen ob eine Stelle feuchter ist als der Rest. Wenn dann noch Salze die Leitfähigkeit verbessern ist die Messung sowoeso verfälscht. Ich denke auch, dass bei den Vorarbeiten von auß0en und vermutlich keiner Horizontalsperre niemals ein ganz dichter Keller erreicht wird. Wenn Sie putzen wollen würde ich einen Sanierputz nach WTA empfehlen, damit die Salze nicht durchschlagen und den Putz zerstören. Bei der Verarbeitung auf ausreichend geringe Luftfeuchte usw. achten. Da ein Sanierputz die kapillare Wasserleitung an die Putzoberfläche verhindert, kann Feuchtigkeit aus der Mauer aber nur noch als Dampf austreten, das bedeutet, die Feuchte des Mauerwerks steigt unter dem Putz an.
Um den PH-Wert brauchen sie sich meines erachtens keine Gedanken zu machen, sauer wäre auch kritischer als basich.
Meiner Meinung anch hängt viel an der Ausführungsqualität der vom Vorbesitzer ausgeführten Außenabdichtung.
Und noch etwas imk Moment sollten sie den keller möglichst geschlossen halten, da die wrme sommerluft an der kalten Kellerwand auskondensieren wird. Das Salz verstärkt den Effekt noch.
Salz trocken abbürsten, auf Kehrblech sammeln und in den Hausmüll.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Nasser Keller.



Dachog. Sicherlich meinen sie Kaliumwasserglas. Ein Kalziumwasserglas dürfte nicht existent sein. Kaliumwasserglas ist einfach gesagt kieselsaures Kali, also Kalisilicat, hier liegt wohl der Dreher. Difussionsoffen ist ja nun alles, wenn man was loswerden will. Kalisilicat ist Hauptbestandteil des normalen deutschen Fenster- und Flaschenglases. In den Glashütten gibt viel Sand mit wenig Kali festes Glas. Viel Kali mit wenig Sand dagegen, liefert das Wasserglas. Dieses wurde häufig gebraucht, als ein feuersichernder Anstrich für Holz, Leinwand etc. oder zur Herstellung eines wasserdichten Überzuges auf Holz und Mauerwerk, oder zur Fixation von Frescogemälden. Alles diffusionsoffen ? Ein Kalziumsilicat gibt es auch. Dieses entwickelt sich aus dem uns bekannten Maurermörtel im Laufe der Jahre. Hervorragend zu gebrauchen und diffusionsoffen. Mfg ut de ole Mark



Kaliwasserglas bringt Probleme,



denn es spaltet Pottasche - ein Schadsalz ab. Das dann hygroskopisch noch mehr Feuchte aufnimmt und ihr Problem vergrößert.

Wer von Dampfdiffusion schwärmt, hat nicht aufgepaßt: Wände atmen nicht, Dampftransport spielt keine Rolle, 1000-fach mehr findet der Feuchtetransport kapillar statt und da liegt das Problem. Nur sorptionsfähige Beschichtungen sind also keine Trockenblocker. Wobei in die besagten dampfdiffusionsoffenen Schichten wunderbar Kondensat reinrutscht. Bloß nicht mehr raus.

Und dann der Sanierputz - was soll das? Er ist zementhaltig, reagiert also zumindest in der Frischmörtelphase - wenns feucht bleibt auch später - mit Sulfat im Untergrund (ist immer dort, darauf wette ich!) und bildet Treibmineralien, die den Putz schädigen.

Der Zementanteil liefert zusätzlich Schadsalze.

Der Sanierputz, mit dem sich vorzugsweise die Putzbranche saniert, ist obendrein wasserabweisend in seinen Poren hydrophobiert. Da geht also niemals Salz durch bzw. rein wie versprochen, denn Salz wird in flüssig-wässriger Lösung transportiert. Dafür treibt es das Salz dann in die Mikroporen, die das gar nicht aushalten, aber gefügetechnisch ohne porenhydrophobe Wirkung bleiben. So programmiert man also Baupfusch vor.

Davon abgesehen ist alkalisches Wasserglas kein Rostrisiko. Eher im Gegenteil - man denke an den alkalischen Schutz des frischen Betons für die Bewehrung.

