Sandsteinsockel trocken legen

06.08.2018



Hallo,
wir Restaurieren gerade ein Haus von 1908 mit Sandsteinsockel und offenem Stampfkellerboden. Bei starken Regenfällen heben wir starken Wassereintrag durch die Mauerwerksfugen in den Keller, der ehemalige Mörtel ist an vielen Stellen ausgewaschen. Wir möchten gerne das Haus von außen Abdichten: Sperrputz, Bitumendick-Beschichtung und final eine Lage Noppenplane. Doch damit versigelen wir neben dem schadhaften Putz auch den Sandstein. Sollten wir besser nur die Mörtelfugen mit Sperrputz neu verfugen? Der Keller soll nicht zum Wohnraum ausgebaut werden, doch wir wollen keinen Bach mehr darin haben. Danke für die Unterstützung



Keller trockenlegen unmöglich



Wie Ihr es beschreibt, sucht Ihr nach der Quadratur des Kreises.
Wenn doch der Boden zwischen den Sandstein-Grundmauern nicht wasserdicht ist (und auch nicht werden kann), gleiucht Euer Vorhaben dem Versuch, ein Rohr (oder ein "Faß ohne Boden") in den Boden zu versenken in der Erwartung, daß sich darin keine Feuchtigkeit mehr einfinden werde.
Selbstverständlich könnt Ihr die geschilderte Außen-Beschichtung anbringen, planmäßig bis 2 oder 5 cm über die Oberkante des Außengeländes. Nützen wird das wenig. Denn das Regensser, das in Fundamenttiefe einsickert, dringt durch die offenen unteren Steinfugen einwärtes. Feuchtigkeit steigt auch durch die Kapillarwirkung der Sandsteine auf, wird den Keller weiterhin befeuchten. Daß Bäche durch den Keller ziehen, wird sich – wenn überhaupt geschehen – vermindern, aber als Holz- oder Papierlager wird der Keller nie zu gebrauchen sein, nichteinmal als Werkstatt, weil alles Werkzeug verrosten wird.
Um den Keller trocken zu bekommen, wäre ein Austausch der gesamten Grundmauern erforderlich: Fugenloser wasserdichter Beton, alle Arbeits- oder Bewegungsfugen mit Gummi-Dichtbändern.
Alternativ wäre vorstellbar, das gesamte Gemäuer freizugraben mindestens 30 cm breit bis unter die Unterkante der Fundamensteine und den Graben mit wasserdichtem Ton fugenlos und ohne Sandadern o. ä. vollzustampfen, damit eine wasserdichte Schürze entsteht, die den waagerechten Zutritt von Feuchtigkeit gegen die Sandsteinmauern sicher behindert.
Fugen im wechselnd feuchten Keller-Sockelmauerwerk dürfen NIEMALS mit Zementmörtel oder Sperrmittel gefüllt werden. Alle Fugenmaterialien müssen gleiche oder höhere Kapillarität aufweisen wie der Sandstein, weil sich sonst aufsteigende Feuchte unter und absickernde Feuchtigkeit über der Fugenmasse stauen würde und bei Frost und Sonnenglut den Stein durch Eis bzw. Dampf sprengen würde. Salopp gesagt: Fugenfüllung weicher als der Stein! – Auch wenn die Füllung nur 5 Jahre hält. Stopft Ihr da Material hnin, von dem man Euch 30 Jahre "Lebens"-Dauer verspricht, könnt Ihr nachher beobachten, daß der Sandstein sich auflöst – was irreparabel ist. Die Fugen könnt Ihr alle 10 oder 20 Jahre ernbeuern – wenn es optisch erforderlich ist.



Sandsteinsockel trocken legen



Vielen Dank für die Info. Da der Wassereintrag ausschließlich – zumindest soweit es zu erkennen ist – aus einigen Fugen deutlich über dem Boden erfolgt würde ich dennoch gerne eine Außenabdichtung versuchen. Schädige ich den Sandstein wenn ich ihn von außen her abdichte? Und wenn nein, passt eine Bitumendickbeschichtung? Welchen Mörtel würden Sie empfehlen wenn wir keinen Sperr oder Zementmörtel verwenden sollen? Wir sind etwas ratlos da die Fachberater in den Märkten und Fachgeschäften ihre Schwierigkeiten mit solch alten Häusern zu haben scheinen. Danke für Ihre Unterstützung



Sisiphosarbeit!



Lieber Bauherr!
Sie werden wenig Erfolg haben bei einem immensen Aufwand, weil Sie die Bauwerkssohle, hauptsächlich die Unterseite der untersten Lage der Sandsteinblöcke, nicht werden abdichten können. So wird immer Wasser in die Fugen hereindrücken und die Sandsteine durchnässen. Je besser und tiefer Sie die Außenabdichtung ausführen, desto weniger wird sich später die Duchfeuchtung zeigen. Trockenheit wird sich nicht einmal in einem Sommer wie diesem einstellen. Daß Bäche quer durch den Keller fließen, das wird sicherlich enden.
Mörtel für die senkrechten Fugen wäre prinzipell egal, dürfte auch Zement enthalten. Für die Lagerfugen MÜSSEN Sie weicheren Mörtel verwenden: Luftkalkmörtel, vielleicht Traßkalkmörtel.
Die Außensperre mit Bitumen-Dickbeschichtung sollte möglichst an der Unterkante der Fundamentsteine beginnen, um die senkrechten (Stoß-) Fugen zwischen den Sandsteinblöcken abzuschirmen, und knapp über dem Erdreich enden, damit möglichst große Sandsteinfläche (OHNE JEDEN ANSTRICH, OHNE DICKBESCHICHTUNG!) offen bleibt für möglichst gute, größtmögliche Dampfabgabe.



Sandsteinesockel trocken legen



Herr Lindenthal,

ganz herzlichen Dank für Ihre kompetente Unterstützung.



Prüfen



Ich würde erst mal prüfen, woher diese Bäche bei Regen kommen....in der Erde entspringt selten ein plötzlicher Bach bei Regen. Ich würde schauen, dass ich das Gelände außen so gestalte, dass Regenwasser vom Haus bereits an der Oberfläche weggeleitet wird. Vielleicht sind Regenwasserleitungen defekt....vielleicht kann man baulich einfach etwas ändern, um das Regenwasser gar nicht so dicht ans Haus gelangen zu lassen...



Sandsteinesockel trocken legen



Ja, das stimmt. Gleichwohl liegt die Grundstücksgrenze 40 cm hinter der Mauer und die Nachbarin ist in einem ALter in dem ich ihr nicht zumuten möchte ihren angrenzenden Garten und Gartenhäuschen entsprechend umzugestalten. Der Wassereintrag kommt ganz klar von dort, bei Starkregen haben wir einen richtigen See an der Hauswand



Nachbarschaft



mit 40cm ist aber auch Schachten nicht wirklich machbar :-)

Vielleicht kann man sich ja einigen und Du darfst das Gelände auch in ihrem Bereich entsprechend gestalten.
Ich würde mir zur oberirdischen Lösung des Problems Gedanken machen, anstatt unterirdisch die Folgen zu kaschieren