Sandsteinmauer nach dem Verfugen weiß

03.07.2014 Christine



Hallo liebe Fachmänner,
Nachdem ich seit Tagen in eurem Forum lese habe ich mich heute morgen dann doch endlich getraut mich hier anzumelden.
Ich bin total beeindruckt von soviel Fachwissen und Fachbegriffen was meine Hoffnung nährt, dass mir vielleicht jemand wenn nicht den entscheidenden Tip, dann doch vielleicht eine Erklärung für für mein Problem geben kann.
Als letzte Region in unserem Fachwerkhaus habe ich mir den Gewölbekeller unter der Scheune vorgenommen.
Vor etwa 15 Jahren haben wir den bröckelnden Putz abgeschlagen und die Wände mit Trockeneis abgestrahlt.
Jetzt bin ich dabei neu zu verfugen. Eine Lebensaufgabe die ich kaum schaffen werde.
Hier im Forum hab ich zunächst erfahren, dass TrassKalkMörtel falsch ist.
Also hab ich die ersten Quadratmeter, die ich bereits verfugt hatte wieder herausgekratzt bzw. herausgestemmt und geschlagen. Es sah auch einfach nicht schön aus, zu grau, zu fest und die Struktur zu fein.
Luftkalkmörtel war angesagt!
Ein sehr, sehr netter Herr Ruf hat mich zweimal geduldig beraten aber ich trau mich nicht ihn weiter zu belästigen, denn es klappt immer noch nicht.
Und hier mein Problem:
Ich kratze und fege die offenen Fugen weitestgehend frei, sprühe sie mit Wasser aus und verfülle irgendwie mit Spachtel Fugeisen und den Fingern meinen selbstgemischen Mörtel ( 3Teile gewaschenen Sand 0-2mm : 1Teil Kalkhydrat und eine winzige Menge gelbes kalkfestes Pigmentpulver)
Diese trockenen Substanzen mische ich sorgfältig mit der Kelle durch und gebe nach und nach (jetzt mit dem elektrischen Putzquirl) Wasser dazu bis ich eine etwas mehr als Erdfeuchte Konsistenz habe.
Meine Fugen trocknen zu schnell! Nach einem Tag sind sie bereits betonhart. Will ich die Fugenoberfläche modellieren und verreiben muss ich mich beeilen und nach höchstens einer Stunde bereits viel Wasser nehmen um einen schönen Anschluss an die Steine zu bekommen. Die sind dann natürlich total verschmiert und trotz intensiver und wiederholter Reinigung mit Schwamm und Wasser bleiben weiße Kalkschlieren zurück, die ich nicht mehr von den Steinen wegbekomme und die ich nicht hinnehmen will!
Wann immer ich Wasser ins Spiel bringe und zu nah an die Fugen komme setzt sich erneut Kalk ab.
Was ist da los?
Ich habe voller Frust alle Arbeiten eingestellt.
Gruß Christine



Verfugung



Mit Brett und Fugeisen arbeiten und die Steinoberflächen nicht verschmieren. Falls doch was daneben geht nach dem Trocknen (wenn es weiß wird) mit einem Stück zusammengeknülltem Papiersack vom Kalkhydrat die Stellen abputzen. Das geht nur wenn die Steinoberfläche nicht zu rauh ist. In dem Fall mit einer Wurzelbürste oder einer Drahtbürste versuchen den Rest vorsichtig abzukriegen.
Ich empfehle Ihnen mit Schlämmputz zu arbeiten, das ist authentischer und entspricht der damals üblichen Bauweise.
Tiefe Fugen vorher auffüllen, anschließend mit dünnflüssigem Mörtel anwerfen, mit dem Kellenrücken abstreichen und nach dem Antrocknen mit dem Annetzer verwaschen. Nach dem erneuten Antrocknen mit Weißkalkschlämpe streichen.



Verfugung



Hallo Herr Böttcher,
Zunächst einmal vielen Dank für ihre Antwort und ihre Ratschläge.
Ich habe auf ihrer Homepage gestöbert und weitere interessante Einsichten gewonnen.
Das, was ich gerade in meinem Keller treibe ist wohl irgendwie gegen die Natur. Diese Mauern aus Natursteinen wollten nie freigelegt , bestrahlt, behämmert, bekratzt bespritzt und vollkommen nackt gemacht werden um sie nie wieder angemessen anzuziehen.
Sie wehren sich und das mit Recht.
Ihr Job war es Rüben, Kraut und Kartoffeln vor Frost und Fäulnis zu schützen und das taten sie über Jahrhunderte hervorragend.
Ich habe ihre " nackte Schönheit " jetzt über viele Jahre bewundern dürfen, doch ich neige mittlerweile dazu, ihnen wieder ein Kleid anzuziehen.
Zu gegebener Zeit, das bedeutet wenn ich auch meinen Mann überzeugt habe, werde ich mich vertrauensvoll an sie wenden und mir erklären lassen aus welchem Material das neue Kleid bestehen könnte.
Eine mit Kalkschlämme gestrichene Natursteinwand sieht sehr schön aus!
Gruß Christine