Und irgendwelche Feuchte- und Salzgehalte interessieren nicht - gibt es sie überhaupt - was jeder einfach sehen kann - Opferputz als Wandsaniertechnik, Horizontalisolierung ist Quatsch, Feuchtequellen genau orten und dann entsprechend abstellen. Am Ende ggf. auch durch Hüllflächentemperierung.

Weitere Aufklärung auf Links:


Die alternative Wahrheit zum Sanierputz



Aufsteigende Feuchte gibt es nicht



Richtig und falsch heizen - Zur Hüllflächentemperierung



Sanierputz für Hr. Fischer



Sehr geehrter Herr Fischer,
ich muss Ihnen zustimmen, dass natürlich die genaue Identifikation und Beseitigung des Feuchtezutritts die einzige Ursachenbekämpfung sein kann.
Ich fühle mich trotzdem von Ihnen missverstanden und "auf die Füße getreten".
Ihre Attacke auf Sanierputze verstehe ich nicht.
Sanierputz ist ja gerade dafür entwickelt, um entstehende Minerale = auskristallisierte Salze in seiner unteren Lage aufzunehmen, ohne dabei Frühausfälle zu zeigen. Dass bei Sulfat und Zement Ettringit und verwandte Treibminerale mit extremer Volumenvergrößerung entstehen können ist nicht zu vermeiden. Wenn die Salzbelastung vorher analysiert wurde und ein Sanierputz nach WTA und zusätzlich Herstellerangaben ausgewählt wurde, wird dieser Sanierputz trotzdem lange halten. Ein "Opferputz" muss dagegen vermutlich spätestens nach 2 Jahren ersetzt werden.
Weiterhin scheinen Sie mit den Aufbauschichten eines Sanierputzes nicht vertraut zu sein. Die oberste Schicht ist hydrophob. Das muss sie sein, weil sonst die Salze bis an die Putzoberfläche durschschlagen würden. In meinem vorherigen Beitrag habe ich die Problematik, dass dadurch die sog. "Kritische Feuchte" (siehe z. B. Klopfer: Lehrbuch der Bauphysik)ansteigt erwähnt. Wenn Leute von "atmenden" Wänden sprechen bekomme ich auch Stehhaare. Unter dieser Hydrophoben Schicht ist ein sehr poriges Gefüge, das noch kapillar leitet, nur eben nicht mehr bis an die Oberfläche. In diesen Poren sollen ja die Salze auskristallisieren! Das ist der Sinn und die Funktion des Sanierputztes. Ein WTA-Sanierputz kann viel mehr Salzkristallisation aushalten als ein normaler Putz.
Natürlich wäre es unseriös zu behaupten mit einem Sanierputz habe man eine Abdichtung gegen Wasser erzielt. Die Konstruktion bleibt so feucht wie vorher, bzw. die Feuchte steigt sogar etwas. Leute, die Sanierputze als Trockenlegung verkaufen haben es nicht verstanden, ein Sanierputz kann die Oberfläche trocken und salzfrei machen. Auch diese Situation habe ich in meiner Antwort berücksichtigt, indem ich daruf hinwies dass viel davon abhängt wie der Vorbesitzer seine Abdichtungsmaßnahmen durchführte. Wenn viel Feuchtigkeit aus dem Erdreich eindringt, ist eine Abdichtung unumgänglich, ein Sanierputz kann auch nach einer Abdichtung noch ganz sinnvoll sein, weil durch die Austrocknung der Wand noch mehr gelöste Salze als vorher zu festen Kristallen werden.
Mit freudiger Erwartung einer Antwort und vielen Grüßen Ihr Ulrich Arnold



Lieber Herr Kollege Arnold,



auch hier müssen wir genauer hinsehen. Die kritischen Prüfungen von Sanierputz, ebenso die hier maßgeblichen Fachbeiträge von Fachleuten, die weit über die Werbebotschaft für Dummies hinausgehen, finden Sie auszugsweise auf meiner Sanierputzseite (Link).

