Sanieren oder Neubauen? Haus BJ 1936

18.03.2008



Hallo zusammen, würde hier gerne einige Meinungen, bezüglich meines Falles bekommen. Ich habe durch Zufall diese Seite entdeckt, und sie gefiel mir auf Anhieb.

Nun zu meinem Fall. Ich habe ein altes Haus geerbt, dass im Jahre 1936 erbaut wurde. Es sei gesagt, dass es sich hierbei nicht um ein Fachwerkhaus handelt. An dieses Gebäude wurde in den 70er Jahren angebaut. Da ich in diesem Haus meine Jugend verbrachte und schöne Erinnerungen daran habe,würde ich es gerne sanieren bzw. sanieren lassen.

Der Zustand des Hauses (alter Teil)ist leider nicht so prickelnd. Es gibt nur ein streifenfundament,das wohl mit etwas weniger Zement erstellt wurde. Mit einem Schraubendreher kann ich mit mehr Kraft etwas herauskratzen. Der alte Holzboden wurde entfernt, etwas ausgehoben und mit Beton ausgegossen( der Jetzige Zustand, neuer Boden müsste gemacht werden). Die Wände bestehen im Erdgeschoss aus alten Vollziegeln mit den Maßen 25*12*5cm in Doppelreihe mit sehr großen Mörtelfugen. Ca. 1cm mit der Qualität des Fundaments.
Leider befindet sich im EG eine Innendämmung mit Heraklithplatten und Styroporkern. Dies wurde damals von meinem Großvater verwendet, da er in einem nahen Heraklithwerk arbeitete.Im OG gibt es nur eine Ziegelreihe.Auf der Doppelreihe im EG liegen Holzbalken unterschiedlicher Maße auf und ergeben dann den Holzboden (Tramlager). Diese Balken sind nicht einbetoniert oder mit irgendetwas befestigt, sondern liegen nur auf und wurden ummauert.Fertig.Ich habe diesen Boden nun entkernt, wieder mal uralte Heraklithplatten (als Füllung) entfernt, und musste nun feststelle,dass einige Balken sehr marode sind und ich den Verdacht habe, dass sich hier vor Jahrzehnten mal der Holzwurm einnistete.Auf diesem Holzboden befinden sich die obere Konstruktion des Hauses aus Holz (auch marode) , aber innerhalb der einreihigen Zieglmauer. Es ist Fachwerkähnlich, da die zwischenräume mit diesen Vollziegeln aufgefüllt wurden. Der Dachstuhl(liegt auf den Balken des Holzbodens auf) müsste auch erneuert bzw. ausgebessert werden.

Nun meine Frage. Einige Bauträger rieten mir zum Abriss. Dieses Haus habe kein Flair, die Räume sind viel zu klein und zu niedrig. Es gäbe so viele Möglichkeiten mit den heutigen Mitteln... usw.Die Sanierung würde genauso viel kosten wie ein Neubau inkl. Abriss ... .
Kann das denn wirklich sein? Das Haus ist absolut trocken.Hat keine Anzeichen von Schimmel. Da hab ich neue Häuser gesehn, die anders aussahen.Die Energiekosten halten sich auch in Grenzen.Es befindet sich ein Kachelofen im Haus, der das ganze Haus beheizt. Und das mit sehr wenig Holz bzw Briketts. Evtl möchte ich noch einen Holzvergaser mit Solar verbauen um auch den neuen Teil des Hauses zu versorgen. Kurzum ich komme im jetztigen Zustand des Hauses mit Ca 300Euro Heizkosten aus.Jährlich wohlgemerkt!Ohne Wärmedämmung und eigentlich dünnen Mauern und 30 Jahre alten Fenstern(Wohnfläche ca 120qm incl. Neubau(50qm)).Neubau unterkellert, aber ohne Deckendämmung des Kellers.Im Sommer ist es angenehm kühl im Haus.So schlecht kanns doch gar nicht sein?oder täusche ich mich da?

Was meint dieses Forum über meinen Fall?
Natürlich, es steckt eine Menge Arbeit darin es zu sanieren.Aber man könnte es Schritt für Schritt erreichen und muss nicht Haarstreubende Kredite begleichen.Sollte ich wirklich neu bauen?

Ich habe den Zustand des Hauses so gut es ging erklärt.Bin eben kein Spezialist.

Ich würde mich auf Antworten und Meinungen freuen,

Gruß Marco



Sanieren oder Neubauen? Haus BJ 1936



Hallo Herr Heigner,
Lassen Sie sich doch mal vom "Bauträger" ein Angebot für den Abriss und Neubau in gleicher Kubatur machen.

Ich rate Ihnen zu einer Sanierung:

Notsanierung , Einziehen, dann Stück für Stück Weitersanieren.

Wenn Sie nach 10 Jahren feststellen ,es hat fast soviel gekostet wie ein Neubau, haben Sie trotzdem weniger Geld ausgegeben, weil sie den Kredit nicht vom 1. Spatenstich an
bedienen mussten.

