Sandsteinfundament neu verfugen / abdichten ?

31.05.2016 DanielT



Hallo Forengemeinde,

bei dem gestrigen Starkregen in unserer Region musste ich feststellen, dass unsere Kellerwand etwas löcherig ist und Wasser von außen durch die Fugen tritt, man konnte es schon fast als Wasserfall bezeichnen :D

Das Haus ist von 1895, die Kellerwände sind aus Gründsandstein, Dicke ca. 60cm. Zur Vorderseite ist der Kellerboden ebenerdig zur Rückseite steigt das umgebende Niveau auf Höhe Boden EG an, somit hat der Keller Rückseitig Erdberührung. Das Haus wurde vor 8-9 Jahren saniert, ich nehme an dass der jetzige Kellerboden auch damals neu gemacht wurde. Die Wände wurden nur geweißelt.
Laut Vorbesitzer wurde eine Drainage eingezogen, ein Rohr kann ich auch sehen, alledings war das Oberflächenwasser wohl so viel auf einmal, dass dies gar nicht so schnell in die Drainage sickern konnte. An der Außenwand sind teilweise Styroporplatten gelegt

Ich hatte überlegt zunächst die Fugen des Fundamentes von innen nach und nach neu zu machen auch um der Wand etwas mehr Stabilität zu geben bevor ich von außen die Wand nach und nach freilege.
Vorgehen:
Mit einer Mauernutfräse nach und nach die alten Fugen bis ca. 10cm Tiefe und 1cm Breite heraustrennen und neu Fugen. Welches Material nimmt man am besten zum Verfugen?

Dann würde ich gerne die Wände wieder von der weißen Farbe befreien, kann man das mit einer Drahtbürste machen oder gibt es eine schondendere Methode?
Von außen würde ich (später) gerne die Wand Freilegen und ebenfalls neu verfugen. Was mir einbisschen Magenschmerzen bereitet ist die Statik. Das Haus steht so wahrscheinlich seit seinem ersten Tag, wenn ich jetzt die Wände auf der Rückseite freilege, kann da irgendetwas passieren?
(Auß diesem Grund wollte ich auch erst die Fugen auf der Innenseite machen)

Zu meinem technischen Background:
Ich bin Elektroingenieur, habe also absolut keine Ahnung von der Materie :D Handwerklich gesehen würde ich mich bei den "oberen 10%" einordnen, ich würde also alles in Eigenleistung machen. Meine Vorstellungskraft bzgl. technischer Belange ist sehr groß, es darf also auch "scharf geschossen" werden...

Über Anregungen und Anmerkungen freue ich mich sehr!
Vorab vielen Dank!
Grüße
Daniel



Kellerabdichtung



Da sind sehr viele Wenns und Aber in Ihrer Fragestellung was die Ausführung der Dränanlage durch Ihren Vorgänger betrifft.
Normalerweise müsste die hangseitig etwa auf Höhe des Kellerfußbodens bzw. etwas darunter liegen, nicht aus einem gewellten, flexiblen Rohr bestehen, außen einen abgestuften Mantel aus Filterkies haben und in einen Übergabeschacht einbinden. An Gebäudeecken sollten Spülschächte liegen. Vom Übergabeschacht sollte eine Übergabeleitung in die kommunale Vorflut führen.
Die Dränanlage sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Bedarf gewartet werden.
Beim Einbau der Dränanlage sollte die Außenwand eine Abdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit erhalten haben.
Soweit der Sollzustand.
Wie der Istzustand ist kann ich nicht einschätzen.
Aber: Selbst bei korrekter Ausführung kann so eine Anlage versagen wenn der Wasseranfall schlichtweg zu hoch ist. Dann läuft die verfüllte Baugrube voll und hydrostatischer Druck baut sich auf. Das kann noch durch Rückstau aus der Vorflut verstärkt werden, auch Regenwassersammler haben ihre Grenzen. Dann drückt es aus dem Sammler in die Dränleitung.
Eines fehlt jedenfalls: Die senkrechte Abdichtung. Das Wasser durch die Fugen dringt wäre dann nicht passiert, jedenfalls nicht in dem Ausmaß.
Wasser kann auch über den Fußboden eindringen. Selbst wenn der wasserdicht ist kann hydrostatischer Druck den Fußboden anheben bzw. aufwölben bis er bricht und Wasser strömt ein. Das passiert wenn der Bodenaufbau zu schwach ausgelegt ist.
Sie sollten zuerst die Dränanlage auf ihre Vollständigkeit hin kontrollieren und spülen. Zusätzlich ist bei Ihnen eine oberirdische, hangseitig gelegene Entwässerungsmulde vorteilhaft die bei großen Wassermengen eine Entlastung bringt.
Die Idee mit dem Fugen ausräumen und auffüllen kann funktionieren wenn Ihr Kellermauerwerk aus sauber gefügten Quadern mit regelmäßigem Fugenbild besteht. 10 cm Tiefe halte ich für nicht praktikabel, es reichen auch ca. 5 Zentimeter. Die leergeräumten Fugen ausblasen, mit Sprühflasche Grundieren (Materialsysteme finden Sie bei Markenherstelllern wie Remmers, Webac, Sto usw.)und mit Dichtmörtel ausstopfen. Danach die Oberflächen glatt Streichen und frisch in frisch mit einer mineralischen Dichtschlämme überstreichen.
Falls die Dränung fehlerhaft verbaut wurde sollten Sie als Radikallösung über deren fachgerechte Erneuerung nachdenken.





Hallo Herr Böttcher,

zunächst möchte ich mich für meine späte Antwort entschuldigen. Vielen Dank für Ihre sehr ausführliche Antwort! Ich denke dass es hier keine Drainage wie von Ihnen beschrieben gibt, ich sehe keinerlei Spülschächte, lediglich ein Rohr das waagerecht neben dem Haus aus dem davorliegenden Blumenbeet kommt. Dieses Rohr liegt auf ca. 30cm unterhalb der Kellerdecke.

Ich habe mal eine kleine Skizze angefertigt, dort sieht man dass auf der Rückseite noch eine kleine Mauer steht, die das Wasser welches sich im Boden in Richtung Kellerfenster sammelt davor hindert abzufließen. Ich denke ich werde als ersten Schritt eine 100er Kernbohrung so tief wie möglich in diese Mauer machen, sodass das Wasser dann dadurch neben dem Haus abfließen kann. Die Mauer stützt auch nur das Beet.
Als zweiten Schritt werde ich dann die Fugen neu machen, danke für den Tip mit den verschiedenen Herstellern. Und im letzten Durchgang wird es dann von außen eine vernünftige Drainage geben, das mache ich aber erst zum Herbst hin weil ich dazu die Terrasse unserer Mieter "hochnehmen" muss.

Vielen Dank und beste Grüße!
Daniel