In aller Kürze: Eine Entfeuchtung der Wand findet nicht statt, im Gegenteil. Ebenso findet keine Entsalzung statt, sondern es wird salziger. Und alles hat seinen Grund in den typischen Eigenschaften des Sanierputzes. Wichtig ist dabei auch, daß er mit Plastikfarben gestrichen werden muß, die die Produzenten - wenns drauf ankommt - als "Mineralfarbe" unter falscher Flagge anpreisen. Darunter staut sich sowieso alle Nässe der Welt. Eine Wiederholung meiner Themenwebseiten im Forum halte ich für nicht sachdienlich. Sie sind eigeladen, sie zu lesen. Ein Klick nur entfernt:


Die alternative Wahrheit zum Sanierputz



Lieber Kollege Fischer



Lieber Kollege Fischer, danke für die schnelle Auseinandersetzung mit meinem Beitrag. Ich habe gerade auf Ihrer Seite bei den Sanierputzen gestöbert.
Ich erkene aber immer noch keinen Widerspruch zu meinen hier gemachten Aussagen.
Ich habe nie behauptet, dass ein Sanierputz eine Wand entfeuchtet, sondern, dass die OBERFLÄCHE trockener wird als vorher.
Da man an der Oberfläche keine kapillare Wasserleitung hat (hydrophobierung), nimmt die Feuchte darunter zu. Sie sagen ja richtigerweise, die Feuchtequelle muss abgestellt werden. Danach sind bei versalzenen Mauerwerken weitere Sanlzausblühungen vorprogrammiert. Man wird wohl einige Opferputze auftragen müssen, bis diese Opferputze nicht mehr innerhalb kurzer Zeit durch Salzausblühung zerstört werden. Soviel zu Ihren Kostenvergleichen von einmaligem Kalkputz zu einmaligem Sanierputz.
Nochmal: Bei richtiger Verarbeitung ist nur der Oberputz hydrophob und nicht der gesamte Sanierputzaufbau, im Grundputz gibt es Kapillarporen.
Ein richtig aufgetragener Sanierutz behindert außerdem die Anfeuchtung der Putzoberfläche aus Kondensat im Kapillarsystem die sonst oft noch durch hygroskopische Salze verstärkt wird.
Ich habe überigens anfang 2001 einen Vortrag von Prof. Goretzki, den Sie als uneigeschränkten Gegner von Sanierputzen darstellen, besucht, dort wurde unter anderem die Wirkungsweise von Sanierputzen dargestellt und sie nicht generell als ungeeignet eingestuft.
Ich stimme Ihnen natürlich zu, dass jede Situation eine einzelne Analyse bedarf und nicht nach Schema F abgehandelt werden kann. Ich glaube aber nicht, dass Sanierputze bei richtiger Anwendung zu größeren Salzschäden führen, als ohne Sanierputzte, sondern umgekehrt.
Und mir "Dummie" mit Ihrer Antwort indirekt in den Mund zu legen ich hätte behauptet die Wand würde entfeuchtet ärgert mich. In meiner Antwort zur ursprünglichen Frage, ist dies schon angegeben.
Wenn Sanierputze von windigen Geschäftemachern falsch eingesetzt werden, können sie natürlich nicht das versprochen leisten. Ihr Großangriff gegen Sanierputze erscheint mir jedoch sehr dogmatisch und lässt m. E. genau die differenzierte und vielschichtige Beachtung des bautechnischen Themas vermissen, die Sie richtigerweise als Grundtugend der Bauwerkserhaltung hervorheben.
Jetzt noch eine Entschuldigung für die Themenabschweifung an Hr. Kegel, der ja seine ursprüngliche Frage hier beantwortet bekommen will. Ich schlage Ihnen Hr. Fischer vor dass wir unsere Diskussion in meinem Profil auf fachwerk.de oder unter einem neuen Forumsbeitrag oder aber persönlich am Telefon fortsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold
PS ich schreibe den identischen Beitrag als neue Frage ins Forum, dann kann es dort weitergehen.



Lieber Herr Kollege Arnold,



ich habe im neuen Forumsbeitrag schon geantwortet. Ebenfalls ein Pardon an den Fragesteller. Aber so geht es eben zu im Forum. Und das ist doch gut so!