Viele Grüsse aus Nordhessen





Hallo Herr Göbel,
ich möchte mich für die schnelle Antwort bedanken.
Ein Angebot liegt bereits vor.
Neubau(bzw Anbau) 160.000 Euro
Sanierung 165.000 Euro
Eine genauere Auflistung besteht nicht,es sind wahrscheinlich nur Richtwerte oder Schätzungen.
Bei einem Neubau würden aber keine Überraschungen kommen,das ist bei einer Sanierung nie so sicher.
Die Raumaufteilung könnte auch positiver gestaltet werden.Aber ist dies immer notwendig?
Der Abriss mit Entsorgung würde nochmals geschätzt 10000 -15000 Euro kosten.
Denken Sie die Substanz kann noch verwendet werden? Die Ziegel mit diesem enormen Spaltmaß? Gibt es Probleme mit der Styroporisolierung? Habe nachgesehen, kein Schimmel hinter den Platten.
Vielen Dank im vorraus und schöne Grüsse aus Niederbayern :)

Mit freundlichen Grüssen,

Marco



Und der Wert



Hallo Marco,

schwere Frage....

Wenn Du sanierst, mußt Du mit den Gegebenheiten des derzeitigen Hauses auskommen. Willst und kannst Du das?

Wenn Du fertig bist mit allem und Dein Haus geht auf die nachfolgende Generation über, welchen Wert hat es dann?

Ich würde an Deiner Stelle lieber neu bauen.

Letzte Frage: was sagt Deine Frau?



Sanieren



Hallo Marco,
es wäre interessant, ein Foto von besagtem Objekt zu sehen.

Dennoch kann Dir keiner die Entscheidung abnehmen. Soviel kann ich aus meiner Erfahrung aber sagen: „Das lohnt sich doch gar nicht“ ist ein Spruch, den Du von 80% (schon vorsichtig geschätzt) der Standard-Handwerker hören wirst. Davon solltest Du es auf keinen Fall abhängig machen.

In Deinem Beitrag schreibst Du, dass Dir gesagt wurde „dieses Haus habe keinen Flair“. Aber für Dich hat es das doch offensichtlich – Du verbindest schöne Kindheitserinnerungen damit – ein Neubau wird dagegen lange Zeit seelenlos bleiben.

Was ich auch herauslese: eigentlich bist Du mit den Gegebenheiten nicht so unzufrieden, aber das Gequatsche der vermeintlichen Profis hat dich verunsichert.

Ich kann Dir nur raten Dich bei der IG Bauernhaus nach einem altbaukundigen Architekten/Ingenieur für eine Begehung zu erkundigen (auch wenn's bei Dir kein Bauernhaus ist ;-). Hier der Kontakt (mußt schauen welcher Ansprechpartner in Deiner Nähe ist):

http://www.igbauernhaus.de/index.php?id=23

Viel Glück, mag





Hallo

Wenn du die 10-15 000 für den Abriss auf deine Neubaukosten rechnest hast du mehr ausgegeben wie für die Sanierung. Vorteil an einen Haus in dem man bereits gelebt hat: Man kennt die "Macken" eines Hauses, also die Stellen die einen schon immer gestört haben. Es ist dann leichter diese auf seine Bedürfnisse umzustellen. Wenn man neu baut kriegt man erst im Laufe der Jahre mit welche Ecken eigentlich anders sinnvoller gewesen wären. Du magst das Haus, es hat keine nenenswerten Schäden, warum solltest du es dann abreißen? Damit ein Bauträger dir ein Standardhaus in den Garten stellt wie es zu tausenden in den Neubaugebieten herumsteht?

Nicht jeder fühlt sich in riesigen Wohnhallen wohl, auch viele kleine Räume können ihren Reiz haben. Dann hat man eben nicht ein Wohn/Ess/Kochzimmer, sondern eine Küche, ein Esszimmer, ein Lesezimmer, ein Spielzimmer, ein Kinderschlafzimmer, ein Arbeitszimmer, ein Bastelzimmer, ein Badewannenzimmer, ein Frühstückszimmer......

Platz scheint doch genug dazu sein EG/OG/DG viel mehr kann euch der Bauträger doch auch nicht bieten? :) Manchmal muss man nur auf ungeöhnliche Lösungen kommen was ein Haus nochmal charmanter macht als Küche-Wohnen-2 Kinderzimmer-Schlafzimmer-Bad.

Viel Spaß beim Entscheiden, eigentlich habe ich den Eindruck du weißt schon was du willst, traust dir aber selber nicht.

Gruß Dorothée





Hallo!

Der Preis für den Neubau in der Höhe von 160.000 Euro kommt mir extrem niedrig vor. Ich würde nicht neu bauen, vor allem wenn Du viel selber machen kannst. An der Raumaufteilung kann man durch Durchbrüche sicher einiges ändern. Mit viel Hirnschmalz lässt sich vielleicht einiges verbessern.

mfG

Christian



Sanieren oder Neubauen? Haus BJ 1936



Hallo Herr Heigner,
Die Fugenstärke von 1cm ist normal.
Wenn die Fugen "weich" ist das auch normal.
Bei einer durchgreifenden Sanierung würde ich die Styroporplatten entfernen.
Viele Grüße